Also gut, hier der dritte versuch. Hier habe ich den Anfang komplett erneuert und auch vieles aus dem weiteren verändert oder gar weggelassen und einige Sachen besser umschrieben/hinzugefügt. Ich dachte ich schicke mal erst nur den ersten Teil einfach um zu sehen ob es diesmal verständlich ist/Ich auf dem richtigen Weg bin.
Zwischen zwei Welten
Er setzte den ersten Fuss durch die Schleuse, und sofort prickelte das sanfte Kitzeln der Gravplatten durch die abgelaufenen Turnschuhe. Oder nein, es waren noch nicht die Gravplatten, die zu fühlen waren; es war das Stromfeld davor. Denn wenn man erst einmal darauf stand, war nichts mehr ausser der erhöhten Schwerkraft von 1,12 g zu spüren.
Die Schleuse versiegelte sich, und die irdische Atmosphäre wurde abgepumpt.
Kim lehnte sich an die Wand. Es war ein unglaublicher Segen, dass er, im Gegensatz zu seinen versteckten Freunden, beide Atmosphären vertrug.
Vor zehn Jahren, als er erst sechs gewesen war, hatten sie sich durch Zufall kennengelernt. Es waren Ausserirdische, Lamein, wie sie sich selbst nannten. Und sie kamen, wenn er richtig geschlossen hatte, von Ross 128 b. Noch deutlicher liess sich jedoch schliessen, dass die kleine, fünfzehnköpfige Crew keine sehr gute Beziehung zu ihrem Heimatplaneten hatte.
Das rote Licht blinkte auf, und die zweite Schleuse öffnete sich. Er trat hindurch, und sofort legten sich die sechseinhalb zusätzlichen Kilo auf seinen Körper.
Entweder konnte er direkt seinen Kumpel suchen gehen, oder er konnte sich, so wie es sich gehörte, erst beim Meister anmelden.
Kim drückte missmutig die Lippen zusammen. Er hatte keine Lust, sich beim Meister zu melden. Er mochte ihn nicht sonderlich, auch wenn er eigentlich nicht böse war; er war nur etwas „gruselig“ oder vielleicht besser gesagt „rangbewusst“. Und seit dem Drama mit seiner verlorenen Eintrittskarte und seit Meister Tek ihn schliesslich, nach Jahren, erfolgreich dazu überredet hatte, sich einfach chippen zu lassen, ging er ihm strategisch aus dem Weg. Auf der anderen Seite: Wenn er sich einfach melden ging, würde er am Ende weniger und Angenehmeres mit ihm zu tun haben.
Er klopfte an.
„Ja?"
Kim trat knapp durch den Türrahmen und lehnte sich kurz an die Wand.
„Ich wollte mich lediglich anmelden, Meister.“
Die Hautfarbe des Meisters wurde freundlich ein klein wenig heller. Es war ihre Körpersprache.
„Willkommen zurück, Ki–“
„KIM! Da bist du ja!“
Heftig packte ihn eine Hand am Oberarm und riss ihn mit sich.
„Hey, aua! Spae, spinnst du eigentlich?!"
Entrüstet riss er sich los. Der Ausserirdische hinter ihm sprang aufgeregt in die Luft.
„Aber er schlüpft gerade!“
Und mit diesen Worten war er umgedreht und weg.
Kims Herz machte einen Sprung, und schnell blickte er zwischen Meister Tek und seinem verschwundenen Kumpel hin und her.
„Darf ich gehen?“, fragte er schliesslich, rannte dann aber ohne Bestätigung selbst los.
Es ging durch eine Tür in ein Labor, und hart atmend kam er neben seinem Freund zum Stehen. Selbst nach all diesen Jahren bekam er doch jedes Mal wieder die zusätzlichen Kilos zu spüren.
„Wann hat es begonnen?“
Doch Spae antwortete nicht. Er war auf die Knie gesunken. Seine Hautfarbe war einem vollkommen ehrfürchtigen Weiss gewichen. So weiss, wie Kim es noch nie gesehen hatte; es war schon beinahe transparent. Mit geweiteten Adern und Blut, das bis in die oberste Hautschicht gestiegen war, wirkte die sonst dickere Alienhaut plötzlich hauchzart.
Vorsichtig ging Kim neben ihm auf die Knie.
„Ist es nicht wunderbar?“, fragte Spae kaum hörbar, seine grossen dunklen Augen auf das Tierchen gerichtet.
Kim folgte seinem Blick, und sein Herz erwärmte sich.
Das braun-grün gesprenkelte Ei lag dreigeteilt zwischen dem Stroh, und ein bis auf die Knochen erschöpftes Küken lag darin. Mit letzter Kraft erhob es sich noch einmal und pickte erneut gegen die Eierschale.
Das glitschige Körperchen krabbelte einige Schritte weiter vor, wo es sich endgültig von der Schale befreite. Erschöpft fiel es ins Stroh und genoss die Wärmelampe.
Zitternd erhob sich Spae und öffnete behutsam das Terrarium, aus dem er sorgfältig die Schalenteile herauspflückte.
„Er hat es geschafft, Kim!“
Unsicher blieb Spae vor dem Kompost stehen, legte die Eierschalen dann jedoch daneben und ging zurück zum Terrarium. Wieder öffnete er den Deckel und griff mit einer Ehrfurcht, mit der man sonst nur Feenstaub anfasst, nach dem Küken. Zärtlich, mit den Händen umschlossen, zog er es heraus, darauf bedacht, ihm mit keiner einzigen seiner Halbkrallen auch nur nahezukommen.
„Mein kleiner Cotton, du bist schon jetzt der schönste Rabe der Welt.“
Fest zog er den Händekokon an die Brust. Kim lächelte.
„Es ist der erste Rabe, den du je gesehen hast“, sagte er leise.
„Aber auch der schönste“, beteuerte Spae kräftig und lächelte, so gut es seine ausserirdische Muskulatur zuliess. Es war eine Geste, die er von Kim übernommen hatte.
„Darf ich auch mal?“
Kim griff nach dem Händekokon.
„Nein, nein, sicher nicht, sonst wird ihm noch kalt!“
Genervt schnaubte Kim.
„Ich bin nicht kälter als du! Sogar wärmer. Und abgesehen davon ist es auch mein Vogel.“
Noch einmal strich Spae dem Tier zart über den Kopf, bevor er es widerwillig hergab.
„Aber nur kurz.“
„Weisst du eigentlich, dass ich das Ei geklaut habe und dafür mit all den Kratzern bezahlt habe, die mir der Muttervogel verpasst hat? Und sie war gross. Ausserdem habe ich dir die Materialien fürs Nest geholt und dir die Würmer gebracht und …“
„Das arme Ding braucht Essen!“
Sofort wich das Blut tiefer unter die Haut zurück, und diese graute ab. Wie ein Gummiball sprang er auf und eilte quer durch das Labor zu einer Kiste, aus der er mit einem fetten Wurm zurückkam, den er dem Küken tief in den Schnabel schob. Und wieder war er weg.
Und dann wieder da, und dann wieder weg – doch diesmal kam er mit einer ganzen Tüte zurück. Er setzte sich neben Kim und begann mit dem Füttern.
Und zum Thema Feenstaub, ist das wirklich so unglaublich falsch platziert? Es will mir einfach nicht in den Kopf. Es spielt ja hier auf unserem Planeten, mehr oder weniger in unserer Zeit. Sprich die Protagonisten, zumindest Kim, muss doch das Wort kennen. Vielleicht hat er sogar schon Bücher vorgelesen bekommen.
Ich weiss das Feenstaub Fantasie ist und nicht SciFi, aber nur als Ausdruck um ein Bild rüber zu bringen?
Und wenn nicht Feenstaub, darf ich nach anderen vorschlagen fragen?