06:15 Ich könne ausschlafen. Könnte. Mein Mann ist auf Dienstreise. Ich hab um 15 Uhr Dienstbeginn. Allerdings kotzt unser Rüde in meine Schuhe. Nicht in den Garten, nicht auf die Fliesen im Flur. Nein. IN meine Sneakers, die ich gestern schlampig von den Füßen getreten habe. Und auch noch auf den Vorlegeteppich (Stil: Tierfellimitat. Langhaarig).
07:30: teppich gewaschen und im Garten aufgehängt. Schuhe hängen daneben.
Beim Rückweg zur Terrasse ruft mein Mann an. Er geht gerade zum Frühstück und anschließend fangen die ersten Vorträge bei dem Kongress an, bei dem er gerade ist. Ich will ihn gerade nach den Themen fragen, als ein Schmerz von meiner Sohle in die Schädeldecke schießt.
Ich habe den fehlenden Splitter jener Bieflasche gefunden, die ein Gast beim Geburtagsfest im Herbst zerbrochen hat. Hurra für mich!
Mein Mann kommentierte diese Tatsache mit den Worten „Großer Arzt – heile dich selbst!“ Klar, dass er als alter Trekkie den Spruch anbringen musste. Ich wette, er hat Jahre auf diese Gelegenheit gewartet. Warum noch mal haben wir geheiratet?
09:00 ich bin verarztet. Habe einen Kaffee und setze mich an den Schreibtisch, um mit dem Schreiben anzufangen. Unser Rüde hat Frühlingsgefühle und versucht diese, mangels einer Hündin, an meinem Bein auszuleben. Ich muss ihn leider wegtreten, denn er ist hartnäckig und hört auf nichts. Danach sitzt er neben mir und leckt sich seine … ich sehe ihm kurz zu und bin ob dieser Fähigkeit doch ein wenig neidisch. Zumal mein Mann erst in 4 Tagen heimkommt.
09:05 Mein diensthabender Arzt ruft an und teilt mir mit, dass er eine Gastroenteritis hat. Er hat nicht diesen Terminus benutzt sondern eher etwas in der Form von „Ich kotz und sch… mich gleichzeitig an“. Ich muss dringend mit ihm über den korrekten Gebrauch medizinischer Fachausdrücke sprechen. Nutzt nichts - muss für ihn einspringen. Statt von 15 bis 23 Uhr hab ich von jetzt bis 23 Uhr Dienst. Nochmal: HURRA FÜR MICH!
10:00 Eintreffen im Leistungszentrum
Ich habe vergessen, das heute 6 unserer Schützlinge ihren jährlichen Gesundheitscheck und Leistungstest haben. Man möchte manchmal nur heulen.
18:00 Erste pause. Hunger. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Undisziplinierte Bande. Einige haben Blutwerte, als hätten sie sich die letzten Wochen ausschließlich von Schweinbäuchen ernährt. Zwei haben nachweisbar THC intus. Der Coach wird sich freuen. Ob der Satz „Töte nicht den Boten für die Botschaft“ mich retten kann?
Wenn mich der Coach umbringt, buddelt mein Mann mich aus, nur um mich nochmal umzubringen, weil ich ihn verlassen habe.
19:00 Freundschaftsspiel unserer u-19 gegen die u-19 eines befreundeten Klubs.
Dienst an der Bande. Es hat ihnen niemand gesagt, dass es hier um ein faires Spiel geht. Was ich sehe, erinnert an „der Herr der Fliegen“. Eine Platzwunde, eine gebrochene Nase. 2 geprellte Rippen (an zwei Spielern) und zum krönenden Abschluss: eine offene Ellenfraktur. Ein Spieler kotzt fast in die Wunde, bevor ich ihn unsanft wegreiße. Notfallversorgung, Ambulanz, Uniklinikum, OP. Versuch eines halbwegs sachlichen Gesprächs mit den Eltern (Zähne ziehen lassen ist angenehmer. Ohne Betäubung.).
00:15 Zu Hause. Hund hat in den Flur geschissen. Trotz Hundeklappe. Würde mein Mann ihn vermissen, wenn er heimkommt?
6 entgangene Anrufe meiner besten Hälfte. Ich schicke ihm eine kurze Nachricht. „Bin tot. Wünsche mir eine Einäscherung. Streut meine Asche vor dem nächsten Meisterschaftsfinale auf dem Eis aus.“
Prompte Antwort: „Reicht auch unsere Einfahrt bei Glatteis?“
Er weiß, dass ich manchmal zur Dramatik neige. Nimmt solche Ausbrüche nicht sonderlich ernst.
Wir telefonieren noch eine halbe Stunde. Lachen viel.
01:00 ich falle ins Bett. Der Hund neben mir.
„Wenn du wieder auf mir aufreitest, bist du sowas von tot“ murmle ich. Er winselt und legt sich mit seinem Kopf zu meinem Kopf. Gute Nacht Stinker.
Fortschritt bei meinem Projekt: 0