Liebe Papyristas
Ich habe begonnen an meinem zweiten Roman zu schreiben - wieder eine historische Geschichte (Zeitraum 1925/26). Dabei spielt auch Hinnerk, ein norddeutscher Fischer und ehemaliger Soldat mit, den der (Erste) Weltkrieg in die Ostalpen verschlagen hat. Er nimmt die Rolle des Mentors meines Helden ein, eines 21jährigen Holzknechts.
Um es so authentisch wie möglich zu halten, will ich Hinnerk gelegentlich ein paar Phrasen auf Platt snacken lassen, was ich nicht wirklich kann. Klar gibts im Netz auch schon Übersetzer von Deutsch ins Platt, aber das ist mir - nun ja - einfach zu platt und nimmt oft auch keine Rücksicht auf die Grammatik (Tempus, Casus, etc.) Daher mein Ansinnen: Wer von euch beherrscht denn diese liebliche Sprache soweit, dass er oder sie mir dazu Ezzes geben könnte, bzw. die fraglichen Stellen begutachtet? Ich wäre da sehr dankbar, und klar - auch für eine geeignete Gegenleistung bereit.
Zudem suche ich diesbezüglich zwei drei Schreibgeschwister, die mir hin und wieder in den Arsch treten, wenn die Prokrastination in mir wieder dominiert. Wie ich mir das genau vorstelle, erkläre ich gerne in einer PN an Interessierte.
Habt noch einen schönen Sonntag. Hier im Outback von Ösistan scheint die Sonne wie verrückt!
Um Shakespeare zu verhunzen:
Wer weiß nicht, wo der Wespe Stachel sitzt? Im Schweif!
Nein, in der KI.
Trotzdem würde ich eine KI bitten, Formulierungsvorschläge zu machen. So bin ich an die Art der Sprache von vor 250 Jahren gekommen. Die gute Isabella muss sich ja an die Zeit anpassen, wo sie Unsinn machen möchte.
Na, net schon wieder KI, bitte. Ich wollte doch schon mit 15 „irgendwas mit Menschen“ machen.
Und Willi sprach von einer Wespe, @KaePie! Da hab ich eine Allergie dagegen! Und bitten tu ich eine KI schon gar nicht. Guter Jesus!
Das solltest du aber. Wenn die KI die Weltherrschaft übernommen hat, wird sie sagen:
Der war immer nett zu mir, den lasse ich leben.
Vertrau mir, die KI kann dir beibringen, was du bei Platt beachten musst. Und dann schreibst du es selber.
Ja, klar. „Ich lade dich zum Essen ein“, sagte der Fuchs zur Gans.
Schön, dich wieder schreibaktiv zu erleben! Dass mit dem in den Ar***treten, solltest du jedoch mit Rücksicht auf deine Gesundheit noch lassen. Da ich mir fest vorgenommen habe, in diesem Jahr endlich mein persönliches Mammutprojekt über die Bühne zu bringen, würde ich ein gegenseitiges Motivieren durchaus begrüßen, allerdings ohne Testlesen längerer Passagen, da das zu zeitraubend wäre und für mich unter Prokrastination liefe.
Ich bin sicher, du wirst hier im Forum einen Nord- oder Ostfriesen mit Plattkenntnissen finden. Meine Großmutter sprach brandenburgisches Platt, hat mir jedoch nichts davon mitgegeben. Wir haben uns nur oft darüber amüsiert, wie eng Englisch und Platt zuweilen verbandelt sind.
Hallo, ich bin ein waschechtes Nordlicht und Plattdeutsch aufgewachsen. Du kannst mir gern dein " Geschnacke" schicken. Aber: platt ist nicht gleich Platt, das wechselt manchmal von Dorf zu Dorf. Auch würde ich es nicht übertreiben. Platt geschrieben sieht ganz anders aus, als gesprochen Das kann den Leser ganz schnell nerven. Einige spezielle Ausdrücke, die das Gesagte einfärben, geben dem Text eher die Würze.
Ich wohne seit 30 Jahren im Norden…bin aber nur zugereist.
Mein Lieblingskollege ist Ostfriese. Er kommt aus Emden. Der schnackt gern mal was in Platt. Den könnte ich dann fragen, wenn du ein paar Phrasen brauchst. Zum Großteil verstehe ich es auch ganz gut.
Wenn dir die Ecke gefällt…denn Platt ist nicht gleich Platt.
Emden ist eine Hafenstadt…
Ich weiß. Und die Gegend könnte auch durchaus Hinnerks Heimat sein, wobei ich ihn aber lieber in einem kleineren Ort ansiedeln möchte - Pilsum, Rysum oder Wybelsum vielleicht. Ich muss zum Fischereiwesen dort noch ein bisschen recherchieren, aber ja.
Gleichmal Danke, auch an @Cara und @Heather für die ersten Angebote. Natürlich will ich niemand in seiner eigenen Arbeit aufhalten, und zum Betalesen ist noch lange hin. Jetzt bin ich erst beim zweiten Kapitel (von geplanten 20) in dem sich Heinrich und Hinnerk gerade erst mal kennen gelernt haben.
Kurz zum Plot: Es soll (vordergründig) ein Whodunnit-Krimi werden, mit dem aber auch die (historisch verbürgte) Geschichte von sog. „Kostkindern“ im Alpenraum (Kriegswaisen, die an die Bauern verkauft wurden) und traumatisierten Kriegsheimkehrern erzählt wird. Heinrich, der junge Protagonist, kommt nach langen Jahren Kinderarbeit im Forst eines Großbauern in den Ostalpen zurück in das Arbeiterdorf, aus dem er stammt. Eigentlich will er seiner Mutter nur sagen, dass er Christine - wie er ein ehemaliges Kostkind, das nun auf einer Alm als Magd arbeitet und die von Heinrich schwanger ist , heiraten will. Doch er findet das Dorf seiner Kindheit in bürgerkriegsähnlichen Zuständen wieder. Die Fabrik, die bislang allen Arbeit gab, und nun geschlossen werden soll, wurde von sozialdemokratischen Arbeitern besetzt - eine der Anführerinnen ist seine 17jährige Schwester Rosa. Auf der anderen Seite steht sein 19jähriger Bruder Karl - ein strammer Deutschnationaler. Als dann auch noch ein christdemokratischer Pfarrer ermordet wird eskaliert die Situation immer mehr.
Parallel dazu das Schicksal des 30jährigen Hinnerks, der kurz vor Kriegsende desertiert ist, und zuhause seine Familie an der Cholera verstorben vorfindet. Als er bei der Niederschlagung der Bremer Räterepublik im Februar 1919 einen Polizisten erschlägt, flüchtet er nach Österreich und arbeitet in den Ostalpen als Fuhrwerker. Dabei läuft er immer wieder Heinrich über den Weg und wird unvermeidlich auch in dessen Schicksal verwickelt.
(Natürlich schnackt der Deutsche nicht ununterbrochen platt. Nur, wenn er zornig wird. Und er wird, glaub ich, ziemlich oft zornig in dieser Geschichte.)
Ach, es gibt so superschöne plattdeutsche Schimpfworte
in allen Abstufungen. Und es klingt doch viel netter, wenn du jemanden mit „Mors“ beschimpft, anstatt „A…“
Das hört sich doch schon mal nach einem Plan an. Zum in den Hintern treten habe ich nicht genug Zeit. Ich stecke in Kapitel 4 von vielleicht 27 und der Alltag…
Im Moment arbeite ich an den Figuren, die doch mehr geworden sind, als gedacht.
Betalesen würde ich dann wieder sehr gern.
Lustig, genau das recherchiere ich auch, bzw. habe es schon getan, da meine Urban-Fantasy-Geschichte in Norddeutschland, allerdings habe ich mir die Freiheit erlaubt, ein Dorf zu ‚erfinden‘, beginnt und eine Prise nautischer Kenntnisse benötigt. Ein Fischer (ohne sin Fru, aber dennoch mit Familie) ist auch dabei.
Hier der erste Dialog der beiden:
Jetzt saß er da, auf dem Zuggeschirr, neben ihm der Deutsche und zwischen den beiden die Kerbe, die das Breitbeil ins Holz der Deichsel schlug, nach dem sie das Seil durchtrennt hatte. Vier mal hatte er zugedroschen, eiskalt und die Gefahr, mitsamt Pferd und Gespann ins Kar zu stürzen, gute vierzig Meter tief, vollkommen ausblendend aus seinem Bewusstsein.
Heinrich griff nach seinem Tabak, aber der Deutsche hielt ihm ein silbernes Zigarettenetui hin, auf dessen Deckel, der wie von selbst aufsprang, der deutsche Reichsadler eingeprägt war. Er griff zu und ließ sich Feuer geben. Das war seltsam: vertraut und fremd zugleich. Noch nie hatte so etwas jemand getan, ihm Feuer gegeben. Nicht mal Gruber, der ihm bestenfalls mal die Streichholzschachtel reichte.
»Danke«, sagte er.
Der Fremde schüttelte den Kopf. »Ihr seid schon ein seltsames Völkchen ihr Alpenländer. Bedankt euch für eine Zigarette, nach dem ihr anderen das Leben gerettet habt.«
»Macht man das nicht so, dort, von wo du herkommst?«, fragte Heinrich, »Einem, der in Not ist, zu helfen.«
»Doch doch, macht man bei uns auch.«
Der Deutsche schnippte Asche in seine Handfläche und wischte sie in seine Drillichhose. Ein ehemaliger Soldat, das ahnte Heinrich. Wie alt mochte er sein, vierzig vielleicht, jünger als Gruber sicher, aber sein Gesicht schien mehr gesehen zu haben, als in vier Jahrzehnten gut war.
»Woher kommst du?«, fragte Heinrich weiter. Es fiel ihm schwer, den Mann zu duzen.
»Aus Deutschland«.
»Ja, das hört man. Aber von wo genau?«
»Aus dem Norden, ganz oben an der See.«
»Welche Stadt?«
Der Deutsche sah ihn an, als müsste er überlegen, ober ihm die Antwort geben wollte.
»Egal, kennste nich. Außerdem ists keine Stadt sondern ein kleines Fischerdorf. Nicht der Rede wert.«
»Heimat ist immer der Rede wert, wenn man in der Fremde ist«, entgegnete der Jüngere. Es klang, als hätte er es zu sich selbst gesagt.
»Bist wohl ein Philosoph, Jungske«, grinste der Mann.
Heinrich fiel auf, dass sie sich noch gar nicht vorgestellt hatten. Er hielt ihm die Hand hin und nannte seinen Namen.
»Das nenn ich aber mal ’nen Zufall«, lachte der Deutsche, »Ist nämlich auch mein Vorname. Wird bei uns aber ›Hinnerk‹ ausgesprochen.«
»Hinnerk«, wiederholte Heinrich.
»Ja, Hinnerk Matthiessen.«
»Und warst du auch Fischer in deinem Dorf am Meer?«
»Mein Vater war Fischer, ja. Und ich sollte es werden. Aber dann kam der Krieg und ich musste einrücken.«
»Marine oder was?«
Hinnerk lachte auf. »Ne, mien Jung. Nicht zur Marine. Zur Artillerie. An die belgische Front.«
»Warum nicht zur Marine? Als Fischer kennst du dich doch aus am Wasser!«
»Ja das wohl. Aber ich kann schwimmen.« Hinnerks Blick war ernst. Und weil der Jüngere offensichtlich nicht verstand, fügte er an: »Die nehmen nur Nichtschwimmer als Matrosen!«
»Warum das denn?«
»Damit sie nicht türmen können, sobald sie die Küste sehen.«
›Die Welt ist verrückt geworden‹, hallte Grubers Stimme in Heinrichs Kopf. Er trat den Zigarettenstummel aus und scharrte ihn mit der Spitze seiner Genagelten in den Boden des Forstweges.
»Und du«, richtete er sich wieder an den Deutschen, »warum bist du nicht nicht wieder zurückgegangen, von wo du herkommst? Was machst du hier, so weit vom Meer entfernt?«
Auch Hinnerk drückte seine Zigarette in den Boden, schwieg eine Weile, dann wandte er sich wieder Heinrich zu. »Ik wachtde up de Flood.«
Für meinen Geschmack noch nicht vollends stimmig.
Der Unterschied zwischen perfektem Hochdeutsch und platt ist zu extrem.
Die Heimat hat für jeden eine eigenen Namen.
Hier bei mir ist es » dr heemte«
In der Fremde immernoch die Heemat.
Vielleicht ist es eine gute Idee, hinnak immer dann etwas platt werden zu lassen, wenn er von früher erzählt. Und wenn es um sein neues Leben geht, dann schnappt er sicher auch das eine oder andere aus seiner neuen Heimat auf. In Österreich ist perfektes Hochdeutsch auch eher selten, oder irre ich da?
Mein Schwiegervadder kommt von der Ostsee. Er ist bestimmt schon 40 Jahre hier. Wenn er sich auf den Daumen kloppt oder er einen Hundehaufen erwischt dann ist es immer Schiete, beim Wetter ählich.
Hast absolut recht und wie ich eben schon Cara schrieb, der Spagat zwischen Hochsprache und authentischer, aber noch verständlicher Umgangssprache ist recht herausfordernd. Aber genau das mag ich ja. Und die Gleichheiten dieser beiden Männer trotz aller Unterschiede in Alter, Sprache, Erfahrung und Kultur herauszuarbeiten finde ich extrem reizvoll. Danke für deinen Hinweis!
Mors ist aber eher der Hintern und nicht der Ar…
Ich komme zwar aus Fishtown und hatte nocg Großeltern, die Platt gesprochen haben und die ich verstehen konnte, kann es selber aber auch nicht.
Mors, Oors, Achtern - es gibt keine spezielle Zuordnung oder 1:1 Übersetzung. Oder das ist in Fishtown anders ![]()
Ich habe mal einen Roman gelesen, in dem die Protagonistin immer in Mundart geflucht hat. Zudem gab es noch einige Phrasen, die sich in unterschiedlichen Kontexten wiederholt haben, wie eine Art Signatur. In Stresssituationen - oder Situationen, wo sie plötzlich in „alte Muster“ verfallen ist. Für mich war das gut gelöst, da ich alles verstehen konnte, und es nicht erzwungen wirkte. Ich stelle mir diesen Spagat aber auch sehr schwierig vor, da zum Hochdeutschen ja automatisch ein starker Kontrast entsteht, der sich kaum abschwächen lässt - außer es wird situativ genutzt. Vllt funktionieren ja auch thematische Schwerpunkte, z.B. wenn die Figur über Heimat/Vergangenheit spricht (wie weiter oben schon einmal vorgeschlagen)
Wichtig ist sicher auch, dass sich die Figur selbst im Hochdeutschen auf sprachlicher Ebene klar abgrenzt. Dann wirkt der Kontrast vielleicht auch nicht mehr so stark.
Ösislang?
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Hast du Bock gemeinsam zu schreiben?
Vorschlag:
Wir machen ein bis zwei feste Termine pro Woche. Nachmittags oder sehr früher Abend. Zwei Stunden?
- Zoomsitzung oder so.
- kurz schnakken
- Mikro, Kamera aus, schreiben …
- Treffen alle halbe Stunde für ein paar Minuten, Durchatmen. Weiter …
Das könnte auch eine „größere“ kleine Gruppe sein. Ich habe das schon mal gemacht und es war suuuper.
Und du siehst mich endlich mal im Schlafanzug hier sitzen.
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