Nicht wirklich fertig. Ein kleines Beispiel: Bringt das die gewünschte Stimmung rüber?

Noch eine Stunde bis zum Warm-Up. Noah war bei beim Pre-WarmUp gewesen, hat noch einmal ein paar Aufzeichnungen von ihren Gegnern angesehen und nichts Neues entdeckt. Er stemmte sich aus dem Sessel im Meetingraum und ging zur Kabine. Die Musik traf ihn, noch bevor er die Tür ganz aufgemacht hatte.
Schlager. Lauter Schlager. Die Art, bei der nichts zusammen passt und alle so tun, als wäre das kein Problem.
Noah blieb einen Moment in der Tür stehen. „Bitte sagt mir, dass das ein Witz ist.“
„Stein, Schere, Papier.“ Brinkmann lehnte sich zurück, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, das Grinsen eines Mannes, der gewonnen hatte und es auskosten würde. „Ich hab gewonnen. Meine Musik.“
„Du hast gewonnen und das ist deine Wahl?“
„Ich mag Schlager.“
„Du magst Schlager“, wiederholte Noah fassungslos.
„Er mag Schlager“, bestätigte Seeler von der anderen Seite der Kabine, ohne aufzuschauen. Er zog gerade die Schnürsenkel seiner Schlittschuhe durch die Ösen, gleichmäßig, konzentriert, als wäre ganz allein und kein Anton aus Tirol würde laut durch die Kabine jodeln.
„Positive Energie!“, sagte Brinkmann. „Das gibt positive Energie. Die Dragons hören gerade irgendwelchen Hardcore-Scheiß und drehen sich gegenseitig auf. Wir hören Schlager und bleiben entspannt. Wer gewinnt wohl?“
„Wir gewinnen“, sagte Müller, „aber nicht wegen dem Schlager.“
„Wegen was dann?“
„Weil die Dragons einen Torhüter haben, der dir ganze Saison hauptsächlich Glück hat und sein Team diese Tatsache ignoriert.“ Müller zog sein Trikot zurecht. „Kowalski fängt keine Schüsse, er blockt, weil er weit aus dem Tor kommt. Das ist unsere Chance – ein guter Pass und einer von uns schießt heute an ihm vorbei. Und dann heißt es Schluss mit Glück!“
„Kowalski ist gut“, sagte Noah.
„Kowalski hat Glück gehabt.“
„Beides kann stimmen.“ Noah setzte sich, legte seine Ausrüstung bereit. Wie Soldaten waren die Teile aufgereiht. „Und wir spielen trotzdem so, als wäre er der beste Torhüter der Liga. Wir fangen jetzt sicher nicht an, sich auf Kowalskis schlechte Tage zu verlassen.“
Müller zuckte die Schultern. Nicht überzeugt, aber ohne weiteren Kommentar.
„Unser Fotomodel !“ Kellermann zog Noah an sich. Hinter ihm schob Vogt eines der lebensgroßen Plakate von Noah aus der Mode-Werbe-Kampagne in den Raum. Aufgezogen auf Pappe. Oder ähnliches. Es zeigte Noah oben frei, die Hände tief in die Taschen einer tief sitzenden Hose vergraben. So tief, dass man mit etwas Fantasie tief blicken konnte. In leicht schiefes, aber freches Grinsen, ein sexy Blick in die Kamera. Dreitagesbart.
„Schieben wir das aufs Eis. Dann sind die Dragons so verwirrt, dass wir locker gewinnen. Den schwulen Säcke fallen sicher die Augen raus!“
„Oder Noah geht SO auf’s Eis!“ Vogt zeigte auf das Plakat.
„Ne – sonst rinnt denen der Sabber aus dem Maul“
„Oder dir. Ich wette du nimmst das heute mit heim“
„Ach leck mich doch“
„Noah -Kannst du dich vor wildgewordenen Bräuten überhaupt noch retten?“
„Will er das denn überhaupt?“
„Wenn du nicht mehr kannst – ich nehm dir ein paar ab!“
„Die Weiber lieben das sicher!“
Kellermann schlang seine Arme und einen Fuß rund um den Pappkameraden „Küss mich Noah! Fick mich! Mach mir ein Kind! Noah Noah NOAAHHHH!“. Dazu machte er eindeutige Bewegungen mit seinem Becken.
Wildes Gejohle und Gepfeife von allen Richtungen.
Die Tür ging auf und Coach Bauer macht einen Schritt in den Raum und erstarrte. Starrte auf den fast nackten Kellermann, der das Foto von Noah zu begatten schien. Starrte auf Noah. Starrte wieder auf Kellernmann, der sich langsam von dem Foto löste. Jedes Geräusch erstarb.
Irgendwer sang von einem Foto, das er von seinem Schatzi wollte. Aus der Kabine kam ein unterdrücktes Lachen.
Dann schüttelte er den Kopf „Nein – ich will es gar nicht wissen.“
„Macht euch fertig. Jungs“ sagte er mit einem letzten Blick auf das Bild und auf Noah.
Der stieß einen tiefen Seufzer aus. Nicht zum ersten Mal bereute er, in diesen Vertrag eingestiegen zu sein.
„So jetzt hatten alle ihren Spaß. Räumt das Ding weg und konzentriert euch.“ Noah hasste diese Aufmerksamkeit.
Vogt schob das ‚Ding‘ ins WC.
Langsam fingen die Gespräche wieder an.
„Ich hab gehört, die haben in der Kabine Stress.“ Das kam von Richter, der neben ihm saß und gerade sein Trainingsshirt über den Kopf zog. „Ihre zweite Linie und Petrov vertragen sich nicht.“
„Wo hast du das her?“ fragte Kellermann.
„Die Gerüchteküche.” er machte eine Pause “Ok. Aus dem Hardrockcafe. Hab dort gestern ein paar Kumpel getroffen.“
Noah schaute ihn an “Du warst gestern aus? Vor so einem Spiel? Sag mal geht’s noch?”
“Kein Alk. Und um 10 im Bett! Ich schwöre” Noah warf ihm einen bösen Blick zu. Sagte aber nichts mehr dazu
„Wahrscheinlich hat einer Petrovs kleinen Liebling gefickt, diesen schnellen Flügelstürmer … wie heißt er noch mal?“ „Kühne. Arnold Kühne“ wirft eine Stimme von hinten aus dem WC ein. „Genau – Kühne und jetzt ist er sauer.“ Böses Gelächter. Noah lachte mit. Und hasste sich gerade selbst dafür.
„Richter, hör auf, Scheiß von der Buschtrommel zu glauben.“
„Es kommt von –“
„Es interessiert mich nicht, von wo es kommt.“ Seeler schaute auf. „Selbst wenn’s stimmt – interessiert mich nicht. Die können sich in der Kabine die Schädel einschlagen, sich gegensitig das Hirn rausvögeln oder Domino spielen. Auf dem Eis spielen die trotzdem gegen UNS. Petrov läuft seit zehn Jahren, der macht das im Schlaf.“
„Im Schlaf gegen uns“, sagte Brinkmann nachdenklich. „Ob im Schlaf oder putzmunter – die verlieren gegen uns.“
„Man verliert nicht im Schlaf gegen uns“, sagte Seeler trocken. „Man verliert gegen uns, weil wir besser sind.“
„Das hab ich doch gesagt.“
„Das hast du nicht gesagt.“
Noah suchte in seiner Tasche nach einer Taperolle. Fand sie nach einigem Herumkramen.
Von der hinteren Bank kam Voigts Stimme, ohne Vorwarnung: „Petrov hat übrigens gesagt, sie machen uns heute fertig. Interview, gestern Abend.“
Kurze Pause in der Kabine.
„Welches Interview?“ fragte Noah.
„Sport1. Hat gesagt, sie hätten die ganze Saison auf dieses Spiel hingearbeitet und jetzt werden sie zeigen, wer wirklich Eishockey spielen kann.“
„Ich hab gestern im Interview fast wörtlich das Gleiche gesagt! Hat DAS jemand gesehen?“ Noah sieht sich um.
„Niemand? Das glaub ich jetzt aber nicht!“
Stille. Dann:
„Wer wirklich Eishockey spielen kann.“ Kellermann ließ das einen Moment stehen. „Der Typ hat in der Saison zwei Powerplay-Tore geschossen. Zwei. Meine Oma schießt mehr Powerplay-Tore.“
„Deine Oma spielt Eishockey?“ fragte Brinkmann.
„Meine Oma würde mehr Tore schießen als er.“
„Ich mag deine Oma.“
„Das Plakat von unserem Captain macht mehr Tore!“
“Hört ihr euch eigentlich zu? Ihr labert Unsinn” Die Stimme gehörte McAllister, dem Star-Verteidiger. Sie klang so tief, wie das Brummen eines schweren Dieselmotors. Der Mann war einfach – riesig. Über zwei Meter groß und breiter als Noah. Viel breiter. Auf dem Eis verbreitete er Angst. Niemand lege sich mit ihm an. Nicht freiwillig.

„Er ist ein guter Spieler“, sagte Noah. Nicht laut. Nur so, dass es ankam.
Kellermann schaute rüber. „Ich weiß, dass er gut ist. Ich sage trotzdem, dass er gestern Abend seinen Mund zu weit aufgemacht hat.“
„Ich versteh nicht, wie das eine Überraschung sein kann? Wir haben schon zwei Spiele in den Playoffs mit den Dragons hinter uns“ Noah schaute kurz durch die Kabine. „Langsam sollten wir Bescheid wissen. Ihr wisst hoffentlich, was heute auf dem Spiel steht.“
Es stand 2:0 in der Serie. Bei “best of five”. Dieses Spiel noch. Dann gehörte ihnen die Meisterschaft.
Ruhe kehrt in der Kabine ein.
Es singt einer von sieben Brücken, über die man gehen muss. Passend. Noah schnaubt amüsiert. Wie absurd!

Er machte weiter mit seiner Routine. Raus aus dem Trainingszeug
Raus aus der Unterwäsche
Rein in die Funktionsunterwäsche
Tiefschutz an.
Schienbein/Knieschoner links
Schienbein/Knieschoner rechts
Linker Socken an
Rechter Socken an

Hinten hatte sich eine kleine Gruppe gebildet – Richter, Brinkmann, und zwei von der dritten Linie, die Noah nicht gleich zuordnen konnte, weil sie alle gleichzeitig redeten.

„Dieser Verteidiger, dieser Hansen–“
„Hansen ist ein Vollidiot.“
“Aber ein riesiger Volldiot”
„Riesig? Klein für einen Verteidiger“
„Aber du passt zweimal in ihn rein.“
„und ein guter Verteidiger“
„Hansen hat im letzten Spiel Bremer von hinten umgenietet und dafür keine zwei Minuten gekriegt, das ist kein guter Verteidiger, das ist ein Feigling.“
„Schuld der Refs“
„Ich hab keine Angst vor Typen, die von hinten kommen.“
„Solltest du aber – wer weiß, was er dir rein rammt“
„Wenn er durch die ganze Polsterung durchkommt – dann hat er ein bischen Spass verdient.“
„BOAH! Du Sau!“
Noah ließ sie reden. Ein bisschen davon brauchte eine Kabine – die Energie musste irgendwo hin, und besser hier als auf dem Eis. Am Eis kostete sinnlose Aggression zwei Minuten Starfe. Zwei Minuten. Der Unterschied zwischen Sieg und Niederlage.
Er kannte den Unterschied zwischen Dampf ablassen und echter Unvorsichtigkeit. Richter und Brinkmann ließen Dampf ab. Das war in Ordnung.

Stutzen links
Stutzen rechts
Schulterpolster (linker Arm zuerst)
Brust-/Rückenpolster (linker Arm zuerst)
Ellenbogenschoner links
Ellenbogenschoner rechts

Im Hintergrund lief der Schlager weiter. Der Sänger versicherte Allen, dass er das Leben liebte und die Sonne schien und irgendwas mit Herz.
„Ich hasse das“, sagte Kellermann.
„Dann hättest du gewinnen sollen.“
„Ich hab Schere gemacht, du hast Stein–“
„Kellermann.“ Noah schaute rüber. „Kopfhörer.“
„Ich hab keine dabei.“
„Vogt?“
Vogt, der mitbekommen hatte, dass man etwas von ihm wollte, schaute auf. Noah deutete auf seine Ohren. Vogt verstand, griff in die Tasche, warf ein zweites Paar Kopfhörer rüber. Noah fing es, warf sie Kellermann weiter, der sie aufsetzte und sich zurücklehnte. Sichtlich zufrieden.
Brinkmann grinste Noah an. „Und? Gute Laune?“
„Ausgezeichnete Laune sogar.“
„Wegen dem Schlager.“ mit dem Brustton der Überzeugung.
„Trotz dem Schlager.“ korrigierte ihn Noah.
„Der Schlager macht die Laune. Das ist reine Wissenschaft.“
„Es gibt keine Studien über Schlager im Eishockey.“
„Nein“ Brinkmann zwinkerte. „Sollte es aber geben!“
„Es soll Menschen geben, die dem Zwang sich Eispickel in die Ohren stechen zu wollen, kaum wiederstehen können, wenn sie Schlager hören…müssen“
„Oh das trifft mein armes Herz!“ Theatralisch fasste er sich an die Brust.
Noah schüttelte den Kopf. Das Grinsen ließ sich nicht unterdrücken. Brinkmann war unmöglich. Brinkmann war auch genau das, was diese Kabine vor einem Finale brauchte.

Der Zeugwart hatte ein paar frisch geschliffene Kufen in sein Fach gelegt. Noah war der einzige, der den neuen Flat Bottom V Schliff für seine Kufen wollte. Er hatte es vor dieser Saison ausprobiert. Die alten Hohlschliffe hatten ihn eingebremst.
Zu langsam, aber wendig.
Oder
Schnell, aber nicht wenig genug.
Hatte mit dem Zeugwart herum experimentiert. Sie hatten am Ende DEN Schliff für ihn gefunden. Perfekte Mischung der alten Schliffe. Speed, Grip, Kraft, Gefühl. Alles da.
Die anderen Jungs haben sich nicht getraut. Noch nicht.

Schlittschuh links Kufe einklinken
Schlittschuh rechts Kufe einklinken
Schlittschuh links einsteigen
Schlittschuh rechts einsteigen
Schlittschuh links verschnüren
Schlittschuh rechts verschnüren
Hose (linkes Bein zuerst)
Trikot (linker Arm zuerst)
Handschuhe links ablegen, Helm rechts.
Die Routine war immer die Gleiche. Nachdem Spiel? Alles genau in der umgekehrten Reihenfolge. Es anders zu tun, würde Unglück bedeuten. Aberglaube? Ja! Er stand auf, prüfte den Sitz der Ausrüstung – alles in Ordnung. Wie immer. Hunderte Male gemacht. Er ging durch die Kabine. Ohne große Gesten, noch keine Rede – das kam später. Jetzt war die Zeit für die kleinen Dinge. Eine Hand kurz auf eine Schulter. Ein Nicken zu Luca, der mit den Beinen wippte. Er lächelt zurück. Hört auf zu wippen. Bei Hoffmann blieb er kurz stehen, da er zum dritten Mal dieselbe Bandage kontrollierte.
„Sitzt doch.“
Hoffmann schaute auf. „Ja?“
„Sitzt wirklich.“ Ein kleines Lächeln.
Hoffman nickte kurz und fing an den nächsten Schläger zu tapen.
Kapitänsarbeit. Finde ob jemand etwas braucht. Wann er es braucht. Ausrüstung. Aufmunterung. Ein zurechtgerückter Kopf.
Noah setzte sich wieder auf seinen Platz. Der Schlager lief weiter.
Noah ließ ihn laufen. Er versankt in sich selbst, fokussiert auf das kommende Spiel.

Die Schläger tapen.
Immer vom Heel zum Toe.
Immer von vorne nach hinten.
Immer genau 25 Wicklungen.
Jede Wicklung mit derselben Stärke
Immer mit schwarzem Tape
Dann wird der Griff gewickelt
Immer mit weißem Tape

Zeit aufs Eis zugehen. Warm-Up.

Die Halle ist noch nicht voll. Aber füllt sich.
Wir besetzten unsere Hälfte. Laufen Runden, dehnen uns. Der Torwart wird mit Schüssen eingedeckt. Ganz schnelles Tempo. Hält die meisten, Aber nicht alle. Natürlich.
Jeder nicht gehaltene Schuss jetzt ist ein Tor weniger im Spiel. Aberglaube? Vielleicht.
Die Pucks krachen in die Kellen, zischen über das Eis. Pässe hin und zurück.
Luca, unser Rookie, zieht seine Show ab. Sucht sich einen Sektor mit vielen Mädels. Wirft sich vor ihnen in den Frosch. Die Knie gespreizt. Brust auf dem Eis. Becken tief unten. Hintern Richtung Sektor. Macht mit den Knien Kreisbewegungen. Das Becken hebt und senkt sich im Rhythmus. Fast schon obszön. Die Fans kreischen, pfeifen und johlen. Luca steht auf und skatet ruhig weg, als würde das nicht hören. Noah sieht aber das leichte Grinsen in seinem Gesicht. Es ist viel mehr Show, als echtes Aufwärmen.
„Der Idiot“, sagte Seeler neben ihm, ohne jede Schärfe.
„Er weiß, was er tut.“
„Er weiß genau, was er tut. Das ist das Problem.“
Auf der anderen Seite der Mittellinie hatten zwei Dragon-Spieler zugeschaut. Einer sagte etwas zu dem anderen. Noah konnte es nicht hören, aber er sah die Körpersprache.
Gut, dachte er. Schaut ruhig.
Und er sah Petrov. Knapp an der roten Linie auf- und abfahrend. Eine stumme Herausforderung. Eine Provokation. Der Kampf hat schon begonnen. Krüger ist wie ein Schatten. Immer in seiner Nähe. Wieso hatte Noah das nicht früher bemerkt? Es wurmte ihn. Er bemerkt solche Dinge doch sonst auch. Ist das der Schwachpunkt? Können sie Petrov knacken, indem sie Krüger angehen? Wenn Petrov die Nerven verliert, zerfällt das Team der Dragons.
Er fand seine Schwester in der Menge. Glitt zur Bank und winkte ihr zu. Sie sprang auf, winkte ihm zu, hatte sein Trikot an. In ihrer Nähe gibt es anzügliche Pfiffe und der Typ neben ihr rutscht nervös auf seinem Sitz herum. Auf dem großen Anzeigewürfel hoch über dem Eis war ihr Gesicht in groß zu sehen und der Kommentator sprang auf den Zug auf. Fragte, wer sie wohl sei. Petrov skatete zu seiner Bank. Schaute erst hoch und grinste dann Noah an. Es war ein wölfisches Grinsen.

Der Coach kommt und hält seine Motivationsansprache. Leider ist er beim Reden halten nicht so gut, wie als Trainer. Aber wir nehmen den Willen als Werk.
Der Stürmercoach kann es besser. Er ruft jeden einzeln auf und hebt sein Können und seine Spezialitäten hervor. Er appelliert an den Teamgeist, an das Zusammenspiel, das was wir so oft trainiert haben. Der Funke springt jetzt doch über. Alle johlen und klopfen mit den Schlägern auf den Boden. Das Adrenalin beginnt zu fließen.
Noah steht auf und hebt die Hand. Sieht jeden an. Es wird still.
„Ich muss nicht sagen, was heute auf dem Spiel steht. Ihr wisst es.“ gemurmelte Zustimmung.
„Lasst euch nicht provozieren. Petrov ist auf Kampf aus. Ich hab es gerade in seinen Augen gesehen. Weicht ihm aus. Er ist stark. Er ist brutal. Aber ist nicht schnell und nicht sehr ausdauernd. Lasst ihn leere Kilometer laufen. Aber lasst euch auf keinen Kampf mit ihm ein.“
„Ich auch nicht?“ McAllister. Gelächter. Gelöst, nicht nervös.
„Du kannst ihn stoppen. Mach es, wenn nötig. Aber keine Strafen riskieren. Das gilt für alle. SIE sollen auf der Strafbank sitzen.“
Noah sieht sich um
„Können wir das gewinnen?“ ruft er
Ein lautes JAAA kommt als Antwort
„Werden wir das gewinnen?“ Noch lauter
Ein noch lauter gebrülltes JAAAA aus 20 Kehlen folgt.
„Wer wird heuer Meister?“
„THE WINGS! THE WINGS, THE RED RED WINGS!“ ertönt der ohrenbetäubende Schlachtruf.
Alle schlagen dabei mit ihren Schlägern auf den Boden.
Der Stürmercoach steckt den Kopf in die Kabine „Es geht los Jungs!“

Es gab mehr Show als sonst. Es wurde schlagartig dunkel in der Arena, als sie die Spielerbank erreichten. Scheinwerferkegel und buntes Laserlicht tanzten über das Eis. Laute Musik dröhnte durch die Arena. Große, aufblasbare Versionen unseres Logos – zwei rot-goldene Flügel, deren Spitzen sich überkreuzten – sanken von der Decke. Vor der Spielerbank berührten sie das Eis. 18.000 Fans tobten, schrien.
Der Kommentator rief die Spieler auf. Ein moderner Marktschreier, der Ware anpreist.
Die Dragons zogen ihre Runden. Eine eisige Stille begleitete sie. Eine Stille, die viel schlimmer war als Buhrufe. Der Jubel des kleinen rot-weiß-schwarzen Fanblocks verhallte im riesigen Raum der Arena.
Als die Namen der Wings aufgerufen wurden, fuhren wir einzeln durch das Tor, das die Flügel bildeten. Jeder drehte seine Runde, hatte seine Runde ums Eis an Ruhm. Bei jedem Namen jubelten die Fans, und wenn man selbst dran war, explodierte der Adrenalinpegel. Luca bekam wilde Jubelrufe. Er war ein Liebling der Fans – fast so viel Jubel wie Noah, der immer noch der Star des Teams war.
Als Noah aufgerufen wurde, war der Lärm der Menge wie eine Wand, die ihn in vorne traf. Er spürte es – in seiner Brust, in seinen Knochen. Es ließ seine Zähne vibrieren. Er fuhr seine Runde. Wo er vorbeikam, stand die Menge auf. Er zog eine Welle durch die Ränge, die ihm folgte.

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kurze Frage vorab: ist das bewusst mit dem ständigem Wechsel der Zeitform und der Perspektive? Habe ich was übersehen?

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nicht fertig - wie gesagt.

Das ganze war zu beginn in der gegenwart - aber aus verschiedenen gründen hab ich es dann verschoben. Der teil nach dem Warm-Up … der ist mir entgangen … typischer fall von viel zu nah dran :frowning:

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