Hier habe ich einen zufälligen Szenenschnippsel aus meiner Geschichte. Ein erster Entwurf, ganz grob redigiert. Damit ich ein Gespür entwickle, wie ihr mit fremden Texten umgeht, und ich mit Feedback.
Dazu eine adhoc formulierte Prämisse: Eine junge Frau wird zum Tode verurteilt und erlebt nach ihrer Hinrichtung, daß alles, was sie über den Tod und die Toten zu wissen geglaubt hat, in ein anderes Licht rückt.
Ein paar Hintergrundinfos: Wir befinden uns in einem mittelalterlichen Fantasy Setting. Elaris ist 22 Jahre jung, Tochter eines Totengräbers und dessen Frau. Der Beruf des Totengräbers war im Mittelalter nicht nur nicht sehr hoch angesehen, sondern mit Aberglauben und vielen Vorurteilen behaftet. Elaris hatte bisher, außer zu ihren Eltern, keinen oder kaum Kontakt zu anderen Menschen. Elaris’ Eltern haben ihr einen respekt- und würdevollen Umgang mit dem Tod und den Toten beigebracht. Obwohl alleine aufgewachsen, ist sie in ihrer Grundhaltung neugierig, leichtherzig und offen. Überdies: „Nun“, meinte Matti und bließ eine Rauchwolke zur Decke. „Wenn sich Elaris etwas in den Kopf gesetzt hat, dann ist sie nicht so leicht wieder davon abzubringen.“ In der Szene folgen wir Elaris bei einem Einbruch, bei dem es ihr darum geht, ein (lebens-)wichtiges Objekt zu erlangen. Dabei kommt es zu einer folgenschweren Entwicklung. Ich frage bewußt nicht „Wie findet ihr den Stil? Würdet ihr wissen wollen, was davor/danach passiert ist?“
Frisch von der Leber weg, was kommt euch in den Sinn?
Danke schon jetzt für die Zeit, die ihr euch zum Lesen nehmt, und Eure Gedanken dazu. Die Zeilen vor der Trennlinie gehören zur vorigen Szene und sollen Euch den Einstieg und Übergang erleichtern.
Elaris schob sich auf dem Hosenboden durch die Öffnung. Mit einer Hand hielt sie sich an dem Brett fest, während sie mit der anderen Hand die Klappe hinter sich schloß.
Sie rutschte mit angezogenen Beinen in die Dunkelheit.
Dann war das Brett zu Ende. Elaris zappelte mit den Beinen in der Luft, verlor den Halt und stürzte in die Tiefe.
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„Uff“, entfuhr es Elaris. Sie schlug sich die Hand vor den Mund und lauschte. Um sie herum war es stockdunkel. Sie befühlte den Haufen, der ihren Sturz gestoppt hatte. Kartoffeln. Feuchter Kellergeruch kroch in ihre Nase.
Elaris rutschte von dem Haufen herunter. Ein paar Kartoffeln kullerten über den Boden. Ansonsten war es still. Elaris versuchte sich in der Finsternis zu orientieren. Gar nicht so einfach. Überhaupt nicht einfach. Sie kroch auf allen Vieren, eine Hand nach vorne gestreckt, bis sie eine Wand erreichte, die sich kühl und glatt anfühlte. Elaris tastete in der Dunkelheit umher.
Sie erhob sich und hielt dabei schützend die Hand über ihren Kopf.
Über Elaris quietschte und rumpelte es. Ein greller Lichstrahl ließ Staub aufglitzern und Elaris die Augen zukneifen. Sie schob die Hand vors Gesicht.
„Wer ist das? Was hast Du hier zu suchen?“
Elaris stand stocksteif. Ihr Herz hämmerte.
„Bleib schön da wo ich dich sehe.“
Der Lichtstrahl wanderte abwärts. Elaris erkannte zwischen zwei Fingern die Silhoutte einer Frau, die durch eine Luke eine Holzleiter heruntergestiegen kam.
„Nimm die Hand runter. Zeig’ mir dein Gesicht. Ich warne dich!“
Elaris ließ die Hand sinken. Licht biß und brachte ihre Augen zum Tränen.
„Donnerwetter! Bist du nicht die Tochter des Totengräbers?“ Die Frau hatte den Kellerboden erreicht. „Du wirst dem Büttel einiges zu erklären haben.“
„Ich…“
Die Frau schwenkte im Zwielicht eine armlange Holzlatte.
Elaris wich zurück.
„Es tut mir… ich wollte nur…“
„Ist mir einerlei was du wolltest. Ist noch wer hier unten?“ Alarmiert ließ die Frau den Strahl der Blendlaterne durch den Kellerraum geistern und hob ihre Holzlatte.
Elaris sah die Leiter im Laternenlicht.
Sie sprang darauf zu. Die Frau schrie auf, als Elaris gegen sie prallte. Der Lichtstrahl bohrte sich in die Decke. Die Latte fiel klappernd zu Boden.
Elaris griff nach der Leiter, floh hinauf. Rutschte von einer Sproße. Kletterte weiter. Griff nach dem Rand der Luke.
Eine Hand klammerte sich um ihren Knöchel. Dann eine zweite. Elaris zappelte, trat nach unten, versuchte dem Klammergriff entkommen. Sie verlor den Halt.
Stürzte rücklings von der Leiter. Gegen einen Körper. Ein Lichtstrahl schnitt durch den Keller. Ein Schrei. Ein dumpfer Schlag.
Elaris lag schweratmend auf dem Rücken.
Und auf etwas Weichem.
Sie rollte herunter, rappelte sich auf. Staub funkelte im Strahl der Blendlaterne. Der Raum drehte sich ein wenig.
Die Frau.
„Hallo?“
Eine Kartoffel kullerte über den Boden.
Elaris griff nach der Blendlaterne. „Das wollte ich nicht. Habe ich dir wehgetan?“
Sie öffnete den Schirm der Laterne, stellte sie auf den Boden und kniete sich neben die Frau. Berührte sie an der Schulter. „Ich… äh… ist alles in Ordnung?“
Sie legte ihre Hand auf die Wange der Frau und drehte ihren Kopf sanft zu sich herum. Ein junges Gesicht. Sie ist in meinem Alter. Elaris sah Blutfäden, die der Frau am Boden aus Mund und Nase rannen. Übelkeit stieg in ihr auf.
Elaris wich zurück und würgte. Kroch zurück und hielt einen Finger unter die Nase der jungen Frau. Oh bitte bitte, nur ein winziger Lufthauch. Kein Lufthauch. Sie griff nach dem Handgelenk. Kein Pochen. Sie legte ihr Ohr auf die Brust der anderen Frau. Kein Herzschlag. Elaris ließ sich auf ihre Fersen sinken. Ihre Schultern gaben nach.
Eine Träne fiel auf die Wange der jungen Frau.
Elaris erhob sich und griff nach der Leiter.
„Es tut mir so leid.“