Gestern habe ich einen Abschnitt meines Fantasyepos lektoriert. Dabei bin ich auf folgendes gestoßen:
Alexej tritt in den Flur, leise, präzise. Er hat noch nicht gesehen, was sie sehen, aber er spürt die fremde Stille. Selene dreht sich zu ihm. Sie sagt nichts. Das ist das Problem. Ihre Augen verraten umso mehr. Ein Hauch von Schimmer liegt an seinem Stiefel. Er kennt die Farbe. Er bleibt stehen und betrachtet den Halm. Sie müssen fort. Beide. Noch heute.
Ragna legt die Stirn in Falten. „Hat’s hier einen Riss zum Hof gegeben? Oder—“
„Nein,“ sagt Alexej schneller und härter als gewollt.
Er geht vor, hebt den Halm mit zwei Fingern auf. Er berührt ihn kaum – trotzdem fängt das Ding an zu glühen, als hätte Wärme eine Richtung. Er schließt die Hand darum, und das Licht versiegt sofort. Tot. Zu tot.
Ich saß vor dem Absatz und dachte “WAS ZUM FICK?!” Ich habe es dann verbessert in: „Der Halm erschlafft, als wäre nie Leben darin gewesen.“
Aber lasst euch das mal auf der Zunge zergehen. Ich habe einem Halm unterstellt, er sei tot, aber UNANGEMESSEN tot. Regieanweisung: “Ja, fast. Du darfst schon tot sein. Aber sei bitte nicht SO tot.”
Was sind eure liebsten WTF Momente beim Schreiben gewesen?
Idealerwohnziweise - Ein Wort, das meine Katze (nicht Daisy, sondern die Vorgängerin) kreiert hat, weil sie auf der Tastatur herumgelatscht ist. Ich habe eine ganze Geschichte daraus gemacht, die ich schon bald innerhalb meiner Kurzgeschichtensammlung veröffentlichen werde.
Diese Formulierung empfinde ich auch ein wenig seltsam. Was ist ein ‚Hauch von Schimmer‘? Generell finde ich bei eigenen Texten bei nahezu jedem Durchgang neue Nonsens-Momente, je nachdem, wie hart ich mit mir ins Gericht gehe, und ich habe nicht eine davon lieb. Meist passiert das, wenn man ‚zu viel‘ will.
Woran ich mich allerdings gut erinnere, ist ein falsch angesetzter Daumen bei einer Buchillustration, den meine Tochter noch rechtzeitig bemerkt hat. Nein, kein KI-, sondern ein HI-Fehler (Heather-Intelligenz) – das liegt schon 10 Jahre zurück.