ich bin Sven und arbeite an meinem autobiografischen Buch „Zwei unterschiedliche Welten – Zwischen Funktionieren, Verlieren und wieder Aufstehen“.
Es geht um Familie, Verlust, Verantwortung, Depression, finanzielle Krisen und darum, was passiert, wenn man jahrelang glaubt, immer funktionieren zu müssen.
Ich suche ehrliche Testleser und möchte zunächst nur eine 27-seitige Leseprobe schicken. Mich interessiert vor allem: Packt euch die Geschichte? Verliert ihr irgendwo den Faden? Und würdet ihr danach freiwillig weiterlesen?
Wer Lust hat, darf sich gerne hier oder per PN melden.
Klar, gerne
Ich stelle gleich die ersten zwei Seiten hier ein. Mich würde besonders interessieren, ob dich der Einstieg neugierig macht und du danach weiterlesen würdest. Danke dir!
Es gab Stunden, Tage, Wochen und sogar Monate, in denen ich das Gefühl hatte, die ganze Welt sei gegen mich.
Heute weiss ich, dass mein Leben nicht nur aus diesen Zeiten bestand. Ich hatte eine schöne Kindheit, eine Familie, zwei grossartige Söhne, berufliche Erfolge und viele Momente, für die ich dankbar bin.
Aber ich habe auch erfahren, wie schnell sich ein Leben verändern kann.
Ich habe Menschen verloren, die ich liebte. Ich bin psychisch an meine Grenzen gekommen. Beziehungen sind zerbrochen. Ich habe Entscheidungen getroffen, auf die ich heute anders zurückblicke. Und ich habe erlebt, wie es sich anfühlt, wenn man nach aussen weiter funktioniert, obwohl im Inneren schon lange nicht mehr alles in Ordnung ist.
Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum dieses Buch entstanden ist.
Lange Zeit glaubte ich, stark zu sein bedeute, weiterzumachen. Probleme selbst zu lösen. Niemanden zu belasten. Aufzustehen und einfach wieder zu funktionieren.
Heute sehe ich vieles anders.
Dieses Buch erzählt keine Geschichte von einem Menschen, der immer alles richtig gemacht hat. Ganz im Gegenteil. Ich habe Fehler gemacht. Ich habe Dinge verdrängt, gelogen, mich überschätzt und manchmal viel zu spät erkannt, dass ich Hilfe gebraucht hätte.
Aber genau deshalb möchte ich meine Geschichte erzählen.
Nicht, weil ich dir erklären möchte, wie du dein Leben leben sollst. Ich kenne dein Leben nicht. Ich kenne deine Ängste nicht, deine Verluste und auch nicht die Entscheidungen, vor denen du vielleicht gerade stehst.
Ich kann dir nur zeigen, was mit mir passiert ist.
Vielleicht wirst du dich an der einen oder anderen Stelle wiedererkennen. Vielleicht wirst du den Kopf schütteln und denken: Sven, warum hast du das gemacht? Und vielleicht wirst du manchmal verstehen, warum ich in diesem Moment keinen anderen Weg gesehen habe.
Beides ist in Ordnung.
Meine Eltern haben mir eine schöne Kindheit ermöglicht. Dafür werde ich ihnen immer dankbar sein. Beide mussten viel zu früh aus meinem Leben gehen. Was danach kam, hat mich verändert – genauso wie meine Familie, meine Beziehungen, meine Arbeit, meine Kinder und die Menschen, die mir in den schwierigsten Zeiten zur Seite standen.
Ehrliche und kurze Antwort? In der aktuellen Fassung - leider nein. Hier möchte ich noch nicht weiterlesen.
Und ich kann dir auch sagen, warum. Und ich werde ehrlich sein.
Bitte bedenke, dass ich deinen Text kritisiere, mit dem Ziel, ihn besser zu machen - nicht deine Person!
Da bin ich nicht so sicher, ob das gerade hier zutrifft. Dein Leben ist ja - Gott sei Dank - noch nicht zu Ende. Für eine Autobiografie finde ich das einen seltsamen Titel.
Das ist mir als Einstieg zu wehleidig.
Mal überspitzt formuliert: Ein potenzieller Leser könnte denken, hey, meine Lieblingsrosen sind von Blattläusen befallen, meine Tochter hat eine 5 in der Englischarbeit und mein Chef hat mich heute Morgen angemeckert. Und jetzt soll ich einen Roman lesen über einen Menschen, der glaubt, die ganze Welt sei gegen ihn. Wo doch jeder wissen muss, dass die ganze Welt gegen mich ist!
Was nicht heißt, dass ein Protagonist nicht auch mal „down“ sein kann. Aber als Einstieg finde ich es nicht so passend. Das hier ist der „Köder“. Du musst den Leser davon überzeugen, warum er mehrere Stunden mit deinem Buch verbringen sollte - und nicht mit einem anderen.
Hier passiert nichts. Es werden nur allgemeine Floskeln präsentiert. Ich wette, dass das, was da steht, auch auf Tausende anderer Menschen zutrifft. Wer hat in seiner Lebensmitte nicht schon geliebte Menschen verloren? Das Zerbrechen einer Beziehung erlebt? Gelitten?
Nein, wir wollen wissen, was an deiner Geschichte besonders ist. In welcher Weise hebt sich deine Lebensgeschichte von denen aller anderen ab und macht sie lesenswert?
Diese Frage wirst du nicht mit allgemeinen Floskeln beantworten können.
Solche Überlegungen auf der Metaebene würde ich vielleicht in ein Nachwort schreiben, aber nicht in den Haupttext. Das interessiert nicht. Wir wollen deine Geschichte erfahren.
Wir wollen miterleben, warum du genau der Mensch geworden bist, der du heute bist. Einzigartig. Wertvoll. Durchaus vom Leben gezeichnet. Aber unverwechselbar.
Solche Schlussfolgerungen solltest du dem Leser überlassen, aber sie nicht selbst schreiben. Leser mögen es, beim Lesen mitdenken und interpretieren zu dürfen.
Das erinnert mich an irgendein Märchen, in dem es darum ging, dass drei Geschichtenerzähler auf einem orientalischen Markt die beste Geschichte erzählen sollten. Das Publikum sollte den Besten herausfinden.
Der erste fing ohne Einstieg an und wurde ausgebuht.
Der zweite hatte einen ausschweifenden Einstieg und die Menschen verließen den Platz, weil die Geschichte ewig nicht anfing.
Der dritte machte alles richtig.
Hier habe ich den Eindruck, als wärst du der zweite Erzähler.
Anstatt zu sagen, warum du deine Geschichte erzählen willst und dich zu rechtfertigen, solltest du einfach mal loslegen.
Spätestens hier würde ich aus dem Text aussteigen. Das ist nicht deine Geschichte. Das ist eigentlich noch gar keine Geschichte. Es ist eine Art Vorwort, die aber auf sehr viele Menschen passen würde. Wir brauchen hier aber das Besondere, das dich ausmacht.
Wir müssen hier natürlich auch zwischen Autor und Erzähler unterscheiden. Auch in einer Autobiografie ist das nicht dasselbe.
Aber wenn der Erzähler Sven schreibt, die ganze Welt sei gegen ihn gewesen, könntest du dann nicht eine Szene daraus machen, die genau das zeigt?
War es Mobbing auf dem Schulhof? Worum ging es dabei?
Wurde der Erzähler-Sven bei einer Beförderung übergangen? Wurde in der Firma gegen ihn intrigiert?
Welche Stationen in seinem Leben können deutlich machen, dass er sich fühlte, als hätte er die ganze Welt gegen sich?
Wenn Svens Kindheit schön war - zeig doch ein paar dieser Szenen. Ein gelungenes Weihnachtsfest. Ein Vater, der seinem Sohn geduldig alle möglichen Fragen beantwortet. Das erste eigene Fahrrad, die erste Liebe? Was auch immer.
Dann die Geburt des ersten Sohnes und so weiter.
Ich bin überzeugt, dass du viele interessante Geschichten in deinem Leben findest. Zeig sie uns!
Vielen Dank für deine ausführliche und vor allem konkrete Rückmeldung. Genau diese Art von Kritik habe ich mir mit der Testlesersuche erhofft.
Dein Hauptpunkt ist bei mir angekommen: Ich erkläre am Anfang sehr viel über meine Geschichte, bevor ich sie eigentlich erzähle. Besonders dein Hinweis, dass du das Besondere an meiner Geschichte sehen möchtest, statt allgemeine Aussagen darüber zu lesen, gibt mir einiges zum Nachdenken.
Interessant ist für mich auch dein Hinweis auf den „Köder“. Direkt nach dem Vorwort beginnt das Buch mit einer konkreten Situation aus meinem Leben. Ich werde mir deshalb sehr genau anschauen, ob mein eigentlicher Einstieg vielleicht dort liegen sollte und das Vorwort in seiner jetzigen Form eher bremst.
Beim Satz „Alles, was einen Anfang hat, hat ein Ende“ steckt zwar ein Gedanke dahinter, der sich erst ganz am Ende des Buches auflöst. Aber auch da ist deine Reaktion für mich wertvoll – denn als Leserin oder Leser kennt man diesen Zusammenhang am Anfang natürlich noch nicht.
Ich möchte deine einzelnen Punkte jetzt erst einmal wirken lassen und auch schauen, ob andere Leserinnen und Leser an ähnlichen Stellen hängenbleiben, bevor ich etwas ändere.
Falls du trotzdem noch Lust hast, würde ich dir gerne genau den „Köder“ zeigen, den du in deiner Rückmeldung vermisst hast: die nächsten vier Seiten, auf denen die eigentliche Geschichte beginnt. Mich würde sehr interessieren, ob sich dein Eindruck dadurch verändert – oder ob du auch dort sagen würdest: Nein, das packt mich noch nicht. Beides wäre für mich wertvolles Feedback.
Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und so offen warst. Genau mit solchen Rückmeldungen kann ich arbeiten.
Dein Einstieg in das Buch erinnert mich sehr stark an den meines Memoirs – wenn auch der Spot auf ein anderes Problem gerichtet ist. Leider fehlt mir die Zeit, um mich als Testleserin anzubieten, aber grundsätzlich würde ich weiterlesen wollen. Allerdings hat ein Memoir grundsätzlich andere Anforderungen als ein Roman. Leser, die hier zugreifen, suchen keine Unterhaltung. Also bringen sie die Neugier ohnehin schon mit, und es muss lediglich ganz früh deutlich werden, wohin die Reise geht.
Ich habe für mich bspw. Ratgeber- und Sachbuchanspruch rigoros ausgeschlossen und nur einen persönlichen Erfahrungsausschnitt geteilt, von dem andere möglicherweise profitieren könnten, indem sie sich spiegeln können, um einen eigenen Weg zu finden. Natürlich dient ein Memoir auch neugierigen Menschen möglicherweise als Verständnishilfe.
Dein Einstieg liest sich so, als wäre das auch deine Intention. Leider ist das generelle Interesse für solche besonderen Bücher sehr gering, es sei denn, Leser könnten in das Innenleben von Promis schauen. Ich wünsche deinem Memoir mehr Beachtung als meines fand!
Vielen Dank für deine Rückmeldung und auch für den Vergleich mit deinem eigenen Memoir.
Besonders interessant finde ich, dass du aus dem Einstieg bereits die Intention herausliest, die tatsächlich hinter meinem Buch steht. Ich möchte keinen Ratgeber schreiben und auch niemandem erklären, wie er sein Leben führen soll. Ich erzähle meine Geschichte und überlasse es den Leserinnen und Lesern, ob und was sie darin für sich selbst wiederfinden.
Dein Hinweis, dass trotzdem möglichst früh deutlich werden sollte, wohin die Reise geht, nehme ich sehr gerne mit. Genau solche unterschiedlichen Reaktionen auf den Einstieg helfen mir gerade enorm bei der Einschätzung.
Und danke auch für deine offene Einschätzung zum generellen Interesse an Memoirs. Mir ist bewusst, dass es als unbekannter Autor nicht einfach sein wird, Leserinnen und Leser zu erreichen.
Schade, dass dir die Zeit zum Testlesen fehlt – aber schon diese Rückmeldung hilft mir weiter.
Ich denke, dieses Gefühl hat jeder mal, ist also nichts Besonderes. Damit würde ich eine Biografie auf keinen Fall anfangen, es klingt wirklich etwas wehleidig und weckt auch kaum Interesse.
Auch die folgenden Absätze bestehen eigentlich nur aus Allgemeinplätzen, die in einem
Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum dieses Buch entstanden ist.
enden. Wie @Pamina22 sehr richtig sagt, das ist was für ein Nachwort und interessiert im Haupttext niemanden.
Weiter geht es mit ebenfalls nur allgemeinen Aussagen, ganz ehrlich, so gewinnst du keine Leser.
Eine Biografie kommt zwar ohne den ganzen ‚Katalog‘ der Unterhaltungsliteratur (Action, Geheimnisse, überraschende Wendungen, interessante Figuren … ) aus, trotzdem musst du etwas anbieten, was den Leser fesselt und im Buch hält.
Irgendwelche Floskeln will da niemand lesen, denn darin kann sich mehr oder weniger jeder wiederfinden.
Du brauchst für den Anfang etwas, was sich vom Allgemeinen abhebt, was einen Grund liefert, dass man mehr erfahren möchte.
Deswegen würde ich dieses Vorwort komplett streichen und gleich mit deiner Geschichte einsteigen.
Wenn du magst, stell doch den eigentlichen Anfang auch hier ein, dann kann man mehr dazu sagen.
Ich möchte noch einmal auf den Threat “Perfekter Anfang” und auch Yoros Schreibtipps dazu hinweisen. Vielleicht kann ja jemand verlinken.
Auch der Podcast “Schreibzeug” widmet dem aktuell eine ganze Folge.
So ist es für mich als Leser nicht interessant genug geschrieben. (Rein als Leser bewertet und völlig von Deiner sehr persönlichen Geschichte getrennt)