Nathaniel - Schutzengel im Ruhestand - Ein Spaßprojekt

Im Kaiserstuhl-Urlaub hatte ich schon die fixe Idee für ein Spaßprojekt, einfach nur so für mich erstmal zur Gaudi. Daraus ist “Nathaniel - Schutzengel im Ruhestand” geworden. Ich habe hier mal den Anfang für euch reingestellt, zum Lesen und Kommentieren. Es soll nicht so ernst werden, sondern eher ein wenig humorvoll. Was sonst noch passieren soll, verrate ich mal noch nicht. Es geht eben um “Schutzengel”.

Gruß

Super Girl

PS: Bei Interesse, stelle ich gerne noch ein bis zwei Kapitel hier rein! (Bin schon bei Kapitel 3)

Nathaniel - Schutzengel im Ruhestand

Der Absturz (Kapitel 1)

»Mir reicht’s! Ich habe es satt, diese eigenwilligen Sterblichen zu beschützen!«
Mit diesem Satz eröffnete Nathaniel das Gespräch auf der himmlischen Versammlung.
»Ich bin zu alt für diesen Job. Ich muss in den Ruhestand!«
Was sofort für eine heftige Diskussion unter seinen Schutzengel-Kollegen sorgte.
»Wir sind den Menschen gegenüber verpflichtet, sie bis zu ihrem Tod zu beschützen!«, rief Raphael.
»Ich finde, Nathaniel hat Recht. Auch ein Schutzengel hat sich eine Pause verdient«, entgegnete Uriel, der etwas Verständnis zeigte.
»Das letzte Wort haben die Ältesten von Rainbow Valley, wie ihr wisst«, fügte Michael hinzu.

Zur selben Zeit an einem anderen Ort. Terence Hardy, der kräftig gebaute Bürgermeister von Grogery Hill, stand auf einer Leiter und versuchte, ein neues Schild am Gasthaus ›Krötenberg‹ aufzuhängen. Die Wiedereröffnung des Gasthauses sollte groß gefeiert werden. Das Schild mit dem Namen der Lokalität vom Bürgermeister persönlich aufgehängt zu bekommen, war ein festlicher Akt, dem alle Bürger des Dorfes innewohnten.
Womit jedoch keiner rechnete, war der Umstand, dass die Leiter schon recht morsch war. Eine Holzlatte brach unter dem hundert Kilogramm schweren Körper des Bürgermeisters durch und Terence stürzte, gefolgt von einem Schrei der Überraschung, zwei Meter in die Tiefe.
»Um Gottes willen!«, rief sofort der Gastwirt, Mr. Ross, auf. Er wollte Terence beim Aufstehen helfen, doch dieser schrie: »Ich kann mein rechts Bein nicht bewegen. Ich glaube es ist gebrochen!«
Mr. Ross hatte den Ernst der Lage erkannt. Er schaltete schnell und rief nach dem Dorfarzt. In der Zwischenzeit versammelten sich die Dorfbewohner um den Gestürzten, begleitet von Zwischenrufen wie »Oh mein Gott« und »Der arme Mr. Hardy«.
Der Dorfarzt, Dr. White, diagnostizierte wenig später: »Das Bein ist gebrochen. Sie werden es einige Wochen schonen müssen. Tut mir leid für Sie, Herr Bürgermeister. Kommen Sie sofort in meine Praxis.«

Da die Schutzengel das menschliche Tun aus der himmlischen Sphäre überwachten, war Gabriel nicht entgangen, was andernorts geschah. Er vernachlässigte seine Aufgabe, den himmlischen Kristall zu bewachen, nur für wenige Sekunden, als der Bürgermeister stürzte. Schockiert über diesen Umstand rief Gabriel per Gedankenkraft an Nathaniel gewandt: »Solltest du nicht Terence Hardy und seine Familie beschützen? Was ist nur los mit dir? Wirst du auf deine alten Tage vergesslich?«
»Von wegen vergesslich. Ich habe es satt, diese Sterblichen zu beschützen, das ist alles!«
»Und deswegen lässt du zu, dass dem Bürgermeister von Grogery Hill etwas zustößt? Wenn du weiter so machst, werde ich dein Verhalten den Abgeordneten vom Ältestenrat melden!«
»Dann tu es doch. Ich will sowieso aussteigen. Weißt du es noch nicht? Ich gehe in den Ruhestand.«
»Wie bitte? Das kannst du nicht machen!«
»Und ob ich das kann!«
»Du bist schuld, wenn der Bürgermeister stirbt!«
»Er stirbt nicht, dessen bin ich mir sicher. Ich kann nichts dafür. Ich war auf einer himmlischen Versammlung, das können alle anderen bezeugen!«
Doch Gabriel gab keine Ruhe. Er hatte sich in Rage geredet und ließ seine Wut an Nathaniel aus. Er rief:
»Du nichtsnutziger Schutzengel!«

Da eilte Uriel, ein Bekannter von Nathaniel und Gabriel, in die Kristallhalle. Er hatte Neuigkeiten.
»Terence Hardy ist gestürzt. Hast du es schon mitbekommen?«
»Und ob. Ich habe deswegen schon mit Nathaniel geschimpft, immerhin ist er für den Schutz der Hardy-Familie zuständig.«
»Wo steckt Nathaniel eigentlich? Die Versammlung hat seinen Ruhestandsantrag vertagt, weil der Schutz der Dorfbewohner absolute Priorität hat.«
»Keine Ahnung, wo er sich herumtreibt. Ich kann hier nicht weg, ich habe noch zwei Stunden Wachdienst. Aber wenn ich den Nichtsnutz in die Finger kriege, dann Gnade ihm Gott.«

Nathaniel, der nichts von alldem mitbekommen hatte, seufzte. Er hatte fest damit gerechnet, dass sein Ruhestandsantrag genehmigt werden würde. Während er an der Halle der Ahnen vorbeischwebte, betrachtete er die Bilder seiner Vorfahren. Er fand das Bild seines Vaters, Joriel, und hielt davor inne.
»Ich habe es wirklich satt, ein Schutzengel zu sein. Verzeih mir, Vater. Aber diese Sterblichen denken wirklich nur an sich!«

Fortsetzung folgt!