Meine Ansage: Papyrus hat sich leider nicht in Richtung Wissenschaft weiter entwickelt.
Antwort
Das sehe ich ähnlich. Papyrus hat sich sehr erfolgreich in Richtung Belletristik, Roman- und Autorenwerkzeuge entwickelt, aber die wissenschaftliche Schiene weitgehend liegen lassen.
Aus wissenschaftlicher Sicht fehlen beziehungsweise blieben eher rudimentär:
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eine echte Literaturverwaltung auf dem Niveau von BibTeX/BibLaTeX, Zotero oder Citavi,
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komplexe Zitationsstile,
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automatische Verzeichnisse für Quellen, Gesetze, Urteile usw.,
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reproduzierbare Querverweissysteme,
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vernünftige Unterstützung offener wissenschaftlicher Workflows,
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gute Integration von LaTeX.
Dabei wären die Voraussetzungen gar nicht schlecht gewesen. Papyrus konnte schon früh große Dokumente, Gliederungen, Fußnoten und Datenbanken. Man hätte daraus durchaus ein starkes Werkzeug für Dissertationen und Monographien entwickeln können.
Stattdessen wurde der Fokus zunehmend auf:
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Figurenverwaltung,
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Recherche-Datenbanken,
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Denkbrett,
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Lesbarkeitsanalyse,
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Stilprüfung,
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Autorenplanung
gelegt, also genau auf die Bedürfnisse von Romanautoren.
Für jemanden, der Bücher schreibt, ist das nachvollziehbar. Für einen Wissenschaftler entsteht dadurch aber eine Lücke: Man landet entweder bei Word/Zotero oder bei LaTeX/Org-Mode.
Eigentlich erstaunlich, dass bis heute niemand die Nische besetzt hat: ein modernes Papyrus mit wissenschaftlicher Literaturverwaltung, BibLaTeX-Anbindung, Unicode, PDF-Export, sauberem DOCX-Austausch und lokalem Arbeiten. Viele Geisteswissenschaftler würden so etwas vermutlich sofort kaufen.
In gewisser Weise kommt Org-Mode diesem Ideal am nächsten. Es hat zwar keine komfortable grafische Oberfläche wie Papyrus, aber die Verbindung aus
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Strukturierung,
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Quellenverwaltung,
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Querverweisen,
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Export nach PDF,
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Export nach DOCX,
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Versionskontrolle
ist für wissenschaftliche Arbeit bis heute kaum zu schlagen.
Schade eigentlich. Ein „Papyrus Wissenschaft“ hätte durchaus eine Marktlücke besetzen können. Gerade Nutzer wie Sie, die aus der Signum-/Papyrus-Tradition kommen und hohe Ansprüche an Textorganisation haben, wären vermutlich die natürliche Zielgruppe gewesen.