Wonach entscheidet ihr ob und wenn was ihr als Prolog oder Epilog einfügt?
Ich habe das als Prolog im Sinn:
"Wir nennen uns selbst „Die alten Säcke“ und stellen die Traditionsmannschaft unseres Vereins dar. Der jüngste ist 36, der älteste 57.
Und wir widersprechen den Klischees, die man vom Eishockey kennt: Höhlenmensch prügelt mit Stock auf anderen Höhlenmenschen ein.
Wir haben alle unseren Weg gemacht. Alle einen ordentlichen Beruf. Familien. Kinder. Unser Senior ist letztens Großvater geworden.
Ergo: Wir sind gut situierte Menschen, die auf andere Menschen mit Stöcken einprügeln. Manchmal. In unserem Alter prügelt man sich nicht mehr.
Wir bereiten uns auf ein Freundschaftsspiel gegen die U-18 vor. Das machen wir alle Zeiten mal. Ist immer viel Spaß. Die Jungen glauben immer, sie könnten uns vom Eis putzen. Denkste. Bis meine 100 Kilo den ersten dürren Span in die Bande drücken. Erfahrung siegt über jugendliche Heißblütigkeit. Tricks gegen jugendlichen Elan.
Den Fans gefällt’s.
Wir haben es immer noch drauf. Eishockey verlernt man nicht. Ist wie Radfahren – aber erzählt das bloß niemanden.
Und wenn ihr jemanden erzählt, dass wir nach dem ersten Drittel nicht wie früher herumturnen und dumme Sprüche bringen, sondern um Sauerstoffmasken betteln - wir werden einen Platz finden, wo euch niemand suchen wird.
Ich sitze in meinem Stall und lege die Ausrüstung an. So wie immer schon.
Rein in die Funktionsunterwäsche
Tiefschutz an.
Schienbein/Knieschoner links
Schienbein/Knieschoner rechts
Linker Socken an
Rechter Socken an
Alles an der Ausrüstung ist neu, moderner. Wiegt nur mehr ein Drittel und ist doppelt so wirksam. Die Ausrüstung ist moderner geworden, wir älter.
Stutzen links
Stutzen rechts
Schlittschuh links einsteigen
Schlittschuh rechts einsteigen
Schlittschuh links verschnüren
Schlittschuh rechts verschnüren
Was uns vereint? Wir alle waren mal Profis.
Zusammengenommen haben wir fast alles gewonnen, was man in der DEL und international gewinnen kann. WM und Olympia leider nicht. Dazu hat es nie gereicht.
Reich ist dabei keiner geworden. Naja – fast keiner. Die NHL Rückkehrer sind mit obszön viel Geld am Konto nach Hause gekommen. In meiner gesamten DEL Karriere hab ich nicht so viel Geld verdient, wie die in einem Jahr. Sei ihnen vergönnt. NHL ist brutal.
Gut – verhungert sind wir auch nicht.
Das ist doch auch was. Oder?
Schulterpolster (linker Arm zuerst)
Brust-/Rückenpolster (linker Arm zuerst)
Ellenbogenschoner links
Ellenbogenschoner rechts
Hose (linkes Bein zuerst)
Trikot (linker Arm zuerst)
Handschuhe links ablegen, Helm rechts.
Ich hatte vor Kurzem meinen 49sten Geburtstag. Und eigentlich hat sich seit Jahren kaum etwas geändert. Festgefahren? Nein. Angekommen!
Aber es ist ein denkwürdiges Jahr. Ein Jahr der Jubiläen.
Vor 40 Jahren habe ich das erste Mal eine komplette Ausrüstung angelegt.
Vor 30 Jahren hatte ich mein erstes Profispiel.
Vor 20 Jahren habe ich meine Karriere beendet.
Vor 10 Jahren habe ich geheiratet.
Wo werde ich in 10 Jahren stehen?
Wenn es nach mir geht, bin ich genau dort, wo ich hinwollte. Wo ich hingehöre.
Die Schläger tapen.
Immer vom Heel zum Toe.
Immer von vorne nach hinten.
Immer genau 25 Wicklungen.
Jede Wicklung mit derselben Stärke
Immer mit schwarzem Tape
Dann wird der Griff gewickelt
Immer mit weißem Tape
Mein Mann sieht mich an und zwinkert mir zu. Er steht auf und hüpft ein paar Mal, um die Ausrüstung zu überprüfen. Sitzt. Wie immer. Wir haben das ja schon hunderte Male gemacht. Er streckte mir die Hand hin und zieht mich hoch. Drückt mir einen Kuss auf die Nase. Wir grinsen uns an. Verliebt. Immer noch. Wir alten Säcke.
Wir gehen durch den Tunnel auf das Eis.
Es ruft uns.
Wir hören den Sirenengesang.
Wir folgen dem Ruf.
Wir werden dem Ruf immer folgen.
Bis wir nicht mehr gehen können.
Oder bis uns der allerletzte Ruf ereilt."