Auf der Startseite meines Email-Kontos las ich soeben einen Artikel der Deutschen Presseagentur zur schlechten Stimmung der Buchbranche in unserem Land. Einzig die Belletristik mit den Genres Young- und New-Adult verzeichnen noch Zuwächse im Verkauf, nahezu alle anderen ein fettes Minus. Die Gründe sind zahlreich, wobei die rapide nachlassende Lesekompetenz bei Jugendlichen eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Die Frage, mit der sich auch die diesjährige Frankfurter Buchmesse befasst, ist, wie Leselust geweckt werden kann. Ein möglicher Weg ist die Schaffung einer emotionalen Bindung von Leser zu Autor.
Die Deutsche Presseagentur schreibt dazu: Messe-Chef Juergen Boos: „Die Rezeption ist heute eine andere“, sagt Boos. „Wir sehen eine Entwicklung vom Leser zum Fan.“ Damit möglichst viele Besucher „über das Fan-Sein zum Lesen kommen“, befindet sich die Messe im Wandel. Die Zahl der „Events“ steigt von Jahr zu Jahr. Im „Meet the Autor“-Areal stehen die Fans stundenlang für Selfies oder Autogramme an. Neu sind diesmal „Erlebniswelten“ mit Mitmachangeboten, etwa für Krimifans, Podcast-Hörer oder Comic-Liebhaber.
Mich erinnert das Szenario an eine Szene aus einem meiner Lieblingsfilme der Disney-Pixar-Studios ‚WALL-E‘, in dem die Menschheit der Zukunft, nachdem sie die Erde unbewohnbar gemacht haben, in Raumfrachtern halb sitzend, halb liegend durch Erlebniswelten und ‚Futterautomaten‘ gekarrt werden und der Lebenssinn einzig aus kurzweiligem Vergnügen und Ablenkung besteht. Eine traurige Vision und wir arbeiten derzeit hart an ihrer Verwirklichung.
Für Selfpublisher ist das eine weitere Hürde auf dem Weg zur Wahrnehmung. Ich sehe mich zwar schreibend, musste mir aus Kostengründen jedoch selbst (bescheidene) Kenntnisse in Buchsatz, Druck-Optionen, Covergestaltung, Trailer-Gestaltung, Marketing/Social Media und vieles anderes aneignen, aber spätestens bei Event-Management bin ich raus. Sich als Selfpublisher eine Fanbase aufzubauen, ist eine Utopie! Und ehrlich gesagt, will ich das auch gar nicht. Als neugieriger Mensch wäre ich allerdings gerne (nur ganz kurz!) in der Lage, einen Blick in die Zukunft der Menschheit zu werfen. Wie mag sie in fünfzig oder einhundert Jahren bezogen auf das Schreiben und Lesen wohl aussehen? Habt ihr eine (Sc-Fi-) Idee oder ist euch das egal?
Ich sehe das pragmatisch, in erster Linie schreibe ich, dann veröffentliche ich und wenn dann noch das eine oder andere Exemplar über den Ladentisch geht - gut. Wenn nicht, auch gut.
Ich meine, alle Hobbys kosten erstmal Geld, die kaum eines bringt etwas ein - außer dem Spaß daran.
Wenn ich so an die Hobbys denke, die ich schon betrieben habe und was die gekostet haben…
Astronomie - dickes Teleskop und viel Zubehör. Nutzen: Außer durchwachte Nächte - nichts
Golf - teure Ausrüstung und im Lauf der Jahre noch mehr Kosten für Greenfees. Nutzen: Bewegung an der frischen Luft
Musik - rund 40.000 Euro für meine Instrumente, Nutzen: außer der Freude am Spielen wenig.
Dagegen mutet sich das bisher investierte Geld in mein schreibendes Hobby geradezu bescheiden an.
Nein, ist es nicht. Aber: dazu muss man eine Rampensau sein.
Beispiele: Jane S Wonda (die hat dank den Fans sogar einen Verlag aufgemacht, das ist aber ein eigenes Thema), Marah Woolf, Poppy J. Andersson (dank SP-Fanbase ein Verlag und eine Verfilmung mittlerweile).
Ich stimme in dem Punkt zu, dass es heute schwerer ist als noch vor ein paar Jahren. Nicht zur Leselust, sondern auch Lesekompetenz sind enorm gesunken, noch dazu ist die Aufmerksamkeitsspanne extrem kurz und das Angebot an Social Media Plattformen beinahe überwältigend, weil jede Zielgruppe je nach Luftdruck und Wolkendichte wo anders zu finden ist.
Wer wirklich will, der bekommt das immer noch hin. Ist nicht mein Fall, weswegen ich nie eine gigantische Fanbase haben werde. Aber ich habe "Fans”, die fragen, wann endlich das nächste Buch kommt. Und DAS ist ein gigantisches Gefühl, egal ob es 2 oder 2.000 Personen sind.
Ich denke, es ist weniger eine Frage des Wollens, denn das bekämen manch andere sicherlich auch hin. Es scheint noch wesentlichere Mechanismen zu geben, die wir noch nicht in Gänze durchschauen. Die drei genannten Schriftstellerinnen bewegen sich zudem genau in dem noch im Zuwachs begriffenen Segment (Dark Romance, Romance/Liebesromane, Jugend-Fantasy).
Das finde ich auch super! Ich selbst bin keine Rampensau und habe auch nie den Ehrgeiz verspürt, eine zu werden, bzw. mich für einen möglichen Erfolg zu verbiegen. Mich irritiert diese Event-Mentalität in Bezug auf das Lesen/Schreiben, weil es die Leistung, egal welchen, Autors auf ein simples Kasperletheater-Niveau mit Massenhysterie-Charakter reduzieren will. Mach ein Buch, das schon die Präferenzen berücksichtigt (Thema, Aufmachung), mach ein Event, bunt, sei sympathisch, mach Faxen, mit passender Mucke unterlegt, verschenke und kreiere Merch … kurz, werd’ Ikone, nicht Autor oder Autorin. Wieder wird der Mensch wichtiger als sein Werk. Etwas, das bedauerlicherweise im Handumdrehen auch entgegengesetzt funktioniert, wenn besagter Mensch nicht ins derzeit konvinierende Weltbild passt (bspw. J. K. Rowling u.a.), was sich schneller ändert, als ein Romankapitel geschrieben ist.
Die Quersumme aus dem, was hier geschrieben wurde bedeutet für mich zusammengefasst: Buchumsatzsteigerung gibt es nur bei den jungen Erwachsenen, die Bücher kaufen, sammeln, Fan sind, dekorieren, Merch kaufen und erwarten und sich damit filmen und fotografieren. Das ist die bunte Bücherwelt. Ich hoffe natürlich, dass auch gelesen wird und nicht nur gesammelt.
Auf der anderen Seite, steht die vorgeworfene fehlende Lese Kompetenz. Ab der Stelle beginnt die Stelle, an der die Schere zwischen arm und reich auseinander geht.
Ganz wichtiger Punkt. Das betrifft alle Altersgruppen. Ich würde mal behaupten, die letzten 35 Jahre ging es damit bergab und auch die „Geflogenheit“ Bücher zu lesen ging somit verloren. Um mich herum sind viele nette Menschen, aber die Wenigstens lesen ein Buch.
Die jungen Menschen, die heute sich das Zimmer mit Fantasy ( Fantasie. Schönes Wortspiel ) dekorieren, wollen eine Welt, die sie selbst wählen können. Weg von dem, was ist oder vielleicht werden wird. Ich kann sie verstehen. Wäre ich jung und an ihrer Stelle, wahrscheinlich würde ich mich auch darin verlieren und Drachen und schöne Menschen, Thomas Mann, Goethe und Schiller vorziehen. Ich finde da nichts verwerflich dran. Irgendwann sind auch sie älter und vielleicht interessiert sich der ein oder andere später auch für „lesenswerte“ Belletristik.
Die Schwarzmalerei der Branche bezieht sich immer nur auf Verkaufszahlen. Vielleicht täte der Branche mal gut, weniger die Euros zu zählen als auf Inhalte beim Angebot zu achten.
Klar geht die Jugend an Dummheit zugrunde, schon seit den Alten Griechen ist die nachfolgende Generation eine Degeneration. Meine Tochter findet NA, DR zum Kotzen und holt sich aus unserem Bücherregal, was sie will, tauscht mit ihren Freundinnen Tipps und Bücher aus und kauft Bücher bei Medimops. Klar liest „die Jugend“ den Schrott aus den Verlagen nicht mehr. Zeit für einen neuen Harry Potter. Betonung auf neu. Bloss nicht noch einen Harry Potter.
SP funktioniert auch: bei Kontakt auf einer Messe.
Das Weltbild wird nur sichtbarer, aber da war es schon immer. Und wer so gegen die queere Community wettert, die direkt und indirelt nicht unerheblich zum Erfolg beigetragen hat, der braucht sich über das Echo nicht wundern. Aber das ist ein ganz eigenes Thema.
Die Welt hat sich immer schon verändert, auch in der Literatur. Platon, Shakespeare und Göthe bekämen heute vermutlich auch eher keinen Verlagsvertrag und würden ins Selfpublishing gehen. Wer weiß, wie groß deren Bedeutung dann heute wäre.