Werewolf Diaries - Kinder der Wildnis - Band I

Anbei mein erstes Kapitel des neuen Buchprojekts „Werwolf Diaries - Kinder der Wildnis (Band I)“. Über Feedback würde ich mich sehr freuen!

Gruß

Super Girl

Unterwegs auf vier Pfoten (Kapitel 1)

Rizzeling, 6. August 2014.

„Liebes Tagebuch,

ich schreibe dir, weil ich es nicht aushalten kann, alle Geschehnisse des Tages für mich zu behalten. Heute war mein großer Tag. Mein erster runder Geburtstag. Dazu musst du wissen, dass Werwölfe sehr alt werden können. Ein gutes Beispiel dafür ist meine Urgroßmutter Dunja. Sie zählt bereits 115 Jahre und ist deshalb die Älteste in unserer Familie.

Selbstverständlich müssen wir unsere Beute jagen, bevor wir diese verzehren können. Ich selbst durfte schon einige Male mit auf die Jagd gehen, aber nur zum Zusehen. Dieser Geburtstag war für mich deswegen etwas ganz Besonderes, weil ich zum ersten Mal selber jagen durfte. Meine Urgroßmutter hatte mir zuvor ein paar Tipps gegeben. Unser Wolfsrudel bestand aus insgesamt 22 Mitgliedern. Die anderen Werwölfe jagten immer im Rudel, das wusste ich aus vorangegangenen Beutezügen.

Die Jagdgesellschaft an meinem Geburtstag bestand aus einem Dutzend Werwölfen, denn die übrigen unserer Familie mussten unser Revier bewachen. Rizzeling war zwar kein besonders großes Revier, in dem es nichts Wertvolles zu erbeuten gab. Aber ich wusste von meinen Großeltern, dass es früher gelegentlich zu Revierstreitigkeiten unter Werwölfen gekommen war.
Doch bei meiner Geburtstagsjagd war nichts dergleichen vorgefallen. Zuerst sollte ich mich von meiner Menschengestalt in die Wolfsgestalt verwandeln. Leider wollte es mir nicht gelingen.

„Was ist denn los mit dir, Ronja-Schatz? Du machst das doch nicht zum ersten Mal. Muss ich mir jetzt Sorgen um dich machen?“, erkundigte sich meine Mutter bei mir.
„Natürlich nicht. Aber ich muss gestehen, dass mir bisher nur Verwandlungen bei Mondlicht gelungen sind. Ich kann das nicht auf Kommando und schon gar nicht bei Tag. Das ist traurig, aber wahr“.
„Ronja traut sich nicht, Ronja traut sich nicht!“, rief dazu mein drei Jahre jüngerer Bruder Ronnie.
„Und ob ich mich traue. Du wirst dich schon noch wundern, wenn ich als Wölfin vor dir stehe!“

Ich konzentrierte mich, ignorierte die Worte meines Bruders und stellte mir im Geiste die Zielform meiner Verwandlung vor. So wie ich es an der Werwolfschule gelernt hatte. Wieder passierte nichts. Es stimmte leider. Ich hatte noch nie zuvor mitten am Tag gejagt!

Meine Cousine Rebecca, die mitgekommen war, lachte mich aus. Mein älterer Cousin Robin stand bereits als fertig verwandelter Wolf da. Er konnte es kaum erwarten, endlich auf die Jagd zu gehen.
„Nun macht es nicht noch schlimmer, als es eh schon ist“, ermahnte meine Mutter die anderen.
„Genau, lasst Ronja in Ruhe! Sie braucht heute eben etwas länger. Das ist kein Grund sie auszulachen!“ Dieser Kommentar kam von meiner älteren Schwester Ravenia-Loreen. Insgeheim war ich sehr dankbar dafür, dass sie mir beistand. Rave hatte schon immer einen guten Gerechtigkeitssinn gehabt. So wie auch an diesem Tag.

Erst nach einer gefühlten Ewigkeit und nachdem sich die Sonne hinter einige Regenwolken geschoben hatte, gelang mir schließlich die geforderte Verwandlung. Mein Vater gab mir nun telepathisch - also mit der Kraft seiner Gedanken - weitere Anweisungen. „Sehr gut, meine Liebe. Heute ist dein großer Tag. Lass die anderen Kinder ruhig reden und dir deinen Geburtstag von niemandem verderben. Nimm nun deine erste Fährte auf.
Na komm, trau dich. Du hast schon oft genug zugesehen, da wird das doch ein Kinderspiel für dich sein, oder?“
Ich gab ein leises Knurren von mir. Denn mir missfiel, wie alle anderen an mir zweifelten.

Dicke Regentropfen prasselten auf den Erdboden. Dies erschwerte mir, eine entsprechende Fährte aufzunehmen. Denn es waren zu viele andere Gerüche in der Luft. „Komm schon, Ronja, du schaffst das!“, versuchte meine große Schwester mir Mut zu machen. Auch sie stand als verwandelter Wolf neben mir und sprach telepathisch an mich gewandt.

Doch die Aufregung ließ mich fast alles vergessen, was ich bereits in der Werwolfschule gelernt hatte. Ich ging ein paar Schritte nach Südosten. Die Älteren aus meiner Jagdgesellschaft machten mir bereitwillig Platz. Nur Robin, ebenfalls in Wolfgestalt, versperrte mir den Weg. „Robin, geh beiseite! Versau mir nicht meinen ersten Jagd-Tag!“, funkte ich ihn per Gedankenkraft an.
„Du fängst ja doch nichts. Wie in der Schule beim Üben. Da hast du nicht mal eine Maus erbeutet!“
Eine Träne kullerte mir aus den Augen.
„Robin! Du bist gemein!“ Diese Worte kamen von meinem Vater, der die Gedanken anderer Wölfe hören konnte.

Das brachte mich auf eine Idee. Ich tastete mit meinem Geist nach einer potenziellen Beute. Tatsächlich klappte dieser Trick beim insgesamt dritten Anlauf. Ich gab den anderen gegenüber vor, weiterhin mit der Nase eine Fährte zu wittern. Doch in Wirklichkeit benutzte ich die telepathische Methode, um schneller und erfolgreicher zu sein.

Ich hatte dieses Mal Glück und konnte ein Wildschwein mit meinem Geist ertasten. Es war ein altes, gebrechliches Tier. Ich konnte deutlich spüren, dass nicht mehr viel Lebenskraft in ihm war. So stand mein Entschluss fest, ich würde es jagen und mit meiner Familie fressen.

Nun machte sich langsam der Hunger bemerkbar. Mein Magen knurrte so laut, dass ich Angst hatte, die anderen könnten es hören. Ich hatte große Mühe, Robin und Rebecca zu ignorieren, die sich weiterhin über mich lustig machten. Ich befahl den beiden via Telepathie sofort leise zu sein, damit sie meine Beute nicht durch ihr Wolfsheulen vertrieben.
„Ich habe einen dicken Keiler gewittert. Der reicht für die ganze Familie, aber nur wenn ich in der Laune bin, mit euch Nervensägen zu teilen“, erwiderte ich, zuerst an Robin, dann an Rebecca gewandt. Augenblicklich verstummten meine frechen Verwandten. Und ich gab meinen Eltern, die ich ebenfalls telepathisch einweihte, das Zeichen für einen Angriff aus dem Hinterhalt.

Wir umkreisten zu zwölft das Gebüsch, in dem sich der Keiler versteckt hatte. Er gab wehklagende Laute von sich. Irgendwie tat mir das arme Tier sogar leid. Doch mein Wolfsinstinkt sagte mir, dass es für alle das Beste war, den Keiler von seinem Leiden zu erlösen. So schlich ich mich, wie in der Werwolfschule gelernt, lautlos an das Wildschwein an. Dann sprang ich aus meinem Versteck hervor. Mit einem gezielten Biss in den Nacken erledigte ich den Rest.

Meine Eltern teilten mir telepathisch mit, dass sie sehr stolz auf mich waren. Allerdings war der Keiler zu schwer, um ihn in Wolfsgestalt mitzuschleppen. So verwandelte ich mich als Erste zurück, als die Sonne hinter den Regenwolken hervor spitzte. Meine Kleider waren pitschnass, aber ich strahlte über das ganze Gesicht. Ich hatte meine erste Jagd absolviert und das an meinem 10. Geburtstag!

Später feierten wir meinen Jagderfolg und die damit verbundene Geburtstagsparty. Wir brutzelten den Keiler am Lagerfeuer. Nur widerwillig gab ich Robin und Rebecca ein Stück vom Wildschweinfleisch ab. Tante Richeline hatte mit ihren Kindern geschimpft. Damit sie mich in Zukunft in Ruhe lassen. Ach ja, bevor ich es vergesse, meine Urgroßmutter schenkte mir ein Tagebuch in Ledereinband. Das Tagebuch, in das ich fortan viel hineinschreiben werde!

Deine Ronja-Lupina Aschenhaar!“

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Hey, ich finde es eine interessante Idee, einiges als Tagebucheinträge zu schreiben. In der Szenerie beginnt man, die Charaktere kennen zu lernen und es deuten sich Konflikte mit den Verwandeten an.
:+1:
Wie alt soll denn deine Leserschaft etwa sein? Je nach dem ändert sich natürlich auch das Feedback.
Ich habe mal ein paar Dinge aufgelistet, die mir so auffallen. Wie immer: subjektive Meinung

Das Tagebuch kann nicht denken. Außer es ist magisch.

Deshalb war dieser Geb. etwas ganz Besonderes für mich.

Beutezug als Synonym für Jagt? Ausserdem ist es irrelevant woher sie das weiß. Man kann es sich denken. Außer du möchtest durch diesen Satz betonen, wie jung Ronja ist.

Vllt eher Jagtrudel. Bei Jagtgesellschaft muss ich an einen König o.ä denken

evt nicht zeitgemäß

Fände ich in wörtlicher Rede besser. Das sorgt für mehr Mitgefühl beim Lesen und wirkt lebendig.

jemals eine Zehnjährige das Wort sagen hören?

evt nicht zeitgemäß. Außerdem feiern Zehnjährige (Menschen!) keine Partys. Sie feiern vllt ja, aber unter Party verstehe ich etwas etwas ein wenig anderes.
Weshalb ist der Text in Anführungszeichen? Tagebücher sind geschrieben. Oder ließt sie es jmd vor?
Es klingt hier für mich so, als ob sie die Schule schon abgeschlossen hätte. Mit zehn halte ich das aber für unwahrscheinlich (aber das kommt natürlich auf deine Regeln an)
Außerdem kann sie für eine Zehnjährige krass gut schreiben. Ist sie irgendwie Inselbegabt oder so?

LG Sion

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Zunächst einmal schön, dass Du noch am Schreiben bist! Auch Deinen Themen bleibst Du ja treu.
Nun meine Eindrücke und vielleicht etwas ungewohnt harte Kritik. Alles hiervon ist hilfreich gemeint! Nur Lob bringt Dich ja nicht weiter…

Erzähltechnisch ist vieles leider inkonsequent. Sion hat das gut dargestellt.
Wem erzählt Ronja das alles - es beginnt mit „Liebes Tagebuch“ und hört auf mit „ein Tagebuch geschenkt, in das ich fortan…“?

Die Erklärungen am Anfang „dazu muss man wissen, das WW sehr alt werden“, ergeben keinen Sinn, wenn ich das einem Tagebuch anvertraue und nicht einer völlig anderen Art erkläre. Wenn ich Bestandteil einer „Rasse, Klasse, …“ bin, nehme ich mich als normal wahr. Erklärungen sind nur dann nötig, wenn ich vergleichen muss. Und dann würde ich nicht mein Leben als lang, sondern eher die anderen als kurz empfinden.
Ich würde ja auch nicht in ein Tagebuch schreiben. „Ich bin Micha und knapp über 50. Dazu muss man wissen, dass Männer heute ca 85 Jahre alt werden. Ausserdem muss ich arbeiten gehen, weil wir Geld brauchen, um Essen zu kaufen.“ Das sind unnötige Infos, die man so nicht schreibt.

Und jetzt etwas, das vielleicht gemein klingt.
Sorry, ich kann keinen Unterschied zu Deiner Vampirstory erkennen. Inhaltlich ja, aber erzähltechnisch klingt es -inklusive Perspektive- total gleich. Die Vampire fand ich stark und unterhaltsam! Jetzt der Switch zu WW ist ok, aber da würde ich zumindest die Erzählperspektive wechseln…

Auch das „Familienleben“ der WW ist mir zu sehr an das der Vampire gelehnt. Eigentlich sind alles normale Familien - außer, dass sie „Kreaturen“ sind. Das Ungezähmte fehlt mir etwas. Die Schule, die anderen Kinder… bis zum Grillfest…
Irgendwie zu wenig Kanten und Ecken. Es hebt sich nicht von den Vampiren ab. Wenn dann „nur“ Werwolfjäger als Feinde geplant sind, wird es inhaltlich schnell langweilig.

Ich hoffe, dass Du diese Art der ehrlichen Kritik nicht krumm nimmst. Du kannst da echt mehr rausholen, weil Du von Deiner Fantasie das Zeug dazu hast. Werde etwas mutiger, probiere aus, komm nicht zu schnell in feste Fahrwasser, was Deinen Erzählstil angeht!

Liebe Grüße,

m.

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Da kann ich dir nur zustimmen Michel.

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Vielen Dank für euer Feedback. Ich werde mal schauen, was ich noch ändern / verbessern kann.

Gruß

Super Girl

PS: Ich bin noch am überlegen, ob ich die Werwolfgeschichte mehr für Kinder/Jugendliche schreibe. Und deswegen nicht zu brutal mache.
Es reicht ja schon, dass Sha’Reds Familie stirbt (bei den Vampiren).
Außerdem werde zu den „Werewolf Diaries“ noch einen Band II schreiben.
Das komplette Werwolfprojekt ist aber eigentlich erst für nächstes Jahr gedacht,
damit ich mich dieses Jahr mehr auf die Vampire konzentrieren kann. Mich würde nur allgemein mal interessieren, was ihr von meiner „Werwolf-Idee“ haltet.

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Nachtrag: Anbei noch mal den Anfang von Kapitel I in leicht verbesserter Form.

Gruß

Super Girl

Liebes Tagebuch,

ich schreibe dir, weil ich es nicht aushalten kann, alle Geschehnisse des Tages für mich zu behalten. Heute war mein großer Tag. Mein erster runder Geburtstag. Ich will eines Tages genauso alt werden wie meine Oma Dunja. Sie zählt bereits 115 Jahre und ist deshalb die Älteste in unserer Familie.

Natürlich müssen wir unsere Beute jagen, bevor wir diese verzehren können. Ich selbst durfte schon einige Male mit auf die Jagd gehen, aber nur zum Zusehen. Dieser Geburtstag war für mich deshalb etwas ganz Besonderes, weil ich zum ersten Mal selber jagen durfte. Oma Dunja hatte mir zuvor ein paar Tipps gegeben. Zum Beispiel immer nur im Rudel zu jagen, das sei für unsere Art sicherer als alleine herumzustromern.

usw.

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Den Satz würde ich streichen, man muss wirklich nicht erklären, warum jemand in sein Tagebuch schreibt.

Klingt als Lebenswunsch für einen Teenager (?) etwas eigenartig und wäre vielleicht nicht unbedingt das, was man ganz am Anfang in sein Tagebuch schreibt. Diesen Satz fände ich auch viel sinnvoller, wenn es um den Geburtstag der Großmutter gehen würde, für das junge Mädchen passt er in dieser Situation nicht so richtig.
Eines Tages wird sie dieses Alter, sofern sie nicht vorher stirbt, sowieso und von ganz alleine erreichen, man braucht es eigentlich nicht extra zu betonen. ‚Eines Tages möchte ich …‘ impliziert mehr ein Ziel, für das man sich selbst anstrengen und etwas dafür tun muss.

Das ‚deshalb‘ würde ich streichen.

‚Beute‘ muss immer erjagt werden, es ist auch klar, dass Familie Werwolf sie nicht im Supermarkt einkauft :wink:

Dass ein völliger Neuling nicht alleine loszieht, sondern im Rudel zu bleiben hat, ist eigentlich selbstverständlich. Das würde ich nicht als Tip, sondern als klare Anweisung betrachten.

Ich finde es so viel flüssiger und „gefälliger“!
Deutlich besser auch im Lesefluss.

Spielt die Geschichte in der Gegenwart? Wenn ja, würde ich noch mal verstärkt auf die Sprache achten (wurde oben schon mal angemerkt von Sion). „Zählt xy Jahre“ und „verzehren“ finde ich im Wortschatz einer Zehnjährigen zum Beispiel ein wenig zu hochgestochen, und genauso perfekter Konjunktiv für indirekte Rede (es sei denn, sie wäre hochbegabt oder so). Ansonsten eine schöne Idee und interessante „Gesellschafts“struktur :smile:
Ist eigentlich alles als Tagebucheinträge geschrieben? Ansonsten könnten sich so wichtige Ereignisse wie die erste Jagd auch als tatsächliche und aktive Szene lohnen

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Nein, der komplette Band I ist als Rück-Erinnerung von Ronja gesehen.
Sie ist aktuell eine junge Erwachsene und erinnert sich an ihre Kindheit, als sie ihr
altes Tagebuch von früher durchblättert. Alles ist als Tagebucheinträge geschrieben. Deshalb ja auch „Werwolf Diaries“.

Gruß

Super Girl

Im Übrigen: Wen es interessiert, ich werde wahrscheinlich dieses Jahr mit Band I von „Anscath Academy - Mitternachtsflüstern“ fertig. Und falls doch erst nächstes Jahr, ist auch nicht schlimm. Heute habe ich wieder ein Kapitel zum Schreiben geschafft. Bin schon fast am Ende!

Gruß

Super Girl

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Nett geschrieben, ein bisschen mehr Spannung wäre gut
Lasse Dich aber nicht beirren.
Lyrikfan11

Anbei nun die überarbeitete Version von Kapitel 1 meiner „Werewolf Diaries“.

Gruß

Super Girl

Die erste Jagd

Ich erinnere mich noch genau an meine erste Jagd. Vor mir liegt ein Buch in Ledereinband. Die Seiten sind schon leicht vergilbt und das Leder an manchen Stellen brüchig. Dennoch blättere ich darin, räuspere mich und beginne meinen Freunden, die mit mir am Lagerfeuer sitzen, laut vorzulesen:

Rizzeling, 6. Juni 2010.

„Liebes Tagebuch,

ich schreibe dir, weil ich es nicht aushalten kann, alle Geschehnisse für mich zu behalten. Heute war mein großer Tag. Mein erster runder Geburtstag. Und wie es die Tradition verlangte, auch mein erster Tag als Jägerin.

Ich kannte die Grundlagen des Jagens aus der Werwolfschule. Wie das Aufnehmen einer Fährte, das Anpirschen und ein sicheres Versteck für den perfekten Angriff aus dem Hinterhalt zu finden. Wie gut, dass mir mein Vater, der als Lehrer an der Werwolfschule unterrichtete, einige Tipps und Tricks verraten hatte. Zum Beispiel nur im Rudel zu jagen, das sei sicherer als alleine fortzugehen.

Das Jagdrudel an meinem Geburtstag bestand aus einem Dutzend Werwölfen. Die restlichen neun Mitglieder aus unserem Clan mussten unser Revier bewachen. Rizzeling war zwar kein besonders großes Revier, in dem es nichts Wertvolles zu erbeuten gab. Aber ich wusste von meinen Großeltern, dass es früher zu Revierstreitigkeiten unter Werwölfen gekommen war.

Doch bei meinem Geburtstag war nichts dergleichen vorgefallen. Zuerst sollte ich mich von meiner Menschengestalt in die Wolfsgestalt verwandeln. Leider wollte es mir nicht gelingen.

„Was ist los mit dir, Ronja-Schatz? Du machst das doch nicht zum ersten Mal. Muss ich mir jetzt Sorgen machen?“, erkundigte sich Mutter bei mir.
„Natürlich nicht. Aber ich muss sagen, dass mir bisher nur Verwandlungen bei Mondlicht gelungen sind. Ich kann das nicht auf Kommando und schon gar nicht bei Tag. Das ist traurig, aber wahr“.
„Ronja traut sich nicht, Ronja traut sich nicht!“, rief dazu mein drei Jahre jüngerer Bruder Ronnie.
„Und ob ich mich traue. Du wirst dich schon noch wundern, wenn ich als Wölfin vor dir stehe!“

Ich ignorierte die Worte meines Bruders, schloss die Augen, um mich besser konzentrieren zu können und stellte mir im Geist die Zielform meiner Verwandlung vor. So wie ich es von Vater gelernt hatte. Wieder passierte nichts. Innerlich fluchte ich.

Da Ronnie nicht damit aufhörte, mich zu ärgern, verkündete wenig später unser Vater: „Ronnie, du wirst zusammen mit Rebecca hierbleiben. Keine Widerrede. Dafür kommen Rabea und Robin mit!“
Sofort wollte Ronnie protestieren, doch als er das bedrohliche Knurren unseres Vaters hörte, der sich gleich nach seiner Ansprache in seine Wolfsgestalt verwandelte, verstummte er. Jeder in unserem Clan wusste, dass unser Vater das Alphatier war und somit das Sagen hatte. Sein Wort war Gesetz. Das galt für alle Werwölfe aus Rizzeling.

Rabea und Robin freuten sich über die Tatsache, dass sie sich der Jagdgruppe anschließen durften. Meine jüngere Cousine Rabea lachte über den Umstand, dass ich keine Verwandlung hinbekam. Mein älterer Cousin Robin verwandelte sich genauso schnell wie mein Vater. Denn er konnte es kaum erwarten, endlich auf die Jagd zu gehen.

„Nun macht es nicht schlimmer, als es eh schon ist“, ermahnte meine Mutter, die sich Ronnie gepackt hatte, die anderen.
„Genau, lasst Ronja in Ruhe! Sie braucht heute eben etwas länger. Das ist kein Grund sie auszulachen!“
Dieser Kommentar kam von meiner älteren Schwester Ravenia, die ich Rave nannte. Insgeheim war ich dankbar dafür, dass sie mir beistand. Rave hatte schon immer einen guten Gerechtigkeitssinn gehabt. So wie auch an diesem Tag.

Erst nach einer Ewigkeit und nachdem sich die Sonne hinter einige Regenwolken geschoben hatte, gelang mir schließlich die geforderte Verwandlung. Mein Vater gab mir nun mit der Kraft seiner Gedanken weitere Anweisungen. „Sehr gut, meine Liebe. Heute ist dein großer Tag. Lass die anderen Kinder reden und dir deinen Geburtstag von niemandem verderben. Nimm nun deine erste Fährte auf. Na komm, trau dich. Du hast schon oft genug in der Werwolfschule zugesehen, da wird das doch ein Kinderspiel für dich sein, oder?“
Ich gab ein leises Knurren von mir. Denn mir missfiel, wie alle anderen an mir zweifelten.

Dicke Regentropfen prasselten auf den Erdboden. Dies erschwerte mir, eine entsprechende Fährte aufzunehmen. Denn es waren zu viele andere Gerüche in der Luft.
„Komm schon, Ronja, du schaffst das!“, versuchte meine große Schwester mir Mut zu machen.
Auch sie stand als verwandelter Wolf neben mir und sprach telepathisch an mich gewandt.

Doch die Aufregung ließ mich fast alles vergessen, was ich bereits in der Werwolfschule gelernt hatte. Ich ging ein paar Schritte nach Südosten. Die Älteren aus meinem Jagdrudel machten mir bereitwillig Platz. Nur Robin, ebenfalls in Wolfgestalt, versperrte mir den Weg. „Robin, geh beiseite! Versau mir nicht meinen ersten Jagd-Tag!“, rief ich ihm per Gedankenkraft zu.
„Du fängst ja doch nichts. Wie in der Schule beim Üben. Da hast du nicht mal eine Maus erbeutet!“
Eine Träne kullerte mir aus den Augen.
„Robin! Du bist gemein!“ Diese Worte kamen von meinem Vater, der die Gedanken mehrerer Wölfe gleichzeitig hören konnte.

Das brachte mich auf eine Idee. Ich tastete mit meinem Geist nach einer potenziellen Beute. Tatsächlich klappte dieser Trick beim insgesamt dritten Anlauf. Ich gab den anderen gegenüber vor, weiterhin mit der Nase eine Fährte zu wittern. Doch in Wirklichkeit benutzte ich die telepathische Methode, um schneller und erfolgreicher zu sein.

Ich hatte dieses Mal Glück und konnte ein Wildschwein mit meinem Geist ertasten. Es war ein krankes Tier, jedoch nicht abgemagert. Ich konnte spüren, dass nicht mehr viel Lebenskraft in ihm war. So stand mein Entschluss fest, ich würde es jagen und mit meiner Familie fressen.

Nun machte sich langsam der Hunger bemerkbar. Mein Magen knurrte so laut, dass ich Angst hatte, die anderen könnten es hören. Ich hatte große Mühe, Robin und Rabea zu ignorieren, die sich weiterhin über mich lustig machten. Ich befahl den beiden via Telepathie sofort leise zu sein, damit sie meine Beute nicht durch ihr Wolfsheulen vertrieben.
„Ich habe einen fetten Keiler gewittert. Der reicht für die ganze Familie, aber nur wenn ich in der Laune bin, mit euch Nervensägen zu teilen“, erwiderte ich, zuerst an Robin, dann an Rabea gewandt. Sofort verstummten meine frechen Verwandten. Und ich gab meinem Vater, den ich ebenfalls telepathisch einweihte, das Zeichen für einen Angriff aus dem Hinterhalt.

Wir umkreisten zu zwölft das Gebüsch, in dem sich der Keiler versteckt hatte. Er gab wehklagende Laute von sich. Irgendwie tat mir das arme Tier sogar leid. Doch mein Wolfsinstinkt sagte mir, dass es für alle besser war, den Keiler nicht länger leiden zu lassen. So schlich ich mich, wie im Unterricht an der Werwolfschule gelernt, von hinten an das Wildschwein an. Dann sprang ich aus meinem Versteck hervor. Mit einem gezielten Biss in den Nacken erledigte ich den Rest.

„Ronja, ich bin sehr stolz auf dich!“, lobte mich mein Vater per Gedankenkraft. Allerdings war der Keiler zu schwer, um ihn in Wolfsgestalt mitzuschleppen. So verwandelte ich mich als Erste zurück, als die Sonne hinter den Regenwolken hervor spitzte. Mein nasses Fell verwandelte sich in eine nasse Haarpracht, aber ich strahlte über das ganze Gesicht. Ich hatte meine erste Jagd bestanden und war somit eine echte Jägerin geworden!

Später feierten wir meinen Jagderfolg und gleichzeitig meinen Geburtstag. Wir brutzelten den Keiler am Lagerfeuer. Nur widerwillig gab ich Robin und Rabea ein Stück vom Wildschweinfleisch ab. Tante Richeline hatte mit ihren Kindern geschimpft. Damit sie mich in Zukunft in Ruhe lassen. Ach ja, bevor ich es vergesse, Oma Rafaela schenkte mir dich, ein Tagebuch in Ledereinband. Deswegen werde ich in Zukunft viel in dich hineinschreiben!

Deine Ronja-Lupina Aschenhaar!“

Willi schmunzelt, als ich das Tagebuch zuklappe. „So, genug für heute, liebe Leute. Morgen ist auch noch ein Tag für Abenteuer“, gähne ich zurück.

Ich habe als Kind sehr viel Tagebuch geschrieben und finde die kindliche Erklärung, warum man schreibt, wirklich normal. Ich denke, Kinder schreiben in Briefen oder TB oft, warum. „weil wir uns lange nicht gesehen haben“, "ich will dir täglich alles erzählen, wie einer Freundin " etc.

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Ich kenne die Vampir-Geschichte nicht. Grundsätzlich gefällt mir die Familiengeschichte sehr gut. Ich mag deinen Stil, sehr gut lesbar und gutes Tempo.
Die Jagdszene ist für Kinder als Leser* innen vielleicht als Einstieg nicht die beste Wahl. Natürlich müssen Wölfe jagen und Fleisch essen und wenn ich die Charaktere ein wenig kenne, dann sind mir deren Bedürfnisse auch wichtig. Als erste Szene hätte mich das aber abgeschreckt, da ich als Kind überhaupt keinen Bezug zum Jagen hatte und das nur blutig fand, es sterben Tiere, ekelig usw. Jagen ist schließlich grundsätzlich eine reale Tätigkeit (nicht wie Vampirbisse, die reine Fantasy sind).

Den direkten Einstieg in eine spannende, aktive Szene finde ich auch die beste Idee, das macht Sinn. Ich als Kind hätte das Thema Jagd einfach nicht gemocht.
Ich empfinde das ein wenig als Dilemma.

liebe Grüße

Dann würde ich diese Geschichte eben in die Zielgruppe ältere Kinder und Jugendliche einordnen.

Grüße

Super Girl

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Anbei noch Kapitel 2 meiner „Werewolf Diaries“. Und keine Sorge, jetzt wird es spannender.

Gruß

Super Girl

Wenn aus Spaß ernst wird (Kapitel 2)

Nach einem langen Arbeitstag treffe ich mich mit meinen Freunden im Schlossgarten, der zu einem regelmäßigen Treffpunkt für uns geworden ist. Willi und Zara haben Proviant mitgebracht. Als Zara ein zauberhaftes Picknick erwähnt, muss ich lächeln. Darf mir ein Schinken-Sandwich nehmen, da kommt Sha’Red, unser vierter Freund herbei geschlendert. Während er es sich auf einer Sitzbank etwas abseits des Hauptweges gemütlich macht, krame ich in meiner Tasche. Finde, wonach ich suche und klappe wenig später mein Tagebuch auf, das ich wegen der Erinnerungen an meine Familie stets bei mir trage. Nun setzen sich Willi und Zara. Ich folge ihrem Beispiel. Ich verdrücke mein Sandwich, trinke einen Schluck Wasser aus meiner mitgebrachten Flasche hinterher, räuspere mich und beginne einen Tagebucheintrag vorzulesen:

Rizzeling, 9. Juni 2010.

„Liebes Tagebuch,

Ich kenne bereits von meiner Oma Rafaela den Spruch: Wenn aus Spaß ernst wird. Was das bedeutet, lernte ich heute auf die harte Tour. Leider!

Wie immer fing es harmlos an. Mein Onkel Roman unterrichtete die Klasse der Werwolfschüler in fortgeschrittenen Jagdtechniken, nachdem wir nun die Grundlagen des Jagens beherrschten. Rabea und andere Mädchen (in Menschengestalt) kicherten über meine Versuche, in Wolfgestalt eine Maus zu fangen, was mir leider nicht gelang. „Ronja ist so eine miese Jägerin!“, hörte ich Rabea zu Ricky sagen.
„Bin ich gar nicht“, funkte ich meine Cousine telepathisch an.
„Bist du sehr wohl!“
„Ronja kann nicht jagen! Ronja kann nicht jagen! Sie fängt noch nicht mal eine Maus! Und das mit dem Keiler war nur Glück!“, rief Robin in die Runde.
„Jetzt ist aber Schluss mit diesem Unfug!“, donnerte Onkel Roman, der versuchte die aufgeregte Klasse zu beruhigen.

Just in dem Moment, als ich mich zurückverwandeln wollte, sprang mein Bruder Ronnie in Wolfsgestalt auf mich zu. Er landete direkt auf mir obendrauf. Worüber die Mädels noch mehr lachen mussten.
„Kinder, seid ihr heute wieder anstrengend!“, stellte Onkel Roman fest. „Na gut, ich erkläre die Unterrichtsstunde hiermit für beendet. Ihr dürft spielen gehen!“
„Einen Moment, ihr Rabauken!“, ertönte nun eine tiefe Männerstimme, die ich nicht zuordnen konnte. Der Fremde deutete zuerst auf Ronnie, danach auf mich. „Dieser Junge und dieses Mädchen haben gestern in unserem Revier fangen gespielt. Außerdem hat dieser Junge es gerade eben gewagt einen unserer Jüngsten zu ärgern. Weiterhin hat dieses Mädchen erst vor drei Tagen einen Keiler erlegt, der sich auf unserem Revier versteckt hat. Somit gehörte ihre Beute rechtmäßig uns. Wer von euch hat hier das Sagen? Mit dem würde ich gerne mal ein ernstes Wörtchen reden. Ich dachte, wir hätten damals klar abgemacht, wer in welchem Revier jagen darf und wer nicht. Kiefersbühl ist unser Revier. Damit das ein für allemal klar ist!“, donnerte der groß gewachsene Fremde weiter.

Erst jetzt erkannte ich Darius Graufell, den Vater von Dennis und Daniela aus dem Nachbarrevier, mit dem ich mehr als nur einmal Ärger hatte. Er hatte mich schon zweimal beim Herumtreiben in Kiefersbühl erwischt und mich jedes Mal zu meinem Vater gezerrt, der daraufhin ordentlich mit mir geschimpft hat.

Um weiteren Ärger zu vermeiden, entschuldigte ich mich sofort bei Darius, kaum dass ich mich in meine menschliche Gestalt verwandelte.
„Was ist hier los?“, rief eine weitere Männerstimme. Sie gehörte zu meinem Vater.

„Deine Kinder machen nichts als Ärger, Ruben!“, rief Darius weiter. „Wir wollen in Kiefersbühl in Frieden leben und uns nicht mit Rabauken wie deinen Gören herumärgern. Du weißt genau, dass Dagmar erst im letzten Jahr Nachwuchs bekommen hat. Dein frecher Junge hat es gewagt unserem Kleinen zu nahe zu kommen!“ Darius wollte sich einfach nicht beruhigen, das erkannte ich sofort.

„Der Kleinen. Es ist ein Mädchen. Leider. Und ich dachte, wir bekommen mit einem Jungen einen neuen Spielkameraden!“, verteidigte sich Ronnie.
„Egal ob Mädchen oder Junge, ihr habt mein Rudel gefälligst in Ruhe zu lassen! Wenn ihr keinen Revierstreit anzetteln wollt, dann geht uns in Zukunft besser aus dem Weg! Ich hoffe, ich habe mich nun klar und deutlich ausgedrückt!“, donnerte Darius weiter.

Eine Träne kullerte mir über die Wangen. Als Rabea das sah, wurde ich von ihr sogleich als Heulsuse beschimpft.
„Keiner mag mich. Noch nicht mal mein eigener Clan. Da kann ich ja gleich auswandern!“, brach es aus mir heraus. Ich verwandelte mich abermals in eine Wölfin und rannte davon. Weg von dem schimpfenden Darius und weg von meiner Familie.

Meine große Schwester rief mir hinterher: „Warte! Ronja! Du kannst doch nicht so einfach abhauen! Nun warte doch! Nimm mich wenigstens mit! Du kennst doch Vaters Predigten nur zu gut. „Treibt euch niemals alleine im Schattenwald herum. Dort könnte es gefährlich sein!“ Oder hast du das schon vergessen? Ronja! Nun bleib doch mal stehen!“

Ich drehte mich kurz um und bemerkte, dass sich auch Rave in eine Wölfin verwandelt hatte. In dieser Form folgte sie mir. Ich rannte zwar immer schneller, doch Rave ließ sich einfach nicht abschütteln.

Schließlich ließ ich es zu, dass meine ältere Schwester zu mir aufschloss. „Alle hacken immer auf mir herum. Sogar meine eigenen Verwandten. Das nervt!“, teilte ich ihr meine Sorgen mit. „Alle halten mich für eine totale Versagerin, die nichts als Ärger im Kopf hat. Dabei würde ich ihnen zu gerne beweisen, dass sie Unrecht haben. Sag, Rave, hilfst du mir dabei?“
Sie nickte mehrmals mit dem Wolfskopf. „Na klar helfe ich dir. Du bist immerhin meine Schwester. Geschwister sollten sich jederzeit gegenseitig helfen. Eine Familie, die zusammenhält, ist stärker als jeder für sich alleine!“, betonte sie telepathisch.
„Woher hast du nur all diese Weisheiten? Ach sag nichts, ich glaube, ich ahne es schon. Von unserer Oma Rafaela, stimmt’s?“ Ich stupste Rave mit der Nase an. Im nächsten Moment kam mir eine Idee. „Ich weiß, was wir machen! Wir gehen zu Oma Rafaela. Sie weiß eigentlich immer einen schlauen Spruch für jede Lebenslage. Vielleicht kann sie einmal mit Darius und Vater sprechen, dass ich das alles nicht mit Absicht mache. Auf mich wird Oma sicher hören. Und die anderen auf Rafaela!“, sprudelte es aus mir heraus. Im nächsten Moment war meine Traurigkeit wie weggeblasen und ich verwandelte mich kurzerhand in Menschengestalt. Dieses Mal lächelte Rave, die es mir gleichtat. „Siehst du, Ronja. Es gibt für jedes Problem eine vernünftige Lösung!“

Allerdings waren wir ziemlich weit von unserem Rudel weggerannt. Wir hatten sicher schon die Grenze zum nächsten Revier überschritten. Das erkannte ich daran, dass keine Fichten mehr in unmittelbarer Nähe wuchsen, sondern Buchen.
„So ein Mist! Jetzt haben wir uns auch noch verirrt!“, schimpfte ich. „Unser Teil des Waldes ist doch von Fichten bewachsen und nicht von Buchen. Oder wie siehst du das, Schwester?“
Dieses Mal zuckte Rave mit den Achseln. „Du hast den besseren Blick für Details wie ich“, bemerkte sie.

Tja, Tagebuch, auch eine Aschenhaar kann sich mal im Wald verirren, was?

Deine Ronja

PS: Morgen erzähle ich dir mehr!“

Ich klappe das Tagebuch zu. Zara und Willi klatschen anerkennend in die Hände. „Du konntest dich damals aber schon sehr gut ausdrücken für eine Zehnjährige“, bemerkt Willi.
„Naja, Schreiben und Lesen habe ich schon recht schnell gelernt. Ich war in den ersten beiden Jahrgangsstufen die Beste meiner Klasse. Da haben sie mich noch als Streberin beschimpft. Deshalb habe ich irgendwann auch damit angefangen Faxen zu machen, damit sie mich nicht mehr ärgern. Dann hat jedoch Vater mit mir geschimpft. Das war echt hart, das sage ich euch!“
„Kurzum, du hattest keine leichte Kindheit!“, kombiniert Zara.
„Das kannst du laut sagen“. Mir entfährt ein Seufzer.
„Und wie ist die Geschichte weiter gegangen?“, hakt Willi neugierig geworden nach.
„Das lese ich euch morgen vor. Hey, ich habe eine tolle Idee. Wie wäre es, wenn ich euch ab sofort jeden Tag etwas aus meinem Tagebuch vorlese?“
Damit sind meine Freunde einverstanden.

Wie findet ihr die Idee mit dem „Werwolf-Tagebuch“?
Über Feedback würde zu o. g. Geschichte (Kapitel 2) würde ich mich sehr freuen!

Gruß

Super Girl
PS: Ich bin schon beim dritten Kapitel und hoffe, dass es den Leser anspricht. Ich dachte halt, ich fange „leicht“ an und steigere mich dann mit der Spannung.
Ist das gut oder eher schlecht?

Ich habe deswegen nicht sofort mit größter Spannung begonnen, weil ich kein Fan von ewigen Rückblenden bin. Vor allem wegen dem vielen „hatte“.

Also ich mag Rückblenden auch nicht sonderlich. Wenn es sich sinnvoll als vom Charakter erzählte Geschichte einfügt dann: cool. (z.B Königsmörder-Chroniken von Patrick Rothfuss. Da besteht fast das gesamte Buch aus der Erzählung des Hauptcharakters über sich selber.)
Ansonsten finde ich sich aufbauende Spannung durchaus eine Möglichkeit. Eine andere wäre direkt in einer spannenden Szene zu starten.
Letzteres mag ich persönlich bei Thriller oder ggf. Mehrteilern (nicht Band 1).
Bei allein stehenden Büchern (nicht Thrillern) oder Band 1 finde ich einen mäßig schneller Aufbau besser.