Überarbeitetes erstes Kapitel

Hallo, ich hatte hier vor einiger Zeit schon die Rohfassung meines Fantasyromans gepostet. Inzwischen habe ich die ersten Kapitel überarbeitet, sowohl stilistisch als auch inhaltlich, und wollte euch deshalb gern die neue Version zeigen. Besonders interessieren würde mich, ob der Text jetzt runder wirkt und ob Johns Emotionen besser zur Geltung kommen.

Bin ich tot?

Der Boden fühlte sich fremd an, als John sich hastig
aufrichtete und ihn tastete. Die Erde war glatt wie Marmor und doch nicht hart.
Als wäre sie über unzählige Jahre von fremden Schritten geformt worden.

Er riss die Augen
auf. Er sah sich um. Statt einer Stadt sah er eine Landschaft durchzogen von
Hügeln mit gelben Blumen und ein Schloss, das fast in den Himmel ragte. Statt
seines Apartments ein Fluss. Die Farben dieser Welt wirkten wie ein Gemälde,
das jemand mit zu kräftigen Farben gemalt hatte. Alles leuchtete, als läge ein
unsichtbarer Schimmer über den Hügel.

Das Blau des Himmels spiegelte sich im Wasser. Durch die Bewegungen konnte er sein Gesicht nicht erkennen.

Sein Herz hämmerte gegen seine Brust. Schweiß stand ihm im Gesicht. Eine Enge breitete sich in ihm aus.

„Wo bin ich?“, presste er hervor. Er atmete unregelmäßig,
zu schnell, zu flach.

Wie bin ich hierhergekommen?

Dann hörte er eine Stimme: „Schauen sie mich an.“

Er hob den Blick. Eine junge Dame stand vor ihm ein paar

Schritte entfernt. Sie war etwas größer, als er und trug
ein blaues Kleid, das mit kleinen Sternen bestickt war. Ihr blondes Haar
bewegte sich leicht im Wind. Was ihm jedoch irritierte, war ihre Gelassenheit.
Als wäre es völlig normal, dass plötzlich ein Fremder auftauchte.

„Machen Sie es genau so wie ich.“ Langsam öffnete sie ihren Mund und atmete ruhig aus.

„Hören Sie den Wind?“, fragte sie.

Zuerst hörte er nichts. Dann ein leises Rauschen. Ein
fernes Zischen.

Als sich sein Atem allmählich beruhigte, nickte sie.

„Hallo, Fremder.“

„Hallo“, sagte er heiser. „Können Sie mir sagen, wo ich hier bin?“

„Noch nicht“, antwortete sie.

Sein Blick fiel auf die blauen Augen und dann auf ihr blondes Haar. Doch dort fand er keine Antwort auf seine Frage.

Eine Stille lag über allem. Niemand rannte durch die Straßen. Keine Stimmen
überschlugen sich. Selbst die wenigen Menschen in die Ferne schienen langsam zu
gehen.

„Moment …?“, murmelte er.

„Träume ich?“

Sie antwortete nicht. Stattdessen reichte sie ihm die Hand.

„Kommen Sie“, sagte sie

„Ich bringe Sie zu Nederve.“

Ein
Fragezeichen legte sich auf sein Gesicht. „Neder … was?“

Die Luft fühlte sich anders an. Weicher. Weiter. Ein
süßlicher Duft lag darin, den er nicht kannte.

Sie folgten einem schmalen, gepflasterten Pfad. Die Erde schloss sich um den Weg. Hohe Wände aus Lehm und Stein bildeten eine Schlucht.

„Ich führe Sie zu einer Bleibe“, sagte sie, ohne sich umzudrehen. Dort, wo sich die Schlucht öffnete, stand ein Tor. Er verlangsamte seine Schritte. Nicht bewusst. Je näher
er dem Tor kam, desto stärker wurde das Gefühl beobachtet zu werden. Ohne zu wissen warum, ging er langsamer.

Bin ich tot? Der Gedanke kam ruhig. Panik breitete sich aus, aber er schluckte sie runter. Er wartete darauf, dass ihm eine Antwort einfiel. Sie kam nicht.

Und der süßliche Duft der Luft, der ihn weiter atmen ließ. Er erinnerte John an etwas Vertrautes – vielleicht Blüten, vielleicht
Honig. Ganz sicher war er sich nicht. Doch jedes Mal, wenn er ihn einatmet, wurde die Panik in seiner Brust schwächer.

Sein Blick folgte entlang des Mosaiks im Tor. Es war vollkommen weiß mit einem Bild darauf. Es
erinnerte ihn an etwas Vertrautes. Vielleicht ein Schloss. Eine Gestalt. Doch die Einzelheiten lagen im Schatten der Entfernung verborgen.

Ich arbeite gerade mit einem begleitenden Lektorat, das vor allem den inhaltlichen Bereich im Blick hat – also Figurenlogik, Spannungsaufbau, Weltenbau, Übergänge und die Frage, ob Szenen nachvollziehbar funktionieren. Der sprachliche Feinschliff kommt später noch einmal separat, daher konzentriere ich mich in dieser Phase vor allem auf die inhaltliche Überarbeitung und glätte nebenbei nur auffällige oder holprige Stellen.

Nochmal vielen Dank fürs aufmerksame Lesen.

Liebe Grüße

André