Romananfang, schwere Geburt?

Ich beginne gerade etwas neues.
Werft Mal einen Blick drauf und verratet mir, ob es passt.

Natürlich sollte eine gute Geschichte immer am Anfang beginnen. Verzwickt daran ist, sie beginnt nicht hier, sondern ganz woanders. Im fernen Wolgast, einer kleinen Fischerstadt am Peenestrom. Dort im hohen Norden gab es einen Schiffsbauer, aber nicht irgendeinen, nein. Holger war sehr erfahren und hatte schon unzählige Zeesboote auf den Bodden und den Strom geschickt. Seine Schiffe waren gefragt; ihre braunen Segel sah man von Rügen bis Usedom, und so gelangte er auch zu Reichtum und Ehre. Selbstverständlich hielt er sich an die alte Zunftordnung und die bewährten Risse.
Aber ein Problem wurde immer größer. Das Holz für seine Werft wurde immer schlechter und teurer. Die Gegend war fast schon völlig baumfrei. Die immer längeren Wege, die Oder stromabwärts, machten die Stämme fast unbrauchbar. Sie wurden immer dünner und für die kräftigen Masten, die den Druck der schweren Zeesen aushalten mussten, waren sie kaum noch zu gebrauchen. Daraus ließ sich beim besten Willen kein vernünftiges, seetüchtiges Fischerboot mehr bauen.

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Ich war eine Moment irritiert, bis ich geschnallt habe, dass die ersten beiden Sätez schon zur Geschichte gehören. Hört sich gut an, ich denke, da kannste was draus machen.

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Das gute an dieser Geschichte ist, ich lasse den prota zu mir kommen. Das spart mir Geld und Zeit. Sein Weg wird kein leichter sein …

Gefällt mir auch. Wenn du - du fängst ja mit einem ‚EIGENTLICH‘ an - darauf ein ‚ABER‘ folgt. Als Anfangskapitel gefällt es mir sehr gut. Als Leser würde ich jetzt erwarten, dass im nächsten Kapitel ein Bruch folgt mit einer anderen Erzählstimme und einem etwas anderen Ort.

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Etwas gestolpert bin ich bei den Einleitungssätzen: „Natürlich sollte eine gute Geschichte immer am Anfang beginnen. Verzwickt daran ist, sie beginnt nicht hier, sondern ganz woanders“

Warum ist es verzwickt, wenn die Geschichte „woanders“ beginnt? Als Leser beziehe ich „hier“ auf eine Örtlichkeit - ist gemeint, dass die Geschichte an einem anderen Ort oder „nicht am Anfang“ (hier) beginnt?

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Die Geschichte spielt im Gebirge, weit weg vom Meer.
Da haben wir es wieder, ich als Autor weiß das natürlich.
Der Leser aber nicht.
Danke für euer Einschätzung, das hilft mir enorm.

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Für mich liest es sich noch ein klein wenig holperig, besonders die (Fach-)Begriffe „Risse“ und „Zeesen“ finde ich problematisch. Nicht jeder weiß, dass hiermit die Konstruktionszeichnungen bzw. Schleppnetze gemeint sind. Es besteht die Gefahr, dass der Leser dort schon aussteigt, will er nicht auch noch ein Fremdwörterbuch neben sich liegen haben… :slight_smile:

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Sehr wichtiger Einwand. Dankeschön

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Also, ich finde den Anfang gut und würde (auch weil ich wunderschöne Erinnerung an Rügen habe) gerne noch ein Stück weiterlesen. Der Stolperer im zweiten Satz wäre leicht zu korrigieren, in dem du statt Verzwickt daran ist, sie beginnt nicht hier, sondern Verzwickt daran ist, meine beginnt nicht hier, schreibst, aber im ersten Satz sprichst du mit dem Wort „Anfang“ einen Zeitlauf an, während du dann im zweiten mit „hier“ von einem Ort schreibst. Das holpert noch viel mehr. Die Fachausdrücke hingegen stören mich auch als Alpenbewohner nicht, weiß ich doch (hoffentlich) schon vorher, dass ich mich auf einen „nautischen“ Plot eingelassen habe. Ich hoffe dann immer, dass ich im Laufe des Textes noch was Neues lerne, und wenn ich es gar nicht aushalte, dann befrage ich halt das Gockel-Orakel.

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Mich haben die Fachbegriffe auch nicht gestört, aus dem Kontext kann ich das erschließen, bzw. verstehe was ungefähr gemeint ist.

Die ersten beiden Sätze ergeben für mich nicht so viel Sinn. Ich schließe daraus, dass du die Geschichte nicht der Reihe nach erzählst. Und ich frage mich, ob der dritte Satz dann der Anfang der Geschichte ist oder ob das mitten drin passiert. Weil wie ein Anfang hört sich das schon an.

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Ich müsste zwar nachsehen, was Zeesboote und die bewährte Risse wären, stören würde es mich jedoch nicht. :+1:

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Nein lieber @Ho.Ro , das passt noch nicht. Aber du bist vielleicht auf dem richtigen Pfad. Logo, so kannst du beginnen. Das geht.

Ich stolpere an mehreren Stellen. Jetzt weiß ich nicht, ob du daran ohnehin noch arbeitest? Ist das ein grober Entwurf?

Z.B:

Ich würde straffen, konkreter schreiben, nicht so vage.

Auch ich möchte erfahren, was so verzwickt ist … Weshalb?
Und ich schließe mich den meisten obenstehenden Kommentaren an.

Hope it helps :sparkles:

P.S.: Über den genauen Anfang kannst du dir auch später noch Gedanken machen. Es soll Autoren geben, die ihr erstes Kapitel, oder mehr, am Ende rausschmeißen. :wink:
Oder es nochmal völlig neu schreiben.

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Die gesamte Geschichte ist zwischenzeitlich schon fertig.
Es ist eine moderne Sage, die hier im Gebirge ihr großes Finale feiert.
Ich werde den Anfang nochmal komplett neu schreiben.
Mehr Handlung weniger drumherum.

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Im Morgengrauen ruderte Holger leise über den Strom. Der Nebel über dem Peenestrom verschluckte ihn und sämtliche Geräusche. Er musste an der Schlossinsel vorbei und den Fluss überqueren, aber dann konnte er sich die Flöße seines Widersachers genau anschauen, ohne bemerkt zu werden. Zu seinem Erstaunen stellte er fest, die Hölzer waren in dem gleichen, erbärmlichen Zustand wie das, was vor seiner Werft im Wasser rumdümpelte. Leise ruderte Holger wieder zurück.
Das Kratzen des Kiels auf dem feuchten Ufersand beendete seine geheime Mission. Holger zog sein Boot fest und blickte nachdenklich auf seine eigenen Stapelplätze. Wenn Eriksen das gleiche morsche Elend geliefert bekam, dann lag das Problem tiefer als eine bloße Sabotage unter Konkurrenten. Es war keine Missgunst. Es war ein Mangel, der das Fundament ihrer beider Existenz bedrohte.
Wenn es nicht besser werden würde und davon war auszugehen, könnten sie hier bald keine vernünftigen Boote mehr bauen. Gutes Holz wurde immer mehr zur Mangelware.
Er strich mit der rauen Handfläche über einen der eigenen Stämme. Die Rinde war schwammig, und dort, wo er mit dem Daumen fest drückte, gab das Holz nach.
„Brennholz“, murmelte Holger bitter. „Teures, mühsam herbeigeschafftes Brennholz.“
Holger erkannte die bittere Wahrheit!

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Ich bin an was neuem dran, am Puls der Stadt sozusagen.

Viel Spaß beim lesen.

Hier schonmal der Anfang:

Der Gasthaus-Erzähler von Zittau

Allabendlich war der »Schwarze Bär« gut besucht. Eine jener Schenken, die sich außerhalb der Stadtmauern und damit auch außerhalb ihrer Sperrstunde hingepflanzt hatte. Einheimische und Reisende tummelten sich hier gleichermaßen. Denn abends, ja abends kam er. Der Geschichtenerzähler. Keiner wusste genau, wer er war. Es gab aber Gerüchte. Wie dem auch sei, der Wirt freute sich maßlos über den abendlichen Besuch. Bescherte er doch Gäste und somit auch klingende Münze.

Der »Bär«, diese ominöse Spelunke war ein Ort, in dem man für Silber vieles bekam, für Gold noch mehr. Nur ein Einziger bekam hier nie eine Rechnung kredenzt. Er bezahlte mit einer Währung, die kostbarer war als jedes Metall. Es waren Worte, liebe Leser, die seine Zeche zahlten. Aber nicht irgendwelche, nein. Sein Talent bestand darin, die Worte so aneinander zu reihen, dass Sätze, gar ganze Geschichten entstanden. Und nicht irgendwelche aller Weltgeschichten. Er erzählte die wunderbarsten, seltsamsten und absurdesten Legenden. Und er schwor Stein auf Bein, alles entspräche der reinsten Wahrheit. Wenn der Meister der Worte im »Schwarzen Bären« sprach, klang seine Stimme wie Musik. Oder zumindest wie eine sehr gut gestimmte Laute, bevor man sie jemandem über den Kopf schlägt.
Einige behaupteten, der Erzähler wäre der hiesige Henker, da er Gruselmären zum Besten gab. Andere beschworen, er sei königlichen Blutes, sein Insiderwissen könnte nicht erfunden sein.
Die Wirklichkeit sah freilich anders aus. Die Wirklichkeit hatte nämlich die Angewohnheit, nicht in Hermelin oder Henkerskutte herumzulaufen, sondern in einem leicht fleckigen Gehrock. Der mit Verlaub gesagt, das Alter seines Trägers teilte.
Wie dem auch sei, die Herkunft des Geschichtenschmiedes blieb nebulös, seine Mähren im Gegensatz allerdings hatten die Klarheit einer Laterne in stockfinsterer Nacht.
Gestern berichtete er noch von einem Geist, welcher rothaarige Weintrinker heimsuchte und ihnen beibrachte, ins Beinkleid zu pieseln. Aber nicht nur das, denn während sie sich so besudelten, zwang er sie, Arien zu schmettern und auf einem Bein zu hüpfen.
Soll der geneigte Hörer dem Glauben schenken?
Man muss nicht weit ausschweifen, um zu bemerken: Ab diesem Abend war das Bier der bevorzugte Abendtrunk.
Hinter vorgehaltener Hand wurde gemunkelt, der Wirt war ob seines leeren Weinkellers an dieser Räuberpistole beteiligt.

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Ein schöner Anfang, der Lust auf mehr macht, und den Leser in eine Zeit hineinzieht, die schon lange (?) zurückliegt.
Die Geschichte hat ein bisschen eine Wirkung auf mich wie „Das Wirtshaus im Spessart“ von Wilhelm Hauff. Jetzt würde ich mich gerne auf dem Sofa einkuscheln, die schnurrende Katze auf dem Schoß und ein Glas schweren Rotwein in der Hand, während im Kamin das Feuer prasselt.
Und jetzt bitte unbedingt weitererzählen, es ist gerade so gemütlich …

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:+1: :+1: Sehr gut

Na gut, ein klein wenig kann ich ja noch …

Aber die Legende, den er heute von sich zu geben gedachte, tja, das müssen sie selbst erleben. Vorhang auf, das Spiel beginnt.
Der Auftritt des Erzählers war ein Ritual. Es begann damit, dass er seinen Stuhl, ein Veteran zahlreicher Zechen, mit einer Präzision rückte, als hinge das Gleichgewicht der Welt davon ab.
Dann kam das große Schweigen. Es war kein gewöhnliches Schweigen, sondern eine Art von akustischem Vakuum.
Erst als die gesamte Schankstube kollektiv den Atem anhielt und der Wirt mitten in der Bewegung des Gläserpolierens erstarrte, nahm er seinen knallroten Hut ab und warf ihn Richtung Kleiderständer quer durch den Raum. Dieser flatterte im hohen Bogen durch den Gastsaal. Nur um sein Ziel um mindestens eine Armesbreite zu verfehlte. Meist landete er irgendwo im Raum, nur nicht da, wo er hingehörte. Das war kein Unvermögen, dahinter steckte ein perfider Plan. Dazu aber später mehr. Ich schweife schon wieder ab!
Also, der Erzähler saß nun schweigend auf seinem Stuhl. Das allein ist nun keine Kunst, ein leichtes Gemurmel erhob sich bei seinem ungeduldigen Publikum. Darauf hatte er gewartet.
Er blickte nicht in die Menge. Er blickte durch sie hindurch, direkt in jene andere Welt, aus der er seine Mähren bezog. Und dann, erst dann, löste er die Stille mit einem ersten Wort ab.
»Obacht!« Dazu hob er seinen dünnen Zeigefinger in die Höhe.
Ja sicher heutzutage nicht wirklich literarisch wertvoll, aber zu seiner Zeit ein Fanal.
Jetzt sank er etwas in sich zusammen und begann seinen Monolog.
„Nicht weit weg von hier, da lebte einst ein Waisenjunge. Das Erstaunliche an ihm war, dass er überhaupt noch lebte. Den er ist dem Schnitter nicht nur einmal durch die Lappen gegangen. Er war quasi Stammgast auf der der Schippe, nur um im letzten Moment zurückzuhüpfen. Wenn sie so wollen. Es ist eine wenig bekannte Tatsache, dass das Schicksal eine Vorliebe für Menschen hat, die statistisch gesehen schon längst eine Wolke und eine Harfe besitzen sollten. Warum das so war? Das ließ sich nicht genau sagen. Vielleicht war er besonders abgebrüht und schlau. Oder aber Gevatter Tod hatte bei ihm kein glückliches Händchen. Was man einem Skelett, dem es naturgemäß an Fingerspitzengefühl mangelt, kaum zum Vorwurf machen kann.
Genaues wusste keiner! Fest stand allerdings, dem Sensenmann war es nicht einerlei.
Seinen ersten Besuch bekam der Junge, nennen wir ihn mal Sebastian, am Tage, als seine Mutter starb. Der Tod wollte eigentlich gleich mal alle beide mitnehmen. Effizienz war auch bei ihm nicht verpönt. Aber nein, das Blag war noch viel zu lebendig. Nun gut, dachte er sich, komme ich später nochmal vorbei. Ich habe ja Zeit.
Er betrachtete die Sanduhr des Knaben und tatsächlich, da war noch Zeit drüber. Aber auch nicht allzu viel, ein erneutes Aufeinandertreffen war nicht fern. Der Schnitter lächelte, im Winter, mein Freund, da sehen wir uns wieder. Verhungern und erfrieren, kein schönes Los, bis dann. Adieu, good bye, Tschüss.

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Ich bin gerade total verwirrt. Der Romananfang mit dem Strom und dem Holz…entschuldige, das ist furchtbar. Dann kommst du mit dem Gästehäuserzähler im selben Thread daher, und das ist, wie immer wenn du über Zittau schreibst, super. Hmm.

Ich schrub ja, ich mache etwas neues.
Aber ich möchte nicht für jede 5000 Wort-Geschichte einen extra Fred aufmachen. Und irgendwann werden alle Geschichten, so meine Hoffnung irgendwie miteinander verbunden sein.

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