Papyrus bietet bekanntlich die Möglichkeit, Charakterkarten für die Figuren zu erstellen.
Ich stehe jetzt vor der Frage/Entscheidung, ob und wie man „Charakterkarten“ für die Bewerbung des eigenen Buchs einsetzen sollte oder eben auch nicht. Die Charakterkarten können gedruckte KI-Porträts in Postkartenformat sein, die auf Messen oder Lesungen abgegeben werden können, oder KI-generierte Inhalte mit Buchbezug für die A-Plus-Inhalte auf Amazon KDP. Beide Formate sollen das Interesse der Leser wecken und Lust auf mehr machen, letztendlich die Kaufentscheidung der Leser positiv beeinflussen.
Ich bin dieser Frage zwiegespalten, denn die visuelle Darstellung von Figuren nimmt den Lesern die eigenen Vorstellungsmöglichkeit entweder weg oder beeinflusst sie sehr stark.
Ich habe das selbst einmal als Leser eines Krimis erfahren, in dem der Antagonist auf der Charakterkarte, aus meiner Sicht ein übler Bursche, auf der Postkarte doch sehr verführerisch aussah und so gar nicht zu seinem schlimmen Treiben passte. Umgekehrt enttäuschte mich die Visualisierung der Protagonistin, die im Gegensatz zu ihrer taffen Rolle im Buch wie ein schmachtendes Dummchen auf mich wirkte. Hier schien die Autorin (sic!) bewusst Vorgaben für die Leser:innen zu machen, wie man sich die Figuren vorstellen soll.
Ich war enttäuscht.
Andererseits könnte ich mir zum Beispiel @Koebes „Die Kugel“ durchaus interessante Charakterkarten zur Kugel selbst vorstellen.
Was ist euere Meinung bzw. Ratschlag? Visualisierende Charakterkarten ja oder lieber nicht?
Weniger ist mehr! Ein Autor, der - wenn auch gut gemeint - mir per Bild der Hauptfiguren meine Fantasie beschneidet, würde mich abschrecken. Dieses Buch würde ich nicht kaufen. Die Attributionsforschung zeigt sehr schön, dass Menschen bereits ab drei Zuschreibungen einer Person anfangen, etwas übertrieben ausgedrückt, sehr konkrete Vorstellungen von dieser Person zu entwickeln, von denen in den spärlichen Zuschreibungen in keinster Weise die Rede war. Autoren, die es verstehen, mir gezielt nach und nach nur einige Informationen zu geben und mich damit gedanklich laufen lassen sind diejenigen, die m. E. ihr Handwerk verstehen.
schwierig, ich würde sagen, es kommt mal wieder drauf an.
Es wird garantiert viele Leser geben, die solche Karten lieben werden, genauso werden es viele als völlig überflüssig, wenn nicht sogar als störend empfinden.
Wie du schon selbst sagst, es beeinflusst die eigenen Vorstellungsmöglichkeiten, kann sie sogar regelrecht abwürgen. Jeder hat nun mal sein eigenes ‚Kopfkino‘, und das stimmt nur in den seltensten Fällen mit dem des Autors überein. Ich persönlich mag die Dinger genau aus diesem Grund nicht.
Auch ich hätte damit Bauchschmerzen, schon deshalb, weil mir die KI-erstellten Figuren überhaupt nicht gefallen und man sofort erkennt, dass es KI ist …
Mich stoßen Charakterkarten mit KI-generierten Einheitsgesichtern extrem ab. Werden gerne als Give-away mitgegeben (bspw. Messen, Promo-Exemplare für Rezensenten o.ä.) oder finden sich auch auf der Amazon-Angebotsseite häufig. Will man dem Leser das letzte Zipfelchen Fantasie beim Lesen noch rauben, kann man das machen. Ich persönlich finde das schrecklich! (Ich warte dann lieber auf die Verfilmung – da sind wenigstens – noch – die Schauspieler echte Menschen.)
Ja, aber in nixht wenigen Filmen kann ich mich des Eindrucks nicht wehren, dass Rollen nach Aussehen und nicht unbedingt nach relevanteren Kriterien besetzt werden. Oder weshalb werden Bösewichte mit Personen besetzt, die so ausschauen wie einer. Steuerbeamte so, wie man sich gemeinhin solche vorstellt etc.?
Dort wird (zu) viel mit Stereotypen gearbeitet, mit im doppelten Wortsinn gemeinen Vorstellungen der Menschen von bestimmten Personen. Nach dem Motto: Fantasielos, nicht Fantasie los!
Es kommt wohl auf die Zielgruppe an. BookTok-Romance-LeserInnen sind dem wahrscheinlich offener gegenüber als Denis Scheck. Und ich weiß nicht, wen ich mehr bedauern soll.
Ich brauch’s als Leserin nicht, ich bin schon enttäuscht, wenn da steht, dass der Typ nach Satteltasche riecht. Andererseits hab ich meine eigenen Figuren extrem visuell vor … Augen, wo auch sonst.
Ich teil das gern mit den LeserInnen, indem ich sage, der Typ sieht nicht aus wie ein Holzfäller, sondern wie ne Tanne.
Marketing bedeutet auch, zu unterscheiden, was ‘nur’ unser Geschmack sagt (irrelevant) und was der, unserer Zielgruppe. Will ich Verkäufe generieren, muss Letzteres den Ton angeben. Wie weit wir im Einzelfall dafür gehen, muss jeder selbst entscheiden.
Gute Idee, ich überlege mir mal, wie eine Isabella-Postkarte aussehen und wirken könnte.
Einfach nur ein Bild mit ein paar Facts zu liefern, wäre nicht das richtige. Vielleicht fällt mir ein Mehrwert ein, dass die Karte wenigsten einige Monate an der Familienpinwand verbringt.
Als Pin Up in einer Werkstatt ginge, den Zahn hat mir Isabella aber schon gezogen.
Nope. Ein Bild was aus jedem Pixel KI ruft, weckt bei 50% der Leserschaft den inneren Mr. Hyde. Wenn sie dann noch so offensichtlich, wie die (deine) KI Bilder in dem anderen Thread, sind, löst das bei mir einen Weglegereflex aus.
Dann lieber ein Bonusmaterialbuch, mit “Outtakes”. Was einem Protagonisten alles passieren kann und wie oft muss eine Szene im Buch wiederholt werden, weil der Antiheld im falschen Augenblick anfängt zu lachen oder die Leiche sich zu früh bewegt, bevor der Autor “Cut” rufen konnte, respektive Enter gedrückt hat.
Frage mal bei Panini an, vielleicht machen die dir ein Sammelalbum mit Aufkleber. Knochen- und Everestbilder zum Einkleben. Nur 5€ die Tüte mit 5 Klebchen. Bei der WM oder Pokemon klappt das.
Herzlichen Dank für eure offene und kritische Meinung!
Es wird bei mir keine KI-Charakterkarten und A-Plus-Inhalte mit verpickelten, pardon, verpixelten Protas geben. Auf Insta lasse ich noch ein paar Bildchen durchlaufen und teste die Resonanz.
Aber die Einwände sind schon richtig: Entweder ich schreibe ein Buch und gebe dem Leser Raum für seine Vorstellungen oder ich drehe einen Film.
Allerdings wäre neben E-Book, Printversion und Hörbuch noch eine vierte Variante möglich: Graphic Novel Schau’n mer mal.
Durchaus interessant – ich selbst spielte mal dieser Option für mein Ki-Ju-Buch. Aber wenn es ohne KI-Hilfe gemacht werden soll, braucht man einen wirklich guten Künstler für die Umsetzung. Auch eignen sich nicht alle Inhalte für dieses spezielle Genre. Vielleicht teilst du ja mal deine Erfahrungen mit uns?!
Ich visualisiere meine Charaktere/Figuren oder auch Szenen und würde sie auch ins Buch reinbringen, aber sie sind selbst gemalt mit Acryl und auf einer Leinwand. Ich werde die Gemälde dann abfotografieren und sie anpassen mit Lightroom.
Dazu erstelle ich noch ein Artbook (29×29 cm), wo ich reinmale/reinsketche, wenn ich Lust dazu habe.
Da habe ich mich schon sehr von Brom inspirieren lassen oder von Games mit ihren Artbooks und Wallpapern.
Aber das alles mache ich, weil es mir Spaß macht und ich so mehr Bezug zu meinen Figuren oder auch Szenen finden kann.
Ich fürchte, für eine gute Graphic Novel brauche ich noch einen Lottogewinn im sechsstelligen Bereich. Ich sehe erst einmal zu, dass die Printversion rauskommt.
Die einzige KI-generierte Abbildung im Taschenbuch wird die Karte vom Ruwenzori-Gebiet sein. Ein faszinierendes Gebirge! ( Ruwenzori - Berge & Gebirge erleben mit Intakt-Reisen)
(Disclaimer: Ich unterhalte keine geschäftlichen oder sonst wie gearteten Beziehungen zu dem Reiseveranstalter.)