Der Prix Goncourt ist Frankreichs rennomiertester Literaturpreis, in der dortigen Jury sitzen sicher keine Hobbyisten.
Wenn ihnen der Text gefallen hat, kann er so schlecht nicht gewesen sein, und DAS finde ich eine Leistung.
Wenn ichs richtig verstanden habe, ist auch nicht 100%ig erwiesen, ob und wenn ja wie viel KI-Beteiligung da drinnesteckt, einfach, weil man es nicht mit absoluter Sicherheit sagen kann.
Ich fürchte, genau dieser Punkt wird uns künftig noch jede Menge Probleme bereiten. Eine KI-Anschuldigung steht schnell mal im Raum, und mit absoluter Sicherheit kann sie weder bewiesen noch widerlegt werden.
Das gibt viel Raum für Schlammschlachten aller Art.
Absolut. Ich denke es geht darum, Daten abzugreifen. Was passiert mit den Dossiers der Autoren? Wer verarbeitet diese und gewinnt daraus Erkenntnisse zur Verbesserung der KI?
Wir können ihm immer noch glauben (Wenn wir es wollen):
Orélien argumentierte vehement, dass nicht eine Maschine sein Buch geschrieben habe, sondern dass die KI-Detektoren durch die Besonderheiten seines literarischen Stils getäuscht wurden.
Die Argumentation und die technischen Hintergründe dieses spezifischen Zusammenhangs gliedern sich in folgende Punkte:
1. Karibisch-haitianische Erzähltradition vs. Standardisierte KI-Muster
Orélien erklärte die extrem hohen KI-Erkennungswerte (von bis zu 100 % bei Tools wie Pangram) mit den sprachlichen Eigenheiten seiner Herkunft. Sein Roman „C’était ça ou mourir“ orientiert sich stark an der haitianischen und karibischen Oralität (Mündlichkeit).
Rhythmus und Repetition: Dieser Stil lebt von bewussten Wiederholungen, lyrischen Rhythmen, starker Bildhaftigkeit und spezifischen Metaphern, um eine „lebendige Stimme“ zu transportieren.
Das Problem der Software: KI-Detektoren wie Pangram sind darauf trainiert, mathematische Regelmäßigkeiten, Wortabfolgen und die Gleichförmigkeit von Sätzen (die sogenannte Perplexität und Burstiness) zu bewerten. Wenn ein Autor sehr kontrolliert, formell oder mit wiederkehrenden rhythmischen Mustern schreibt, ordnen diese Tools den Text statistisch eher einer KI zu, da er von der „erwarteten“ menschlichen Abweichung abweicht.
2. Der „Bias“ (Voreingenommenheit) der KI-Detektoren
Sprachwissenschaftler stützten Oréliens Verteidigungsteil zunächst mit dem Argument, dass die meisten Detektoren einen strukturellen eurozentrischen Bias aufweisen:
Die Erkennungstools wurden primär mit standardisiertem europäischem Französisch (oder Englisch) trainiert.
Regionale Dialekte, kreolische Einflüsse oder hybride Stile, die Französisch mit haitianischen Erzählstrukturen vermischen, fallen aus dem gelernten Raster der Software. Das Tool erkennt den Text als „fremdartig“ oder „künstlich strukturiert“ und stuft ihn fälschlicherweise als maschinell generiert ein (ein sogenanntes False Positive).
3. Warum die Stil-Verteidigung letztlich in sich zusammenbrach
Obwohl die Kritik an den KI-Detektoren und ihrem Unvermögen, komplexe literarische Stile korrekt zu interpretieren, wissenschaftlich absolut valide ist, ließ sich der Skandal im Fall Orélien nicht allein auf seinen Schreibstil schieben. Zwei Entdeckungen entkräfteten seine Argumentation:
Die Spuren in den Metadaten: Wie im Oktober 2026 bekannt wurde, stützte sich sein Verlag Les Éditions du Boréal für den endgültigen Bruch nicht mehr auf die umstrittenen Text-Detektoren. Eine forensische Analyse der Word-Dokumente und Manuskript-Fassungen brachte echte digitale KI-Tags und technische System-Spuren in den Dokumenten-Metadaten zum Vorschein. Diese entstehen nicht durch einen Schreibstil, sondern durch das Kopieren von Texten aus KI-Benutzeroberflächen.
Das Plagiats-Argument: Gleichzeitig wiesen Journalisten nach, dass Orélien bereits Jahre vor dem Durchbruch von ChatGPT traditionelle Plagiate (Abschreiben von Texten anderer Autoren) in seinen früheren journalistischen Kolumnen begangen hatte.
Zusammenfassend heißt das: Oréliens Argument, dass sein haitianischer Schreibstil die KI-Detektoren verwirrt habe, ist technisch und linguistisch plausibel. Weshalb die Debatte die Literaturwelt so tief gespalten hat? Im konkreten Fall wurde ihm nachgewiesen, dass neben dem besonderen Stil eben doch auch die Technologie handfest im Spiel war.
Aussage des Autors: Orélien selbst bestreitet, dass auch nur ein einziger Satz von einer Maschine generiert wurde. Er beteuert, das Buch selbst verfasst zu haben, räumte jedoch ein, KI als reines Assistenz- und Recherche-Werkzeug (etwa für historische Nachforschungen und Übersetzungen) genutzt zu haben.
Ab wann ist KI eine erlaubte Hilfe (wie eine Rechtschreibprüfung oder ein digitaler Thesaurus) und ab wann ist es „literarischer Betrug“? Der Fall zeigt, dass die Verlage noch keine klaren Richtlinien dafür haben, wo harmlose „Assistenz“ aufhört und “Betrug” anfängt.
Während Puristen die totale Verbannung fordern, gab es auch Stimmen wie die der ehemaligen französischen Kulturministerin Roselyne Bachelot, die pragmatisch anmerkte, es sei ihr letztlich egal, ob eine KI am Werk war, solange das Buch gut zu lesen sei. Zitat: „Moi j’ai adoré le livre de Orélien là, et tant pis s’il est écrit par intelligence artificielle!“
Auf Deutsch: „Ich habe dieses Buch von Orélien geliebt, und sei’s drum, wenn es von einer künstlichen Intelligenz geschrieben wurde!“
Ich finde es völlig OK eine KI zur Prüfung der Rechtschreibung, Plausibilität, Grammatik und zur Recherche zu nutzen. Das sind Dinge, die auch ein anderer Mensch für den Schreibenden erledigen könnte, ohne dass Plagiatsvorwürfe erhoben werden könnten. Sobald aber eine KI auch nur einen Satz für den Schreibenden formuliert ist das Werk nicht mehr zu 100 % von einem Menschen geschrieben und sollte deklariert werden. Es wird Zeit, dass es eine allgemein gültige Definition für den Einsatz von KI für fiktionales Schreiben gibt. Dann kann jeder Leser selbst entscheiden was er/sie lesen will oder auch nicht.
Bei Thalia bin ich auf Hörbücher gestoßen, da stand dann: “gelesen von …..” Und da waren dann seltsame Namen zu lesen, die sich bei genauerer Recherche als KI-Sprachmodelle entpuppt haben. Zu einem deutlichen Hinweis, dass dieses Hörbuch von einer KI vorgelesen werden konnte sich Thalia wohl nicht durchringen.
Ich weiß, ich bin im Herzen ein schlechter Mensch.
Der erste Aufschrei der Verzweiflung, dass die Hexenjagden vorüber gingen, war mir eine Genugtuung.
Mea Culpa. Mea Maxima Culpa.
Erst mit Jan begann so etwas wie eine Diskussion.
Es gab spontan in den ersten 11 Post einen Aufschrei über einen Wettbewerb, der niemanden etwas wegnimmt. Keiner wird gezwungen KI zu nutzen oder an diesem Wettbewerb teilzunehmen.
Einen gleichen kollektiven Wutanfall gab es nicht, als die Karrieren von Menschen zerstört wurden.
Dies ist so ein Fall. Es ist unerheblich, ob jemand ihm glaubt oder nicht. Es wurde nicht sein Werk beurteilt, sondern er wurde als Schriftsteller vernichtet. Das ist der Kern der Hexenjagt. Man vernichtet Menschen, um gegen die Technik, die man nicht versteht, vorzugehen.
Das scheint langsam das scheint zum Glück langsam zu Ende zu gehen.