Testleser für autobiografisches Memoir gesucht – zunächst 27 Seiten

Hallo zusammen

ich bin Sven und arbeite an meinem autobiografischen Buch „Zwei unterschiedliche Welten – Zwischen Funktionieren, Verlieren und wieder Aufstehen“.

Es geht um Familie, Verlust, Verantwortung, Depression, finanzielle Krisen und darum, was passiert, wenn man jahrelang glaubt, immer funktionieren zu müssen.

Ich suche ehrliche Testleser und möchte zunächst nur eine 27-seitige Leseprobe schicken. Mich interessiert vor allem: Packt euch die Geschichte? Verliert ihr irgendwo den Faden? Und würdet ihr danach freiwillig weiterlesen?

Wer Lust hat, darf sich gerne hier oder per PN melden.

Danke!
Sven

Könntest du hier vielleicht mal die ersten 1 - 2 Seiten einstellen?
So kann ich nichts dazu sagen.

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Klar, gerne
Ich stelle gleich die ersten zwei Seiten hier ein. Mich würde besonders interessieren, ob dich der Einstieg neugierig macht und du danach weiterlesen würdest. Danke dir!

Alles, was einen Anfang hat, hat ein Ende

Es gab Stunden, Tage, Wochen und sogar Monate, in denen ich das Gefühl hatte, die ganze Welt sei gegen mich.

Heute weiss ich, dass mein Leben nicht nur aus diesen Zeiten bestand. Ich hatte eine schöne Kindheit, eine Familie, zwei grossartige Söhne, berufliche Erfolge und viele Momente, für die ich dankbar bin.

Aber ich habe auch erfahren, wie schnell sich ein Leben verändern kann.

Ich habe Menschen verloren, die ich liebte. Ich bin psychisch an meine Grenzen gekommen. Beziehungen sind zerbrochen. Ich habe Entscheidungen getroffen, auf die ich heute anders zurückblicke. Und ich habe erlebt, wie es sich anfühlt, wenn man nach aussen weiter funktioniert, obwohl im Inneren schon lange nicht mehr alles in Ordnung ist.

Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum dieses Buch entstanden ist.

Lange Zeit glaubte ich, stark zu sein bedeute, weiterzumachen. Probleme selbst zu lösen. Niemanden zu belasten. Aufzustehen und einfach wieder zu funktionieren.

Heute sehe ich vieles anders.

Dieses Buch erzählt keine Geschichte von einem Menschen, der immer alles richtig gemacht hat. Ganz im Gegenteil. Ich habe Fehler gemacht. Ich habe Dinge verdrängt, gelogen, mich überschätzt und manchmal viel zu spät erkannt, dass ich Hilfe gebraucht hätte.

Aber genau deshalb möchte ich meine Geschichte erzählen.

Nicht, weil ich dir erklären möchte, wie du dein Leben leben sollst. Ich kenne dein Leben nicht. Ich kenne deine Ängste nicht, deine Verluste und auch nicht die Entscheidungen, vor denen du vielleicht gerade stehst.

Ich kann dir nur zeigen, was mit mir passiert ist.

Vielleicht wirst du dich an der einen oder anderen Stelle wiedererkennen. Vielleicht wirst du den Kopf schütteln und denken: Sven, warum hast du das gemacht? Und vielleicht wirst du manchmal verstehen, warum ich in diesem Moment keinen anderen Weg gesehen habe.

Beides ist in Ordnung.

Meine Eltern haben mir eine schöne Kindheit ermöglicht. Dafür werde ich ihnen immer dankbar sein. Beide mussten viel zu früh aus meinem Leben gehen. Was danach kam, hat mich verändert – genauso wie meine Familie, meine Beziehungen, meine Arbeit, meine Kinder und die Menschen, die mir in den schwierigsten Zeiten zur Seite standen.

Ehrliche und kurze Antwort? In der aktuellen Fassung - leider nein. Hier möchte ich noch nicht weiterlesen.
Und ich kann dir auch sagen, warum. Und ich werde ehrlich sein.
Bitte bedenke, dass ich deinen Text kritisiere, mit dem Ziel, ihn besser zu machen - nicht deine Person!

Da bin ich nicht so sicher, ob das gerade hier zutrifft. Dein Leben ist ja - Gott sei Dank - noch nicht zu Ende. Für eine Autobiografie finde ich das einen seltsamen Titel.

Das ist mir als Einstieg zu wehleidig.
Mal überspitzt formuliert: Ein potenzieller Leser könnte denken, hey, meine Lieblingsrosen sind von Blattläusen befallen, meine Tochter hat eine 5 in der Englischarbeit und mein Chef hat mich heute Morgen angemeckert. Und jetzt soll ich einen Roman lesen über einen Menschen, der glaubt, die ganze Welt sei gegen ihn. Wo doch jeder wissen muss, dass die ganze Welt gegen mich ist!
Was nicht heißt, dass ein Protagonist nicht auch mal „down“ sein kann. Aber als Einstieg finde ich es nicht so passend. Das hier ist der „Köder“. Du musst den Leser davon überzeugen, warum er mehrere Stunden mit deinem Buch verbringen sollte - und nicht mit einem anderen.

Hier passiert nichts. Es werden nur allgemeine Floskeln präsentiert. Ich wette, dass das, was da steht, auch auf Tausende anderer Menschen zutrifft. Wer hat in seiner Lebensmitte nicht schon geliebte Menschen verloren? Das Zerbrechen einer Beziehung erlebt? Gelitten?
Nein, wir wollen wissen, was an deiner Geschichte besonders ist. In welcher Weise hebt sich deine Lebensgeschichte von denen aller anderen ab und macht sie lesenswert?
Diese Frage wirst du nicht mit allgemeinen Floskeln beantworten können.

Solche Überlegungen auf der Metaebene würde ich vielleicht in ein Nachwort schreiben, aber nicht in den Haupttext. Das interessiert nicht. Wir wollen deine Geschichte erfahren.
Wir wollen miterleben, warum du genau der Mensch geworden bist, der du heute bist. Einzigartig. Wertvoll. Durchaus vom Leben gezeichnet. Aber unverwechselbar.

Solche Schlussfolgerungen solltest du dem Leser überlassen, aber sie nicht selbst schreiben. Leser mögen es, beim Lesen mitdenken und interpretieren zu dürfen.

Das erinnert mich an irgendein Märchen, in dem es darum ging, dass drei Geschichtenerzähler auf einem orientalischen Markt die beste Geschichte erzählen sollten. Das Publikum sollte den Besten herausfinden.
Der erste fing ohne Einstieg an und wurde ausgebuht.
Der zweite hatte einen ausschweifenden Einstieg und die Menschen verließen den Platz, weil die Geschichte ewig nicht anfing.
Der dritte machte alles richtig.
Hier habe ich den Eindruck, als wärst du der zweite Erzähler.
Anstatt zu sagen, warum du deine Geschichte erzählen willst und dich zu rechtfertigen, solltest du einfach mal loslegen.

Spätestens hier würde ich aus dem Text aussteigen. Das ist nicht deine Geschichte. Das ist eigentlich noch gar keine Geschichte. Es ist eine Art Vorwort, die aber auf sehr viele Menschen passen würde. Wir brauchen hier aber das Besondere, das dich ausmacht.

Wir müssen hier natürlich auch zwischen Autor und Erzähler unterscheiden. Auch in einer Autobiografie ist das nicht dasselbe.
Aber wenn der Erzähler Sven schreibt, die ganze Welt sei gegen ihn gewesen, könntest du dann nicht eine Szene daraus machen, die genau das zeigt?
War es Mobbing auf dem Schulhof? Worum ging es dabei?
Wurde der Erzähler-Sven bei einer Beförderung übergangen? Wurde in der Firma gegen ihn intrigiert?
Welche Stationen in seinem Leben können deutlich machen, dass er sich fühlte, als hätte er die ganze Welt gegen sich?

Wenn Svens Kindheit schön war - zeig doch ein paar dieser Szenen. Ein gelungenes Weihnachtsfest. Ein Vater, der seinem Sohn geduldig alle möglichen Fragen beantwortet. Das erste eigene Fahrrad, die erste Liebe? Was auch immer.
Dann die Geburt des ersten Sohnes und so weiter.

Ich bin überzeugt, dass du viele interessante Geschichten in deinem Leben findest. Zeig sie uns!

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Vielen Dank für deine ausführliche und vor allem konkrete Rückmeldung. Genau diese Art von Kritik habe ich mir mit der Testlesersuche erhofft.

Dein Hauptpunkt ist bei mir angekommen: Ich erkläre am Anfang sehr viel über meine Geschichte, bevor ich sie eigentlich erzähle. Besonders dein Hinweis, dass du das Besondere an meiner Geschichte sehen möchtest, statt allgemeine Aussagen darüber zu lesen, gibt mir einiges zum Nachdenken.

Interessant ist für mich auch dein Hinweis auf den „Köder“. Direkt nach dem Vorwort beginnt das Buch mit einer konkreten Situation aus meinem Leben. Ich werde mir deshalb sehr genau anschauen, ob mein eigentlicher Einstieg vielleicht dort liegen sollte und das Vorwort in seiner jetzigen Form eher bremst.

Beim Satz „Alles, was einen Anfang hat, hat ein Ende“ steckt zwar ein Gedanke dahinter, der sich erst ganz am Ende des Buches auflöst. Aber auch da ist deine Reaktion für mich wertvoll – denn als Leserin oder Leser kennt man diesen Zusammenhang am Anfang natürlich noch nicht.

Ich möchte deine einzelnen Punkte jetzt erst einmal wirken lassen und auch schauen, ob andere Leserinnen und Leser an ähnlichen Stellen hängenbleiben, bevor ich etwas ändere.

Falls du trotzdem noch Lust hast, würde ich dir gerne genau den „Köder“ zeigen, den du in deiner Rückmeldung vermisst hast: die nächsten vier Seiten, auf denen die eigentliche Geschichte beginnt. Mich würde sehr interessieren, ob sich dein Eindruck dadurch verändert – oder ob du auch dort sagen würdest: Nein, das packt mich noch nicht. Beides wäre für mich wertvolles Feedback.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und so offen warst. Genau mit solchen Rückmeldungen kann ich arbeiten.

Liebe Grüsse
Sven

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Dein Einstieg in das Buch erinnert mich sehr stark an den meines Memoirs – wenn auch der Spot auf ein anderes Problem gerichtet ist. Leider fehlt mir die Zeit, um mich als Testleserin anzubieten, aber grundsätzlich würde ich weiterlesen wollen. Allerdings hat ein Memoir grundsätzlich andere Anforderungen als ein Roman. Leser, die hier zugreifen, suchen keine Unterhaltung. Also bringen sie die Neugier ohnehin schon mit, und es muss lediglich ganz früh deutlich werden, wohin die Reise geht.

Ich habe für mich bspw. Ratgeber- und Sachbuchanspruch rigoros ausgeschlossen und nur einen persönlichen Erfahrungsausschnitt geteilt, von dem andere möglicherweise profitieren könnten, indem sie sich spiegeln können, um einen eigenen Weg zu finden. Natürlich dient ein Memoir auch neugierigen Menschen möglicherweise als Verständnishilfe.

Dein Einstieg liest sich so, als wäre das auch deine Intention. Leider ist das generelle Interesse für solche besonderen Bücher sehr gering, es sei denn, Leser könnten in das Innenleben von Promis schauen. Ich wünsche deinem Memoir mehr Beachtung als meines fand!

Vielen Dank für deine Rückmeldung und auch für den Vergleich mit deinem eigenen Memoir.

Besonders interessant finde ich, dass du aus dem Einstieg bereits die Intention herausliest, die tatsächlich hinter meinem Buch steht. Ich möchte keinen Ratgeber schreiben und auch niemandem erklären, wie er sein Leben führen soll. Ich erzähle meine Geschichte und überlasse es den Leserinnen und Lesern, ob und was sie darin für sich selbst wiederfinden.

Dein Hinweis, dass trotzdem möglichst früh deutlich werden sollte, wohin die Reise geht, nehme ich sehr gerne mit. Genau solche unterschiedlichen Reaktionen auf den Einstieg helfen mir gerade enorm bei der Einschätzung.

Und danke auch für deine offene Einschätzung zum generellen Interesse an Memoirs. Mir ist bewusst, dass es als unbekannter Autor nicht einfach sein wird, Leserinnen und Leser zu erreichen.

Schade, dass dir die Zeit zum Testlesen fehlt – aber schon diese Rückmeldung hilft mir weiter.

Vielen Dank und liebe Grüsse
Sven

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Ich denke, dieses Gefühl hat jeder mal, ist also nichts Besonderes. Damit würde ich eine Biografie auf keinen Fall anfangen, es klingt wirklich etwas wehleidig und weckt auch kaum Interesse.

Auch die folgenden Absätze bestehen eigentlich nur aus Allgemeinplätzen, die in einem

Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum dieses Buch entstanden ist.

enden. Wie @Pamina22 sehr richtig sagt, das ist was für ein Nachwort und interessiert im Haupttext niemanden.
Weiter geht es mit ebenfalls nur allgemeinen Aussagen, ganz ehrlich, so gewinnst du keine Leser.

Eine Biografie kommt zwar ohne den ganzen ‚Katalog‘ der Unterhaltungsliteratur (Action, Geheimnisse, überraschende Wendungen, interessante Figuren … ) aus, trotzdem musst du etwas anbieten, was den Leser fesselt und im Buch hält.
Irgendwelche Floskeln will da niemand lesen, denn darin kann sich mehr oder weniger jeder wiederfinden.

Du brauchst für den Anfang etwas, was sich vom Allgemeinen abhebt, was einen Grund liefert, dass man mehr erfahren möchte.
Deswegen würde ich dieses Vorwort komplett streichen und gleich mit deiner Geschichte einsteigen.
Wenn du magst, stell doch den eigentlichen Anfang auch hier ein, dann kann man mehr dazu sagen.

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100%

Ich möchte noch einmal auf den Threat “Perfekter Anfang” und auch Yoros Schreibtipps dazu hinweisen. Vielleicht kann ja jemand verlinken.

Auch der Podcast “Schreibzeug” widmet dem aktuell eine ganze Folge.

So ist es für mich als Leser nicht interessant genug geschrieben. (Rein als Leser bewertet und völlig von Deiner sehr persönlichen Geschichte getrennt)

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Hier der gewünschte Link:

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Ich denke, du musst eine grundsätzliche Entscheidung zum Genre treffen. (Sachbuch oder Roman)

Dein erster Abschnitt hat mich nicht. Ich empfinde Mitgefühl. Ich erkenne Themen, die mich berühren könnten - wie fast jeden erwachsenen Menschen. Aber ich bleibe komplett außen vor. So bekomme ich keine emotionale Bindung zu dir und deiner Geschichte.

Wenn du das schaffen willst, musst du deine Gefühle zeigen und nicht erklären. Du musst es schaffen, dass ich deine Tränen weine.

Ich glaube, dass dieses Thema bewegend sein kann und es kann dir sicher helfen, weiter zu heilen. Aber ich fürchte, dieses Thema erreicht kein großes Publikum, weil es so hart ist. Würde ich so etwas schreiben, würde ich es mir zur Aufgabe machen, niemals das Licht aus den Augen zu verlieren. Sonst könnte es sein, dass so mancher das Buch weglegt.

Hallo Antje

Vielen Dank für deine ehrliche Rückmeldung. Deinen Punkt mit dem Zeigen statt Erklären möchte ich auf jeden Fall ernst nehmen.

Darf ich dir deshalb noch eine spätere Szene aus dem Buch schicken? Mich würde interessieren, ob du dort beim Lesen einen Unterschied zum Anfang bemerkst.

Mich interessiert dabei wirklich deine spontane Wirkung als Leserin – ohne dass ich dir vorher erkläre, was ich mit der Szene erreichen wollte.

Liebe Grüsse
Sven

Hallo Sven

Das kannst du gerne machen.

Das Hospiz

Als wir im Hospiz ankamen, stand es schlecht um meinen Vater.

Mein Vater sprach immer wieder vom Regenbogen.

«Wenn meine Zeit kommt, gehe ich über den Regenbogen. Dort wartet deine Mutter auf mich.»

An diesem Tag glaubten wir, dass dieser Moment gekommen war.

Wir blieben ungefähr fünf Stunden bei ihm.

Dann baten uns die Ärzte, nach Hause zu gehen und ihm etwas Ruhe zu geben. Sollte es so weit sein, würden sie uns anrufen.

In dieser Nacht schlief ich kaum.

Am nächsten Morgen kam tatsächlich ein Anruf.

Ich rechnete mit dem Schlimmsten.

Doch mein Vater war wieder ansprechbar.

Ich war erleichtert.

Am Abend fuhren meine Freundin und ich zu ihm.

Als wir sein Zimmer betraten, lag mein Vater im Bett. Seine linke Hand lag auf dem Schalter, mit dem er das Bett hoch- und runterfahren konnte.

«Hallo Papa. Wie geht es dir?»

«Es geht.»

«Möchtest du etwas essen?»

«Nein, ich habe keinen Hunger.»

Er drückte auf den Schalter. Das Bett fuhr hoch.

Kurz darauf wieder runter.

Wir liessen ihn machen und schauten mit ihm fern.

Nach ungefähr zwei Stunden wollten wir langsam gehen.

«Papa, wir gehen dann. Du solltest ein bisschen schlafen.»

Er sah zu mir.

«Kann ich doch noch etwas essen?»

«Natürlich.»

Ich ging in die Küche. Das Personal machte ihm ein kleines Plättchen mit Brot, Butter, Konfitüre, etwas Aufschnitt und Kaffee.

Ich brachte es ihm ins Zimmer.

Meine Freundin setzte sich zu meinem Vater. Sie machte ihm kleine Schnitten und half ihm beim Essen. Auch beim Joghurt half sie ihm.

Ich sass daneben und beobachtete die beiden.

Da kam mir wieder der Satz ihrer Chefin in den Sinn:

«Es ist ja nicht dein Vater. Was willst du dort?»

Ich sah meine Freundin an, wie sie meinem Vater beim Essen half.

Für sie war er eben nicht einfach nur der Vater ihres Freundes.

Als der Teller leer war, sah ich meinen Vater an.

«Hat es dir geschmeckt?»

«Ja.»

«Bist du satt oder soll ich dir noch etwas holen?»

«Ich könnte noch etwas essen.»

Also holte ich ihm eine zweite Portion.

Auch die ass er.

«Und jetzt? Bist du satt?»

«Ja.»

«Gut.»

Irgendwann wurde er müde.

Wir verabschiedeten uns und liessen ihn schlafen.

Es sollte seine letzte Mahlzeit sein.

Am nächsten Morgen ging ich früh zu ihm, bevor ich zur Arbeit fuhr.

Er war erstaunlich gesprächig.

Wir redeten über Sport. Über das Wetter. Über ganz normale Dinge.

Als ich gehen wollte, fragte mein Vater:

«Kommst du heute Abend wieder?»

«Klar. Dann können wir zusammen essen.»

«Das ist gut. Bis später.»

Ich verliess das Hospiz mit einem guten Gefühl.

Ich glaubte, wir hätten noch etwas Zeit.

Ich wusste nicht, wie wenig davon noch übrig war.

Der Engel

Am Nachmittag traf ich mich mit meiner Freundin zu Hause. Bevor wir zu meinem Vater fahren konnten, mussten wir uns wegen der damaligen Corona-Regeln noch testen lassen.

Wir waren bereits losgefahren, als meiner Freundin plötzlich etwas einfiel.

Sie wollte meinem Vater noch einen Engel mitbringen.

Also drehten wir um.

Ich parkierte vor der Wohnung. Sie stieg aus und ging hinein, um den Engel zu holen. Ich blieb im Auto sitzen.

Dann klingelte mein Telefon.

Es war die Freundin meines Vaters.

«Hallo Sven. Er hat es überstanden und ist über den Regenbogen bei deiner Mutter angekommen.»

Stille.

In diesem Moment konnte ich nichts sagen.

Meine Freundin kam zurück zum Auto. Den Engel hielt sie in der Hand.

«Du glaubst nicht, was passiert ist. Ich nahm den Engel und dann fielen die Flügel ab. Ich bin so erschrocken.»

Ich sagte nicht viel.

Sie sah mich an.

«Ist alles in Ordnung?»

«Wir müssen uns nicht mehr beeilen. Er hat es überstanden.»

Da wurde es endgültig real.

Auch mein Vater war nicht mehr da.

Auf der Fahrt zum Hospiz sprachen wir kaum. Falls wir etwas sagten, weiss ich heute nicht mehr, was es war.

Als ich sein Zimmer betrat, kam das Bild meiner Mutter zurück.

Mein Vater lag ganz ruhig da. Friedlich. Fast so, als hätte sein Körper nach all den Monaten endlich aufgehört zu kämpfen.

Ich blieb bei ihm.

Und ich bedankte mich.

Für das, was er für mich getan hatte. Für die Gespräche. Für die Zeit. Dafür, dass er mir nach meiner Trennung ohne eine Sekunde zu zögern wieder die Tür zu seinem Haus geöffnet hatte.

«Welches Zimmer möchtest du?»

Dieser Satz war damals so einfach gewesen. Heute weiss ich, wie viel darin steckte.

Mein Vater starb im Februar 2022.

Meine Mutter war schon gegangen. Nun war auch er gegangen.

Zwei Menschen, die für mich lange selbstverständlich zu meinem Leben gehört hatten, waren plötzlich nur noch in meinen Erinnerungen da.

Mein Vater hatte immer gesagt:

«Wenn meine Zeit kommt, gehe ich über den Regenbogen. Dort wartet deine Mutter auf mich.»

Ich weiss nicht, was nach dem Tod kommt.

Aber ich mochte diesen Gedanken.

Und ich hoffte, dass er recht hatte.

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Natürlich berührt die Schilderung dieser Szene den Leser! Aber so oder ähnlich erleben viele von uns das Ableben uns Nahestehender. Wenn auch offensichtlich zu früh (leider geht nicht daraus hervor wie früh), so klingt der Abschied zwar traurig, aber zugleich friedvoll. Was der Verlust für dich bedeutet, ist leider nur zu gering spürbar, doch das ist der Kern eines Memoirs. Du reihst offensichtliche Ereignisse stenoartig, aufsatzgleich aneinander. Die seltsame Formatierung verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Für ein Memoir mit deinem gewählten Schwerpunkt, erfährt der Leser definitiv zu wenig über deine Emotionen, bzw. was diese Augenblicke in dir bewirkt haben, außer dem, was andere in ähnlichen Situationen gleichermaßen empfinden. Eigentlich nur in diesen Absätzen, von denen der zweite aufgrund fehlender Infos etwas kryptisch anmutet:

Die Gratwanderung ist schwierig! Ein Memoir ist einerseits höchst persönlich, sollte aber weder larmoyant noch zu flapsig verfasst werden, aber unbedingt im Ergebnis einen ‘Mehrwert’ für viele Leser aufweisen. So, wie es ein Gespräch, ein Austausch mit Menschen ähnlicher Erlebnisse hätte. In Vorbereitung auf mein Memoir hatte ich zahlreiche Bücher des gleichen Genres gelesen, um Unterschiede erkennen zu lernen und Wiederholungen des immer gleichen Inhaltes zu vermeiden. Ich wollte unter keinen Umständen auf die deprimierende Schiene “Mein Vater ist tot, meine Mutter ist tot, und mir ist auch schon ganz schlecht” geraten. Solltest du das nicht schon getan haben, würde ich dir dringend dazu raten – und schau dir auch die Rezensionen dazu an, anhand derer man ein wenig ablesen kann, was Leser erwarten.

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Hallo Sven,

mir geht es ähnlich wie Heather. Du bleibst zu sehr außen vor.

“Als wir im Hospiz ankamen, stand es schlecht um meinen Vater.” - Das ist eine Schilderung. Das Wort “schlecht” ist zu allgemein. Es verrät nicht, was du siehst, oder hörst, oder riechst und vor allem erfährt niemand, was diese Wahrnehmungen in dir auslösen.

“Ich rechnete mit dem Schlimmsten.”/ “Ich war erleichtert.” - das ist zu allgemein.

Jeder weiß, was du meinst. Aber niemand weiß, wie es dir damit geht. Gefühle lösen Gedanken aus, Gedanken und Gefühle körperliche Reaktionen, diese wiederum Aktionen. (Unruhe, Starre, Schweigen oder Redefluss, Rückzug oder körperliche Nähe usw.) Aber wir erfahren nichts darüber.

Das ist ein super Beispiel! Ich vermute, du warst dankbar für ihre Hilfe, ihre Anteilnahme, ihre Unterstützung und vor allem, weil sie ECHT war, weil es deiner Freundin um deinen Vater ging. Sie hat das aus Sympathie für ihn gemacht und nicht nur, weil sie deine Freundin war. Was hast du gefühlt, als dir das klar wurde? Was hast du getan? Ihren Blick aufgefangen? Sie angelächelt? Ihre Hand genommen?

Verständlich - aber etwas, irgendetwas hast du gefühlt, dein Körper hat reagiert. Hast du geweint? Hast du den Atem angehalten? - Irgendwas muss da gewesen sein.

Auch die Zeitsprünge/Rückblenden empfinde ich (ist nur mein persönlicher Eindruck) etwas konfus. Sie machen absolut Sinn, gehören hinein, weil sie zum Gesamtbild gehören. Aber ich würde sie deutlich vom übrigen Rest trennen und dann genauer sein.

Jemand hatte die Tür zu ihrem Zimmer offen gelassen. Es war nicht mehr wichtig. Der Anblick des Totenaufzuges würde sie nie mehr ängstigen. Jetzt ängstigte er nur noch mich. Heute war ihr Zimmer das Einzige, vor dem Kerzen brannten. Einige waren fast abgebrannt. Andere würden noch Stunden leuchten. Die Flämmchen sahen so unbewegt aus, wie gemalt. Aber was sollte sie auch bewegen? Hier ging niemand schnell genug, einen Luftzug zu erzeugen. Hier hatte Eile jeden Sinn verloren. Ich spürte die Hand meines Vaters im Rücken. Ich ging weiter, vorbei an der weißen Rose auf ihrer Schwelle.

Jemand hatte die Vorhänge geschlossen. Doch die Aprilsonne ließ sich nicht aussperren. Sie tauchte das Zimmer in unwirklich goldenes Licht. Auf jedem freien Platz standen Vasen mit Blumen. Rosen, Lilien, Nelken, Gerbera … Ihr Kampf dauerte noch an. Doch sie welkten und starben, genau wie sie.

Wie lange standen wir dort? Ich weiß es nicht. Zeit bedeutete nichts mehr.

Jemand hatte ihr Haar gekämmt. Jemand hatte ihre Arme neben den Körper gelegt. Es musste so sein, denn Schlaffi, wie sie ihren gelähmten Arm nannte, lag ebenso ordentlich wie der unversehrte an ihrer Seite.

Ich musterte ihr Gesicht. Der Tod hatte ihre Züge zu einer Maske geleert. Wo auch immer sie war, hier war sie nicht mehr. Ich hörte meinen Vater schluchzen und bemerkte, dass ich weinte.

Verstehst Du? Ich benenne mein Gefühl (mich ängstigen) nur einmal. Ich drücke alle Emotionen durch Sinneseindrücke und Gedanken aus. Ich beschränke mich bewusst auf das Sehen. (Es wäre mehr möglich gewesen) und verwende überwiegend kurze, für mich untypisch einfach formulierte Sätze. (Normal schreibe ich gern Schachtelsätze) als Stilmittel.

Ich glaube, es ist sehr hart, dorthin zurückzukehren. Überlege dir gut, ob du das wirklich schaffst. Wenn du nur an der Oberfläche bleibst (was ich verstehen könnte), erreichst du die Leser nicht.

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Hallo Sven,

sieh es (und seht es) mir nach, wenn meine Antwort hakt, und sei es formal. Ich war ewig nicht mehr im Forum.

Deine Einleitung habe ich auszugsweise gelesen. Wie von anderen bereits ausgedrückt würde ich dein Buch nach den ersten paar Zeilen weglegen.

In einer deiner Antworten schreibst du: “Ich erzähle meine Geschichte und überlasse es den Leserinnen und Lesern, ob und was sie darin für sich selbst wiederfinden.”

Quadratisch, praktisch, gut. Sprachlich kann man dran feilen, aber wenn schon Vorwort, dann eher so.

Deine Schilderung des Krankenhausbesuchs ist tatsächlich seltsam formatiert und hat Längen. Aber ich finde sie trocken, und das reizt mich.

Frage ist, worauf du hinaus willst und ob du die Trockenheit durchhältst. Ob sie inhaltlich passt.

Angeregt durch eine Schreibfreundin habe ich Kapitel als auch einzelne Szenen durchgeplottet. (Wer macht was wann warum und wo. Anleitungen findest du zu Hauf im Netz.) Das hat hoch lebendige Prozesse in Gang gesetzt. - Keine Ahnung, ob dir das hilft.

Und übrigens - trau dich, kleine Momente zu beschreiben. Es muss nicht immer das große Ganze sein. Pick dir was raus, das dich besonders berührt hat. Das ist authentisch und zieht.

Hermann Hesse schreibt im Demian sinngemäß: Jeder Mensch ist ein besonderer und einmaliger Versuch der Natur. Was ist das Besondere an dir, deiner Erfahrung? Schreibst du aus Dankbarkeit, willst du Klarheit in dein Leben, deine Erlebnisse bringen; willst du verstehen, was passiert ist und wie es dich verändert hat?

Viel Erfolg

Claudia

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