Ort: Ein Forschungslabor auf dem Mond (BITS)
Personen:
Perspektive liegt auf Ana, leitende Mitarbeiterin
Inad Root, Sicherheitsbeauftragter und ihr persönlicher Leibwächter
Mariam, Anas Freundin in Kanada
Sinn des Textes ist die weitere Einführung von Inad Root und ihrer Beziehung zu ihm. Es ist ein Science-Fiction-Roman, daher halte ich mich bewusst zurück mit Romance.
Ich stand mit den Resten meiner Selbstbeherrschung vor der Kaffeemaschine. Inad Root zog zwei vorgewärmte Kaffeebecher aus isolierendem Kunststoff von einem Rondell und wählte für mich einen doppelten Espresso. Er kannte mich besser als mein Therapeut in New Baltin. Die Therapie hatte ihre Gründe.
Inads Frau gefiel mir ausgesprochen gut. Fast so gut wie er – ein Ex-Soldat mit andalusischen Locken und einem stets makellos rasierten Gesicht.
Nur dass ich ihr diese Sympathie nie gestanden hatte. Es würde mein Verhältnis mit Inad nicht unbedingt einfacher machen, wenn ich seiner Frau schöne Augen machte. Und dann war da auch noch Mariam. Eine Fernbeziehung über Hunderttausende Kilometer. Für mich galt das als Entschuldigung und ich ahnte, dass Inad das ähnlich empfand.
Wir waren uns beide nicht sicher, ob es die trostlose Umgebung war, die uns spät nachts unter einem endlosen Sternenhimmel, nur getrennt durch gewölbtes Panzerglas, eng aneinandergeschmiegt einschlafen ließ. Manchmal wachte ich auf und Inad stand unter diesem Baldachin, den Kopf erhoben, sein Gesicht hell von der Erde angestrahlt. Alles Harte an ihm wurde von diesem fernen Licht weggespült. Ob er in Gedanken versunken war oder nur die Weite des Weltalls in sich aufnahm, spielte in solchen Momenten keine Rolle. Sie gehörten uns, füllten die Steinwüsten des Monds mit Erinnerungen. Es waren zugleich Illusionen. Über meinem Schlafraum türmten sich die Steinmassen der Mondkruste auf und jegliche Aussicht war nur Projektion auf kalten Bildschirmen. Wir ließen es zu, so wie wir unser kleines Glück zuließen.
Inad hielt mir den Kaffeebecher entgegen. Ich schüttelte unmerklich den Kopf und verdrängte die Gedanken an unsere seltsame Beziehung. Sie war vielleicht nur ein weiteres Produkt dieser Forschungseinrichtung tief unter der Erde.
BITS stand auf Hochglanzfassaden, an ihren Glaskuppeln und in den Gemütern ihrer Mitarbeiter. Skrupel oder schlechte Träume waren nicht angesagt, gehörten nicht zum Anforderungsprofil.
Inad war abgebrüht. Er hatte, wie man im Männerjargon sagt, gedient. Bevor er beim Sicherheitsdienst anheuerte, war er im Sumpf politischer Abgründe unterwegs gewesen. Nichts Neues in seiner Familie. Er hatte mir Bilder gezeigt.
Sein lächelnder Großvater neben einem amerikanischen Präsidenten in Handschellen. Sein Dad, Militärberater in der Befreiungsarmee des ehrenwerten Clusters Jackson, dem Begründer der kanadischen Föderation. Seine Vorfahren schienen nur aus Männern zu bestehen. Er hatte damit gebrochen.
Soweit die Szene. Habt ihr Tränen in den Augen oder massiert ihr euch die Kaumuskeln, nachdem der Schmerz des Gähnkrampfs langsam schwächer wird?