Neuling hat Fragen

Hallöchen, :wave:
ich werde in den folgenden Zeilen mein Problem schildern und würde mich über ein paar Ratschläge sehr freuen.

Ich schreibe zurzeit an meine Romanreihe. Nachdem ich meinen ersten Band fertig geplottet habe und in Papyrus nieder schrieb, überflog ich mein „Werk“ (Was zu 60% geschrieben war) und es landete sofort im Mülleimer. Ich hatte viele Fehler die alleine mir aufgefallen sind (Als Anfänger), Verständnis und Sinn-/Inhaltsfehler. Es waren zu viele Fragen offen, die ich mir zwar selbst beantworten konnte, aber ein Außenstehender nicht verstehen würde. Weshalb ich überlege meine Romanreihe nach rechts zu schieben und ein weiteres Band davor setze. Somit würden Inhaltsfehler verschwinden und einige Fragen geklärt werden.
Soviel zum ersten Problem…
Frage: Sollte ich die Vorgeschichte als eigenen Band machen? Er würde nicht Prolog heißen oder als einer wirken, sondern wird ein wichtiges Glied meiner Romanreihe sein. (Inhalt habe ich dafür genug)

Zu meiner zweiten Frage:
Ich habe mich jetzt auch mehr mit der Erzählperspektive beschäftigt, wie gesagt bin noch ein Anfänger und lerne dazu. Ich interessiere mich stark für das Multiperspektivisches Erzählen. In meiner Romanreihe, würde jeder Band von einer anderen Perspektive sein (Also nicht 4 Sichten in einem Band) und zusammen bilden diese eine fortlaufende Geschichte. Die Figuren aus den einzelnen Bänden tauchen verteilt auch in den anderen auf.
Verständnis-Beispiel: Ein Rekrut aus dem 1. Band, ist ein hohes Ratsmitglied im 2. Band.
Somit möchte ich die Geschichte lebendig halten und fortlaufend erzählen, um somit die ganze Welt weiter auszuschmücken und hinter den verschiedensten Kulissen zu schauen. Die einzelnen Heldengeschichten der Bänder werden im entsprechenden Band enden, sodass keine Cliffhanger entstehen (Aber Möglichkeiten um weiter zu spekulieren). Dennoch wird der Held aus dem ersten Band mit seinen Entscheidungen, Auswirkung auf den dritten Band haben.

Ich hoffe meine Schilderung und Fragen sind verständlich… wenn nicht, seid so frei und schreibt es mir. Über Feedback würde ich mich als Neuling, sehr freuen :blush:

LG
Yannis

Das finde ich schon mal keine gute Idee. Auch Hans-Peter Roentgen sagt in einem seiner Schreibratgeber, man solle lieber versuchen, eine schlechte Idee zu verbessern, anstatt sie zu verwerfen.

Dann könntest du immer noch die Geschichte so ändern, dass die Fragen nach und nach auch dem Leser beantwortet werden.

Einen ganzen Band würde man schwerlich als Prolog bezeichnen. Eher als Prequel. Aber auch nur, wenn die folgenden Bände zuerst veröffentlicht wurden. Von der Star Wars-Reihe wurden als Erstes Episode IV, V und VI veröffentlicht. Danach dann erst die Folgen I, II und III. Letztere könnte man also als Prequels zu den zuerst veröffentlichten Filmen verstehen.
Wenn du aber vor der Veröffentlichung deines ursprünglichen Bandes 1 noch einen Band schreibst, ist das dann der Band 1, denn es gab ja noch keine Serie, zu der man den neuen Band als Prequel verstehen könnte. Eigentlich ist es aber ganz egal, was du machst, solange die einzelnen Bände in sich stimmig sind. Sie sollten auch so geschrieben sein, dass man sie verstehen kann, auch, wenn man die anderen Bände nicht gelesen hat.

Ich bin mir aber nicht sicher, ob man das multiperspektivisch nennen würde, wenn jeder Band nur eine andere Erzählperspektive bekäme. Wahrscheinlich heißt es eher multiperspektivisch, wenn du mehrere Perspektiven in einem Band hast. Ken Follett macht das z.B. in seinem Roman „Night over Water“. Dort erzählt er die Geschichte aus 5 verschiedenen Perspektiven. Ich kann dich aber nur warnen: Es ist nicht einfach. Man kann leicht den Überblick verlieren, wenn man mehrere Perspektiven in einem Band hat. Auch muss man aufpassen, dass der Text nicht redundant wird. Wenn Figur A eine Szene erzählt hat, sollte Figur nicht dieselbe Szene aus ihrer Sicht erzählen, sondern eine anschließende Szene, in der dem Leser etwas Neues geboten wird.
Im Internet habe ich schon gelesen, dass die Rowling dafür kritisiert wurde, zumindest ihre späteren Bände von Harry Potter (Nr. 6 und 7) nicht aus mehreren Perspektiven geschrieben zu haben. Harry kann schließlich nicht an allen Orten gleichzeitig sein, sodass man eben nicht alles mitbekommt, was um ihn herum passiert. Und dann wirkt es für den Leser so, als fielen manche Ereignisse oder Charakterentwicklungen plötzlich vom Himmel, weil man ihre Entwicklung nicht mitverfolgen konnte. (Beispiel: Percys Läuterung am Ende von Band 7, kurz vor dem Kampf. Es wirkt, als habe Percy sich „mal eben“ entschieden, seine Meinung zu ändern. Für den Leser kommt das zu schnell und plötzlich, weil er Percys Entwicklung nicht nachvollziehen konnte.)
Bei einem komplexen Plot könnten mehrere Perspektiven in einem Band durchaus Sinn ergeben.
Jeden Band von einer anderen Figur erzählen zu lassen, ist natürlich auch möglich.

Heißt das, der Rekrut hat den Beruf gewechselt und ist die soziale Leiter hinaufgeklettert? Dann wäre es aber kein Perspektivwechsel, denn er ist ja immer noch er. Er hat nur einen anderen Beruf und ist wahrscheinlich ein paar Jahre älter geworden.
Oder habe ich das jetzt falsch verstanden?

Das finde ich gut. Einen ganzen Band würde ich nie mit einem Cliffhanger enden lassen. Nur einzelne Szenen.

Ich denke nicht, dass man irgendeine deiner Fragen mit nein beantworten kann. Aber wie bei allem beim Schreiben kommt es auf die konkrete Umsetzung an. Das kann man nur beantworten bzw. beurteilen, wenn man die ganze Geschichte kennt.

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Das habe ich vielleicht etwas undeutlich geschrieben.
Im ersten Band ist dieser Rekrut einer neuen Feldeinheit zugeteilt worden. (Abschnitt der Großarmee)
Er hatte kein großes Auftreten, ab und zu wird er als Neuer schikaniert und von seinem Kommandanten (Feldeinheit Anführer) als unnütz abgestempelt.
Was ihn so wichtig für mich macht ist, dass er als einziger die Schlacht überlebt hat. Die gesamte Großarmee ist vernichtet und er ist der einzige der gesehen hat was passiert ist. Da der Feind mehr oder weniger unbekannt war bzw. Der Anführer der feindlichen Armee. Dadurch ist er für die Hauptstadt ein wichtiger Teil und für die fortlaufende Geschichte ebenfalls.
Der erste Band geht natürlich noch weiter, wäre jetzt aber schwierig zu verdeutlichen.

Im Band 2 sind dann dutzend Jahre verflogen und der Rekrut, wie du vermutet hattest ist die sozial Leiter hinaufgeklettert und agiert nun im Rat und trainiert die Neulinge der Armee. Da er die Rekruten nicht auf eine Schlachtbank (Kampf der Großarmee) schicken will, wie man es damals mit ihn machte.

Vielen Dank das du auf meinen Beitrag eingegangen bist, ich kann viel nützliches daraus ziehen. :blush:

Hallo @Yannis,

grundsätzlich kannst du alles machen, du bist schließlich der Gott in deiner Welt. :slightly_smiling_face:

Zu deinem ersten Problem: Ich stimme @Pamina22 zu, dass der Mülleimer keine gute Idee war. Es ist doch wunderbar, dass dir viele Fehler aufgefallen sind, denn jetzt kannst du sie gezielt beseitigen.

Ich stelle mal die ketzerische Frage, was dich auf die Idee bringt, dass dies in einem zusätzlichen Band anders wäre? Würden dort nicht wieder offene Fragen aufgeworfen?
Du schreibst Fantasy, also eine völlig neue Welt, mit eigenen Gesellschaften, Flora, Fauna, Magiesystem, Historie, etc. Da wirst du nie alles abhandeln können. Der Trick besteht darin, es den Leser nicht merken zu lassen und relevante Informationen „organisch“ in die Geschichte einzuflechten. Dafür gibt es kein Patentrezept, aber viele unterhaltsame Versuche. :wink:
Die andere Frage, die du nur selbst beantworten kannst: Hat dein Ergänzungsband auch eine spannende Geschichte? Es klingt ein bisschen danach, als sollte dieses Prequel mehr als Infodumpcontainer dienen, bevor die eigentliche Geschichte in deiner Romanreihe losgeht, so ist es zumindest bei mir angekommen, vielleicht irre ich mich da auch. Denn das wäre fatal, was Leserinteresse und Motivation für die Folgebände angeht. Wenn es eine gute Story ist, die auch in den Folgebänden eine wichtige Rolle spielt, dann go for it, aber ich würde sie dann auch „Band 1“ nennen und nicht Prequel o. ä.

Bei den verschiedenen Erzählperspektiven hast du viele Möglichkeiten. Du kannst sie nutzen, um bspw. die Charakterentwicklung zu zeigen. Im ersten Band ist dein Erzähler ein junger Rekrut, vielleicht etwas hitzköpfig, naiv, anfällig für Finten und Intrigen und dem Glauben, einer guten Sache zu dienen. Im zweiten Band ist er General, ein gewiefter Taktiker, etwas desillusioniert und mit dem Wissen, dass manchmal auch unschöne Entscheidungen getroffen werden müssen.
Oder du erschütterst Gewissheiten beim Leser mit den verschiedenen Perspektiven. Beispiel: Im ersten Band wird der Trupp deines Rekruten durch einen Verräter in den Hinterhalt gelockt. Du gibst dir alle Mühe, den Verräter den Lesern als Unsympath und Schurken zu verkaufen - natürlich alles aus der Sicht des Rekruten. Im dritten Band ist der Verräter dann der Erzähler und man erfährt, dass er vielleicht gute Gründe für sein Handeln gehabt hat, wegen Erpressung, um ein größeres Unglück zu vermeiden o. ä. Dafür könnte sich ein vermeintlich edler Ratgeber als vielleicht nicht ganz so edel herausstellen. Nichts ist nur schwarz oder weiß. Oder die abgrundtief naive damsel in distress aus Band 2, ist die Erzählerin in Band 4, wo klar wird, dass sie eine raffinierte Intrigantin mit Schauspieltalent ist.
Die Möglichkeiten sind endlos, aber mit einigen Vorüberlegungen wirst du das schon hinbekommen. :+1:

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Hey @RalfG
ich danke dir ebenfalls für dein Feedback, welches ich mir auch zu Herzen nehme.
Meinen ersten Versuch besitze ich noch auf meinem Laptop zuhause, allerdings war der Frust groß als ich die ganzen Fehler gesehen hatte, weshalb ich diesen erstmal beiseite legte. :see_no_evil:

Klar würden dann wieder offene Fragen aufkommen, welche allerdings (soweit geplant) keine Infolücken darstellen bzw. sich selbst beantworten. Durch das zusätzliche Band versteht man den Hintergrund und Aufbau der Welt besser, welche im Band 2 & 3 wichtig sind. Diese Informationen werden wie schon gesagt hast, schleichend in den Band eingearbeitet. Und wachsame Leser werden die zusammenhänge zwischen z.B. Band 1 & 2 oder 1 & 3 war nehmen. Ich habe mir schon viele Gedanken darüber gemacht und sehe diese zusätzliche Band als Lösung meiner Probleme.

Gute Frage, welche ich mit einem großen JA beantworten kann. In meinen Augen macht es nicht nur als zusätzliches Band meiner Romanreihe Sinn, sondern auch als einzelnes in sich. Man wird in eine völlig neue Welt eingeladen und mit dieser vertraut gemacht. Mit ihrem Magiesystem, ihrer Landschaft und Gesellschaft.

Als Abschluss sei nochmal gesagt, dass der zusätzliche Band, kein Prequel werden/sein soll. Er wird der 1. Band werden und somit den ANfang meiner Reihe bilden.

Erneut danke für dein Feedback :blush:

LG
Yannis

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Ich finde es sehr wichtig, dass mit Band 1 eine Geschichte auch wirklich anfängt, spannend ist, mich als Leser abholt etc., und man nicht, wie @RalfG schon anklingen ließ, mit tonnenweise Infodump zugeschüttet wird.
Ob eben dieser erste Band schon fertig ist oder du ihn von allen als letztes schreibst, spielt hinterher keine Rolle mehr, als Leser merkt man auch nicht, wenn du nachträglich vorne etwas eingefügt hast (ok, man sollte es nicht merken :wink: ).
Wie schon gesagt wurde, mach, was du möchtest, was zählt, ist das Endergebnis.

Wenn du eine Figur über längere Zeiträume hinweg handeln lässt (wie hier dein Rekrut) und sich dabei für sie/ihn eine Menge ändert, würde ich drauf achten, dass du deine Leser an den wichtigsten Schritten auch teilhaben lässt.
Wenn Soldat Krautibor Harkenblatt am Ende des ersten Bandes ein einfacher Rekrut ist und im zweiten dann plötzlich als hohes Ratsmitglied präsentiert wird, werden die Leser unwillig. Man will nicht wissen, dass der Heini plötzlich da oben sitzt, sondern wie er es dorthin geschafft hat. Ein solcher Aufstieg ist weder einfach noch alltäglich, das heißt, dahinter verbirgt sich eine spannende Story – die man lesen möchte.
Das wäre dann auch kein Perspektivenwechsel.

Diese Dinger können echt tricky sein, da man als Autor genau den Überblick behalten musst, wer wann wo was mit wem tut, dass sich ja nichts doppelt und dass trotzdem alles zu einer organischen Story zusammenwächst.
Wenns dich interessiert, empfehle ich ‚Kriegsklingen‘, den ersten Band der Klingen - Trilogie von Joe Abercrombie. Darin wechseln sich 5 oder 6 Erzählperspektiven kapitelweise ab; jede davon ist zunächst völlig eigenständig, bis alles so nach und nach (und auf ziemlich geniale Weise) zu einem großen Ganzen verwoben wird.
Meiner bescheidenen Meinung nach ein Muss für jeden Fantasyautor (und für Fans natürlich auch).

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@Yoro vielen Dank für dein Feedback, ich werde viel Zeit ins plotten stecken müssen, worüber ich mich auch schon freue. Ich liebe es einen Plan zu entwickeln und mich an diesem entlang zu hangeln. Natürlich werde ich den Weg des Rekruten besser ausschmücken, nicht wie ganz oben kurz angestochen.

Das werde ich mir Mal genauer angucken, schaut ziemlich gut aus. :+1:t4:

LG
Yannis