Von Szenenfragmenten zur Geschichte - aber wo kommt sie her?

Hallo an alle,

ich bin neu in der Schreibwelt und suche nach Inspiration von denen, die ein wenig mehr Erfahrung haben.

Ich habe diese eine Idee im Kopf mit einzelnen Szenen der Story, die immer wieder in meinem Kopf herumirren. Szenen der Hauptstory und Szenen der Nebenstränge und Charaktere, die ich schon jetzt ziemlich interessant finde. Die einzelnen Szenen und ihre Geschichten mit ihren Charakteren begeistern mich so sehr, dass ich diese mal zu einer zusammenhängenden Geschichte vernetzen und aufschreiben will.

Nur stockt es wenn ich dann anfangen will zu schreiben. Denn der Ursprung all dieser Geschichten, der sie plausibel miteinander verbinden soll, den zu finden fällt mir schwer. Ungefähr ist die Idee ja da, nur nicht so ausgereift, um mit dem Schreiben anfangen zu können. Manche Verbindungen lassen sich einfach noch nicht gescheit zusammenbringen.

Welche Ratschläge hättet ihr für mich, um vielleicht schon bald in einen Schreibfluss zu kommen, der vielleicht auch mal zu einem Strom heranwächst?

2 „Gefällt mir“

Hallo,
ich bin kein sogenannter „Plotter“ oder „Pantser“, sondern ein Puzzler: Ich habe meine Geschichte aus einzelnen Ideen wie Puzzleteile zu einem Ganzen zusammengesetzt. Das ist mehr Arbeit, weil man nach jedem Umsortieren auch Szenen inhaltlich umarbeiten muss, aber anders konnte ich es nicht.

Vielleicht ist das auch der Weg, der für dich am besten funktioniert? Schreib direkt jede Szene auf, die dir einfällt. Man braucht das Buch nicht in der Reihenfolge zu schreiben, in der es später gelesen wird. Wenn du den Ursprung und Anfang deiner Geschichte noch nicht siehst, dann fang in der Mitte an oder schreib zuerst das Ende. Man muss ein Buch ohnehin mehrmals überarbeiten.

7 „Gefällt mir“

Meine Idee in der Stelle, überlege dir die Story in groben Meilensteinen. Versuche einzuschätzen, wann diese Szenen auftauchen.

Sagen wir du hast die Idee für eine Bergkulisse. Die Idee von einer Höhle mit alten Wandbemalungen. Du hast eine Protagonistin, die gerne klettert. Du hast eine Aufstiegsszene im Kopf, bei der es stürmt und sie trotzdem kletters soll.
Leider fehlt dir der Anfang und das Ende.

Jetzt könntest du mit jeder Idee, eine Mindmap machen im Sinne … (was gibt es dazu noch zu finden?), sodass du Folgeideen entwickelst ohne sie direkt nehmen zu wollen.

Bau zwei Protagonisten die mit deinem Main interagieren. Am besten im Kontrast.
Und dann … einfach beginnen. Vielleicht ist sie Touristin in einem Bergdorf. Geklettert hat sie früher mal, aber deswegen ist sie nicht dabei. Eine Freundin begleitet sie. Sie hört Gerüchte die sie in die Berge locken, aber der Klettermeister kann sie nicht leiden … und so entwickelst du die Story langsam zu deinen Meilensteinen hin. Gründe warum und wieso, hast du vielleicht in deiner Mindmap erwähnt, und plötzlich fügt sich alles zusammen.

2 „Gefällt mir“

Im Prinzip wie Tapio sagt - nimm eine Hauptfigur, guck dir an was das für ein Typ ist und lass den Kerl / die Lady einfach machen. Bremse sie nicht aus beim Machen, dafür ist später noch Zeit. Du wirst überrascht sein, zu welchen Aktionen, zu welchem Blödsinn reine Kunstfiguren fähig sind.

2 „Gefällt mir“

Wenn du mit Papyrus schreibst, unterstützt dich das Programm dabei.

Schreibe all deine Ideen in verschiedene Kapitel. Als nächsten Schritt überlegst du dir die Reihenfolge der einzelnen Textsegmente und verschiebst die Kapitel, bis eine sinnvolle Reihenfolge entsteht. Anschließend nimmst du dir zwei Kapitel und überlegst, was dazwischen passieren könnte und schreibst das in ein weiteres Kapitel. So entsteht mit und mit ein roter Faden durch die Geschichte.

6 „Gefällt mir“

Das ist der Weg, der für die „Pantser“ funktioniert.
Ich denke allerdings, dass ein Autor eine natürliche Veranlagung zum „Pantser“ haben muss, um auf diese Art schreiben zu können. Ich glaube nicht, dass eine einzige Herangehensweise für alle Typen von Autoren passt.

Aber vielleicht ist es die Hauptschwierigkeit, wie @Elio beschreibt, dass er stockt, sobald er anfangen will zu schreiben. Deshalb unterschreibe ich voll und ganz diesen Satz:

Ich habe mir ein Zitat auf die Pinnwand geheftet, das ich mal in diesem Forum gelesen habe: „Eine schlecht geschriebene Seite kann man überarbeiten, eine leere Seite nicht.“
Mir hat das geholfen, zu schreiben, ohne mich vom Perfektionismus hemmen zu lassen. Den Perfektionismus lasse ich jetzt bei der dritten Überarbeitung freidrehen.

4 „Gefällt mir“

Ich denke, das wichtigste ist, einfach anzufangen. Mit dem Kapitel, das man am deutlichsten im Kopf hat.

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass man das noch ein- bis dreimal neu schreiben wird, bis es einem am Ende wieder gefällt und auch noch in die fertige Story passt. Aber das ist es wert, denn wer nicht anfängt, kann auch nicht fertig werden.

Wieviel Planung man braucht, merkt man auch erst beim Schreiben und eben nicht beim grübeln vorher. Vielleicht funktioniert es, einen Charakter einfach machen zu lassen, vielleicht aber auch nicht. Aber dann ist es einfacher, sich mit der Planung erstmal auf das aktuelle Kapitel zu beschränken, als die ganze Geschichte platten zu wollen.

5 „Gefällt mir“

Richtig. Perfektionismus ist einfach nur ein Klotz am Bein. Loszuschreiben und gleichzeitig am Text zu pfeilen ist ziemlich zähe. Auch wenn es juckt → versuche lieber vorwärts zu kommen.

Was mir im letzten Jahr zu einem enormen Schub verholfen hat ist Microplotten. D.h du planst fünf Minuten die nächsten 500 bis 1000 Wörter. Wenn wir nochmal die spontane Bergdorfgeschichte auskramen. Du hast die Protagonistin und ihre Freundin … die in den Urlaub fahren. Wie? Mit einem verbeulten Toyota Corolla. Wann? Morgens bei Nebel und leeren Straßen. Stimmung im Auto? Gelassen, hören Musik. Gesprächsthema? Protagonistins doofer Freund. Was passiert? (irgendwas einbauen, dass die Spannung erhöht) → nächster Stopp Dorf. // Mit diesen Fragmenten kannst du direkt 500-1000 Wörter schreiben, die die beiden Protagonisten im Bergdorf ankommen.

4 „Gefällt mir“

So ähnlich geht es mir auch. Viele Ideen, Szenen etc. im Kopf.

Ich nutze einfach immer ein neues Kapitel für eine andere Szene. Ordnen kann man es später alles noch.

Ich hab mal den ganz einfachen und simplen Tipp bekommen: „Schreib’ einfach los. Lass alles raus. Der Feinschliff kommt zum Schluss.“

Ich denke wirklich, es sind die wenigsten Autor*innen, die sich hinsetzen und ihr Buch von Anfang bis Ende durchschreiben, ohne dann noch irgendetwas an der Reihenfolge der Kapitel etc. zu ändern.

Also, keine Scheu. Lass es einfach aus dir heraus- und über die Tastatur ins Schreibprogramm hineinfließen.

4 „Gefällt mir“

Einfach loslegen! Der Tipp bezüglich „Microplotting“ ist ebenfalls sehr hilfreich. Ausführlicheres Plotten ist lediglich bei Krimis und Thrillern notwendig, um nicht permanent in Sackgassen zu rennen.

4 „Gefällt mir“

Tatsächlich schreibe ich Bücher von Anfang bis Ende in einem Rutsch. Die Szenen, die noch kommen, aber schon kenne, auf diese freue ich mich dann schon. Was aber schon passiert ist, ich habe Kapitel bei der Überarbeitung oder nach Feedback von Testlesern hinzugefügt.

1 „Gefällt mir“

Eingeschränkt würde ich sagen - in Sackgassen landet man, bzw. die Protas, nur (denke ich jedenfalls), wenn man zuviele Ideen auf einmal in einer Szene oder in einem Kapitel unterbringen will. DAnn erreich tman schnell den Punkt, wo sich die Handlung nicht mehr erklären lässt ==> Sackgasse.

2 „Gefällt mir“

Die einzige mir bekannte deutschsprachige Autorin, die tatsächlich einen exzellenten Kriminalroman komplett ohne Plotting, also als Panser, geschrieben hat, ist Anne Stern mit „Die weisse Nacht“. Dafür (und für ihre Figurentiefe) bewundere ich sie. Es ist also möglich. Allerdings sind die Umwege, Rückwege, die Bearbeitungszeit hernach deutlich aufwändiger als bei einem zumindest groben Plotting (Anfang gesetzt, Ende gesetzt, Whosdunnit gelöst).

2 „Gefällt mir“

Ich bin der Chaos-Schreiber
Ich habe eine Idee im Kopf und fang dort an, wo ich die klarsten Vorstellungen habe.
Dann brauche ich aber irgendwas, um zu das Kapitel zu „erklären“, also ein Vorgeschichte. irgendwo kommt noch der Gedanke „Passt das historisch überhaupt?“ oder physikalisch ? Oder Logisch? Also grätscht mir die recherche dazwischen.
Dann hab ich einen Gedanken zu einem späteren Kapitel und gerate in einen Schreibfluss, der fast das gesamte letzte Drittel umfasst.
Und irgendwie habe ich dann einen Teppich mit vielen Löchern, die ich langsam stopfe.

Mit anderen Worten: ICH BIN KEIN VORBILD!

4 „Gefällt mir“

Doch! Bist du. Denn genauso schreibe ich auch.

Ich schreibe genauso chaotisch. Ich mache aus der Idee für eine Szene am Ende ein ganzes Buch.

Aktuell schon wieder. Da war eine Szene für einen Workshop und jetzt arbeite ich am Rest. Beim Schreiben kommen dann Ideen für neue Szenen, Verbindungen, Vor- und Nachszenen. Am Ende ergibt alles ein (hoffentlich) stimmiges Bild.

2 „Gefällt mir“

Ich setze noch einen drauf - bei meinen Epples versetze ich mich in meinen Prota und überlege, was ich in den verschiedenen Situationen tun würde - und schreibe das dann auf. Es sei denn, Annabelle Epple pfuscht mir ins Getriebe, dann wird die Szene geändert.

1 „Gefällt mir“

Ich denke, es ist Typsache, ob man ein Plotter, ein Pantser oder ein „Zusammenpuzzler“ ist. Wenn dein Weg für dich so gut funktioniert, dass am Ende ein fertiges, gutes Buch dabei herauskommt, dann bist du für all diejenigen ein Vorbild, die ein ähnlicher „Schreibtyp“ sind.

1 „Gefällt mir“

Geht bei mir nicht, weil mir die Situationen fehlen :smiley:

Ich schreibe die Szene runter und sehe dann wie einen Film vor mir, was davor oder danach passiert. Manchmal direkt angrenzend, manchmal durch weitere Szenen getrennt, die mir erstmal fehlen.

Das ist wie Herr der Ringe schauen. Ich weiß, ich habe alle Filme komplett gesehen. Aber ich bin halt immer an einer anderen Stelle eingeschlafen und wieder aufgewacht. Zusammengenommen habe ich alles gesehen - aber nicht in der Reihenfolge, die der Regisseur vorgesehen hat.

7 „Gefällt mir“