Leseprobe / Feedback

Hallo zusammen, mich würde es interessieren was ihr über das erste Kapitel meines Projekts denkt. Da dies mein erstes Buch werden will, werde ich bestimmt einige „Fehler“ in puncto Stil, Gramatik, Zeichensetzung und und und haben.
Ich bin über jedes Feedback dankbar auch wenn ich vielleicht nicht jede Kritik annehme. Trotzdem würde ich mich freuen wenn ihr eure Meinung hier abgebt.

ACHTUNG: Menschen mit zartem Gemüt und die empfindlich auf den Tod reagieren und wie es dazu führte, sollten ab hier evtl. nicht weiterlesen.

Vielen Dank und schönen zweiten Advent.
Sascha

Der schwarze Mann

Vor wenigen Tagen feierten die meisten Menschen Silvester und die Leute begrüßten sich immer noch mit den Worten ›frohes Neues‹. Es war kalt draußen und es hatte letzte Nacht lange Zeit geschneit. Lukas stampfte an diesem Vormittag freudig durch die frische, pappige weiße Pracht, beim kurzen Fußmarsch zu seinem Klassenkameraden Martin. Bei jedem Fußtritt knirschte die handbreit Schnee unter seinen braunen Winterstiefeln. Während vereinzelnd Schneeflocken fielen und Lukas in Gedanken den schneebedeckten Bürgersteig entlangschlenderte, erinnerte er sich zurück an die festlichen Weihnachtstage, die er mit seiner Familie zu Hause verbrachte.

Es war keine richtige Familie. Schon eine echte Familie aber eher eine Patchworkfamilie. Lukas wuchs wohlbehütet bei seiner Mutter auf. Und da er ein Einzelkind war, wurde er dementsprechend verhätschelt. Er genoss die Aufmerksamkeit und fühlte sich immer als Mittelpunkt im Leben seiner Mutter.
Seinen Vater kannte er nicht, aber vor ein paar Jahren, als Lukas zehn Jahre alt wurde, erzählte seine Mutter ihm etwas über seinen richtigen Vater.
Die beiden hatten sich damals Hals über Kopf ineinander verliebt und verbrachten nur wenige Wochen miteinander, bevor sein Vater, wie vom Erdboden verschluckt, verschwunden ist. All sein Hab und Gut ließ er an Ort und Stelle und es soll so ausgesehen haben, als wäre er nur spazieren gegangen oder einkaufen gewesen. Seine Mutter suchte nach ihm. Verzweifelt und mit allen Mitteln, die ihr zur Verfügung standen. Die Polizei nahm zwar alle Daten für eine Vermisstenanzeige auf, aber die Suche dauerte nicht lang. Die Nachfragen beim Einwohnermeldeamt waren ergebnislos und eine Geburtsurkunde wurde ebenfalls nie gefunden. Der Vorname seines Vaters war in Deutschland selten, und das Alter der wenigen Menschen mit dem gleichen Namen passte nicht zum Alter seines Vaters. Sein Vater wurde in den Augen der Behörden schnell ein Mensch, den seine Mutter erfunden hatte. Niemand glaubte ihr mehr, dass er existierte, und stellten somit die Suche nach ihm ein.
Sie musste sich eingestehen, dass beide nur selten das Haus verlassen hatten, so wurden sie kaum von anderen gesehen. Trotz aller Sehnsucht und des Verlustgefühls musste Lukas Mutter akzeptieren, dass sie ihren Liebsten nie wieder sehen würde.
Trotzdem wurde Lukas einige Monate später geboren. Seine Mutter versuchte alles, damit beide ein normales Leben führen konnten. Ohne einen stattlichen, blonden, muskulösen und liebevollen Adonis, wie seine Mutter seinen Vater beschrieb. Der sich damals mit dem Namen Gijs vorstellte.
Lukas versuchte immer ein braver, verständnisvoller und angenehmer Sohn zu sein, der er seiner Meinung nach stets war. Trotzdem gab es hin und wieder Höhen und Tiefen, so wie in jeder anderen Familie auch. Nach ein paar Jahren fühlte sich seine Mutter einsam und verliebte sich in einen anderen Mann und heiratete diesen. Somit hatte er einen Stiefvater bekommen. Aber wenn das nicht genug gewesen wäre, brachte sein neuer Stiefvater eine Tochter mit in die neugegründete Familie. Lukas Stiefschwester war zwei Jahre jünger als er und nervte einfach nur. Nicht immer. Manchmal war sie auch lieb. Vielleicht öfter als nur manchmal.
Wie auch immer. Sein Stiefvater und Stiefschwester fühlten sich fremd für ihn an. Obwohl sie schon einige Jahre zusammen lebten und sich die meiste Zeit gut verstanden.

Lukas kurzes blondes Haar wedelte in den kalten Windböen hin und her, die zwischen den Häusern hervor bliesen. Trotz das er warm, in zig Schichten Kleidung eingepackt war, fing er an zu frieren. Umso erfreulicher war es, dass er nur noch wenige Fußschritte von Martins Elternhaus entfernt war. Dieser schien auf ihn gewartet zu haben, da sich die schwere Eingangstüre schnell öffnete und Lukas mit einem breiten Grinsen hinein ins warme Haus gebeten wurde.
Lukas und Martin lernten sich in ihrer Schule kennen. Beide waren dort neu und saßen zusammen in derselben Klasse. Ihre Freizeit verbrachten sie so oft zusammen, wie es möglich war. Obwohl Lukas eher ein Einzelgänger war, genoss er Martins Anwesenheit, da beide über alles sprechen konnten und sich nie stritten.
An diesem kalten Ferientag wollte Martin Lukas unbedingt seinen neuen Computer zeigen, den er zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte. Martin erzählte seit Tagen davon am Telefon und Lukas war neugierig auf dieses hochwertige Stück Technik und ließ sich nicht zweimal bitten, Martin besuchen zu dürfen. Obwohl Lukas zwei linke Hände in puncto Technik hatte, war er trotzdem immer wieder fasziniert, was es Neues gab und wie schnell sich die Technik entwickelte. Martin wiederum war froh, dass er Lukas erneut sein tiefgründiges Wissen über Computer und das unendliche Internet unter die Nase reiben konnte.

Nachdem die Ferien zu Ende waren, startete die Schule wieder wie gewohnt und der normale Tagesablauf wurde erneut zur Routine. Der Tagesinhalt wiederholte sich immer und immer wieder. Lukas hatte manchmal das Gefühl ein Roboter zu sein, der nur auf Aufstehen, Frühstücken, Schule, Hausaufgaben, Mittagessen, Freizeit, Abendessen, TV gucken und schlafen, programmiert war.
Lukas freute sich jedes Mal wie ein kleines Kind von dem Programmablauf abzuweichen zu können, wenn das Wochenende anfing. Es war für ihn wie eine Befreiung aus den Zwängen der Verpflichtungen. Ein Freiheitsgefühl, dass er wie einen guten Kakao, jede Sekunde genoss.
Und den wahrhaft allerbesten, unschlagbarsten Kakao kreierte sein Onkel Walter. Walter ist der Bruder seiner Mutter und immer wenn seine Mutter alleine sein wollte, schob sie Lukas an Walter ab. Beide verstanden sich blind. Sie waren mehr engste Freunde statt nur Onkel und Neffe. Zudem hatten sie das gleiche Hobby. Und für seinen Onkel war es sogar sein Beruf.
Walter wohnte in einem Haus, direkt neben einem großen Erlebnis-Schwimmbad, dass ›Schwimmparadies‹ hieß. Walter fungierte als Hausmeister, Bademeister, Verkäufer, Sicherheitsdienst und Buchhalter in einer Person. Er war der Verwalter und Betreiber des Schwimmbads. Geld bekam Walter vom Besitzer des Schwimmareals, zu dem auch das Haus und das umliegende ausgedehnte Grundstück gehörten. Lukas hatte den Besitzer nie kennengelernt, aber er wusste von Walter, dass es ein älterer alleinstehender Mann ist. Walter erwähnte mal einen französisch klingenden Namen, den Lukas aber so schnell wieder vergaß, wie er ihn gehört hatte.
Bei Walter fühlte sich Lukas wie im Paradies. Er durfte fast alles machen, was er wollte. Lange Wachbleiben, kostenlos ins Schwimmbad, Essen was und so viel er wollte und sogar Horrorfilme schauen. Die täglich, gefühlten fünf Liter Kakao und hundert Kilo Schokolade nicht zu vergessen. Lukas hatte sogar ein eigenes Zimmer in Walters Haus. Es war klein, dunkel und rustikal, aber es war sein Zimmer. Eigentlich hätte man sagen können, dass er eine ganze Etage für sich alleine hatte, da Walter immer im Erdgeschoss blieb. So gesehen war das komplette erste Stockwerk, mit den beiden kleinen Zimmern und dem uralten Badezimmer sein Territorium. Seinem Onkel reichte die unterste Etage.
Nachdem man den kleinen Eingangsbereich des Hauses betreten hatte, führte eine Türe zum Gäste-WC und ein hölzerner Torbogen zum großen Wohnbereich. Eigentlich war es ein einziger großer Raum in dem die offene Küche durch einen langen, breiten Holztisch vom Wohnbereich abgetrennt wurde. Sein Schlafzimmer war zusätzlich sein Arbeitszimmer und ein modernes weiträumiges Badezimmer vervollständigte das Geschoss. Dort, so sagte er, hatte er alles, was er benötigte. Da das Haus dem Schwimmbadbesitzer gehörte und sein Onkel mietfrei darin wohnte, war der verschwendete Platz im Obergeschoss nebensächlich. Obwohl problemlos eine vierköpfige Familie darin hätte hausen können.

Lukas lernte bei Walter schon von klein auf das Schwimmen. Mit sieben Jahren, als seine Mutter seinen Stiefvater kennengelernt hatte, besaß Lukas bereits verschiedene Schwimmabzeichen und mittlerweile war er einer der jüngsten Rettungsschwimmer-Lehrlinge weit und breit. Lukas hatte Spaß am regelmäßigen Training und er wollte später, genauso wie sein Onkel Walter, ein Schwimmbad besitzen oder sogar einen ganzen See. Dann könnte er zu jeder Zeit schwimmen gehen, egal wann. Und er könnte auf Menschen aufpassen. Ihnen Helfen. Sie retten.

Leider wohnte Walter in einer anderen Stadt und daher war es nicht mal eben, ihn zu besuchen. Nur wochenends oder in den Ferien lohnte es sich, mit verschiedenen Bussen und dem Schnellzug zu ihm zu reisen. Daher musste er in einem kleinen städtischen Schwimmbad in seiner Nähe trainieren, indem meistens Omas und Opas ihre Bahnen drehten. Und ihre parfümierten Duftschleier hinter sich herzogen.

Obwohl wieder ein Wochenende begann und Lukas innerlichster Wunsch war, bei seinem Onkel zu sein, musste er dieses Wochenende zu Hause bleiben, um mit seiner Mutter einkaufen zu fahren. Alle Jahre wieder war es Zeit für neue Hosen, T-Shirts und Schuhe. So gerne Lukas brandneue Kleidung trug, so sehr hasste er es, die Kleidung in den Geschäften anprobieren zu müssen. Als zwölfjähriger Junge war es ein Horror seine Hose auszuziehen und nur mit T-Shirt und Unterhose in dieser engen stickigen Umkleidekabine zu stehen. Die meisten Kabinen hatten zwar drei Wände, die blickdicht waren, aber diese Flügeltüren oder Stoffvorhänge waren eher unnütz. Entweder hatten die Türen einen so großen Spalt, dass ein LKW hindurchfahren hätte können oder diese Stoffvorhänge waren so schmal wie eine Krawatte.
Egal wie verzweifelt man versuchte, niemandem seine blassen Beine zu zeigen und die aktuelle Farbe der heutigen Unterwäsche preiszugeben, kämpfte gegen Windmühlen. Man gab spätestens dann auf, wenn die eigene Mutter dieses letzte bisschen an Intimsphäre zerstörte, indem sie diesen Kabineneingang komplett öffnete, um weitere Hosen hineinzureichen. Ausgerechnet dann, wenn mindestens dreiviertel der gesamten Kundschaft eine einwandfreie Sicht in genau deine Kabine hat.
Lukas fühlte sich nicht hässlich und schämte sich nicht für seinen Körper. Im Gegenteil, sein Body war vom Schwimmen mehr als durchtrainiert. Aber musste es sein, dass ihn fremde Menschen halbnackt sehen konnten, wenn er es nicht wollte? Und musste er die Geräusche, das Kichern und die Blicke der vorbeigehenden Mädchen und Jungs ertragen?
Die meisten Jungs und Mädchen guckten wenigstens nach wenigen Sekunden weg. Meist waren es ältere Damen, die ihn gefühlte Stunden mit ihren Augen begutachten, als wäre er ein Neuwagen, den sie jetzt kaufen wollen aber sich nicht entscheiden können ob Ledersitze oder doch eher Stoff zu ihrem Hinterteil passt. Und dann deren Kommentare zu meiner Mutter: »Ich würde es ja etwas größer nehmen, wenn ich Sie wäre. Der Kleine wird da in ein paar Monaten herauswachsen! Gerade wenn sie in die Pubertät kommen. Glauben sie mir!«
Wenn man bis zu diesem Zeitpunkt seine Umgebung noch wahrgenommen hatte, versank man spätestens beim Wort Pubertät schamhaft in den Boden. Und mit seinem hochroten Kopf hätte man die halbe Innenstadt beleuchten können.
Wenigstens wurden keine Schilder mit einem Bild von ihm aufgestellt, um mit dicker roter Schrift mitzuteilen, dass Lukas Helle genau jetzt in der Pubertät ist.

Zu seiner Erleichterung hat meist alles ein Ende, was einen Anfang hat. Und diese Einkaufstortur war endlich beendet! Für die erlittenen Qualen schenkte ihm seine Mutter ein großes Eis mit zwei Kugeln Stracciatella und einer Kugel Schokoladeneis in einem Pappbecher, das Lukas genüsslich löffelte und grob zählte, wie viele neue Kleidungsstücke sein Kleiderschrank wieder schlucken musste.
Nebenbei beobachtete er eine kleine Gruppe von vier Jungs, die in seinem Alter zu sein schienen. Er kannte sie nicht, auch nicht von seiner Schule. Sie alberten fröhlich herum und lachten laut. Einer der Jungs hatte rote Haare. Lukas wusste nicht warum, aber er mochte Jungs mit roten Haaren. Vielleicht lag es an der hellen Haut oder den Sommersprossen? Oder weil er rothaarige Jungs seltener sah als blonde, schwarzhaarige oder welche mit braunen Haaren?
Lukas war immer ein Magnet für Mädchen und er wusste nicht warum. Er bekam viele Blicke von Mädchen, die an ihm vorbeigingen und einige lächelten ihn dabei an. Bei Geburtstagsfeiern oder anderen Veranstaltungen tummelten sich die anwesenden Mädchen immer in seiner Nähe. Sie versuchten krampfhaft, mit ihm ein Gespräch zu beginnen, aber es scheiterte an ihm selbst. Er hatte andere Themen, über die er sich unterhalten wollte. Er hatte die Gesellschaft von Jungs lieber als die von Mädchen. Er konnte es nicht erklären, er wurde eher von Jungs angezogen, während er selbst die Mädchen anzog. Die anderen Jungs erkannten wiederum ihre Chance, schneller in Kontakt mit Mädchen zu kommen, wenn sie sich mit ihm unterhielten. Er hatte schon immer die Vermutung, dass seine Gedanken anders sind als die der anderen Jungs. Und seit Beginn seiner Pubertät kamen zu seinen Gedanken auch noch Gefühle hinzu. Gefühle für Jungs.
Es ist so, wie es ist! Er beobachtete lieber Jungs, statt Mädchen! Und alle rothaarigen Jungs inspizierte er besonders gründlich. Ihr Aussehen, ihre Figur, ihre Kleidung. Wie sie standen, gingen oder liefen. Wie sie lachten, grinsten, ihre Münder bewegten. Kein Gesichtsausdruck und keine Gestik blieb unentdeckt.
Vertieft in seinen Gedanken versuchte Lukas mit seiner Mutter Schritt zu halten, die es offensichtlich eilig hatte, zurück zum Auto zu kommen. Trotz das Lukas schon zwölf war, schnappte sich seine Mutter seine linke Hand, als sie versuchte, eine befahrene Straße zu überqueren. Sie zog Lukas förmlich über die Straße, während er nochmals zurück, zu dem rothaarigen Jungen schaute.

Lautes Reifenquietschen unterbrach Lukas Gedanken an Jungs. Er hatte keine Chance, die Ursache des Quietschens festzustellen, bevor er einen lauten Knall hörte und einen heftigen Ruck an seiner linken Hand spürte. Die Hand seiner Mutter riss ihn zu Boden, bevor sie ihn losließ. Schmerzhaft fiel Lukas mit seinem Gesicht auf den harten Asphalt und sein Becher Eis zerschellte in der Regenrinne.
Laute metallische Geräusche, gefolgt von markerschütternden Schreien waren zu hören. Lukas stemmte sich gegen den Asphalt, um aufzustehen. Ein durchdringender Schmerz schoss durch seinen Körper, als er versuchte, sein rechtes Bein zu belasten. Sein Kopf dröhnte, seine Gelenke und die Hüfte schmerzten. Sein rechter Knöchel und sein Knie sahen unnatürlich verdreht aus. Nachdem er sich einen Augenblick selbst untersucht hatte, erblickte er seine Mutter. Sie lag einige Meter weiter auf der rauen harten Fahrbahn, mit dem Gesicht zum Boden gedreht. Ein unheimlicher Mann, vollkommen in Schwarz gekleidet, kniete neben seiner Mutter und sah, teuflisch lachend in seine Richtung.
Ein weiteres Quietschen kam immer näher und näher. Lukas versuchte zu reagieren, aber es passierte alles zu schnell. Ein Knacken seiner Hüfte war zu hören und ein heftiger Schlag, durchzog Lukas Skelett. Er spürte, wie er seinen Halt verlor und sich sein Körper schwerelos in die Luft erhob. Wie in Zeitlupe sah er, wie er über seiner liegenden Mutter schwebte. Ihre Augen und ihr Mund waren weit aufgerissen. Er sah einige Schürfwunden in ihrem Gesicht und ihr Rücken sah verbogen aus. So als wenn er mittig um 180 Grad gedreht worden wäre. Der schwarze Mann kniete immer noch neben seiner Mutter und lachte erneut freudig in Lukas Richtung.
Lukas beobachtete während seines Flugs einen Schwall Blut, der langsam auf den schwarzgrauen Asphalt plätscherte. Es war sein eigenes Blut, dass aus einem Riss links an seinem Bauch, herausspritzte. Spätestens jetzt hätte er Panik und vor allem Schmerz spüren müssen. Dachte er, aber er merkte nichts. Er fühlte sich geborgen und sorglos. Zufriedenheit und Gleichgültigkeit rundeten die liebliche Mischung seiner Gefühle ab.
Als wenn die Zeit stehengeblieben wäre, schwebte Lukas hoch oben über seiner Mutter und dem Mann, der neben seiner Mutter kniete. Lukas Blut verteilte sich langsam auf dem trockenen Asphalt, welcher die Flüssigkeit wie ein Schwamm aufsog. Der lachende Mann trug einen langen schwarzen Mantel, schwarze Handschuhe und einen schwarzen Hut. Zudem war der Kragen des Mantels hochgezogen, so erblickte er nur wenig seiner fahlweißen Haut. Das Gesicht sah zerklüftet, wie zerschnitten aus. Er hatte unheimliche pechschwarze Pupillen, die seine gesamten Augen ausfüllten. Lukas hörte ununterbrochen dieses schadenfrohe Gelächter, dass der Mann von sich gab. Wie kann ein Mensch so erfreut sein, dass er über verletzte Menschen lacht?

Immer noch schwebend sah Lukas in der näheren Umgebung des Mannes, mehrere Metallhaufen auf der Straße, die früher einmal Autos waren. Menschen, die ihre Hände vor die Augen hielten oder laut schrien und weinten. Mütter und Väter die ihren Kindern die Augen verdeckten. Er sah die Gruppe Jungs, die er zuvor beobachtet hatte. Alle mit einem Schrecken in ihren Gesichtern. Den rothaarigen Jungen, der sein hübsches Lächeln verloren hatte und in dessen Augen sich nun pures Entsetzen widerspiegelte.
Ein erneuter Schlag ließ die Zeit Schritt für Schritt zur Normalität zurückkehren. Kalter Asphalt zerkratzte Lukas Wangen. Sein Körper prallte hart auf die Fahrbahn und weiteres Blut tränkte seine Kleidung. Trotz, dass sich der Aufschlag extrem anfühlte, spürte er wie durch ein Wunder keinerlei Schmerzen. Die große Wunde an seinem Bauch hörte nicht auf sein Blut pulsierend auf der Straße zu verteilen.
Seine Mutter lag nicht weit von ihm entfernt und er hatte das Bedürfnis zu ihr zu robben. Aber so gerne er sich bewegen wollte, konnte er es nicht. Er sah Tränen in den Augen seiner regungslosen Mutter. Der schwarze Mann kniete vor einer Millisekunde noch neben ihr, bevor er in Lichtgeschwindigkeit seitlich neben ihm auftauchte und Lukas anstarrte. Lukas konnte die Augen unter dem schwarzen Hut, der aussah wie der von Zorro, noch besser erkennen. Sie waren kalt, tiefschwarz, bewegungslos und sahen ihn eindringlich an. Ein kaltes durchdringendes Gefühl zwang Lukas, hinab auf seine Verletzungen zu schauen. Seine Beine waren total verdreht und mussten gebrochen sein. Seine Hüfte sah verbogen, gequetscht, zertrümmert aus. Und an der klaffenden Wunde an seiner linken Bauchseite hingen Fleischfetzen heraus und bei jedem Herzschlag lief eine große Menge Blut aus seinem Körper auf den nach Feuchtigkeit gierenden Fahrbahnbelag.
Während Lukas vernahm, wie die letzte Kraft aus seinem Körper wich und ihm bewusst wurde, dass er jetzt und hier sterben wird, wurde ringsherum alles leise. Bilder von glücklichen Momenten schossen durch seinen Kopf. Bilder seiner Mutter und ihm. Fröhlich, lachend und herumalbernd. Von Onkel Walter im Schwimmparadies, wie er ihm das Schwimmen beibrachte. Die Momente an denen er seine Schwimmauszeichnungen entgegennahm und seine Mutter und sein Onkel mit ihm feierten.

Der schwarze Mann berührte Lukas zertrümmerte Hüfte und bohrte mit einem Finger in seine riesige Wunde. Sein Blut pulsierte immer schwächer werdend über die schwarzen Handschuhe und tropfte hinab. Die Umgebungsgeräusche wurden wieder lauter und er hörte ein wildes Durcheinander von Rufen, Schreien, Weinen und näherkommenden Sirenen. Trotz das der schwarze Mann ihn dort berührte, wo er normalerweise schreckliche Schmerzen haben müsste, spürte er stets nichts. Lukas Blick fiel nochmals in die unheimlich teuflischen Augen des Mannes und er atmete tief ein. Er öffnete seinen Mund und wollte ihn fragen, warum er die ganze Zeit so schadenfroh lacht, aber Lukas bekam kein Wort über seine blutig zerkratzten Lippen. Beim darauffolgenden erschöpften ausatmen wurde die Umgebung langsam wieder leiser und das Lachen des schwarzen Manns immer lauter. Die Bilder die Lukas vor Augen hatte, wurden dunkler und verschwommener. Ein heller Lichtblitz zuckte durch seine Augen und verblasste allmählich.
Wie bei einem alten Röhrenfernseher, den man ausgeschaltet hatte und sich das Bild in einen kleinen weißen Punkt verwandelte und mittig auf der Mattscheibe, langsam erlosch. So verstummte das Lachen des Mannes. Und während die letzte Luft seine Lungen verließ, schaltete sich Lukas Bewusstsein ab.

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Hey, ich finde es super, dass du dich traust, hier deine ersten Schreibversuche zu teilen.
Die Idee wirkt auf mich sehr spannend. Hat der Schwarze Mann etwas mit der Vergangenheit der Mutter zu tun? Wenn nein kannst du auch sofort mit der spannenden Szene starten, um den Leser von Anfang an mitzureißen

Hier ein paar Verbesserungsvorschläge meinerseits:
Geh nicht so viel auf die Familiensituation von Lukas ein. Den Onkel kannst du in einem Satz erwähnen. Das reicht. Auch für die ausführliche Beschreibung der Vergangenheit von Lukas Mutter kannst du hier in einem Absatz erklären und später ausführen.
Martin wirkt für mich kontextlos.
Der Text wirkt für mich wie ein Film. Wie eine Beschreibung von einem Zuschauer. Vielleicht bringst du mehr Nähe hinein? Mehr zeigen, nicht nur behaupten🙃 Ich habe mir sagen lassen „show don’t tell“ ist sehr wichtig

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Mein erster Eindruck:
Ab dem Unfall fand ich es sehr spannend, davor habe ich mich öfters gefragt: Wo führt das jetzt hin? Zu Beginn sind es zu viele Erklärungen.Die braucht der Leser noch nicht. Weder die Familienkonstellation, noch sein bester Freund und dergleichen gehören an den Anfang. Leser haben oftmals nicht diese Geduld, gerade zu Beginn. Die Informationen über den Onkel können auch zunächst auf das nötigste reduziert werden. Den Unfall selbst hast du anschaulich und spannend beschrieben. Du hast mein Interesse geweckt und ich möchte mehr über den schwarzen Mann und die Zusammenhänge erfahren. Vielleicht könntest du die Hintergrundinformationen später ausführlicher einfügen, direkt am Anfang war mir das als Leser einfach zu viel. Rechtschreibung und Grammatik etc. habe ich erst einmal komplett ignoriert.

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Hallo Sion,

vielen Dank für deine Antwort.
Der schwarze Mann hat viel später tatsächlich etwas mit der Vergangenheit der Mutter zu tun. Und Martin ist eine Figur, die bisher nur an dieser Stelle auftritt.
Dafür ist der Onkel sehr wichtig und wird zu einer Hauptfigur des Buchs.

Nachdem ich auch Sillas Antwort durchgelesen habe, denke ich, dass ich weiß was ihr beide meint.

  • Am Anfang den Leser fesseln ohne viel Erklärerei. Ihn quasi direkt mit dem Kopf ins kalte Wasser tauchen.
  • Erklärungen zu Figuren die dringend nötig sind erst dann ausführen, wenn der Zeitpunkt kommt wo die Erklärung benötigt wird um den Kontext zu verstehen. Und trotzdem die Erklärungen schmal halten.
  • Martin könnte ich nur als „Freund“ beschreiben ohne Namen etc. Oder ich lasse ihn ganz weg.

Dieses „show don’t tell“ muss ich mir noch mehr angewöhnen. Ich glaube ich muss mir dafür mal einige Beispiele heraussuchen um mir das nochmals zu verinnerlichen.
Wenn ich es mir richtig überlege, habe ich durch das ganze Buch wie ein Zuschauer erzählt. Ich wüsste jetzt nicht, wie ich anders erzählen sollte, wenn es in der Vergangenheit beschrieben wird. In den weiteren Kapiteln habe ich aber auch viel mit wörtlicher Rede gearbeitet. Vielleicht kommt der Beginn deswegen so rüber, weil Anfangs einfach nur viel Erklärt wird und nicht viel passiert.
Ich hoffe aber, dass ich Erzählformen nicht dureinandergewürfelt habe.

Danke dir :grinning:

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Hallo Silla,

wie ich oben schon zu Sion geschrieben habe, sollte ich den Anfang direkt mit dem „spannenden“ Unfall beginnen. Also mit dem Einkauf.
Die Erklärungen erst dann ausführen wenn es von nöten ist. Also den Onkel erst wenn er in Lukas Leben eintritt und die Beziehung zu ihm in diesem Zusammenhang erklären.
Der schwarze Mann ist im ganzen Buch eine Schlüsselfigur, die erst am Ende „enttarnt“ wird.
Mir fallen gerade einige solcher Szenen ein, die ich abkürzen bzw. weglassen könnte. Obwohl auch gesagt wird, man solle detailiert schreiben. Vielleicht sollte ich nochmals drüber schauen und unwichtiges einfach weglassen und wichtiges noch genauer beschreiben.
Vielleicht dampfe ich so doch einiges ein und kann einen Einteiler statt Dreiteiler daraus machen. Mal sehen.
Danke für deine Antwort :grinning:

Detailliert finde ich eigentlich nicht schlimm. Aber wenn Martin erst mal oder überhaupt nicht wichtig ist, dann muss er nicht so viel Raum einnehmen. Wenn überhaupt. Für mich stellt sich nur die Frage: Was und wer ist wichtig für die Geschichte? Den Unfall hast du ja auch sehr detailliert beschrieben, an der Stelle passt es ja. Weil es wichtig ist. Vermutlich wird der Vater auch noch wichtig sein, da reicht es aber wohl, dass er vor der Geburt einfach verschwand. Haarfarbe und dergleichen müssen noch nicht an den Anfang. Ich bin gespannt, was es mit dem schwarzen Mann auf sich hat. Und natürlich kannst du später näher auf den Onkel eingehen, aber die Beschreibung des Hauses und seines Zimmers dort würde ich auf später verschieben.

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Ich denke ich schreibe das Kapitel mal um und stelle es hier nochmals ein. Dann wäre ich froh wenn du nochmals eine Vergleich ziehen könntest :grinning:

Ja der schwarze Mann… Ich müsste ich hier das ganze Buch zum Feedback lesen einstellen damit ihr erfahrt, was es mit ihm auf sich hat. :sweat_smile:

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Hallo @Fr4gle,

wie meine Vorredner schon anmerkten: Weniger Rückblenden und Erklärbär, mehr Action und Dialoge. Ich habe den Verdacht, dass du da in eine Schreibratgeber-Falle getappt bist: „Rezept für einen tollen Roman: Erstens, beschreiben Sie die Welt und Lebenssituation Ihres Protagonisten“ und so liest es sich momentan etwas wie eine ziellos abgehakte Checkliste:

  • Kumpel Martin vorgestellt
  • Rückblick Familienhistorie
  • Onkel vorgestellt (inkl. Innenarchitektur der Wohnung^^)
  • Einkauf
  • Hinweis auf Homosexualität

Dann erst beginnt die eigentliche Action. Das ist zu viel Info für ein erstes Kapitel, die zu dem Zeitpunkt nicht nötig ist und die der Leser dann, wenn sie für ihn interessant werden, bereits vergessen hat. Du als Autor musst dieses Hintergrundwissen selbstverständlich haben, aber dem Leser muss das ganze in netter Verpackung und wohldosierten Häppchen serviert werden, wenn es gerade zur Story passt. Es gibt da keine universell gültigen Regeln, wann, wo und wie detailliert Informationen gestreut werden, die Dosis macht das Gift.

Ich würde beim Punkt Einkaufen anfangen und da und dort erste Hinweise droppen, aber nicht alles:
„Lukas? Kommst du jetzt endlich?“
„Ja doch“, kam die wenig begeisterte Antwort. Lukas mochte neue Klamotten, aber dem Einkaufen und Anprobieren in diesen engen Kabinen konnte er absolut nichts abgewinnen. Viel lieber hätte er den brandneuen PC ausprobiert, den sein Kumpel Martin zu Weihnachten bekommen hatte oder das Wochenende bei seinem Onkel verbracht, der ihm viel mehr Freiheiten ließ. Aber wenigstens hatte er sich in einem Punkt durchgesetzt: Lisa, seine nervige „Bonusschwester“, wie seine Mutter sie immer nannte, war nicht dabei, die hätte ihm gerade noch gefehlt.

So ungefähr. Und ich würde das Kapitel auch mit deinem Satz „Lautes Reifenquietschen unterbrach Lukas Gedanken an Jungs. Er hatte keine Chance, die Ursache des Quietschens festzustellen, bevor er einen lauten Knall hörte und einen heftigen Ruck an seiner linken Hand spürte.“ beenden und die Detailbeschreibung ins Folgekapitel packen, damit der Leser unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Damit hast du einige Hinweise gestreut, wo der Leser spekulieren kann, was dahintersteckt.
Das waren jetzt Beispiele und Hinweise auf die Schnelle, du wirst sicher bessere Umsetzungen finden. :+1:

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Hallo Ralf,

gut zu wissen, dass ein Schreibratgeber auch nicht besser gewesen wäre, als meine Intuition :sweat_smile:
Ich habe einfach angefangen zu schreiben und dabei kam das raus.
Was mir durch eure Kommentare wohl aufgefallen ist, dass im ersten Kapitel komplett Dialoge fehlen. Daher verstehe und merke es nun auch, dass es sich wirklich wie von einem Zuschauer geschrieben ließt.

Wenn ich beim Punkt Einkauf beginne, könnte ich da wohl Dialoge mit seiner Mutter einbauen. Etwas fallen lassen, wie z.B. „Es ist dringend nötig, dass du neue Hosen bekommst. Deinen Onkel kannst du auch nächstes Wochenende besuchen!“. So hat man den Onkel schonmal erwähnt. Halbschwester, Stiefvater und Co, kann man in solchen Gesprächen ebenfalls sehr kurz erwähnen. Wie du es bereits in deinen Beispielen gemacht hast.

Was mir etwas den Kopf zerbricht ist das Kapitel zu trennen. Wenn ich den Unfall aus dem ersten Kapitel entferne, habe ich die Befürchtung zu wenig Lesestoff zu haben. Da das meiste an Erklärungen entfällt. Zudem würde sich das zweite Kapitel nur um den Unfall handeln. Da im ursprünglichen zweiten Kapitel ein Traum beschrieben wird. Und im dritten, vorsicht Spoiler!, Lukas im Krankenhaus aufwacht.

Ach, das mit der Lesestoffmenge wird schon. Beschreibe keine theoretischen alten Damen, die eine theoretische Anprobe kommentieren, sondern nimm uns mit. In die klaustrophobisch engen, überhitzten Umkleidekabinen, wo man das Rascheln der Kleidung aus den Nachbarkabinen hört, das Scharren von Gürtelschließen auf den Pressholzwänden, die Mutter, die ihm drei Hosen mit einem „Wag es nicht!“-Blick in die Hand gedrückt hat und ungeduldig den Vorhang aufreißt, während Lukas gerade erst mit einem Bein in der Hose ist. Der Kommentar der alten Dame, die ihn begutachtet wie auf einem Pferdemarkt und dann Spekulationen anstellt, ob die Hose nicht zu eng im Schritt ist, während schräg hinter ihr ein gewisser Rothaariger steht und Lukas angrinst, während der gerade im Erdboden versinken will.
You get my drift. :wink:

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Hallo Fraggle (kennst Du die geniale Serie?)!
Es dürfte hier mittlerweile jeder kapiert haben, dass ich kein Honig ums Maul schmiere.
Wenn ich Deines mit dem Vergleiche, was mir bisher unter die Augen gekommen ist, aus anderen Gruppen/Foren, so verleihe ich Dir hier mal eben die Schulnote 2, denn ICH (und in meinen Kommentaren geht es nur um MEINE Meinung) bin der Meinung, dass da echt Potenzial hintersteckt, Du aber noch so etwas wie einen Kompass brauchst.
Schaff Dir ein Buch an, wie zB:
Wie man einen verdammt guten Roman schreibt, von James N Frey
oder
Story von Robert McKee (nicht vom „Drehbuch“ abschrecken lassen, er hat es für BUCH-Autoren geschrieben und lediglich der Verlag bestand auf DREHbuch)
Diese Bücher öffnen Dir die Augen, als hättest Du bis jetzt im Dunkeln auf einem Bolzplatz gespielt und stehst nun im Flutlicht der Allianz-Arena. VERSPROCHEN!

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Hi cvst1lleo, (was ein Nick :sweat_smile:)

ja natürlich kenne ich die Fraggles :smiley:
Daher stammt mein Nickname ürsprünglich, nur mit einem „g“ weniger. Das „a“ wurde später irgendwann durch die 4 getauscht. Man muss ja mit der Zeit gehen :joy:

Vielen Dank für dein Feedback und natürlich freue ich mich auch wenn man mir einmal über den Kopf streichelt und „gut gemacht“ sagt :smiling_face:

Das Gefühl, dass ich einen Kompass, Brotkümmel oder auch mal einen Wink mit dem Zaunpfahl benötige, habe ich auch. Daher freue ich mich über jedes Feedback.
Ich habe, wie oben vorgeschlagen, begonnen das Kapitel umzuschreiben. Ich denke es kann gut werden. Allerdings macht mir es immer noch Sorge, dass wenn ich zuerst den Einkauf im ersten Kapitel erzähle/beschreibe, wie @anon37238882 es vorgeschlagen hat, es für den leser langweilig wird, wie @Silla und @Sion geschrieben haben. In dem „Einkaufskapitel“, dass ich dann wohl „Einkaufstort(o)ur“ nennen werde (mal sehen ob mit oder ohne Klammern), werden sich nur wenige Informationen/Hinweise finden. Auch wenn dieser Einkauf später im Buch nochmals auftaucht, dann mit seinem Onkel statt der Mutter, kann der Leser es am Anfang nicht wissen außer ich erwähne es in einem Nebensatz. Trotzdem wird der Leser vielleicht denken „Was soll mir dieser Einkauf nun sagen?“.

Ich schaue mir deine Buchvorschläge gerne einmal an. Ich bin zwar nicht die extreme Leseratte, aber interessante Bücher verschlinge ich dann doch bei Gelegenheit.

Ich denke gar nicht, dass die Geschichte unbedingt mit einem Riesenknall beginnen muss.Die Einleitung sollte nur nicht soooooo lang sein. Die Sache mit Martin eben. Was mich interessieren würde: welche Zielgruppe hast du? Dem Alter des Protagonisten entsprechend? Ich denke, man könnte sich ein besseres Urteil (Urteil ist schon ein blödes Wort.
Klingt so streng ) bilden, wenn man wüsste, für welche Altersgruppe du diese Geschichte schreiben möchtest.

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Hi Silla,
es soll ein Jugendroman werden. Den natürlich auch Erwachsene lesen dürfen.
Ich denke ab 12 Jahre ist bei dem Inhalt ok. Jünger vielleicht nicht.

@Sion @Silla @anon37238882 @cvst1lleo

Hallo ihr lieben, ich habe meinen Text umgeschrieben und in zwei Kapitel aufgeteilt. Ich habe versucht eure Verbessungsvorschläge umzusetzen. Tatsächlich finde ich, dass sich das neue erste Kaptiel besser lesen läßt als das Ursprüngliche. Im zweiten Kapitel habe ich nicht sehr viel geändert. Höchstens mal ein Wort verändert oder einen Satz hinzugefügt, denn ich fand die Darstellung des Unfalls schon gut.
Das erste Kapitel hat um die 1600 Wörter, das Zweite knapp 1000. Rein von der Menge betrachtet, habe ich noch immer das Gefühl, dass ein Kapitel ausreicht. Findet ihr nicht das gerade das zweite Kapitel etwas kurz rüberkommt?

Ich freue mich erneut über euer Feedback und natürlich auch von anderen Personen.
Ich wünsche noch einen schönen Tag!

Einkaufstort(o)ur
So gerne Lukas brandneue Kleidung trug, so sehr hasste er es, shoppen zu gehen.
Mindestens einmal im Jahr schleppte ihn seine Mutter mit in die Innenstadt, um Dutzende Bekleidungsgeschäfte zu durchforsten. Auf dem Einkaufszettel waren T-Shirts, Hosen und Schuhe für den kommenden Sommer notiert. Kein Kleiderständer, keine Grabbelkiste, Auslage und kein Schuhregal waren vor ihr sicher. Sie trieb Lukas von Schaufenster zu Schaufenster, um die Ausstellungen penibel genau zu begutachten. Dafür ließ sie sich Zeit, so dass Lukas in Ruhe die Umgebung beobachten konnte. Die mit Schneematsch bedeckte Fußgängerzone war an diesem Wochenende gut besucht. Männer und Frauen unterhielten sich lautstark, beim spazieren gehen. Kinder alberten herum und lachten laut, während sie die letzten Reste Schnee zu Bällen formten und sich gegenseitig bewarfen.
Lukas beobachtete eine kleine Gruppe von vier Jungs, die in seinem Alter zu sein schienen. Er kannte sie nicht, auch nicht von seiner Schule. Sie alberten fröhlich herum und kicherten laut. Einer der Jungs hatte rote Haare. Lukas wusste nicht warum, aber er mochte Jungs mit roten Haaren. Vielleicht lag es an der hellen Haut oder den Sommersprossen? Oder weil er rothaarige Jungs seltener sah als blonde, schwarzhaarige oder welche mit braunen Haaren?

»Lukas? Kommst du endlich!«, rief seine Mutter und riss ihn aus seinen Gedanken. Sie stand wibbelig zwei Schaufenster weiter und sah Lukas mit zusammengekniffenen Augen an.
»Müssen wir da rein?«, fragte Lukas genervt. Er wusste, dass seine Frage in diesem Fall nutzlos und überflüssig war. Dennoch war ihm jeder Versuch wert, das ein oder andere Geschäft auslassen zu können.
»Komm schon!«, sagte seine Mutter und zerrte ihn liebevoll an seiner Jacke Richtung Eingang zum »Jeans Palast«.

Leise Westernmusik kam aus den Lautsprechern gedudelt. Der ganze Laden roch intensiv nach Jeanshosen und Ledergürtel. Lukas war nicht das erste Mal mit seiner Mutter zu Besuch. Das Geschäft war stickig und eng. Bei jeder Vorwärtsbewegung stieß er mit anderer Kundschaft zusammen. An diesem Tag waren besonders viele Mütter und Väter mit ihren Kindern beim Einkaufen. Seine Mutter hatte bereits zwei Hosen über ihre Armbeuge gelegt und glitt, wie ein warmes Messer durch Butter, durch die Besuchermenge, zielgerichtet auf eine der Umkleidekabinen zu.
»Hier! Anprobieren! Ich suche noch nach T-Shirts. Und verdreh die Augen nicht so!«

Es gab zwei verschiedene Arten von Kabinen. Die einen hatten Flügeltüren im Westernstil. Die anderen Stoffvorhänge. Allerdings war dieser Blickschutz eher unnütz. Entweder hatten die Türen einen so großen Spalt, dass ein LKW hindurchfahren hätte können oder die Vorhänge waren so schmal wie eine Krawatte.
»Aber hier sieht mich doch jeder!«, versuchte Lukas seine Privatsphäre zu verteidigen.
»Mach schon! Hier guckt dir schon keiner was weg!«, antwortete seine Mutter, während sie schon auf dem Weg zur nächsten T-Shirt-Auslage war.

Lukas zwängte sich in eine enge Kabine. Ein kleiner Hocker stand in einer Ecke und an einer der Pressspanwände war ein Spiegel befestigt, der bereits an den Kanten erblindete. Lukas zog seine Jacke aus und hing sie an einen der hervorstehenden Hacken. Er drehte sich um und zog den Vorhang zu. Er wusste es! Mindestens fünf Zentimeter Stoff fehlten. Egal wie er den Vorhang hin und her zog.
Tief einatmend und mit gesenktem Kopf setzte er sich auf den Hocker und zog seine Schuhe aus. Öffnete seine Gürtelschnalle, den Hosenknopf, den Reißverschluss und zog seine Hose hinunter zu seinen Knien.
In diesem Moment starrte ein paar Augen durch den offenen Spalt zwischen Kabinenwand und Vorhang. Ein Mädchen hielt sich die Hand vor ihren grinsenden Mund. Lukas hörte bei der Lautstärke der Musik nichts, aber er konnte wetten, dass das Mädchen laut gelacht hat. Als sie ihn nur mit seiner Unterhose und T-Shirt bekleidet erblickte.
Er versuchte verzweifelt, niemandem seine blassen Beine zu zeigen und die aktuelle Farbe der heutigen Unterwäsche preiszugeben. Der zu kurze Vorhang vereitelte jedoch jede Bemühung.

Kaum hatte Lukas die erste Hose angezogen, öffnete sich der Vorhang. Lukas stolperte einen Schritt zurück und guckte mit großen Augen zu seiner Mutter.
»Die scheint aber etwas eng zu sein!«, nuschelte sie vor sich hin und griff mit beiden Händen an seine Hüfte. Ihre Finger glitten links und rechts in die Hose, zogen sie auseinander und zupften sie weiter nach oben.
Jetzt spürte er auch, dass die Hose unangenehm im Schritt drückte. Aber welcher Junge zog seine Hosen bis unter die Axel? Nur Steve Urkel!
»Nee lass mal, probier mal die andere an!«, forderte seine Mutter und blieb im Eingang der Kabine stehen. Lukas spürte noch mehr Augen, die auf ihn gerichtet waren. Er fühlte sich nicht hässlich und schämte sich nicht für seinen Körper. Im Gegenteil, sein Body war vom Schwimmtraining mehr als durchtrainiert. Aber musste es sein, dass ihn fremde Menschen halbnackt sehen konnten, wenn er es nicht wollte? Und musste er die Blicke und das Kichern der vorbeigehenden Mädchen und Jungs ertragen?
»Auch nicht! Zieh mal aus!«, sagte seine Mutter und verschwand ohne den Vorhang hinter sich zuzuziehen.
Lukas atmete erneut tief ein und aus. Er wünschte sich, dass diese Tortur bald ein Ende hat.

Lukas stand erneut nur in Unterhosen in der stickigen Kabine, als sich der Vorhang weit öffnete und seine Mutter ihm eine weitere Hose hineinreichte.
»Mama! Mich kann hier jeder sehen!«, beschwerte sich Lukas beschämt und zornig.
»Stell dich nicht so an!«, erwiderte seine Mutter.
»Das nächste Mal gehe ich mit Onkel Walter einkaufen!«, sagte Lukas beleidigt.
»Du und dein Onkel Walter. Ein Herz und eine Seele! Das nächste Mal kannst du mit ihm einkaufen gehen. Aber jetzt bin ich hier! Sei froh, dass wir nicht noch deine Stiefschwester dabei haben. Dann würde das hier alles doppelt so lange dauern!«
Trotzig riss Lukas die Hose aus den Fingern seiner Mutter und zog sie sich so schnell wie möglich an. Sie war zwar etwas zu lang aber dafür drückte sie nicht an seiner Hüfte und zwischen den Beinen hatte er mehr als genug Platz.
»Okay, das sieht schon besser aus! Die Beine können wir umkrempeln bis du wieder ein Stück gewachsen bist. Und damit sie dir nicht vom Arsch rutscht, kaufen wir einen Gürtel dazu«, urteilte seine Mutter, während sie noch an ihm und der Hose herumzupfte.
Lukas schaute auf, als sich hinter seiner Mutter eine ältere Dame räusperte. Sie sah Lukas mit seiner neuen Hose an, als wäre er ein Neuwagen, den sie jetzt kaufen wolle aber sich nicht entscheiden kann ob Ledersitze oder doch eher Stoff zu ihrem Hinterteil passt.
»Ich würde sie ja etwas größer nehmen, wenn ich Sie wäre. Der Kleine wird da in ein paar Monaten herauswachsen! Gerade wenn sie in die Pubertät kommen. Glauben sie mir!«
Jetzt schämte sich Lukas doch und mit seinem hochroten Kopf hätte man die halbe Innenstadt beleuchten können. Am liebsten wäre er im Erdboden versunken, denn den Kommentar hatten nicht nur er und seine Mutter gehört. Plötzlich wurde er und seine Jeanshose von vielen Augen gemustert.
»Danke für den Tipp! Ich werde darauf achten, dass die Hosengröße zum Fortschritt der Pubertät meines Sohnes passt«, antwortete seine Mutter so, dass man sie noch in der hintersten Ecke des Geschäfts hören konnte und rollte mit den Augen.
Lukas konnte ein leises Kichern nicht unterbinden. Seine Mutter lächelte ihn an und zwinkerte mit einem Auge. Schnaufend ging die ältere Dame weiter und verschwand in der Menge an Kunden. Ja, manchmal war seine Mutter doch cool!

Trotz, dass nun jeder Anwesende wusste, dass er, Lukas Helle, in der Pubertät ist, probierte er die vier T-Shirts an, die seine Mutter ihm in die Hände drückte.
Und zwar mit offenem Vorhang!
Er sah verschmitzt in die Menge, während er mit freiem Oberkörper versuchte die Ärmel des nächsten T-Shirts zu finden.
Er wusste, dass er damit die interessierten Blicke der Mädchen an sich ziehen würde. Und das neidische Glotzen der Jungs an seinen harten Bauchmuskeln haften bleiben. Das jahrelange Training hatte seine Spuren hinterlassen. Ausnahmsweise einmal positive.
»Beeil dich du kleiner Poser! Dein Stiefvater wartet sicher schon auf uns.«

Für die erlittenen Qualen schenkte ihm seine Mutter einen großen Eisbecher mit zwei Kugeln Stracciatella und einer Kugel Schokoladeneis, das Lukas genüsslich löffelte und grob zählte, wie viele neue Kleidungsstücke sein Kleiderschrank wieder schlucken musste.
Im Vorbeigehen sah er erneut die kleine Gruppe Jungs und den rothaarigen Jungen, von dem er seine Augen nicht abwenden konnte.
Er war immer ein Magnet für Mädchen und er wusste genau warum. Im Vorbeigehen blickten sie ihn an. Wenn sie Zeit hatten, musterten sie ihn genaustens. Einige von ihnen lächelten ihn dabei an. Bei Geburtstagsfeiern oder anderen Veranstaltungen tummelten sich die anwesenden Mädchen immer in seiner Nähe. Sie versuchten krampfhaft, mit ihm ein Gespräch zu beginnen, aber es scheiterte an ihm selbst. Er hatte andere Themen, über die er sich unterhalten wollte. Er hatte die Gesellschaft von Jungs lieber als die der Mädchen. Er konnte es nicht erklären, er wurde eher von Jungs angezogen, während er selbst die Mädchen anzog. Die anderen Jungs erkannten wiederum ihre Chance, schneller in Kontakt mit Mädchen zu kommen, wenn sie sich mit ihm unterhielten. Er hatte schon immer die Vermutung, dass seine Gedanken anders sind als die der anderen Jungs. Und seit Beginn seiner Pubertät kamen zu seinen Gedanken auch noch Gefühle hinzu. Gefühle für Jungs.
Es ist so, wie es ist! Er beobachtete lieber Jungs, statt Mädchen! Und alle rothaarigen Jungs inspizierte er besonders gründlich. Ihr Aussehen, ihre Figur, ihre Kleidung. Wie sie standen, gingen oder liefen. Wie sie lachten, grinsten, ihre Münder bewegten. Kein Gesichtsausdruck und keine Gestik blieb unentdeckt.
»Nicht so schnell!«, sagte Lukas, noch in seinen Gedanken versunken. Er versuchte mit seiner Mutter Schritt zu halten, die es offensichtlich eilig hatte, zurück zum Auto zu kommen. Trotz das Lukas schon zwölf war, schnappte sich seine Mutter seine linke Hand, als sie versuchte, eine befahrene Straße zu überqueren. Sie zog Lukas wie einen Pflug hinter sich her, während er nochmals zurück, zu dem rothaarigen Jungen schaute.

Lautes Reifenquietschen unterbrach Lukas Gedanken an Jungs. Er hatte keine Chance, die Ursache des Quietschens festzustellen, bevor er einen lauten Knall hörte und einen heftigen Ruck an seiner linken Hand spürte.

Der schwarze Mann
Die Hand seiner Mutter riss Lukas zu Boden, bevor sie ihn losließ. Schmerzhaft fiel er mit seinem Gesicht auf den harten Asphalt und sein Becher Eis zerschellte in der Regenrinne.
Laute metallische Geräusche, gefolgt von markerschütternden Schreien waren zu hören. Benommen stemmte sich Lukas gegen den Asphalt, um aufzustehen. Ein durchdringender Schmerz schoss durch seinen Körper, als er versuchte, sein rechtes Bein zu belasten. Sein Kopf dröhnte, seine Gelenke und die Hüfte schmerzten. Sein rechter Knöchel und sein Knie sahen unnatürlich verdreht aus. Nachdem er sich einen Augenblick selbst untersucht hatte, erblickte er seine Mutter. Sie lag einige Meter weiter auf der rauen harten Fahrbahn, mit dem Gesicht zum Boden gedreht. Ein unheimlicher Mann, vollkommen in Schwarz gekleidet, kniete neben seiner bewegungslosen Mutter und sah, teuflisch lachend in seine Richtung.
Ein weiteres Quietschen kam immer näher und näher. Lukas versuchte zu reagieren, aber es passierte alles zu schnell. Er hörte das Knacken seiner Hüfte und ein heftiger Schlag, durchzog sein Skelett. Er spürte, wie er seinen Halt verlor und sich sein Körper schwerelos in die Luft erhob. Wie in Zeitlupe sah er, wie er über seiner liegenden Mutter schwebte. Ihre Augen und ihr Mund waren weit aufgerissen. Er sah einige Schürfwunden in ihrem Gesicht und ihr Rücken sah verbogen aus. So als wenn er mittig um 180 Grad gedreht worden wäre. Der schwarze Mann kniete immer noch neben seiner Mutter und lachte erneut freudig in Lukas Richtung.
Lukas beobachtete während seines Flugs einen Schwall Blut, der langsam auf den schwarzgrauen Asphalt plätscherte. Es war sein eigenes Blut, dass aus einem Riss links an seinem Bauch, herausspritzte. Spätestens jetzt hätte er Panik und vor allem Schmerz spüren müssen. Aber er merkte nichts. Er fühlte sich geborgen und sorglos. Zufriedenheit und Gleichgültigkeit rundeten die liebliche Mischung seiner Gefühle ab.
Als wenn die Zeit stehengeblieben wäre, schwebte Lukas hoch oben über seiner Mutter und dem Mann, der neben seiner Mutter kniete. Lukas Blut verteilte sich langsam auf dem trockenen Asphalt, welcher die Flüssigkeit wie ein Schwamm aufsog. Der lachende Mann trug einen langen schwarzen Mantel, schwarze Handschuhe und einen schwarzen Hut. Zudem war der Kragen des Mantels hochgezogen, so erblickte er nur wenig seiner fahlweißen Haut. Das Gesicht sah zerklüftet, wie zerschnitten aus. Er hatte unheimliche pechschwarze Pupillen, die seine gesamten Augen ausfüllten. Lukas hörte ununterbrochen dieses schadenfrohe Gelächter, dass der Mann von sich gab. Er erschauderte und fragte sich, warum eine Person so freudig über verletzte Menschen lacht.

Immer noch schwebend sah Lukas in der näheren Umgebung des Mannes, mehrere Metallhaufen auf der Straße, die früher einmal Autos waren. Menschen, die ihre Hände vor die Augen hielten oder laut schrien und weinten. Mütter und Väter die ihren Kindern die Augen verdeckten. Er sah die Gruppe Jungs, die er zuvor beobachtet hatte. Alle mit einem Schrecken in ihren Gesichtern. Den rothaarigen Jungen, der sein hübsches Lächeln verloren hatte und in dessen Augen sich nun pures Entsetzen widerspiegelte.
Das Lachen des schwarzen Manns durchfuhr Lukas Knochen. Ein erneuter Schlag ließ die Zeit Schritt für Schritt zur Normalität zurückkehren. Kalter Asphalt zerkratzte Lukas Wangen. Sein Körper prallte hart auf die Fahrbahn und weiteres Blut tränkte seine Kleidung. Trotz, dass sich der Aufschlag extrem anfühlte, spürte er noch immer keinerlei Schmerzen. Die große Wunde an seinem Bauch hörte nicht auf sein Blut pulsierend auf der Straße zu verteilen. Ein kleiner Rinnsal lief zu seinen neuen Jeanshosen und dem Rest seiner neuen Kleidung, die um ihn herum verteilt war.
Seine Mutter lag nicht weit von ihm entfernt und er hatte das Bedürfnis zu ihr zu robben. Aber so angestrengt er sich bewegen wollte, konnte er es nicht. Er sah Tränen, an den blutigen Wangen seiner regungslosen Mutter herunterlaufen. Der schwarze Mann kniete vor einer Millisekunde neben ihr, bevor er in Lichtgeschwindigkeit seitlich neben ihm auftauchte und Lukas anstarrte. Lukas konnte die Augen unter dem schwarzen Hut noch besser erkennen. Sie waren kalt, tiefschwarz, bewegungslos, leblos und sahen ihn eindringlich an. Ein zwingendes, durchdringendes Gefühl zwang Lukas, hinab auf seine Verletzungen zu schauen. Seine Beine waren total verdreht und mussten gebrochen sein. Seine Hüfte sah verbogen, gequetscht, zertrümmert aus. An der klaffenden Wunde an seiner linken Bauchseite hingen Fleischfetzen heraus und bei jedem Herzschlag lief eine große Menge Blut aus seinem Körper auf den nach Feuchtigkeit gierenden Fahrbahnbelag.
Während Lukas vernahm, wie die letzte Kraft aus seinem Körper wich und ihm bewusst wurde, dass er jetzt und hier sterben wird, wurde ringsherum alles leise. Er bekam Angst. Bilder von glücklichen Momenten schossen durch seinen Kopf. Bilder seiner Mutter und ihm. Fröhlich, lachend und herumalbernd. Von Onkel Walter im Schwimmparadies, wie er ihm das Schwimmen beibrachte. Die Momente an denen er seine Schwimmauszeichnungen entgegennahm und seine Mutter und sein Onkel mit ihm feierten. Traurig sah er ein letztes Mal zu seiner toten Mutter.

Der schwarze Mann berührte Lukas zertrümmerte Hüfte und bohrte mit einem Finger in seine riesige Wunde. Sein Blut pulsierte immer schwächer werdend über die schwarzen Handschuhe und tropfte hinab. Die Umgebungsgeräusche wurden wieder lauter und er hörte ein wildes Durcheinander von Rufen, Schreien, Weinen und näherkommenden Sirenen. Trotz das der schwarze Mann ihn dort berührte, wo er normalerweise schreckliche Schmerzen haben müsste, spürte er stets nichts. Lukas Blick fiel nochmals in die unheimlich teuflischen Augen des Mannes und er atmete tief ein. Er öffnete seinen Mund und wollte ihn fragen, warum er die ganze Zeit so schadenfroh lacht, aber Lukas bekam kein Wort über seine blutig zerkratzten Lippen. Beim darauffolgenden erschöpften ausatmen wurde die Umgebung langsam wieder leiser und das Lachen des schwarzen Manns immer lauter. Die Bilder die Lukas vor Augen hatte, wurden dunkler und verschwommener. Ein heller Lichtblitz zuckte durch seine Augen und verblasste allmählich.
Wie bei einem alten Röhrenfernseher, den man ausgeschaltet hatte und sich das Bild in einen kleinen weißen Punkt verwandelte und mittig auf der Mattscheibe, langsam erlosch. So verstummte das Lachen des Mannes. Und während die letzte Luft seine Lungen verließ, schaltete sich Lukas Bewusstsein ab.

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Ich werde mal versuchen auf diese Weise meine Texte weiterzuschreiben bzw. zu bearbeiten falls nötig.

  • Kontrolle ob unwichtige Dinge beschrieben werden die weggelassen werden können
  • Eine angemessene Menge an wörtlicher Rede sicherstellen
  • Erklärungen/Informationen dann einbinden wenn sie zu diesem Zeitpunkt benötigt werden
  • Hinweise hier und da „droppen“ lassen
  • mehr „show don’t tell“
    Zudem habe ich mir mal das erste Buch besorgt, das cvst… empfohlen hat. Mal sehen welche Erkenntnisse ich daraus gewinne.
    Ich hoffe noch ein paar Kommentare zu meinem letzten Entwurf zu bekommen um sie in meine Texte einfließen zu lassen. Bis dahin schreibe ich einfach mal weiter :slight_smile:
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Es liest sich wesentlich besser. Wenn du fertig geschrieben hast, werden vermutlich noch einige Überarbeitungsphasen anstehen. Daher würde ich an deiner Stelle erst einmal zuende schreiben. Du hast ja für dich jetzt allerhand Erkenntnisse gewonnen. Später kannst du dann immer noch fleissig kürzen. Vermutlich wirst du einiges auch wieder verwerfen und umwerfen. Ich bin gespannt, wie es mit deiner Geschichte weiter gehen wird.
Eine freundliche Weihnachtszeit wünscht dir Silla
P.S.: Ich wäre gerne besser und länger auf deinen Text eingegangen, aber vor Weihnachten gibt es noch so viel zu tun.

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Besser klingt gut :slight_smile:
Ich habe ja bereits viele Jahre an dem Buch gearbeitet und habe den Inhalt zu 90% niedergeschrieben. Natürlich werde ich das oben genannte nun in den Text umsetzen, als erste „Stil-Überarbeitung“.
Dazu muss ich mich entscheiden ob es nun ein Dreiteiler wird oder nicht. Das kommt nun auch auf die Überarbeitung drauf an. Je nachdem wieviel Text verschwindet oder hinzukommt.
Wenn ich das alles erledigt habe wird es wohl langsam Zeit ein paar Testleser drüber schauen zu lassen. Vielleicht kann ich später hier ein paar Leute „anwerben“ :slight_smile:
Ich wünsche ebenfalls eine schöne Weihnachtszeit und ich danke das du dir trotz deiner knappen Zeit, dir Zeit für mich genaommen hast.

Sascha

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Hallo Sascha,

ich arbeite auch an meinem ersten (Kinder-)Roman. Vielleicht habe ich es übersehen und jemand hat es doch schon so bezeichnet, aber ein wichtiges Stichwort ist „Infodump“. Du wurdes hier schon viel darauf hingewiesen, nur der Ausdruck fehlte meines Erachtens nach. Kannst du ja mal nach googlen.
Ich selbst habe ebenfalls damit zu kämpfen, möchte viele Infos liefern, denke dass sie nötig sind usw. Ich finde auch, dass es Zeit und Versuche braucht, sich da umzustellen. Und manchmal weiß ich noch nicht, wie ich es besser machen kann.
Was mir sehr gefällt, ist dein Schreibstil! Ich habe deinen Text gerne gelesen.

Grüße
Marko

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