Unheimlicher Flug - Eine Horror-Kurzgeschichte

Unheimlicher Flug
Das leise Dröhnen der Triebwerke ließ Caitlin angenehm einschlummern, ihren Kopf auf die Schulter ihres Freundes gekuschelt. Die Strahlen des Vollmondes schimmerten durch das Fenster, die das Innere der Passagierkabine leicht erhellten und den Blick auf die Fluggäste um das Paar herum freigaben.

David schaltete seine kleine LED-Lampe ein, die er an das Tischchen vor sich geklemmt hatte. Er begann auf seinem Tablet die Ereignisse des letzten Urlaubstages zu verarbeiten, flink huschte er mit seinem Stylus über das Display und zeichnete seine Gedanken auf kreative Art nieder. In Neonfarben zeigte sich ein Sandstrand mit einem Lagerfeuer und tanzenden fröhlichen Menschen, die der Musik einer talentierten Geigerin lauschten. Ein feierlicher Abschluss des dreiwöchigen Sommerurlaubs an der Ostsee war es gewesen, er hörte noch den Klang der stimmungsvollen lockeren Musik in Gedanken und stöpselte kurz entschlossen seine AirPods in die Ohren. Die kalifornische Violinkünstlerin legte los und tanzte dazu in einer eisigen Schneelandschaft. Er schloss die Augen, als er plötzlich eine Bewegung in den Augenwinkeln vernahm und aufschreckte.

„Hey, ich will schlafen, was soll das? Jetzt bin ich wach, danke dafür“, beschwerte sich die dunkelblonde Caitlin schmunzelnd, spitzte ihre Lippen und gab ihrem Freund einen innigen Kuss.

„Keine Absicht meine Perle, doch mir schien, als hätte ich im fahlen Mondlicht etwas auf der Tragfläche gesehen“, erwiderte er ängstlich und nahm dabei einen der zwei Ohrhörer aus seiner Ohrmuschel.

„Wer sollte um 2:37 Uhr mitten in der Nacht auf 10.000 Metern Höhe da draußen herumhuschen. Mach die Musik aus, lege dein Tablet beiseite und schlaf endlich!“, bat seine Freundin frech, tätschelte seinen Hinterkopf und lehnte sich zurück in den bequemen Sitz.

Schulterzuckend klappte er sein Tablet zu, nahm die Ohrhörer komplett heraus, schlang seine Hände um Caitlins Taille und kuschelte sich an ihren Oberkörper. Sie nahm seine Hand, legte sie auf ihren Bauch und lächelte dabei. Auf einmal vernahm Sie ein merkwürdiges Kratzen, drehte ihren Kopf dem Geräusch zu und schrie aus Leibeskräften.

„Caitlin, hey was ist los?!“, schreckte David auf und schaute sich nervös im Zwielicht des Mondes um.

„Du hattest Recht gehabt, da draußen ist jemand! Habe grelle rote Augen gesehen, die mich anstarrten und Krallen, die am Fenster kratzten“, erzählte Sie und zeigte auf das kreisrunde Fenster.
Beim näheren Hinschauen erblickte David ein paar tiefe Kratzer, die sich über das gesamte Plexiglas von einer Seite zur anderen zogen. Caitlin sprang auf, die mit ihren Händen wild vor seinem Gesicht herumfuchtelte, auf und ab ging.

„Könntest du dich bitte beruhigen?!“, forderte David, der die Lage ruhig bedachte und auf die Tragfläche blickte.

Im Mondlicht tauchte eine dunkle Silhouette auf, die sich einem der zwei Triebwerke näherte und begann darauf einzuschlagen. Wie wild hämmerte David gegen die Plexiglasscheibe ohne eine Gegenreaktion von der Kreatur oder was immer es war, zu erhalten.

„Ruhe da drüben, wir wollen schlafen hier, verdammt nochmal!“, schrie eine herrische Männerstimme aus einer der hinteren Sitzreihen.

„Ist schon gut, doch hier ist ein Ding auf der Tragfläche“, antwortete Caitlin zurück, die ihre Hände auf Davids Schultern gelegt hatte und das Geschehen beobachtete.

Der Schreihals von eben stand auf, verweilte vor dem Sitzplatz des Paares und beugte sich nach vorne zum kreisrunden Fenster.

„Ein Wesen? Ihr habt zu viel Horrorfilme geschaut! So ein Unsinn“, lachte sich der Kerl halb kaputt.

In diesem Moment flackerte eine Stichflamme aus dem Triebwerk auf, ein gewaltiger Schlag erschütterte das Flugzeug und verlor rasch an Höhe. Der Schreihals konnte sich nur mit Mühe auf den Beinen halten, David und Caitlin hielten sich fest. Unbändiges Geschrei hallte durch die Passagierkabine, dann wurde es schlagartig hell, als die Notbeleuchtung sich automatisch einschaltete. Flammen schlugen aus dem Triebwerk als die Kreatur mit ihren Krallen einen der Treibstoffschläuche zerschmetterte und seinen Kopf zu den Menschen im Jet drehte.

„Sieht ja wie eine übergroße Fledermaus mit den Ohren einer Ratte, den Krallen eines Faultiers und Augen einer Eule aus“, beschrieb David das Wesen, während die Maschine weiter an Höhe verlor.

„Meine geehrten Damen und Herren, hier spricht Flugkapitän William McWood, ich darf Sie bitten, Ruhe zu bewahren, sich auf die Sitzplätze zu begeben und anzuschnallen. Wir haben die Lage in wenigen Minuten wieder unter Kontrolle, da wir auch nur mit drei statt vier Triebwerken sicher landen können. Unsere Stewardessen kümmern sich um Sie! Bleiben Sie ruhig! Air Hansa wünscht ihnen einen entspannten Flug“, knarzte es aus der Lautsprecheranlage.

In wilder Panik rannten die Passagiere zurück zu ihren Sitzplätzen, begleitet von den Stewardessen, die alle Mühe hatten, wieder Ruhe ins Chaos zu bringen.

„Guten Abend, ich bin Jeanne, die Chefstewardess! Bewahren Sie Ruhe und vertrauen den Fähigkeiten unserer erfahrenen Piloten“, sagte eine adrett gekleidete Dame mit kurzen Haaren sanft.

Das panische Geschrei verkam zu einem leisen säuseln, den Fluggästen wurden kostenlose Snacks und Getränke serviert. Urplötzlich ging ein erneuter kräftiger Ruck durch den Jet.

David beobachtete, wie das Wesen mit seinen geballten Fäusten auf die Metallverkleidung des zweiten Triebwerks einschlug, seine Krallen ausfuhr und mit diesen die Tragfläche aufriss. Das Kerosin entzündete sich, ein ohrenbetäubender Knall zerbarst die Halterungen der beiden Triebwerke in tausend Stücke.

Spitze Metallsplitter schossen umher, durchbohrten das Metall der Kabine und ließen den Druck schlagartig entweichen. Einer der Fluggäste wurde durch das riesige Loch, welches einst ein Fenster war, hinausgesaugt und aus dem Maul des Wesens schnellte in der gleichen Sekunde eine Zunge hervor. Die Zunge umwickelte den Körper des Mannes und zog ihn ins Maul. Die Kreatur verschlang ihn in einem Happen und schaute mit einem feisten breit aufgerissenen Maul begierig zu den verbliebenen Passagieren. Oben und unten waren messerscharfe Zähne zu sehen, die im fahlen Mondlicht wie das Sägeblatt einer Kreissäge aussahen.

In einem hohen Bogen bäumte sich die Maschine ein letztes Mal auf, David, Caitlin und ihre Leidensgenossen schrien um ihre Leben. Mit aller Kraft hielt Flugkapitän dagegen, doch konnte das Schicksal nicht abwenden. Der Jet drehte sich immer schneller, verlor rasch an Höhe, eine gigantische Explosion riss ihn in drei Teile und die Trümmer klatschten in das eiskalte Wasser des Pazifiks.

Wie durch ein Wunder ragte aus dem Eiswasser der Kopf eines Mannes hervor, der seine Hände um den Oberkörper einer Frau geschlungen hatte.

„Caitlin, wir haben überlebt, wir haben überlebt!“, jubelte David mit einer schmerzverzerrten Stimme und schwamm zu einem großen Metallteil.

Gemeinsam schafften sie es auf das Trümmerteil, welches einst offenbar zur Tragfläche gehörte und warteten auf Rettung. David schaute in den Himmel und sah wie diese furchtbare Kreatur ins Wasser schoss, sich Überlebende griff und in der Luft verspeiste.

„Schau nicht hin Schatz“, bat er jauchzend, als er bemerkte wie Caitlin das grausige Geschehen am Himmel beobachtete.
Die Stunden vergingen und endlich tauchte am Horizont der aufgehenden Sonne ein Hubschrauber der Küstenwache auf, der das Paar rettete.

Von den anderen Passagieren fehlt jede Spur…

(c) 2022 by Andreas Krämer

Wie findet ihr die Geschichte?

1 „Gefällt mir“

Die Geschichte finde ich unter
https://de.wikipedia.org/wiki/Unheimliche_Schattenlichter, dort Episode 4.

1 „Gefällt mir“

Ja, aber dort handelt die Hauptfigur wenigstens noch, indem sie eine Pistole erbeutet und damit auf die Kreatur zu schießen versucht.
David ist komplett passiv. Der wendet sich nicht mal an eine Stewardess, um ihr von der Kreatur zu erzählen, damit sie die Information an den Piloten weitergibt.

Für mich ist diese Geschichte überhaupt nicht spannend, weil David und Caitlin überhaupt nichts tun, um mit den Geschehnissen fertigzuwerden. Sie schreien und kommentieren abwechselnd und als sie im eiskalten Wasser landen, jubelt David, dass er überlebt hat!
Ganz ehrlich? Der kann nicht mehr jubeln. Der kriegt Schnappatmung, so kalt ist das Wasser. Und wenn es sich tatsächlich um Eiswasser handelt, ist der spätestens in 20 min. tot. Hypothermie nennt man das und es ist viel gefährlicher als Haie.
Wenn die Rettung erst nach ein paar Stunden eintrudelt, dürfte es da nichts mehr zu retten geben.

Lieber Andreas, mit den Inquit-Formeln solltest du dich auch noch mal beschäftigen. Deine klingen sehr gekünstelt und tragen nur zu „tell“ bei, aber nicht zu „show“ oder dazu, Emotionen beim Leser zu erzeugen. Es braucht auch nicht nach jeder wörtlichen Rede eine Inquit-Formel. Häufig kann man auch nur zeigen, was die entsprechende Figur gerade tut.

Auf jeden Fall müsste deine Hauptfigur aktiver werden und etwas gegen die Kreatur tun. David tut nichts und Caitlin auch nicht. Dass sie (angeblich) überleben, ist reines Glück. Das ist aber leider nicht spannend.
Weitere Anmerkungen findest du in der Datei.
Unheimlicher Flug - gelesen.pap (29,1 KB)

1 „Gefällt mir“

Eine Notbeleuchtung ist schwächer als die normale, da sie über Batterie läuft und lange halten soll. Hell würde ich die normale Beleuchtung nennen.

Das Kabinenpersonal stellt sich am Anfang des Fluges vor.

1 „Gefällt mir“

Nicht zwangsläufig. Kommt auf die Fluglinie an. Wer sich immer vorstellt, ist der Pilot.

2 „Gefällt mir“

Ja, meine Geschichte ist inspiriert von „Unheimliche Schattenlichter“ und danke für euer Feedback, was mir hilft die Geschichte zu verbessern und Logikfehler wie die Eistemperatur / Hypothermie auszubügeln. Die Inquit-Formel kannte ich bisher nicht und lese mich mal in das Thema ein. Zur Geigerin, nun ich habe da Lindsey Stirling gemeint, die gleichzeitig spielen und tanzen kann :slight_smile:

Ich habe eine Frage: Nachdem sich das Paar auf das Trümmerteil gerettet hat, hat sich das Ding ja Überlebende aus dem Wasser gefischt. Warum hat es ausgerechnet die zwei verschont? Hat es die beiden auf dem Trümmerteil nicht wahrgenommen? Eigentlich sind sie auf dem Teil ja sogar offensichtlicher als kleine Stecknadelköpfe die im Wasser umhertreiben?

Hier würde ich das „hey“ streichen. Sie weint ja nicht oder guckt betrübt oder beleidigt, sondern sie schreeeeeeit. „Caitlin, was ist los?“ oder nur „Was ist los?“ find ich da irgendwie angemessener.

Diesen Satz in einer Paniksituation zu äußern finde ich auch nicht ganz realistisch. „Du hattest Recht gehabt?“ puh ganz schön kompliziert - warum nicht: „Du hast Recht, da ist jemand.“ auch den zweiten Satz finde ich eigentlich zu lang.

„Könntest du dich bitte beruhigen?!“ Bei so einem Satz ist der Typ bei mir gleich unten durch. Und dann will er die Lage auch noch ruhig bedenken.

Eigentlich hatte er doch davor selbst schon ein mulmiges Gefühl, weil ihm was aufgefallen war. Und ein „Könntest du dich bitte beruhigen?“ ist einfach nur unhöflich. Wenn das mein Freund wäre, könnte der froh sein wenn der überhaupt noch lebend im Wasser ankommt. Ich bin doch nicht hysterisch, sondern reagiere nur der Situation angemessen!

Ein „Schatz beruhig dich“ während er sich selbst nach vorn beugt um die Tragfläche nach der Kreatur abzusuchen, wäre aber okay für mich, weil dann ist ihm einfach nur an meinem Blutdruck gelegen und ich habe das Gefühl, dass er aktiv dem auf dem Grund geht, was ich ihm geschildert habe :smiling_face: Ein bisschen Bammel kann er bitte auch haben!

Ist schon gut? - Ähm nix ist gut! Da ist irgendwas auf der Trägerfläche!

Vielleicht hat er auch noch Lust und Zeit ein Gedicht vorzutragen? - Sorry ich mag den Typen halt aktuell noch nicht. :slightly_frowning_face:

Ich denke deine Kurzgeschichte ist zu kurz, und bedarf hier und da noch ein paar Ergänzungen, damit es noch dramatischer wirkt! Und die Dialoge hätte ich gern mehr der Situation angepasst. :smiling_face:

Ich hoffe ich war nicht gemein. Fühl dich gedrückt! :two_hearts:

2 „Gefällt mir“

Hallo Hiltrud, ich danke dir und auch allen anderen für das Feedback :slight_smile: Ich werde die Geschichte überarbeiten und den Charakteren werde ich mehr Feinheit verleihen. Logikfehler ausmerzen und die Story „geschmeidiger“ schreiben :slight_smile:

Der Beurteilung der Anderen nach, ist die lange Kurzgeschichte wohl mehr oder weniger, abgeschrieben.
Ist mir zu gewollt grausam. Frage mich auch weshalb wurden ausgerechnet die Zwei verschont?
Ich gestehe aber, dass ich die Originalgeschichte, nicht kenne.

Ich habe die Geschichte nicht abgeschrieben, sondern sie basiert locker auf einer Folge aus „Unheimliche Schattenlichter“, nur eben in meinen Gedanken geschrieben und außerdem habe ich sie als Creepypasta auf meiner Autorenseite Unheimlicher Flug – Schreibclub.de vor einer Weile veröffentlicht. Ich werde sie jedoch überarbeiten, Logikfehler ausmerzen und das Paar näher beschreiben.

Im übrigen tauchte in der Originalgeschichte aus „Unheimliche Schattenlichter“ (eine Mystery-Serie die mal auf RTL 2 und Tele 5 lief) kein Paar auf, was ein gruseliges Wesen auf der Tragfläche entdeckte und ein Tablet gab es nicht. An die Folge konnte ich mich nur noch schwach erinnern und schrieb dann meine Creepypasta und abgeschrieben habe ich nirgends. Es sind meine eigenen Gedanken und Worte, lasse mir auch nicht was mit „abgeschrieben“ unterstellen.

Hi,
Creepypasta ist doch so ähnlich wie stille Post (Ältere werden das kennen) mit eigenem Gewürz vermischt, oder?

Danke für deinen Rat, ich habe meine Creepypasta locker basierend auf der genannten „Unheimliche Schattenlichter“-Folge geschrieben und in der Folge stürzte ja noch nicht mal das Flugzeug ab, bei mir schon und ein Paar gab es in der Folge auch nicht.