Kill your Darlings - Wenn plötzlich alles Kopf steht

Und wieder stelle ich meine Erzählweise auf den Kopf! :upside_down_face:

Bisher war der Plan, die Handlung aus mehreren Perspektiven zu erzählen - insgesamt sollten es fünf verschiedene werden. Warum so viele? Weiß ich heute selbst nicht mehr - es klang irgendwie gut, die Welt der Protagonistin und der Antagonistin parallel zu schreiben. Zwei Handlungsstränge, die sich hier mal da kreuzen.

Jetzt das große ABER!
Wenn ich das so beibehalten würde, dann könnte die Antagonistin mit ihrer Hintergrundgeschichte sympathischer wie die Protagonistin werden.
Und daher das Umdenken.
Jetzt gibt es die eine Hauptperspektive, die der Protagonistin. Und einen kleine Nebenperspektive, und das ist nicht die Antagonistin.

Die Folge für mich? ARBEIT und STREICHEN!
Mehrere Kapitel muss ich komplett streichen, andere dagegen schreibe ich komplett so um, dass sie in Perspektive des Handlungsstranges rein passen.
Doch gerade die Kapitel, die ich streiche, habe ich gründlich überarbeitet gehabt, weil ich davon überzeugt war - Dass ich da nichts ändern werden.
Tja, man sollte niemals nie sagen!

Doch nach Hemingways Eisberg-Theorie sind all meine bisherigen Mühen nicht umsonst gewesen, denn jetzt kenne ich jetzt die 7/8 des Eisberges unter der Wasseroberfläche -Alles, was im Hintergrund, verborgen vor dem Leser passiert.

Dieser Streichung ist auch ein spezielles Kapitel zu Opfer gefallen, dass mir irgendwie ans Herz gewachsen ist. Denn beim schreiben dieser Szene bin ich buchstäblich über mich hinaus gewachsen. Ich finde es selbst erschreckend, was ich da im dunkeln der Nacht zustande gebracht habe.
Ich hadere mit mir, es hier online zu stellen, weil sie für den einen oder anderen einerseits mitreißend aber wiederum verstörend, ekelhaft und erschreckend ist. Es soll ja mal einem Psychothriller werden.

Ach ich stelle es jetzt ins Forum rein. Aber nicht für ewig.
Sollte jemand finden, das ich es rausnehmen sollte - dann sagt mir das bitte. - Die Bitte ist gekommen, also nehme ich den Text komplett raus aus dem Post.

Um gleich damit zu beginnen: Ich bin nicht gut darin, einen kurzen Text zu lesen und davon begeistert oder nicht begeistert zu sein. Mein Gehirn funktioniert so nicht. Darum sage ich zu deinem Kapitel nichts, auch wenn du dazu sicher etwas hören wolltest.

Ich hatte etwas Ähnlliches vor. Aber ich habe mich gründlich damit verheddert. Dieses Projekt dümpelt schon seit über 10 Jahren auf meinem Rechner rum. Und obwohl ich es mag und meine Figuren alle ihren eigenen Ton haben, fällt es mir schwer - selbst als Autor - sie im Text auseinanderzuhalten.

Als ich dann irgendwann ein neues Projekt angefangen habe, hab ich wieder aus Ich-Perspektive begonnen. Aber als ich damit nicht weiterkam (manchmal muss man einfach die Perspektive wechseln, um bestimmte Informationen einzufügen) führte ich einen Erzähler ein. So habe ich nun nur zwei Stile, die sich aber so deutlich unterscheiden, dass man immer weiß, wer spricht.

Was wäre denn daran problematisch?

Ich frage mich: Wird mir Darth Vader sympatisch, nur weil seit den 2000ern auch die Geschichte seiner Kinderzeit kenne?

Sowas kenne ich auch gut. Es gibt Kapitel, die tragen für einen selbst die Geschichte, auch wenn das tatsächlich nicht unbedingt der Fall sein mag.

Du musst das selbst entscheiden. Wenn es nicht mehr passt, vielleicht kannst du es mit ein paar Tricks noch passend machen. Manchmal lohnt es sich, über so etwas ein paar Nächte zu schlafen. Oder mit ein paar Leuten diskutieren, die mehr vom Text kennen.

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Thrill entsteht nach meinem Verständnis nicht durch explizite Beschreibungen widerlicher Handlungen, sondern durch das sprachliche Reizen der eigenen Fantasie des Lesers. So empfinde ich die Szene überhaupt nicht mitreißend, sondern lediglich abstoßend und ekelerregend – ein Grund zunächst nur drüberzufliegen, um zu erahnen, wann es vorüber ist oder garnicht mehr weiterzulesen. Das ist aber nur meine (alte Frau, die Thriller liebt) Meinung und nicht allgemein gültig.
(Den letzten Absatz verstehe ich in dem Kontext nicht, vermutlich fehlt mir da eine vorangegangene Info.)

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Hallo Tom,

Ursprünglich wollte ich dieses Kapitel wirklich nicht posten und es muss nicht kommentiert werden.

Das bezog sich darauf, falls dieser Auszug in diesem Forum fehl an Platz ist.

Erstmal zu den Perspektiven:

Ich würde es nicht schlimm finden, wenn die Antagonistin sympathischer wirkt als die Protagonistin.
Es zeigt mal nicht das typische schwarz-weiß. Die Welt, die Dynamik wirkt dann dichter und komplexer.

Ich würde es befürworten.

Zum Textausschnitt:

Ich mag es. :joy:
Weil es gerade verstörend ist.
Aber ich würde es eher unter Horror sehen. (Vielleicht vermische ich da auch ein bisschen das Genre)

Auch das Ende hätte ich etwas erweitert, bevor die Szene endet. Einfach damit man als Leser in deren Realität besser reinkommt. (Ich schätze es war ein Albtraum oder ähnliches und sie erwacht davon?)

Aber Grundlegend, finde ich es spannend.

Hmmm … was sollen wir dann dazu sagen?
Ich meine auch, dass es verdammt heftig ist. Kann man natürlich machen, es hängt davon ab, wie du deine Story konzipiert hast. Wenn das Hauptgewicht auf schockierenden, ekligen Szenen liegt, lass es so, dann gehts wirklich in Richtung Horror.
Wenn es dir mehr um psychologische Abgründe geht, würde ich es entschärfen, so etwas ist auch schlimm genug, wenn man es nicht in allen Einzelheiten ausführt.

Danke für deine ehrliche Meinung.
Ich gebe dir recht, diese Szene ist abstoßend und ekelerregend. Und ich finde es selbst erschreckend, was ich da fabriziert habe.
Mit diesem Albtraum wollte ich dem Leser einen Teil von Petras Geschichte etwas näher bringen. Ich wollte nicht einfach schreiben, „sie wurde von ihrem Bruder misshandelt“. Vielleicht habe ich es mit dem Show hier wirklich übertrieben.

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Das wäre zu wenig. Ich würde hier irgendwie einen Mittelweg wählen.

Es ist ja auch ein Albtraum :sweat_smile: Und dazu gehört Horror.

Es ist nur die ein Szene, die aus der Reihe tanzt.

Aber da ich die Perspektive von Petra jetzt gänzlich weg lasse, verschwindet dieses Kapitel vorerst unterhalb der Wasseroberfläche.

Du musst es ja nicht aus Deinen Dateien löschen. Und das, was Du geleistet und gelernt hast, verschwindet nicht. Ich speichere solche nicht verwendeten Szenen unter „Zusatzmaterial“ ab.

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Ich lasse es ja nicht verschwinden. Ich speichere jede Version meines Projektes neu ab, bevor ich da was groß im Verlauf ändere. Ebenso verfahre ich mit den einzelnen Kapiteln. Von der Rohfassung bis zum Finalen Kapitel wird jede Station in einer Extradatei gesichert. Man weiß schließlich nie, wofür man das noch brauchen könnte.

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Vielleicht bin ich einfach die falsche Zielgruppe?! Du kannst mir glauben, ich habe schon etliche Romane des Genres Psycho-Thriller gelesen, weil ich als geborener Hasenfuß diese Art Angst kontrollieren kann. Ich habe nur ein großes Problem mit sehr bildhaft beschriebenem Missbrauchsszenarien, weil ich nicht verstehe, für wen sie in einem Buch wichtig sein sollen. Normale Leser dürften nicht so abgebrüht sein, dass sie diese Bildhaftigkeit benötigen, um Schauder zu empfinden. Ich denke gerade an eine Szene aus Stephen Kings „Der Outsider“, in der auch Missbrauch an Kindern thematisiert wird, aber auf eine zwar abstoßende, aber weniger voyeuristische Weise. Lege vllt. mehr Wert auf Sprache als auf die nackte Situationsbeschreibung:

Das ist eine zu sachliche Herangehensweise.

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Ich bin beim Schreiben mich noch am ausprobieren und suche stehts die passenden Wörter für das richtige Bild. Von alleine wollen die noch nicht fließen, es ist noch Arbeit, aber ich gebe nicht auf…
Aber ich weiß, mit jedem Wort, dass ich für ein Kapitel schreibe lerne ich mehr dazu und jede Anmerkung von anderen, egal welcher Art, hilft mir weiter.

:see_no_evil: Und manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht! Jap, das ist zu sachlich, sehe ich jetzt auch.

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Wir sind doch alle Suchende! :blush:

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Ja bitte!
Auch wenn du den expliziten Teil inzwischen schon herausgenommen hast. Sexuelle Gewalt in Verbindung mit Kindern ->sorry, ein NoGo.

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Danke, für den Post. So lange hätte ich den Rest auch nicht mehr drin gelassen.

Ich wollte mit dem Text nicht beschönigen und habe nicht ohne Grund mit mir gehadert es hier zu posten. Denn „Kinder sind tabu!“, wie die Band PUR im entsprechenden Song betitelt.
Daher habe ich mir bewusst die Option gelassen, es wieder raus zu nehmen.

Warum habe ich es dann überhaupt gepostet?
Mein Gefühl neigt häufig zur Übertreibung und der Post war der Versuch die Reaktion eines Publikums zu erfahren. Und ich weiß eins, so geht der Text nicht!

Hi Julia,
ich verstehe dein literarisches Ansinnen und wollte dich diesbezüglich keinesfalls kritisieren. Mir ging es rein um die Thematik. Ich will nicht päpstlicher sein als der Papst. Auch wenn wir Autoren das keinesfalls beabsichtigen und nicht mitbekommen, aber bei derart expliziter Darstellung sexueller Gewalt, besteht die Gefahr, dass du irgendwelche gestörten Menschen auf den Plan rufst und ihre perversen Fantasien beflügelst … dieser Verantwortung müssen wir uns immer bewusst sein! Vor allem, aber nicht nur, wenn es um Kinder geht.

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Hi Carlo,
ich sah es nicht als Kritik, sondern als deine persönliche Meinung zu diesem Thema.

Da hast du vollkommen recht und nächstes Mal werde ich auf meine innere Stimme hören, wenn die wegen einem Post von vornherein rebeliert.

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