Schon wieder eine Schreibwerkstatt-Hausaufgabe

Anbei mal wieder eine „Schreibwerkstatt-Hausaufgabe“ für meinen Montagskurs. Wir hatten die Aufgabe zu einem ausgewählten Bild (unser neuer Dozent hat Bilder ausgeteilt, jeder durfte sich maximal zwei davon auswählen) einen Text zu schreiben. Ich habe mich für das Bild mit der Frau hinter dem Tresen entschieden. Dazu ist mir „Die Geschichte eines Thekenmädchens“ eingefallen, die ich heute spontan niedergeschrieben habe. Über Rückmeldungen, Kritik etc. würde ich mich sehr freuen!

Gruß

Super Girl

PS: Hier nun also der Text!

Die Geschichte eines Thekenmädchens

„Thekenmädchen! Thekenmädchen! Schenk uns noch mal ein! Thekenmädchen, Thekenmädchen, vom Biere und vom Wein“, ertönte eine Melodie, die ich schon langsam nicht mehr hören konnte.

Sieben Jahre arbeitete ich nun in dieser Kaschemme, die den Namen „Taverne“ nicht verdient hatte. Und ein Mädchen war ich mittlerweile auch nicht mehr. Wie blauäugig war ich damals nur gewesen, hier das nötige Geld für mein Studium zu verdienen. Und überhaupt, dieser schmierige Kerl von einem Wirt hatte seine Finger überall, was bei „Drei“ nicht aus seiner Reichweite verschwand. Es gab nur einen Grund, der mich hier noch hielt. Die Liebe zu Siegfried, der mich schon seit fünf Jahren umgarnte. Er war es auch, der mich immer wieder von den Versuchen des Wirtes beschützte, mich anzugrabschen.
Natürlich hatte die Geschichte, wie so oft, harmlos angefangen.

Mit achtzehn Jahren war ich von Zuhause ausgezogen, um mein Glück in der „weiten Welt“ zu finden. Meine Mutter hatte mir noch nachgerufen: „Überschätz dich nicht, Lieselotte!“ Doch das war mir egal gewesen. Ich hatte ein Ziel, das ich um jeden Preis erreichen wollte: ein Studium an der Akademie für Heilwissenschaften. Mein Traum zu diesem Zeitpunkt war, eine Ärztin zu werden, um Patienten erfolgreich behandeln zu können!

So war ich von Schüttlersdorf nach Oberkoss gezogen. Den Unterschied zwischen Dorf und Großstadt hatte ich schnell bemerkt: In Oberkoss waren die Herbergen zum Übernachten völlig überteuert gewesen. Glücklicherweise hatte ich bald eine Stube zum Nächtigen in Niederkoss gefunden, die etwas billiger war. Tagsüber hatte ich mir im Selbststudium einiger Folianten das nötige Wissen für die Aufnahmeprüfung angeeignet.

Als ich gedacht hatte, dass ich endlich soweit war, mein Wissen an der Akademie in die Tat umzusetzen, war ich mit der nächsten Kutsche nach Oberkoss gefahren. Letztendlich war meine Aufnahme dort nicht am fachlichen Wissen, sondern am nötigen Geld gescheitert. Doch die Studiengebühren, insbesondere für junge Frauen meines Standes, waren damals überhöht gewesen. 1008 Taler, das war mehr als ich in meiner Börse hatte. Mit nur knapp 350 Talern fehlte mir immer noch ein Betrag von 658 Talern. Und betteln zu gehen war unter meiner Würde. So hatte ich mich an verschiedenen Stellen beworben, um das nötige Geld aufzutreiben.

Allerdings wurde ich in Oberkoss von den gut verdienenden Stellen abgewimmelt, keiner hatte ein „Bauernmädchen“ in seiner „Stube“ haben wollen, sei es im Postamt oder in der Schreibkanzlei. So war ich als letzte Anlaufstelle in der Taverne „Zur Alten Schenke“ als „Thekenmädchen“ gelandet. Anfangs wurde ich dort noch freundlich behandelt, der Wirt hatte sich als hilfsbereit und gut gelaunt erwiesen.

Erst im Laufe der Jahre hatte ich sowohl die guten wie die schlechten Seiten der „Alten Schenke“ kennengelernt. Dass der Wirt Eberhard Groß auch griesgrämig und unsittlich sein konnte, wenn er betrunken war, hatte ich mehr als nur einmal erfahren.

Ich hatte gar nicht vor gehabt, sieben Jahre meines jungen Lebens in der Taverne zu verschwenden. Doch ich hatte nicht nur schlechte Dinge in dieser Zeit erlebt. Zum Glück hatte ich in dieser Zeit auch Siegfried und seine Kumpels kennengelernt. Siegfried war ein echter Kavalier gewesen, er hatte mir erzählt, dass sein Vater mit dem Wirt gut befreundet gewesen war. Er hatte mir die Sitten der „Alten Schenke“ erklärt und dass Eberhard beides sein konnte: hart und gerecht!

Allerdings war es in dieser Zeit einige Male vorgekommen, dass Eberhard im besoffenen Zustand um sich geschlagen und dabei mich erwischt hatte. Wie gut, dass Siegfried als Stammgast meist vor Ort gewesen war und beherzt eingegriffen hatte, um mich vor Eberhard zu beschützen. Die Bezahlung war zu diesem Zeitpunkt ebenfalls miserabel gewesen, ich hatte als „Thekenmädchen“ gerade mal 12 Taler pro Monat verdient. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Heute war für mich ein besonderer Tag. Genau heute konnte ich mit dem gesammelten Geld (inklusive eines großzügigen Trinkgelds der Stammgäste) meine Studiengebühren bezahlen und hatte noch genug Geld für eine Unterkunft übrig.

Als Eberhard im betrunkenen Zustand seine Manieren vergaß, rief ich: „Mich hält hier nichts mehr. Ich kündige. Keine zehn Pferde bringen mich hierher zurück, das verspreche ich Ihnen!“ Darüber staunten alle Anwesenden. Doch ich machte meine Drohung ernst, packte meine Habseligkeiten und kehrte der „Alten Schenke“ den Rücken zu.

Siegfried, der mir nach draußen gefolgt war, verstand meine Beweggründe nicht sofort. Erst als ich meinen Traum von einem heilwissenschaftlichen Studium mit dem damit verbundenen Berufswunsch erwähnte, musste er lächeln.

Ich kündigte meine Unterkunft in Niederkoss und nahm die Tasche mit meinem Hab und Gut mit. Auf die Frage von Siegfried, wohin es mich nun zog, antwortete ich: „Vielleicht ist die Akademie deswegen so teuer, weil man dort nächtigen kann.“ Die Vermieterin der Gaststube schüttelte mit dem Kopf. „Überschätz dich nicht, Lieselotte.“
Dieser Satz, der einst von meiner Mutter stammte, ließ mich lachen.

Zwei Tage nach meiner „Flucht durch die Mitte“ war ich im Westen von Oberkoss angekommen. Ich bezahlte beim Verwaltungsamt die Studiengebühren und legte noch ein paar Taler obendrauf, mit der Begründung: „Ich will hier unbedingt studieren!“ Siegfried entschied sich dafür, mich zu begleiten, so öffnete er seine Börse und entrichtete ebenfalls den geforderten Betrag.

Als sich schließlich die Pforten der Akademie für uns öffneten, wurden wir beide zur Aufnahmeprüfung zugelassen. Wie gut, dass ich Siegfried einiges über Heilwissenschaften in den letzten sieben Jahren beibringen konnte. So sahen wir nun einer hoffentlich besseren Zukunft entgegen!

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Liebes Supergirl,

das ist eine schöne Kurzgeschichte :slight_smile: hat Spaß gemacht zu lesen. Das einzige, was mich etwas gestört hat, waren die vielen Hervorhebungen („“) und die Ausrufezeichen, die es meiner Meinung nach nicht bräuchte :slight_smile:

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Danke für den Hinweis.