Was ist ein Buch?

Wie ist das eigentlich mit den in der Antike verwendeten Schriftrollen? Die haben keinen Buchdeckel, und blättern kann man auch nicht in ihnen.
Trotzdem wurden sie von antiken Schriftstellern als „Buch“ bezeichnet. :stuck_out_tongue:

Und die Bibel mag zwar heute nur eine „Blattsammlung zwischen Buchdeckeln“ sein, aber trotzdem spricht man von den „Büchern“ des Alten oder Neuen Testaments … :grimacing:

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Die antiken Schriftrollen und auch die mit dem Plural als Biblia bezeichneten „Bücher“ der Bibel hat man garantiert nicht als „Buch“ bezeichnet. „Buch“ oder „Bücher“ ist ja nur eine Übersetzung. Hat man im antiken Griechenland oder eben auch im Bereich des griechischen und römischen Sprachfeldes um die ersten Bibelfassungen herum von Biblia gesprochen, dann verweist dieses Wort auf den Ursprung des Papiers bzw. Papyrus. Mit Byblos wurde meines Wissens ein ägyptischer Ort bezeichnet, der ein Hauptumschlagsplatz für Papyrus war. Das Wort ist damit eher ein verselbstständigter Begriff (vielleicht eine Art Pars pro toto) für alles, was man an Schreiboberflächen hatte. An Bücher im heutigen Sinne dachte man dabei aber garantiert nicht.

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Natürlich ist das Wort „Buch“ nur eine Übersetzung.
Andererseits gab es in Rom neben dem volumen („Bücherrolle“, üblicherweise aus Papyrus) auch den codex, der tatsächlich dem heutigen Buch ähnelte - nur waren das anfangs Wachstafeln, die zu einer Art „Buch“ zusamengeheftet wurden. Zählt das dann, obwohl dabei anfangs kein Papier verwendet wurde :upside_down_face: ?
Also letztlich die Frage: Zählt die äußere Form (man kann darin blättern, Material egal), das Material (Papiersammlung, egal ob Rolle oder Buchdeckel) oder der Verwendungszweck (längere Texte werden „lesbar“ zusammengefasst, egal ob e-book, große Steintafel oder sehr lange Wandbeschriftung)?
Muss ein Buch überhaupt „Buch“-staben beinhalten? Oder zählt auch eine reine Bildersammlung, die eine Geschichte erzählt (Wimmelbücher, Trajanssäule in Rom)?

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Meiner Meinung nach vermischt Du hier Inhalt und Form. Der Roman ist für mich eine niedergeschriebene (längere) Erzählung, das Buch eine Form, in der sie veröffentlicht wird. Diese Form ist auch für andere Inhaltstypen verwendbar: Das von Dir angesprochene Lexikon, Rezeptsammlungen, Kurzgeschichten, wissenschaftliche Abhandlungen, etc. pp.
Hätte Moses die Steintafeln mit den 10 Geboten zwischen zwei Pappdeckel gepackt und mit einer Bindung versehen, wär’s auch ein Buch gewesen, jedoch kein Roman.

Ich nehme an, dies bezieht sich auf Self-Publishing, insbesondere von eBooks?
Eine lesenswerte Analyse liefert Wolfgang Tischer in seinem Artikel „Wie Self-Publishing Leser, Autoren und Verlage verändert hat“, zu finden im → Literaturcafe.
Meine persönliche Meinung: Auf diesem Weg wird deutlich mehr Mist ungefiltert veröffentlicht. Rein statistisch steigt dadurch andererseits die Wahrscheinlichkeit, dass auch mehr Perlen dabei sind. Ironischerweise sind sie aber in der Masse schwer zu finden.

Gruß,
misc

Damit jedoch auch unzensiert. Nur als Ergänzung zu deinen Ausführungen, denen ich zustimme.

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Ich muss gestehen: Ich finde die Frage irgendwie blöde. So sorry.
Buch, Papierrolle, Klotür oder Türrahmen - das ist doch nur die Verpackung, der Träger, das Medium! Der Inhalt - wie wir alle wissen sollten - ist das Entscheidende. Ich kann auch meine Texte in das Innere einer Muschel kratzen oder wie weiland Casanova mit Stuhl an de Wände schmieren. Es gab einen American Native, - political correct? - der hat meterweise geschrieben. Und selbst ein Herz, dass in einen Baum geritzt wird, ist eine Botschaft. Und nicht der Baum. So what?

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Ein Buch - im weiteren Sinne - ist für mich ein Informationsmedium. Ein Roman bzw. Belletristik allgemein ist eher ein Emotionsmedium. Wir wollen doch alle, dass die Leser mit unseren Helden und Bösewichtern mitfiebern, mitleiden und sich über sie aufregen. Und das ist für mich der fundamentale Unterschied zwischen Sachbuch, Lexikon, usw. und einem Roman.

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Ein Buch ist für mich all das, was mir der Buchmarkt als solches auf Papier, elektronisch, auf Ton- oder sonstigen Informationsträgern anbietet.

Ob es dann auch als „Buch“ bei mir persönlich positiv „zu Buche“ schlägt, ist eine ganz andere Frage.