Siebenbergen - Band 1

Bevor ich mich noch länger verstecke … Ich habe Band 1 meiner Trilogie fertig geschrieben, jetzt sitze ich an der zweiten Überarbeitung. Es wäre wundervoll euer Feedback zur ersten Szene zu bekommen, damit ich einschätzen kann, ob sie überhaupt zum weiterlesen animiert.

WORUM ES GEHT

Ich habe bisher keinen zufriedenstellenden Titel gefunden, deshalb Arbeitstitel: Siebenbergen - Band 1.
Die Trilogie ist meine Interpretation/Erzählung von Schneewittchen. Band 1 erzählt die Geschichte von Schneewittchens Mutter, Dalia aus dem Königreich Eichengrund in Siebenbergen. Dem Land eingeschlossen von einer Gebirgskette, deren sieben Hauptberge so hoch in den Himmel ragen, das nie ein Sterblicher ihre Gipfel gesehen hat. Sieben König und Königinnen haben über das Land geherrscht. Friedlich und Harmonisch, vereint im alten Glauben an die dreifache Göttin und den gehörnten Gott.
Dann bestieg der junge Unar den Thron von Hochmar. Seitdem herrscht er über die, die sich ihm unterordnen und führt erbitterte Kriege, gegen die, die es nicht tun.

Um seine Ziele zu erreichen, hat er den schwarzen Drachen erschlagen, in seinem Blut gebadet und dessen Herz gegessen. Jetzt kann keine Waffe mehr seine Haut durchdringen.

Nur eines fehlt ihm noch um sich vollkommen zu fühlen - ein Kind, das seine Blutlinie fortträgt.

MEIN TEXT

Wulberts wanderte durch seine Kammer. Sein Weg führte ihn immer wieder zurück zu der Truhe, in der er den Brief versteckte, seit ihn der Bote vor drei Tagen aus dem Bergreich gebracht hatte. Vielleicht ließ sich Dalias Schicksal noch abwenden.

Es war der Letzte von vielen. Im Ersten hatte er Folgendes gelesen:

An König Wulbert und Königin Mathild,

hiermit bitte ich euch um die Hand eurer Tochter, Prinzessin Dalia von Eichengrund.

Gezeichnet
König Unar, Herrscher von Siebenbergen

Das war alles. Darunter das Siegel Hochmars, das Abbild des brüllenden Bären, in rotes Wachs gepresst.

Wulbert hatte den Brief gelesen, ihn zusammengefaltet und auf den Boden der Truhe versteckt. Tage vergingen, wurden zu Wochen, das Jahresrad drehte sich weiter. Er hörte Kunde von einer Hochzeit. Der Antrag war verstrichen. Erleichtert holte er das Papier hervor und warf es in einem unbeobachteten Moment ins Feuer. Hatte er richtig gehandelt? War er ein schlechter Vater, wenn er seiner Tochter diese Heirat verwehrte?

„Unsinn. Dalia ist noch viel zu jung. Eine Heirat hat noch Zeit.“ Das hatte er sich vor all der Zeit eingeredet. Ein Jahr kam und ging. Dann traf der zweite Brief ein:

An König Wulbert und Königin Mathild,

ich, König Unar, Herrscher von Siebenbergen, halte hiermit um die Hand eurer Tochter, Prinzessin Dalia von Eichengrund, an.

Ich erbitte eure Antwort bis zum nächsten Mond.

Gezeichnet
Unar, der Glorreiche, Herrscher von Siebenbergen, König von Hochmar

Wulbert ließ sich die Sache zwei Mal durch den Kopf gehen, bevor er den Brief ebenfalls in die Truhe legte.

Jedes Frühjahr erreichte ihn ein neues Gesuch und er entledigte sich des vorangegangenen. Je größer der Einfluss Unars auf die Geschicke der Welt wurde, desto härter wurde sein Tonfall. Und trotzdem legte Wulbert alle Schreiben bis zu ihrem Feuertod in die Truhe. Sein Herz pochte, wenn er die Kammer betrat. Nachts lag er oft wach, hörte ein Rascheln, das vom Fußende des Bettes kam. Bildete sich ein, das gefaltete Papier versuche, aus seinem hölzernen Gefängnis zu entkommen. Sah er nach, lag das Pergament verborgen unter seiner verbeulten Rüstung.

Vier mal war es seitdem Frühling geworden, dieser war der Fünfte. Jeden Morgen wartete Wulbert vor dem Tor, das die Feste in der Nacht sicher verschloss. Bis der Tag kam, an dem der Bote sich der Bote aus dem Nebel schälte. Er nahm ihm den Brief ab und war froh, dass der Mann seine Einladung zum Essen ablehnte. So zog er sich in seine Kammer zurück, um das Schreiben ungestört zu studieren.

An König Wulbert und Königin Mathild,

die Eskorte für eure Tochter, Prinzessin Dalia von Eichengrund, ist auf dem Weg. Wir rechnen mit ihrer Ankunft am Dritten des Wurmmondes.

Gezeichnet
König Unar, glorreicher Herrscher von Siebenbergen, Bezwinger des schwarzen Drachens, Herr von Hochmar

Es war vorbei. Keine Bitte, keine Wahl, sondern die Verkündigung eines Ultimatums. Kurz dachte er darüber nach, sein Kind fortzuschicken. Doch ihm war klar, dass es keinen Ort auf der Welt gab, an dem sie sich vor dem König der Könige verbergen konnte. Er musste es Mathild sagen. Und Dalia.

„Ach Mathild,“ er rieb sich die müden Augen, „wirst du es überhaupt verstehen? Kannst du nachvollziehen, was ich getan habe?“ Das Gedächtnis seiner Königin war löchrig wie eine von Motten zerfressene Decke. Vor ein paar Wochen hatte er sie aus einem Alptraum geweckt. Sie erkannte ihn nicht. Ihr Geschrei weckte die Kinder. Erst als Dalia sie in den Arm nahm, kam sie zu sich. Was sollte er nur ohne seine Tochter tun?

Auch ihn verschonte die Zeit nicht. Seine Arme waren nicht mehr stark wie früher, ein Schwert hatte er schon lange nicht mehr geführt. Die Augen ließen ihn auch im Stich. Bei der letzten Jagd waren die Umrisse der Hasen in der Ferne braune Flecken, seine Pfeile verfehlen ihr Ziel. Wie lange konnte er seinen Anspruch als Herrscher noch aufrechterhalten?

„Ich muss mit Jaron reden.“ Sein Sohn war längst alt genug, um ihn zu beerben, doch lange noch nicht bereit dazu. Diese Heirat würde auch sein Reich schützen, ein Bündnis des Blutes. Aber ausgerechnet Unar. Vier Bräute hatte der Mann verbraucht.

Hätte er die Angelegenheit nur mit Mathild besprochen, als sie noch klar im Kopf war. Jetzt war er gezwungen allein zu entscheiden. Er hatte zu lange gezögert, um die Situation zu lösen. Das Schicksal hatte die Wahl für ihn getroffen.

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Weiterhin verstecken solltest du dich nun nicht mehr. Irgendwann, spätestens dann, wenn man an eine Veröffentlichung denkt und sogar schon den ersten Band einer Trilogie beendet hat – Chapeau! – kommt der Augenblick, um loszulassen und sich zu stellen.

Nun will ich auch ehrlich sagen, dass diese erste Szene nicht genug, oder besser, zu viele gleiche Handlungsabläufe bietet, um eine Aussage zu machen. Fünf Jahre umfasst der Ausschnitt, aber sie nehmen mich nicht mit. Es ist widerum auch nicht so viel Zeit vergangen, um Wulbert und seine Frau so rasant altern zu lassen, wie geschildert wird. Es fehlt mir (gerade zu Beginn) ein Hook, ein wenig mehr Tiefe und Facetten deiner Welt. Vielleicht bin ich aber auch einfach zu ungeduldig als Leser (oder zu verwöhnt), deshalb warte in Ruhe andere Meinungen ab.

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Danke für den Einblick.
Guck, ich habe die fünf Jahre nicht gesehen. Was ja eigentlich transportiert werden sollte, ist das Wulbert den letzten Brief liest und im Kopf Revue passieren lässt, das er noch vier weitere erhalten hat.
Dann ist aber auch mein Bauchgefühl, das das noch nicht der richtige Einstieg ist richtig.

Ich habe die Szene gestrichen und eine spätere die ebenfalls aus der Sicht von Wulbert geschrieben ist. Ist sicher aufgeräumter, wenn einfach bei der Sicht der Protagonistin bleibe.

Also mich animiert es schon weiterzulesen.

Ich finde den Stil sehr angenehm.

Das Einzige für mich: Die Zeit vergeht irgendwie zu schnell, aber gleichzeitig verstehe ich, wieso sie so schnell vergeht.

Es wäre daher eher für mich der Prolog, der, der mich in die Geschichte einbringt.

Tatsächlich war ich auch kurz verwundert, dass die Eltern so “schnell” gealtert sind.

Vielleicht kann man am Anfang schon klar machen, dass sie im höheren Alter sind. (Oder sowas ähnliches; eine gewisse zeitliche Einordnung)

Aber sonst, gefällt mir :+1:t2:

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Hier der Anfang der zweiten Szene, die auch die erste sein könnte:

Dalia saß am Fenster und sah auf das Land hinaus. Unter ihr lagen der Hof von Högi, seine Scholle grenzte an die Mauer der Feste von Eichengrund.

Maja war das Kleinste der Kinder, die morgens durch das Hoftor traten. Sie hatte die Ziegen ausgetrieben, kaum dass es hell wurde. Jetzt saß sie auf einem großen Stein und sah zu, wie die Tiere das gelbe Gras rupften und die Blätter von den dornigen Büschen fraßen. Um sich die Zeit zu vertreiben, sang sie.

Das Lied kam in Fetzen bei ihr an, je nachdem, wie der Wind stand. Am Ende jeder Zeile fiel die Melodie ab. Dalia doch Dalia hatte es bereits viele Male gehört, kannte nun alle Worte, denn Maja sang es jeden Morgen. Am Abend würde sie es ihrer Mutter vorsingen.

Es war eines der wenigen Mittel, die die alte Königin aus ihrem verwirrten Geist hervorlockten. Manchmal konnte sie ihre Mutter dann in der ihr fremd gewordenen Frau erkennen.

Draußen verdunkelte der dicke Teppich aus grauen Wolken das Land. Spärlichlicht nannten sie das fahle Zwielicht. Reste einer fernen Sonne, die hier niemand mehr gesehen hatte seit die Hochöfen im Bergreich Tag und Nacht brannten und Waffen für Unars Heere schmiedeten. Nur die Nacht war noch dunkler.

Aus den Tümpeln jenseits der Höfe drangen klagende Laute, die sich in die Melodie des Mädchens mischte. Die Schlammspringer erwachten und stimmten ihr abendliches Konzert an. Für Maja und ihre Freundin war es das Zeichen die Ziegen zusammen zu treiben und sie nach Hause in den sicheren Stall zu treiben, bevor auch sie sich für die lange Nacht einschlossen. Dalia sprang vom Fenstersims, zog die Läden zu.

Am Kamin wärmte sie die klammen Hände, zog den Umhang enger. Die feuchte Kälte kroch aus dem Boden durch jede Ritze. Nicht einmal der Stein der Feste hielt sie auf.

Dann knarrte das Haupttor. „Elfara!“ Dalia lief aus der Kammer, den Gang hinunter.

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Da finde ich den ersten Text, den du geschickt hast, besser als erste Szene.
Das ist eine gute Fortsetzung, aber nicht der Einstieg für die Geschichte.

Ich würde bei der ersten Szene bleiben und sie auch nicht streichen.

Vielleicht kannst du deine Beschreibung -Worum es geht- als Anfangsszene nutzen/ausschreiben. Und dann einen Übergang zur ersten Szene machen.
Dadurch lernt der Leser direkt die Welt kennen und wird hineingeführt.

Dort würde auch das, was @Heather angemerkt hatte, mit der Tiefe, Facetten der Welt und die Hook, gut reinpassen.

Ich hoffe, du verstehst was ich meine. :sweat_smile:

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Wie soll König Wulbert wirken? Im Moment wirkt er nicht wie ein König. Er verschließt wie ein Kleines Kind die Augen vor dem Problem und hofft das es von selbst verschwindet. So verhält sich kein König.

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Großartig, genauso soll Wulbert wirken, ein gebrochener Mann, der einmal ein König war. Sein Königreich ist nichts mehr wert, besteht nur noch aus einigen Bauern die gerade so über die Runden kommen. Es liegt abgeschieden vom Rest der Welt.
Seine Tochter ist die Letzte die ausgewählt wird, weil alle anderen Optionen aufgebraucht sind.
Wulbert hat aufgegeben, ist zermürbt von der Aussichtslosigkeit. Immerhin braucht er einen guten Grund um seine Tochter, zu der er eine gute Beziehung hat, einem Mann zu “überlassen”, der offensichtlich einen hohen Verschleiß an Frauen hat.
Einerseits sollte die Bedrohung durch die Heirat klar werden, andererseits will ich das Dalia erstmal freiwillig geht.
Ich überlege mal, wie ich das vielleicht noch königlicher, oder besser verständlich umsetze.
Danke für dein Feedback Werkatze

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Danke für das Feedback Rose.

Ich habe einen Prolog der in die Welt einführen sollte, aber der ist so schlecht geworden, das ich ihn erstmal gestrichen habe. Dann arbeite ich den nochmal um und aus.

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Hallo IMP,

eine witzige Idee, für ein Märchen Worldbuiling zu betreiben :slight_smile: .

Ich möchte gerne drei Eindrücke mit dir teilen, die ich als “ich-schau-mal-so-rein”-Leser hatte:

  1. Stilistisch, also von Wortwahl, Grammatik, Logik und Verständlichkeit der Sätze: toll, 9 von 10 würde ich sagen.
  2. Dramaturgisch eher mittel. Haben andere Kommentatoren ja auch schon gesagt, es fehlt der Sog. Dabei ist die Idee gut, ein mächtiger König, der immer drängender freit … eigentlich ein Thriller für die Eltern. Vielleicht hilft es hier, vorsichtig ein paar Gefühle der Eltern oder des Vaters einzubauen, nur vorsichtig dosiert. Vielleicht eine Frage, die der König seiner Frau stellt: “Was machen wir, wenn er sie einfach holen kommt?…”
  3. Die Namen: die gefallen mir nicht. Ja, das ist schwierig, denn typische Märchennamen sind zu “kindlich”, aber à la “Herr der RInge” geht auch nicht. Mathild ist gut, aber dass der Vater von Schneewittchen “Wulbert” heisst, und sie selbst “Dalia” (ist das überhaupt Schneewittchen?). Ich glaube, die Namen aus Grimms Märchen sind nicht im Mittelalter zu verorten, sondern in der frühen Neuzeit, vielleicht fährst du damit besser. Aber vielleicht stehe ich mit meiner Namens-Meinung auch eher allein…

Auf jeden Fall: Weiterhin viel Erfolg, ein tolles Projekt!!! Und so viele Fortsetzungen möglich, die Gebrüder Grimm liefern ja endlos Stoff!

@Martin1971 Danke für dein Feedback.
Drama: Das ist mir im gesamten Werk noch nicht so richtig gelungen, da überarbeite ich gerade diverse Stellen.
Dein Vorschlag: Finde ich gut, habe ich auch direkt eine Idee zur Umsetzung.
Familienverhältnisse: Dalia ist nicht Schneewittchen sondern ihre Mutter (die böse Königin). Folglich sind Mathild und Wulbert Schneewittchens Großeltern.
Welt: Ich habe eine ans Mittelalter angelegte Märchen/Fantasywelt genutzt.

Mir ist übrigens aufgefallen, das du das gleiche Zeitsystem(?) benutzt wie ich. Wonnemond und Co.!

Ahh, okay … wie eine böse Königin klingt Dalia schon eher, weiss der Teufel warum :ogre:

Meine Texte waren noch nicht reif für eine Testlesung, also habe ich mir leidensfähige Freiwillige gesucht und mit ihrer Hilfe das komplette Buch überarbeitet. Bis auf die letzten drei Kapitel ist alles soweit “fertig” und ich bin mir sicher, dass ich keine großen Änderungen mehr an den ersten Kapiteln machen werde.

Deshalb hier mein überarbeiteter/neugeschriebener Einstieg ins Buch:

Prolog

Aus der Chronik von Siebenbergen, Erstausgabe
Verfasst von Kunibert von Quellbach, Chronist von Hochmar

Fünf Prinzessinnen hat König Unar zur Frau genommen. Keine hat ihm ein Kind geboren. Was in ihren Kammern geschah, steht in keiner Chronik, auch nicht in dieser. Ich kann nur festhalten, was jeder in Hochmar weiß. Keine von ihnen hat die weiße Stadt je wieder verlassen.

Kapitel 1 - Dalia

26. Hornung – Feste von Eichengrund

Dalia stieß die Fensterläden auf. Ihr Kater sprang neben ihr auf den Sims und folgte ihrem Blick auf die neblige Landschaft. Nahe ihrer Feste lag der Hof von Högi, und wie jeden Morgen trieb seine Tochter Maja die vier Ziegen aus dem Stall, setzte sich auf einen Stein und begann zu singen, während die Tiere das gelbe Gras rupften.

Unter ihnen, am Tor, stand Dalias Vater, König Wulbert von Eichengrund. Wie jeden Morgen in den letzten fünf Jahren blickte er die kaum noch als solche erkennbare Straße hinunter. Es war zu einer seiner Marotten geworden, wie das Räuspern vor jedem Satz oder die Eigenart, zu den Hunden zu sprechen, wenn er sich mit seinem Sohn unterhielt.

An diesem Morgen wurde seine Geduld belohnt. Ein Mann auf einem struppigen Pony kam aus dem Nebel geritten. „Ein Reiter.“ Dalia strich ihrem Kater über das Fell. „Wir hatten lange keinen Besuch mehr.“

Grüßend beugte sich der Fremde zu Wulbert hinunter, ihr Vater nickte ihm zu und griff nach etwas Hellem in der Hand des anderen, warf einen kurzen Blick darauf und steckte es unter seinen Gürtel. „Ein Bote.“ Neugierig reckte Dalia sich weiter aus dem Fenster und sah, wie die beiden Männer miteinander einige Worte austauschten. Dann wendete der Bote sein Reittier und trabte davon. Der Nebel verschluckte ihn, kaum dass er sich ein paar Längen entfernt hatte. Als Dalia ihren Blick wieder zum Tor richtete, war ihr Vater verschwunden.

Sie machte sich auf den Weg zum Morgenmahl, um zu erfahren, welche Nachricht eingetroffen war.

Geduldig wartete sie den ganzen Vormittag darauf, dass Wulbert davon erzählte.

Er tat es nicht.

***

Ich hänge auch das gesamte erste Kapitel als PDF an:

Die purpurrote Königin - Kapitel 01.pdf (107,6 KB)

Ich finde Dalia als Hauptfigur hier zu passiv. Sie beobachtet zunächst ihre Umgebung, dann ihren Vater und schließlich den Boten. Sie wird neugierig, geht zum Morgenmahl und wartet darauf, dass ihr Vater etwas erzählt.

Dieser Satz soll vermutlich Spannung erzeugen. Aber weshalb wartet Dalia geduldig? Warum fragt sie ihren Vater nicht? Gibt es ein Verbot? Fürchtet sie seine Reaktion? Hat sie gelernt, dass Nachfragen zwecklos sind?
Wenn einer dieser Gründe existiert, könnte gerade darin ein interessanter Charakterkonflikt liegen. Momentan erfahre ich davon nichts. Das nimmt mir die Spannung.

Bei Högi und Maja frage ich mich, ob hier zu viele Informationen gegeben werden, die hier noch gar nicht nötig sind.
Ich weiß überhaupt nicht, wer Högi ist, nur dass er Majas Vater ist. Aber seine eigentliche Rolle in der Geschichte kenne ich nicht. Und der Platz auf der allerersten Seite ist kostbar. Meistens entscheidet sich auf den ersten 1 - 3 Seiten, ob jemand den Roman kauft oder nicht. Wenn Högi oder Maja für diese Szene noch keine Rolle spielen, würde ich sie wahrscheinlich auch noch nicht einführen. Maja könnte man hier noch eher rechtfertigen - wegen des Flairs. Aber dazu muss man nur wissen, dass sie Ziegen hütet, nicht, wie ihr Vater heißt. Aber gerade auf den ersten Seiten werden alle möglichen Details von einem Leser genau betrachtet, weil er gar nicht weiß, welche davon später noch wichtig werden. Um ihn gut in die Geschichte zu leiten, würde ich daher genau auswählen. So nach dem Motto: „Leser, vertrau mir. Wenn ich auf Seite 1 etwas erwähne, dann kannst du davon ausgehen, dass das demnächst wichtig wird.“
Sonst würde ich es auf später verschieben.

Bei der Einführung des Königs irritiert mich, dass Dalia ihren eigenen Vater aus der Distanz beobachtet, während der Text anschließend seine Gewohnheiten erklärt, als würde er dem Leser eine Figur vorstellen.
Vor allem hier:

Hier verlässt der Text das unmittelbar beobachtete Geschehen zugunsten einer Charakterbeschreibung. Die Marotten könnten Wulbert durchaus lebendig machen. Aber warum müssen wir sie genau jetzt erfahren?
Warum sie nicht später zeigen? Das wäre für den Leser viel einprägsamer.

Viel interessanter als die Marotten des Königs, die hier ohnehin nur behauptet werden, finde ich die Frage, warum Dalias Vater seit fünf Jahren jeden Morgen auf die Straße schaut. Das ist eine konkrete, rätselhafte Verhaltensweise, die unmittelbar mit dem eintreffenden Boten zusammenhängen könnte.

Stutzig macht mich auch ein König, der persönlich am Tor steht. Ich meine, vielleicht ist das in deiner Welt so üblich. Vielleicht ist dies ein verarmtes Königsreich und er hat nicht mehr viel zu melden? Aber der Bote auf dem Pony könnte ja auch einen Dolch ziehen und den König töten. Hat er keine Entourage? Keine Leibwächter oder zumindest einen Diener, der den Brief entgegennimmt? Jemanden, der den Boten kontrolliert? Der ihn erkennt und somit als harmlos einstuft?
Ich finde, dein König lebt sehr gefährlich. Aber vielleicht ist er mittlerweile wirklich so uninteressant, dass niemand ihm nach dem Leben trachtet. Das struppige Pony könnte darauf hindeuten.
Das Problem ist, dass der Text keinen Hinweis darauf liefert, ob König Wulberts Verhalten normal oder ungewöhnlich ist. So kann der Leser, der deine Welt ja noch nicht kennt, es nicht einschätzen.

Die Erzählperspektive kann ich auch noch nicht so richtig einordnen. Wahrscheinlich auktorial oder personal mit auktorialen Einschüben?
Wenn du einen auktorialen Erzähler verwendest, frage ich mich, warum du mit Dalias Sicht der Dinge beginnst und die Szene so darstellst, als würde sie alles beobachten. Dann könnte der Erzähler auch über allem schweben und sowohl den König als auch Dalia aus einer Distanz beschreiben. Obwohl ich die Nähe zu Dalia schon reizvoller finde.
Ich glaube, wenn ich auktorial schreiben wollte, würde ich zu Beginn keine Konstellation wählen, die eher eine personale Perspektive nahelegt, wie der Blick aus Dalias Fenster. Ich würde dem Leser möglichst schnell klarmachen, womit er es zu tun hat.

Ich würde den Leser vor allem zu Fragen verleiten wie: Schafft er/ sie es, das Ziel zu erreichen? Welche Konsequenzen hätte ein Scheitern?
Aber ich würde nicht rätseln lassen, was das Ziel ist oder was auf dem Spiel steht.
Und bei der Perspektive würde ich auch versuchen, möglichst klar zu sein, denn der Leser soll ja gerne lesen. Wenn du aus der Ich-Perspektive schreiben würdest, wäre das ja auch sofort klar.

Mein Fazit: Ich finde den Text grundsätzlich gut geschrieben. Du hast einen angenehm zu lesenden Stil.
Am meisten stört mich, dass Dalia als Hauptfigur zu passiv ist und dass man keinen Grund erfährt, warum sie es ist. Es entsteht hier noch kein richtiger Konflikt. Es scheint als würde sie gerne wissen, was für eine Nachricht ihr Vater bekommen hat, aber wenn sie es nicht erfährt, ist es auch gut. Dann macht sie eben an ihrer Stickerei weiter. Oder liest einen schlüpfrigen Liebesroman.
Verstehst du, was ich meine? Für Dalia steht hier noch nichts auf dem Spiel, wenn sie nicht erfährt, was der Bote für Nachricht gebracht hat.

Das wäre ganz anders - und viel spannender - wenn Dalia schon eine Ahnung hätte. Wenn sie den Boten erkannt hätte und sich etwas zusammenreimen würde. Es bräuchte nicht zu stimmen, was sie vermutet, aber wenn sie eine Vermutung hätte, die sich auch auf ihr eigenes Leben auswirken würde, dann stünde für sie etwas auf dem Spiel. Als Leserin wäre ich dann sofort viel stärker involviert. Und dann hätte sie vielleicht auch einen Grund, ihren Vater mit Fragen zu bestürmen, über einen Diener etwas herauszufinden, ihrem Vater nicht von der Seite zu weichen, den leeren Umschlag der Botschaft aufzuheben und dort nach Hinweisen zu suchen, etc.
Kurz: Sie hätte einen Grund, zu handeln. Und das wäre spannend.

Momentan würde ich noch nicht weiterlesen, sprich, noch kein Geld dafür ausgeben wollen.
Aber du hast einen sehr guten Ansatz. Da lässt sich etwas draus machen!

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Vielen Dank für dein tolles Feedback Pamina22.

Ich habe mich direkt dran gesetzt und umgesetzt.
Das Problem mit Dalias Passivität habe ich schon zuvor als Feedback erhalten und es an anderen Stellen verbessert, interessant ist, das es mir ausgerechnet an dieser wichtigen Stelle nicht aufgefallen ist.

Wahrscheinlich fehlt mir generell die Erfahrung Texte nicht nur für mich und meine Schublade zu schreiben. Umso besser, habe ich noch ganz viel wodurch ich mich verbessern kann.

Ich habe Dalia aus dem Fenster in die Welt blicken lassen, um zu zeigen, das sie das Leben nur aus der Distanz lebt, aber durch die kommenden Ereignisse in die Welt gezogen wird. Klingt schon wieder passiv, aber sie kommt ins Handeln, versprochen.

Zur Spannung, da stimme ich dir auch zu, faszinierend, das ich all das nicht selbst gesehen habe.

Nächster Versuch:

Kapitel 1 - Dalia

26. Hornung – Feste von Eichengrund

Dalia stieß die Fensterläden auf. Ihr Kater sprang neben ihr auf den Sims und folgte ihrem Blick auf die neblige Landschaft. Nahe ihrer Feste trieb Maja, wie jeden Morgen, die vier Ziegen aus dem Stall, setzte sich auf einen Stein und begann zu singen, während die Tiere das gelbe Gras rupften.

Unter ihnen, am Tor, stand Dalias Vater, König Wulbert von Eichengrund. Seit der letzte Torwächter verstorben war, öffnete er jeden Morgen selbst das Tor und blickte die kaum noch als solche erkennbare Straße hinunter. So tat er es seit fünf und ebenso lange sah Dalia ihm dabei vom Fenster aus zu.

An diesem Morgen kam ein Mann auf einem struppigen Pony aus dem Nebel geritten. „Ein Reiter.“ Dalias Finger gruben sich in das Fell ihres Katers, bis er unwillig maunzte.

Grüßend beugte sich der Fremde zu Wulbert hinunter, ihr Vater nickte ihm zu und griff nach etwas Hellem in der Hand des anderen, warf einen kurzen Blick darauf und steckte es unter seinen Gürtel. „Ein Bote.“ Dalia lehnte sich so weit aus dem Fenster, dass der Kater vom Sims sprang. Die beiden Männer wechselten einige Worte. Dann wendete der Bote sein Reittier und trabte davon. Der Nebel verschluckte ihn, kaum dass er sich ein paar Längen entfernt hatte. Als Dalia ihren Blick wieder zum Tor richtete, war ihr Vater verschwunden.

Der letzte Bote war vor fünf Jahren gekommen, an einem Morgen wie diesem. Er hatte mit ihnen gespeist, nach dem Mahl hatte er sich erhoben und hatte zu Wulbert gesagt: „Mein Herr bittet um die Hand Eurer Tochter.“ Ihr Vater hatte sie und ihren Bruder in ihre Kammern geschickt. Am Abend sagte er, sie sei zu jung und die Sache erledigt. Wer dieser Herr war, verriet er ihr weder an diesem noch an einem anderen Abend. Am nächsten Morgen stand ihr Vater zum ersten Mal am Tor.

Dalia nahm die Treppe in großen Sätzen. In der Halle saß ihr Vater schon vor seiner Schale mit Grütze, einen der Hunde zu seinen Füßen.

„Wer war der Reiter?“

Wulbert räusperte sich. Er brach ein Stück trockenes Brot ab. „Hörst du das?“, sagte er zu dem Hund. „Kaum ist sie wach, werde ich verhört.“

„Woher kam er?“, bohrte Dalia nach.

„Aus den Bergen. Wie jeder, der zu uns kommt.“

„Und was hat er dir gegeben?“

„Nichts, worüber du dir den Kopf zerbrechen musst.“ Er hielt dem Hund das Brot hin, das große Tier schnappte danach und schlang es hinunter. Ihr Vater wischte sich die Finger an seiner Hose ab und griff nach dem Löffel.

„Setz dich und iss.“

Den ganzen Vormittag über ließ sie nicht locker. Sie folgte ihrem Vater hinauf auf den Wehrgang. „Kommt der Bote noch einmal zurück?“

Statt auf ihre Frage zu antworten, blickte Wulbert in den grauen Himmel. „Ich denke, es wird heute Abend regnen.“ Im Stall kniete er sich umständlich vor einer losen Bohle an der Stallwand nieder und rüttelte daran.

„Hat er einen Brief gebracht?“

Räuspernd fragte er: „Sieht morsch aus, findest du nicht auch?“ Als er sich noch etwas tiefer bückte, rutschte das Pergament ein aus seinen Gürtel. Wulbert bemerkte es nicht und Dalia ergriff die Gelegenheit. Sie trat vor die Stalltür ins Licht, wog den Brief in der Hand. Er war leichter, als sie es erwartet hatte. Das rote Wachssiegel war bereits gebrochen, das Pergament fühlte sich fest und samtig an. Schwungvolle Buchstaben in schwarzer Tinte. Zwei Wörter konnte sie lesen: am Dritten.

„Dalia!“, ihr Vater riss ihr das Blatt so schnell aus den Händen, dass sie sich in den Daumen schnitt. Sie hatte nicht bemerkt, wie er auf die Beine gekommen war. Er sah sie nicht an, die Hand mit dem Brief war ruhig. Wulbert schob das Schriftstück wieder in seinem Gürtel.

Dalia wartete darauf, dass er sie anfuhr.

Er tat es nicht.

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Hey Imp,

ich mag Abwandlungen von Märchen und lese Deinen Text daher gern, er ist Dir gut gelungen. Mir gefällt auch die erste Form aus dem August schon gut. Deinen Versuch von heute Nachmittag finde ich nach der Überarbeitung mit den Tipps sehr schön gelungen.

Ehrlich gesagt gefällt mir aber Dein erster Prolog etwas besser als der neue Prolog. Ich hätte den Abstieg des Königreiches tatsächlich eher etwas mehr ausformuliert. Auch den damit einhergehenden inneren Kampf des Königs, ob er König Unar jetzt seine Tochter zur Frau gibt oder nicht, denn er gerät ja immer weiter in Bedrängnis. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das nur mein eigener Geschmack ist mit den Prologen im Vergleich. Bin gespannt, was die anderen dazu sagen.

*Jahren

Würde ich in eine neue Zeile setzen.

Hier würde ich auch eine neue Zeile anfangen für die kurze wörtlichen Rede.

Hier bin ich beim Lesen etwas gestolpert. Die Formulierung „die Hand mit dem Brief war ruhig“ finde ich nicht so gut gelungen.

Sonst ist mir nichts aufgefallen. Mir gefällt Dein Einstieg. Ich würde mehr lesen.

Liebe Grüße, Arletta

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Danke Arletta.
Ich habe die alte Textversion und den alten Prolog so vielen Menschen wie mir möglich gezeigt und die Meisten waren entweder verwirrt oder abgeschreckt von zu vielen Namen.
Ich finde es schön, dass du da eine andere Meinung hast, das zeigt mir, dass ich noch nicht alles rausgeholt habe und mal ehrlich, aktuell ist es auch eher ein kurzer Abschnitt statt eines ausgereiften Prologs.

Zur Erzählperspektive: Ich hatte von Anfang an vor, die Geschichte fast ausschließlich aus Sicht der Protagonistin zu schreiben. Direkt zu Beginn in den Kopf ihres Vaters zu springen hat den Einstieg für die meisten Leser erschwert.
Weil sie mir selbst so gut gefallen haben, habe ich die Szenen archiviert.

Was die Absätze angeht, das sollte ich in Zukunft (vorerst) eine Triggerwarnung einbauen. Ich habe mich damit noch nicht genug beschäftigt und bin auch hier für jeden Rat dankbar.

Das war eine Vorbereitung auf eine Szene weiter hinten. So ist es aber mindestens unglücklich formuliert.

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Was meinst du denn damit? Vorerst heißt, es wird dann nicht in der Endversion auftauchen? Eine Triggerwarnung vor einer Szene? So etwas habe ich noch nie gesehen. Andererseits pfeffere ich Bücher mit Triggerwarnungen ohnehin sofort in die Ecke. Schrecklich.

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„Fast“ ausschließlich heißt, Du schreibst streng genommen auktorial, aber primär aus Sicht der Protagonistin?

Ich bin selbst eher Anfängerin. Aber wörtliche Rede setzt man in eine eigene Zeile, wenn sie beginnt oder wenn der Sprecher wechselt. Mitten im Fließtext stehenlassen würde ich sie nicht. Natürlich gibt es manchmal Sätze, die unmittelbar mit der wörtlichen Rede zusammenhängen. Die dürfen auch mit in die Zeile der Rede. Aber hier:

Hier wechselst Du von der Aussicht auf den Mann mit dem Pony zu Dalia.

Hier wechselst Du vom Reiter und Wulpert zu Dalia, zur Katze und wieder zurück zu den Männern. Das gehört nicht zusammen.
Ich hätte es so gemacht:

Gibt noch ein paar andere Alternativen, aber Mitten im Text würde ich das nicht lassen. Vielleicht meldet sich noch jemand, der mehr Erfahrung mitbringt als ich.

@Suse Ich glaube, er ist sich mit den Absätzen unsicher und wann man wo Zeilenumbrüche setzt.

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