Bevor ich mich noch länger verstecke … Ich habe Band 1 meiner Trilogie fertig geschrieben, jetzt sitze ich an der zweiten Überarbeitung. Es wäre wundervoll euer Feedback zur ersten Szene zu bekommen, damit ich einschätzen kann, ob sie überhaupt zum weiterlesen animiert.
WORUM ES GEHT
Ich habe bisher keinen zufriedenstellenden Titel gefunden, deshalb Arbeitstitel: Siebenbergen - Band 1.
Die Trilogie ist meine Interpretation/Erzählung von Schneewittchen. Band 1 erzählt die Geschichte von Schneewittchens Mutter, Dalia aus dem Königreich Eichengrund in Siebenbergen. Dem Land eingeschlossen von einer Gebirgskette, deren sieben Hauptberge so hoch in den Himmel ragen, das nie ein Sterblicher ihre Gipfel gesehen hat. Sieben König und Königinnen haben über das Land geherrscht. Friedlich und Harmonisch, vereint im alten Glauben an die dreifache Göttin und den gehörnten Gott.
Dann bestieg der junge Unar den Thron von Hochmar. Seitdem herrscht er über die, die sich ihm unterordnen und führt erbitterte Kriege, gegen die, die es nicht tun.
Um seine Ziele zu erreichen, hat er den schwarzen Drachen erschlagen, in seinem Blut gebadet und dessen Herz gegessen. Jetzt kann keine Waffe mehr seine Haut durchdringen.
Nur eines fehlt ihm noch um sich vollkommen zu fühlen - ein Kind, das seine Blutlinie fortträgt.
MEIN TEXT
Wulberts wanderte durch seine Kammer. Sein Weg führte ihn immer wieder zurück zu der Truhe, in der er den Brief versteckte, seit ihn der Bote vor drei Tagen aus dem Bergreich gebracht hatte. Vielleicht ließ sich Dalias Schicksal noch abwenden.
Es war der Letzte von vielen. Im Ersten hatte er Folgendes gelesen:
An König Wulbert und Königin Mathild,
hiermit bitte ich euch um die Hand eurer Tochter, Prinzessin Dalia von Eichengrund.
Gezeichnet
König Unar, Herrscher von Siebenbergen
Das war alles. Darunter das Siegel Hochmars, das Abbild des brüllenden Bären, in rotes Wachs gepresst.
Wulbert hatte den Brief gelesen, ihn zusammengefaltet und auf den Boden der Truhe versteckt. Tage vergingen, wurden zu Wochen, das Jahresrad drehte sich weiter. Er hörte Kunde von einer Hochzeit. Der Antrag war verstrichen. Erleichtert holte er das Papier hervor und warf es in einem unbeobachteten Moment ins Feuer. Hatte er richtig gehandelt? War er ein schlechter Vater, wenn er seiner Tochter diese Heirat verwehrte?
„Unsinn. Dalia ist noch viel zu jung. Eine Heirat hat noch Zeit.“ Das hatte er sich vor all der Zeit eingeredet. Ein Jahr kam und ging. Dann traf der zweite Brief ein:
An König Wulbert und Königin Mathild,
ich, König Unar, Herrscher von Siebenbergen, halte hiermit um die Hand eurer Tochter, Prinzessin Dalia von Eichengrund, an.
Ich erbitte eure Antwort bis zum nächsten Mond.
Gezeichnet
Unar, der Glorreiche, Herrscher von Siebenbergen, König von Hochmar
Wulbert ließ sich die Sache zwei Mal durch den Kopf gehen, bevor er den Brief ebenfalls in die Truhe legte.
Jedes Frühjahr erreichte ihn ein neues Gesuch und er entledigte sich des vorangegangenen. Je größer der Einfluss Unars auf die Geschicke der Welt wurde, desto härter wurde sein Tonfall. Und trotzdem legte Wulbert alle Schreiben bis zu ihrem Feuertod in die Truhe. Sein Herz pochte, wenn er die Kammer betrat. Nachts lag er oft wach, hörte ein Rascheln, das vom Fußende des Bettes kam. Bildete sich ein, das gefaltete Papier versuche, aus seinem hölzernen Gefängnis zu entkommen. Sah er nach, lag das Pergament verborgen unter seiner verbeulten Rüstung.
Vier mal war es seitdem Frühling geworden, dieser war der Fünfte. Jeden Morgen wartete Wulbert vor dem Tor, das die Feste in der Nacht sicher verschloss. Bis der Tag kam, an dem der Bote sich der Bote aus dem Nebel schälte. Er nahm ihm den Brief ab und war froh, dass der Mann seine Einladung zum Essen ablehnte. So zog er sich in seine Kammer zurück, um das Schreiben ungestört zu studieren.
An König Wulbert und Königin Mathild,
die Eskorte für eure Tochter, Prinzessin Dalia von Eichengrund, ist auf dem Weg. Wir rechnen mit ihrer Ankunft am Dritten des Wurmmondes.
Gezeichnet
König Unar, glorreicher Herrscher von Siebenbergen, Bezwinger des schwarzen Drachens, Herr von Hochmar
Es war vorbei. Keine Bitte, keine Wahl, sondern die Verkündigung eines Ultimatums. Kurz dachte er darüber nach, sein Kind fortzuschicken. Doch ihm war klar, dass es keinen Ort auf der Welt gab, an dem sie sich vor dem König der Könige verbergen konnte. Er musste es Mathild sagen. Und Dalia.
„Ach Mathild,“ er rieb sich die müden Augen, „wirst du es überhaupt verstehen? Kannst du nachvollziehen, was ich getan habe?“ Das Gedächtnis seiner Königin war löchrig wie eine von Motten zerfressene Decke. Vor ein paar Wochen hatte er sie aus einem Alptraum geweckt. Sie erkannte ihn nicht. Ihr Geschrei weckte die Kinder. Erst als Dalia sie in den Arm nahm, kam sie zu sich. Was sollte er nur ohne seine Tochter tun?
Auch ihn verschonte die Zeit nicht. Seine Arme waren nicht mehr stark wie früher, ein Schwert hatte er schon lange nicht mehr geführt. Die Augen ließen ihn auch im Stich. Bei der letzten Jagd waren die Umrisse der Hasen in der Ferne braune Flecken, seine Pfeile verfehlen ihr Ziel. Wie lange konnte er seinen Anspruch als Herrscher noch aufrechterhalten?
„Ich muss mit Jaron reden.“ Sein Sohn war längst alt genug, um ihn zu beerben, doch lange noch nicht bereit dazu. Diese Heirat würde auch sein Reich schützen, ein Bündnis des Blutes. Aber ausgerechnet Unar. Vier Bräute hatte der Mann verbraucht.
Hätte er die Angelegenheit nur mit Mathild besprochen, als sie noch klar im Kopf war. Jetzt war er gezwungen allein zu entscheiden. Er hatte zu lange gezögert, um die Situation zu lösen. Das Schicksal hatte die Wahl für ihn getroffen.