Leider ist mein Gedächtnis nicht so gut, wie ich es mir wünschte, weshalb ich Veränderungen in deinem Text nicht mehr auf die Spur komme. Wenn dein Text jedoch, wie du schreibst, schon ein Lektorat durchlaufen hat, so will ich und kann ich mich dazu nicht mehr äußern, sondern nur meinen Eindruck der 14 ersten Seiten wiedergeben, die ich gelesen habe.
Du hast einen interessanten Plot erdacht – das erahne ich. Zwar bin ich persönlich nicht der Meinung, dass ein Roman mit dem ersten Satz oder Absatz oder spätestens bis zum Ende des ersten Kapitels ‚zünden‘ muss, aber dennoch sollte es innerhalb dieser Strecke schon Stellen geben, die anziehen, neugierig machen, Spannung oder Hoffnung erzeugen oder über einen besonderen Witz oder stilistischen Charme verfügen.
Leser fragen sich unwillkürlich, wie sie wohl in einer Situation, in die dein Protagonist hineingerät, reagieren würden. Mir fällt auf, dass du viel Detailtreue in deine sinnlichen, aufzählenden Beschreibungen legst. Diese Fülle neuer Sinneseindrücke setzt eine gewisse entspannte Gelassenheit und Muße voraus, die jemand in dieser Situation kaum haben wird, wenn er sich fragt, ob er soeben gestorben sei. Nackte Angst, Panik, Verwirrung wären eher anzunehmen. Anders ist es, wenn ich träume, aber da stelle ich mir nicht die Frage, ob ich tot bin oder träume, denn der Traum ist die in dem Augenblick ‚erlebte‘ Realität.
Kurz: Ich kann mich partout nicht in deinen Protagonisten hineinfühlen. Er begegnet Menschen, die kryptische Kurzantworten oder Erklärungen abgeben, aber nur, um den Text so lange wie möglich geheimnisvoll wirken zu lassen. Dadurch verliert er in meinen Augen an Glaubwürdigkeit. Jeder würde zunächst haargenau wissen wollen, wo er hineingeraten ist! Wie die Blümchen aussehen, wann es mal still ist, wann der Wind leise rauscht, interessiert sicher die Wenigsten.
Vielleicht wirfst du nochmal einen Blick auf deine eigene Perspektive beim Schreiben? Du schilderst, wie du glaubst, dass Autoren (vielleicht persönliche Vorbilder?) schreiben. Schreibe mit deiner eigenen Stimme, aber sieh diese, von dir geschaffene, Welt mit den Augen deiner Protagonisten! Fühl dich in sie hinein. Du beobachtest nur, bist aber kaum aktiv, nehme ich die unglaubwürdig spitzfindigen Reaktionen aus. Welche Fragen würden dir an ihrer Stelle auf der Zunge brennen? Authentizität vor Maniriertheit!
Lass dich aber bitte von meinem Kommentar nicht irritieren, entmutigen oder vom Wege abbringen. Er ist nur eine Meinung einer ebenfalls Lernenden. Möglicherweise bin ich auch nicht die angesprochene Zielgruppe (bin zu alt?), die eine andere Einschätzung hat. Ich hoffe, du bekommst noch Input hier, der dir weiterhilft!