Suche Buch: Handlung über wenige Stunden

Hallo zusammen!

In meinem derzeitigen Sci-Fi-Projekt erstreckt sich die Handlung nur über knapp 3 Stunden aus verschiedenen Perspektiven. Ich bin noch unsicher, ob das hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Charaktere funktioniert. Immerhin bleibt nicht viel Zeit, die Motive, Hintergründe und Ziele meiner Figuren vorzustellen. Kennt ihr Bücher, deren Handlung sich auch über eine oder mehrere Stunden erstreckt? Ich hätte Interesse zu erfahren, wie das andere Autoren gemacht haben.

Viele Grüße!

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U-uh - 3h - das wird sportlich. Kommt darauf an wie komplex die Handlung ist.
Wenn dein Werk nicht gerade ein Zehn-Seiter werden soll, solltest du den kompletten Handlungsablauf eines jeden Protagonisten quasi minutengenau synchronisieren. Wenn aus Sicht eines Protas um 10:47 Uhr etwas explodiert, kann es ein anderer Prota um 10:49 Uhr nicht benutzen oder sehen. usw. usw.

Ja, das ist mir bewusst. :wink: Weißt du denn über andere Bücher, die sich über ein paar Stunden oder einen halben Tag ziehen?

Mir gefält in dem Zusammenhang nur ein Roman ein:
Ulysses von James Joyce.
Mehrere hundert Seiten für einen Tag in 18 Episoden.

Gruß
Klaus

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Puhh also Ulysses lesen ist aber auch eine ambitionierte Aufgabe… :sweat_smile: Ich würde erst mal mit Isherwood - A Single Man (Der Einzelgänger) anfangen. Die Handlung umfasst allerdings einen ganzen Tag.

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Die Bücher, die mir einfallen, haben mit SF oder Spannungsliteratur nur wenig zu tun. Aber es gibt da einige Filme. Mit Szenzenwechseln kann ich mir das sehr gut vorstellen. Es geschehen ja oft mehrere Dinge an verschiedenen Orten zur selben Zeit. Vielleicht helfen Kapitelüberschriften. Sowas wie ’ Planet XY, gleiche Zeit.’
Bei ‚Lied von Eis und Feuer‘ habe ich mir über Zeit nie viel Gedanken gemacht, wenn ein Kapitel mit anderen Protagonisten begann, da ich mir als Leser schon dachte, dass einiges zeitgleich geschah, nur eben an anderen Orten.

Da stimme ich dir uneingeschränkt zu. Aber nach „leichter Literatur“ wurde nicht gefragt. :wink:

Gruß
Klaus

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Ja, ich kenne so ein Buch:
„Grillparty in Eichforst“ von Heinrich von der Haar

Das Buch ist auch aus verschiedenen Perspektiven. Heinrich ist ein befreundeter Autor. Ich war einer der Testleser. So ein Format kann funktionieren. Die Figuren und die Handlung machen ihre Entwicklungen dann in einer kürzen Zeitspanne. Das macht im subjektiven Erleben beim Lesen keinen Unterschied, ob sich eine Geschichte über Jahre oder Stunden zieht. Du kannst mit den Figuren auch in ein paar Stunden eine Heldenreise durchmachen.

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Es brauchen keine Sci-Fi Bücher sein. Welche fallen dir denn ein?

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Miss Pettigrews grosser Tag. Ich glaube Winifred Watson. Aber nur aus ihrer Perspektive, soweit ich mich erinnere. Bin unterwegs, denke heute aber noch ein wenig nach. Mir fallen gerade die Titel nicht ein.

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Geschöpfe der Nacht, von Dean Koontz spielt glaube ich in 12 Stunden, aber aus einer Perspektive. Tatsächlich hat mir das damals sehr geholfen, zu verstehen, wie dicht eine Handlung gestrickt sein kann.
3h stelle ich mir möglich vor, wenn man parellele Handlungen beschreibt.

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„Vierzehn“ von Tamara Bach und „Hotel Amerika“ von Maria Leitner fallen mir da ein, aber die gehen über einen Tag (12 Stunden). „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf lief doch auch nur in wenigen Stunden eines Verhörs ab (und gewann Substanz durch die ausgedehnten Rückblenden). Gleiches „Dolores“ von Stephen King und „Erschlagt die Armen“ von Shumona Sinha. „Als die Stadt in Flammen stand“ von Kimberly Jones geht über einen halben Tag (ohne Rückblenden). Aber auf die Distanz von drei Stunden fällt mir jetzt auch keines ein.

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Beispiele aus der Literatur:
Friedrich Dürrenmatt: "Der Besuch der alten Dame (Ein einziger Nachmittag)
Jean-Paul Sartre: „Geschlossene Gesellschaft“ (Drama, wenige Stunden)
Franz Kafka: „Das Urteil“ (ein Vormittag)
Ernest Hemingway: „The Killers“ (ein Abend)
Blake Crouch: „Run“ (wenige Stunden)

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Und wer „Literatur“ staubig findet (wie ich :sweat_smile:) dem kann ich den Besuch der alten Dame trotzdem empfehlen. Wirklich witzig. :face_with_hand_over_mouth: und moralisch interessant.
Ohne den Buchclub hätte ich dieses Werk doch glatt verpasst.

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Ansichten eines Clowns von Heinrich Böll. Der Roman umfasst insgesamt nur eine Zeitspanne von wenigen Stunden, beginnend bei der Ankunft in Bonn. Ich habe es im Theater gesehen, wo die kurze Zeitspanne sehr gut wirkt.

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Habe ich ein anderes Tschick gelesen? Daran kann ich mich gar nicht erinnern, dass es nur wenige Stunden sind. Läuft das wirklich alles in Rückblenden?

Stimmt, der Clown - wobei der einige längere Rückblenden enthält.

Ich mag das, örtliches und zeitliches Kammerspiel, gerne übrigens auch im Film.

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Vielleicht irre ich mich (ich mach das öfters). Aber jetzt, wo ich gerade nachsehe: ja. Von Kap. 1 (Verhörbeginn) bis Kap. 48 (Verhörende, einige Stunden später) ist die gesamte Geschichte eine einzige Rückblende. Nur das 49. (letzte) Kapitel spielt einige Tage nach dem Verhör.
Gleiches bei Kings Dolores: 378 Seiten Rückblende (= Verhör) und am Ende noch drei Zeitungsartikel einige Tage später.

Und weil Nopuli Böll erwähnte, auch ein anderer Nachkriegsklassiker spielt sich in nur einer Nacht ab: Siegfried Lenz’ Deutschstunde.

Und Michael Siebens „Das Jahr in der Box“ - gerade so lange, wie man braucht, um einen Umzugskarton zu packen.

Und und und. Zeit ist relativ.

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Interessant. Das war mir überhaupt nicht mehr bewusst. Konnte auch leider nicht mehr nachsehen, weil ich es aus einem Bücherschrank hatte und nach dem Lesen brav wieder dort hingebracht habe.

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Jetzt hab ich was: „Was wir dachten, was wir taten“ von Lea-Lina Oppermann.
Ein knallhartes Kammerspiel über die Geiselnahme einer kompletten Schulklasse. Dauer des Dramas: 143 Minuten, keine Rückblenden. So spannend, dass die Einnahme von Anxiolytika kein Fehler wäre.

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