Die Art wie du deine Maske lose am Kinn baumeln lässt, verrät mir ungefragt, dass du ein Idiot bist. Die dadurch zu tief verlaufenden Bänder ziehen schmerzhaft an deinen Ohren und verleihen ihnen eine unnatürlich gekrümmte Form. Ein Preis, den du offensichtlich bereit bist, für deine Vorstellung von Freiheit zu bezahlen. Der Rucksack, den du dabei hast, steht offen vor dir. Ein abgenutzter Ordner mit Kaffeeflecken und ein To-Go-Becher irgendeiner Firma machen den Eindruck, als ob du ein chaotischer Typ sein könntest. Dein sonstiges Outfit: getragene Sportschuh, eine Jeans und ein blauer NoName-Pullover. Du arbeitest wohl nicht in einem Job mit Dresscode. Bist du überhaupt auf dem Weg in die Arbeit? Die S-Bahn ist um diese Uhrzeit voller Pendler, aber es gibt sicher auch viele andere Termine zu dieser frühen Stunde. Etwas nervös greifst du plötzlich an deine dünne Windjacke, die du die ganze Zeit zwischen Knien und Händen hältst. Ich vermute, dass die quadratische Wölbung, die dich genauso schnell wieder beruhigt, eine Packung Zigaretten ist. Inzwischen hast du deine Maske ganz abgenommen. Wo kein Kläger, da kein Richter, denkst du dir vielleicht. Ich sehe jetzt, dass du volle Lippen hast, die unnatürlich weit hervorstehen. Sie passen zu deiner schwarzen Brille, die auch einen dicken Rahmen hat. Nicht aber zu deinem lichten Haupthaar, dass du viel zu lang trägst. Deine Ohren haben wieder ihre normale Form und wirken jetzt seltsam klein.
Während ich das schreibe, fällt mir auf, wie eindimensional unser Äußeres ist. Du könntest ein guter Freund, liebevoller Familienvater oder erfolgreicher Unternehmer eines Start-ups sein. Nichts davon lässt mein Text vermuten. Ich urteile über dich, anhand eines Augenblickes. Wie würde man mich beschreiben, wenn ich an deiner Stelle wäre?