Spoilern in Rezensionen?

Moin!
Ich lese viel und gerne und mache mir natürlich auch meine Gedanken über die gelesenen Bücher. Immer wieder überlege ich, ob ich mir nicht angewöhnen sollte, hin und wieder ein paar dieser Gedanken aufzuschreiben und als Kurzrezensionen in irgendeiner Form ins Netz zu stellen (Blog, Instagram, wie auch immer…). Allerdings ist es nun einmal so, dass ich nicht bloß die gerade angesagten Bücher lese, sondern oft und gerne auch solche, die ein paar Jahre alt sind und gerade verramscht werden… Außerdem ist es so, dass ich mir durchaus auch kritische Gedanken mache und mich hin und wieder auch ärgere über unlogische Sachen im Plot und so weiter… wenn ich darüber berichten will, müsste ich aber „Spoilern“ - also das Ende eines Krimis / Thrillers verraten. Soll ich also lieber die Klappe halten (was ich aktuell ja auch tu)? Wie seht ihr das aus Autorensicht?

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Beispiel: Gerade habe ich „Draußen“ von Klüppel/Kobr gelesen. Der erste Thriller des Kluftinger-Autoren-Teams. Habe ich für 5 Euro auf dem Wühltisch bekommen, das Buch stammt von 2019. Ein spannender Thriller, zweifelsohne… war ja auch lange genug in den Bestsellerlisten…
Allerdings habe ich mich über den aus meiner Sicht völlig unglaubwürdigen Plot der Hintergrund-Geschichte geärgert… hätte man mir mit Sicherheit nicht durchgehen lassen, wenn ich damit irgendwo um die Ecke gekommen wäre…

Mach ich auch.

dito

Das finde ich persönlich furchtbar. Man kann auch so sagen, dass einem das Ende nicht gefallen hat, weil unlogisch oder was auch immer. Deshalb muss man noch lange nicht den Inhalt verraten. Außerdem stören den einen oder anderen Leser logische Fehler möglicherweise überhaupt nicht. Da wäre es doppelt unfair (dem Leser gegenüber sowie dem Autor gegenüber), das Ende zu verraten.
Ich lese zum Beispiel sehr gern Andreas Eschbach, den ich erst vor ein paar Jahren über dieses Forum entdeckt habe. Alles, was ich bisher von ihm gelesen habe, finde ich gut, sehr gut oder herausragend. Seine Ende gefallen mir dabei so gut wie nie.
Deshalb muss ich ja nicht gleich das ganze Werk verreißen, in dem Sinne, dass ich das Ende verrate, nur weil es mir nicht gefällt.

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Man könnte den Spoiler natürlich deutlich kennzeichnen, wenn es gar nicht anders geht. Und wer sich dann nicht beherrschen kann und liest, ist selbst schuld ^^
Ich suche manchmal sogar nach Spoilern in Rezensionen. Wenn ein Buch so richtig zerissen wird und alle nur andeuten, dass das Ende der totale Unfug ist, bin ich neugierig. Will aber so ein Buch natürlich nicht selbst lesen;)

Ich suche als Leser gezielt nach den Rezensionen, in denen etwas vom Inhalt erzählt wird. Denn ich möchte vor dem Buchkauf wissen, ob es sich um ein Happy-End-Buch handelt, was man nur anhand des Klappentextes häufig nicht einschätzen kann.

Ich würde allerdings keine Sammlung von Rezensionen in einem Blog oder auf Instagram lesen. Wenn ich mich über ein Buch informieren möchte, schaue ich beim großen A… vorbei und suche mir dort gezielt 3-Sterne-Rezensionen mit langem Text heraus.

Und du möchtest wirklich vorher schon das Ende kennen?

Nicht in alle Einzelheiten, aber ob es happy, traurig oder offen ist.

Ich lese auch gut geschriebene Krimis gerne mehrmals, obwohl ich dann schon weiß, wer der Mörder ist.
Ich habe natürlich viel mehr davon, wenn der Rezensent schreibt „Mir war der Krimi zu weich, das Ende absehbar, keine Überraschungen, alles löst sich am Ende wie erwartet in Wohlgefallen auf“ als wenn der Rezensent schreibt „Ich habe mir sofort gedacht, dass der Gärtner der Mörder war, und so war es dann auch.“ Das erste hilft mir einzuschätzen, ob mir das Lesen Freude machen wird, während das zweite mir gar nichts bringt.

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Auch das gehört zur Kunst des Rezensierens: Ein schlechtes Buch nach Strich und Faden zu verreissen, ohne dabei irgendwas Inhaltsrelevantes zu verraten.
In einer Rezension, die einem ja als Entscheidungshilfe dienen soll, ob man sich das Buch jetzt kauft oder lieber doch nicht, finde ich es das Allerletzte, wesentliche Dinge aus dem Inhalt zu verraten und damit potentiellen Lesern jede Überraschung zu verderben. Das ist einfach nur unfair, sowohl den Lesern als auch dem Autor gegenüber.

@benno, wenn du sowas vorhast, würde ich ein Literaturblog oder so eröffnen, da kannst du oben drüber einen dicken Disclaimer packen und dann nach Lust und Laune den Inhalt zerlegen.

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Von mir ein klares Nein als Antwort.
Stell dir vor, du bist der Autor, hast über ein Jahr an einem Buch getüftelt, geschrieben, Ideen umgeworfen, ganze Kapitel neu geschrieben, endlich wird das gute Stück veröffentlicht und in der ersten Rezension - ob positiv oder negativ - schreibt dann irgend so ein Dummdödel „Dass sich das Enkelkind als der Serienkiller entpuppt war wirklich eine Überraschung für mich“. Da hätte ich das spontane Bedürfnis, denjenigen nähere Bekanntschaft mit einer Bratpfanne schließen zu lassen. Oder als Leser/Fan einer Serie, die man schon über mehrere Bände verfolgt, erwartungsvoll etwas über den allerneuesten Teil erfahren will, und in der Rezension steht dann: „Endlich löst sich das Rätsel über die Bewohner des kleinen Dorfes in der Lüneburger Heide: Es sind die griechischen Götter, die von Zeus gezwungen wurden, vom Olymp aus dahin umzuziehen.“
Man sollte schreiben, wie man die Geschichte fand, aber nicht, was die Geschichte eigentlich ist. Öde, vorhersehbar, klischeehaft, überraschend, seltsam, der Handlungsstrang mit der Kirche war überflüssig - alles fein, aber Spoiler gehen m. M. n. gar nicht. Am schlimmsten, wenn sie ohne Vorwarnung passieren.

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Ich weiß nicht, ob das bei Rezensionen akzeptabel wäre, aber wenn es ohne Spoilern nicht geht, bietet sich das Verfahren ROT13 an. Dadurch wird der Text unmittelbar unlesbar, lässt sich jedoch mit Tools leicht wieder in die lesbare Form rückverwandeln.

Beispiel: Der Text „Vpu ova rva hayrfreyvpure Fngm“ heißt im Klartext „Ich bin ein unleserlicher Satz“. Möglich ist das zum Beispiel mit dem freien Firefox-Addon „Cryptext“.

Wenn ich eine Rezension lese, gehe ich vorsichtshalber davon aus, unerwartet angespoilert zu werden. Schließlich handelt es sich um die Besprechung - und Bewertung - eines Werkes, soll diese nicht oberflächlich bleiben, muss der Besprechende auf den Inhalt eingehen.

Was ich oft sehe, ist eine möglichst spoilerfreie Einführung, gefolgt von „Achtung - ab hier droht Spoilergefahr“. Dann kann der Leser entscheiden, ob er den Text liegen lässt, bis er das Buch gelesen oder den Film gesehen hat, oder vorab schon mehr wissen möchte.

Zumindest in Foren - auch in diesem - gibt es häufig einen Spoiler-Tag:

Hier wird gespoilert, was das Zeug hält …

Gruß,
misc

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Danke, das war mir neu!

Kunststück. Der Mord geschah ja auch auf einer Gartenmesse. :sweat_smile:

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Ich rezensiere gar nicht. Bei Amazon darf man Autorenkollegen gar nicht rezensieren und sonst? Es bringt oft nichts, denn die Hardcorefans erkennen Mist nicht, selbst wenn man ihnen sagt, dass es Mist ist. Kollegen sind selten dankbar, es sein denn über eine Lobpreisung. Außerdem muss man damit rechnen, dass es bei einem Verriss eine Retourkutsche gibt und der rezensierte Kollege die eigenen Bücher niedermacht. Wenn man eh nur eine Handvoll Rezensionen hat, ist das heftig.
Falls überhaupt je, schreibe ich eine sehr gute Rezension, um denjenigen zu ermuntern. Aber das sind Verlagsautoren, die bekommen sowieso genug von allem. Aufmerksamkeit, Sichtbarkeit, Werbung. Oder warum sollte ich die dreitausendzweihundertfünfundachtzigste Rezension zu »Das Parfum« schreiben?