Show versus tell

Ich hänge gerade bei einem Dialog fest.
Wenn ich alles reinpacke, was rein sollte, wird er 2.500 wörter lang und ist noch nicht fertig.
Kompliziert wird es dadurch, dass es ein Telefonat ist.

Beschreibe ich das Telefonat, komme ich auf 1.200 wörter.

Was also tun?

Hat wer eine Idee? Einen Tipp?

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Pack nicht alles rein.

Oder besser: Verzichte gleich auf den gesamten Dialog und gibt den Inhalt als Rückblende wieder.

Schreibe ihn so, wie du meinst, als Telefonat, und gucke dann, ob du etwas wegstreichen kannst. Ich habe auch längere Dialoge in meinem Buch. Man unterbricht diese zwischendurch, indem man z. B. kurz beschreibt, wie er sich fühlt, wie er sein Gegenüber wahrnimmt oder was ihm dabei durch den Kopf geht. Usw.

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Genau genommen ist ein Telefonat ein Dialog.

Die Frage ist … was ist Inhalt und Ziel des Telefonats.

Es kann sein das 2500 Wörter Telefonat spannend ist, aber es ist nicht so wahrscheinlich, wenn es sich immer länger um das gleiche Thema dreht.
Du könntest es einkürzen und dich mehr auf die emotionale Reation beim Angerufenen eingehen, damit es nicht nur ein Dialogwechsel ist.

Ich würde den Dialog nicht ins passiv versetzen (ich vermute, dass ist das, was G.Drucker sagen wollte, je weiter du dich entfernst, desto mehr kannst du es gleich weglassen)

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Achso. Ein Dialog muss nicht vollständig sein. Man denke mal an Krimiserien.
Ermittlerin fährt zum Ermittler raus auf den Landhof.
»Was machst du denn so spät noch hier?«
»Mir ist etwas aufgefallen …«
(Es folgen zwei, drei Fakten, die besprochen in 4 Minuten erledigt wären)
»Mist, ich muss sofort los!«

Hinterfragt man das, wie oft Leute nach drei Sätzen im Film stehen gelassen werden, während andere 90 Minuten mit der Mutter in Wirklichkeit telefonieren, muss ein Dialog keine 90 Minuten entsprechen, sondern nur die Kernfakten enthalten, die irgendwas beim Protagonisten bewegen.

Noch eine edit Ergänzung: Wenn die Länge des Telefonats selbst Stilmittel ist, dann reicht ein Ausschnitt. Z.B die kleine Schwester ruft an und erzählt begeistert von ihrem Campingausflug mit Hugo, den der Protagonist nicht leiden kann. Dann kann man etwas Telefonat beispielhaft abbilden, um das Seelenleben der beiden abzubilden und der Rest skippen im Sinne … »So ging es dann noch 90 Minuten weiter, bei dem mir immer schlechter wurde … «

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Warum ist das kompliziert? Ein Dialog zwischen zwei Personen ist so übersichtlich für den Leser, dass man sich nach einer kurzen Einführung sogar alle Inquit-Formeln sparen kann.

Meine Tipps:

  1. Gefühle und Emotionen
    Wie @Bommel schon schrieb:
  1. Ziele
    Wie @Tapio schrieb:

Wenn die beiden Gesprächsteilnehmer unterschiedliche Zielsetzungen haben und der Leser diese kennt, ist auch ein langes Gespräch für den Leser spannend. Der Leser kann dann die jeweilige Strategie und die einzelnen Schachzüge würdigen.

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Die Frage ist immer: Worum geht es in dem Telefonat?
Ist es relevant für die Handlung?
Oder könnte man es mit wenigen Sätzen verkürzen und es so umschreiben, dass der Charakter vielleicht gedanklich das Telefonat weiterführt?
Oder du streichst denjenigen, mit dem er telefoniert und lässt nur die Antworten des Charakters stehen. So dass man als Leser nur eine Seite mitbekommt und den Kontext daraus erfährt.
Es gibt viele Varianten. Das Problem ist halt immer Ferndiagnosen zu stellen, wenn man nicht genau weiß, was du planst und wo du am Ende hin willst. :rofl:

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Wenn das Telefonat nicht oder nur marginal gelkürzt werden kann, unterbreche den Dialog durch Emotionen, Gedanken, die einer (oder beide) der Telefonierer währenddessen haben, lass dazwischen die Türklingel läuten und so den Dialog kurz unterbrechen ,…

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Stimmt exakt. Ich würde das auch nur tun, wenn der Inhalt des Telefonats wichtig für den weiteren Verlauf oder das Verständnis des bisherigen wäre. Das Telefonat als Dialog würde ich nur nehmen, um etwas (zB die Gefühle der Protas) zu zeigen, nicht um Infodumping zu betreiben, weswegen hier der Focus wieder auf das „show“ liegt und nicht auf das „tell“.
In der Geschichte, an der ich grade arbeite, unterhalten sich am Ende jedes Kapitels zwei 13jährige per Messenger. Die Aussagen dabei sind vordergründig typisches Teenie-Gequatsche, aber sie spiegeln die Entwicklung der beiden durch ihre gemeinsamen Erlebnisse wieder. (Der Kniff ist allerdings nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern war die Antwort einer meiner Lesekids, wie sie und ihre beste Freundin den Alltag reflektieren.)

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Was nicht unwichtig ist, wer ist dein Zielpublikun? In manchen Genres wäre ein so ewig langer Dialog legitum, in anderen könntest du die Leser verlieren. So ein Telefonat kann sich ziemlich ziehen. Ohne die Umstände zu kennen, sind Tipps wie Kaffeesatz lesen. Manchmal ginge es, die Sache zu splitten, vielleicht kannst die notwendigen Informationen durch verschiedene Perspektiven einbringen, teilweise in Handlung einbinden …

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Schreib es. Kürzen kannst Du später. Dann weißt Du, ob Du wirklich alles davon brauchst, hast noch zig weitere Dialoge geschrieben (= geübt) und findest vllt sogar Möglichkeiten zum Entzerren. Oder Du machst ein Talking Heads-Kapitel, ohne Inquits etc, in dem Du alles (!) über den Dialog transportierst. Dabei muss bei jeder Zeile die Figurenstimme eindeutig einer Figur zuzuordnen sein - und cave Infodump.

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Viele, viele Dank für die vielen Anregungen und Tipps

Ich weiß zwar jetzt immer noch nicht, was ich machen werde, aber zumindest habe ich den Weg gewiesen bekommen. :grin:

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