Lesbarkeitsindex - wie wichtig?

Gerade bei Dialogen versuche ich dem menschlichen Gespräch nahe zu bleiben und passe diese den Charakteren sprachlich an.
Klar, würde ich vielleicht einen 90-jährigen Professor für Theologie und Kunstgeschichte sprechen lassen, wäre es sogar möglich, dass dabei ein verklebter Satz rauskommt. Ansonsten wohl eher nicht.
Je emotionaler, umso kürzer.

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Echt? Das ist mir noch nie aufgefallen und kann ich so (aus dem realen Leben) auch nicht bestätigen.
Es gibt introvertierte Leute, die quatschen wie ein Wasserfall, wenn sie Angst haben.

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Übrigens gibt es bei Papyrus die Funktion, die Stilanalyse bei der wörtliche Rede zu deaktivieren. Das habe ich zu Gunsten der figürlichen Individualität genutzt.

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Da hast du recht. Aber Introvertiertheit, die sich bei Angst umkehrt, wäre jetzt eine traumhafte Charaktereigenschaft. Eine Szene, in der der Leser daran sofort erkennen würde, dass die Figur Angst hat, ohne einen weiteren Hinweis des Autors…
Das ist schon die ganz hohe Schule der Dialoggestaltung.

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Das ist ganz im Sinne Sol Stein´s. Kurze Sätze im Dialog nutzen ganz oft die Maximalkapazität der Intelligenz der Figur aus. Dadurch erhalten sie, so paradox es klingt, mehr tiefe, denn der Leser kann frei antizipieren.

Ich habe durch das aktuelle Testlesen meines Manuskriptes bemerkt, das der Index auch gut als Falsifizierung genutzt werden kann.
Damit meine ich, möchte ich prüfen, ob mein Text tempo hat, dann sollte dieser schnell und zügig zu lesen sein.
Soll der Text etwas entschleunigen, Ruhe reinbringen, dann hilft sicherlich ein etwas schwerer, zu lesender Abschnitt, da der Leser mehr Gehirnschmalz aufbringen muss.
Ob das jetzt für jeden funktioniert kann ich nicht belegen und will ich auch garnicht behaupten, aber für mich funktioniert es.

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Zu Dialogen ein guter Lehrer, hat auch Drehbuch und Theater gemacht.

Die verklebten Sätze sind so ziemlich das Einzige, was ich bei Papyrus Stilanalyse noch nutze, denn verklebte Sätze sind die Pest. Sätze werden so genannt, wenn (für eine Maschine) nicht sofort eindeutig zu erfassen ist, was sind Subjekt, Prädikat, Objekt und wenn ja, wie viele? Wenn man in einem Satz zu viele Pronomen benutzt, keine richtigen Verben, wenn sich im Satz alles aufeinander bezieht und dem Computer ist unklar, was sich worauf bezieht. Dann ist er verklebt.

Schafft er es nicht gleich, schafft er es nie, doch egal ob gleich oder nie, schafft er es nicht, oder schafft er es zu spät, wars das.

(zu 66 % verklebt)

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Nicht unbedingt. Wenn ich eine Szene schreibe, in der ein Betrunkener wie ein Irrsinniger labert, sind verklebte Sätze genau das Richtige.

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Auch dieser Satz hier wird mit „zu 69% verklebt“ angemeckert.

Jetzt bereute er es, wusste aber auch nicht, was er stattdessen abonnieren sollte.

Ich finde, das ist ein stinknormaler Satz. Natürlich könnte ich ihn anders formulieren. Dennoch ist er meiner Meinung nach weder kompliziert noch unverständlich.

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„Hier ignorieren“ :grin: :stuck_out_tongue_winking_eye:

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Ein interessanter Stoff und einer meiner ersten Systhesen im dem Semester Organische Chemie I.

Ich habe sogar noch die Laborprotokolle dazu.