Funfac: Beim ersten Check hat mir ein Test gesagt „zu 99% human“
Nachdem ich die meisten Tipp-, Grammatik- und Rechtschreibfehler ausgebessert hatte war ich auf einmal zu 65% KI. Soviel dazu …
Aber jetzt geht es los:
Fire and Forget
Noah träumte von Eisbären.
Nicht von den echten, die Robben fressen und auf Eisschollen treiben – sondern von riesigen, weißen Dingern, die auf Schlittschuhen standen und ihn mit Hockeyschlägern jagten. Er lief über ein Feld, das sich in eine Eisfläche verwandelte, sobald sein Fuß es berührte, und hinter ihm donnerte das Stampfen der Bären durch den Boden, immer näher, immer lauter. Wieso hörte er die Füße der Bären aufstampfen, wenn sie doch Skater trugen?
Bum. Bum. Bum.
Der erste Bär holte auf.
Bum. Bum. Bum.
Noah fuhr hoch. Das Zimmer war hell, viel zu hell, und er sah sich verwirrt um. Dann: Hoteldecke. Hotelvorhänge, die gedämpftes Licht durchließen. Neben ihm atmete jemand leise.
Bum. Bum. Bum.
Es hämmerte gegen die Tür.
„Scheiße.“ Er griff nach seinem Handy. 09:58. Er starrte auf die Zahl. „Scheiße, Scheiße!“
„Snyders?“ Vogts Stimme, kam gedämpft durch die Tür, aber unverkennbar.
„Bist du da drin? Ich hör dich doch.“
„Ja, verdammt nochmal!“, rief er genervt.
Das Mädchen neben ihm regte sich. Sie war blond, gute Figur. Er konnte sich beim besten Willen nicht mehr erinnern, wie sie hieß. Melanie? Melissa? Irgendein M. Sie blinzelte ihn an „Wer ist das?“
„Mein Kollege.“
„Oh.“ Sie lächelte. „Soll ich ihn reinlassen?“
Noah war bereits aufgestanden. „Machst du Witze? “
Er öffnete die Tür einen Spalt. Vogt stand im Flur, Trainingsjacke, Kaffeebecher in der Hand, und sah ihn an wie ein Arzt, der seinen Patienten begutachtet. Er schaute an Noah hinunter, der immer noch nackt war. Er grinste jetzt breit.
„Du hast verschlafen.“
„Ist mir klar.“
„Training um elf.“
„Ich weiß.“
„Es ist zehn.“
„Ich weiß, Vogt.“
Noah öffnete die Tür. „Komm rein. Ich brauch fünf Minuten.“
„Zieh dir bitte was an! Deine einäugige Schlange starrt mich an.“
„Du hast mich schon hunderte Male nackt gesehen. Mach dir nicht ins Hemd!“
„Ja …“ Vogt machte eine Handbwegung, die das Zimmer umfasste „ … aber noch nie – so!“
Vogt spähte an ihm vorbei in den Raum. Das Mädchen saß jetzt aufrecht im Bett, das Laken bis unter das Kinn gezogen. Vogt hob den Becher leicht. Sie lächelte zurück.
Noah drehte sich zur Blondine. „Du musst gehen.“ Er zog sich gerade Boxershorts an.
„Jetzt gleich?“
„Jetzt gleich.“
Sie glitt aus dem Bett. Noah sah, dass sie sein Trikot trug. Seine Nummer.
„Ich dachte, wir könnten noch…“
„WAS? Nein. Sicher nicht.“
Sie sah ihn einen Moment an, dann zog sie das Trikot über den Kopf und warf es ihm hin.
„Gestern warst du nicht so ein Arsch.“
„Gestern war ich auch besoffen.“
„Na, wenn das kein netter Grund ist.“
Sie zog sich jetzt sehr schnell an.
„Arschloch.“
Die Tür fiel mit einem Knall hinter ihr zu.
Noah warf die Hände hoch. „Boah. Das nervt tierisch! Mir geht dieser Zirkus sowas auf die Nerven!“
Vogt wartete einen Moment. Sah ihn fragend an. Ein Augenbrauen hochgezogen.
„Was?“ zischte Noah.
„Nummer acht seit Saisonbeginn.“
„Du zählst bei mir mit?“
Vogt grinste nur.
„Sie war nicht mal richtig sauer. Na ja. Ein bisschen vielleicht.“
„Vogt.“
„Ich sag ja nur.“ Er trank einen Schluck. „Wie war sie?“
Noah stieg in seine Trainingsklamotten „Gut genug. Nicht gut genug für einen Handynummerntausch.“
„Name?“
Pause. Noah zog nachdenklich die Augenbrauen zusammen und schnürte sich die Schuhe zu.
Vogt lachte. „Klassiker.“
„Irgendeine M. Aber wen juckts?“ Noah stand auf, griff nach seiner Tasche. „Wo hast du geparkt?“
„Tiefgarage. Aber erklär mir kurz – warum hast du sie nicht mal duschen lassen.“
„Wir sind spät dran.“‘
„Wir haben eine Stunde.“
„Knapp genug. Eigentlich hätte sie gestern noch gehen sollen, aber ich bin danach wohl einfach weggetreten. Sind die anderen schon unterwegs?"
„Auf den Gängen wuselt es von Hockeyspielern.“
"Dann muss sie eben den Walk of Shame machen. “ Noah warf einen letzten Blick ins Zimmer. Zerknülltes Laken, zwei Gläser auf dem Nachttisch, sein Trikot auf dem Boden. Er hob es auf und steckte es in die Spielertasche. „Ich dusche im Stadion.“
Sie nahmen den Aufzug. Vogt lehnte sich gegen die Spiegelwand.
„Weißt du, was Brügger letzte Woche gesagt hat?“
„Nein, aber du wirst es mir sicher gleich sagen.“
„Dass er sich an der Bettkante eine Kerbe macht. Für jede.“
Snyders sah ihn an, die Augenbrauen hochgezogen.
„Ernsthaft“, sagte Vogt. „Mit einem Taschenmesser. Er ist bei dreiundzwanzig.“
„Die Saison geht doch erst seit September.“
„Er hat letztes Jahr damit angefangen. Ich hab ihm gesagt, er soll damit aufhören, bevor das Bett auseinanderfällt.“
Noah lachte noch immer, als sich Aufzugstür öffnete. Die Lobby war weitläufig und man hörte das Klacken von Absätzen auf dem Marmorboden.
„Puck Bunnies“, sagte Vogt, während sie zur Tür schlenderten. „Es kommt immer auf dasselbe raus. Erst ziehen sie sich dein Trikot an, dann machen sie dir schöne Augen, dann Nummer schieben. Nummer hinterlassen.“
„Manche hinterlassen nicht mal die.“
„Die sind die Besseren“, grinste Vogt augenzwinkernd.
Noah drückte die Tür zur Tiefgarage auf. Es war kühl und der Parkplatz halb leer. Vogt piepte sein Auto auf.
„Fire and forget“, sagte Noah.
„Fire and forget“, wiederholte Vogt.
Sie stiegen ein. Vogt lies den Motor an und kurvte aus der Parkgarage.
Vogt bog auf die Hauptstraße. Noah lehnte den Kopf gegen die Kopfstütze und ließ das Brummen des Motors auf sich wirken.
Noahs Handy hatte schon die ganze Zeit vibriert, jetzt meldete es sich erneut und er holte es raus.
Vierzehn entgangene Anrufe. Haufenweise Nachrichten. Scheiße.
Er scrollte. Sein Bruder hatte zweimal angerufen, seine Schwester einmal, verschieden Teamkollegen und dann war da noch eine Nummer, die er auswendig kannte, obwohl er sie nie gespeichert hatte: Markus Rasner, PR-Manager der Red Wings, ein Mann, dessen Anrufe grundsätzlich nichts Gutes bedeuteten.
Die Nachrichten:
Bruder: Noah! Hast du Facebook geschaut??? Ruf mich an. Unser Vater dreht am Rad.
Schwester: Noah! Was war das denn wieder bitte?? OMG
Rasner: Ruf mich sofort an, wenn du das liest. Ich meine es ernst!!!
Drei Rufzeichen. Rasner schrieb keine Rufzeichen. Der Mann schrieb nicht mal Ausrufezeichen, wenn sein Büro brannte.
Noah starrte auf den Bildschirm.
„Hey.“ Er sah nicht auf. „Hast du irgendwas gehört? ist irgendwas passiert?“
Vogt runzelte die Stirn. „Nee. Was meinst du?“
Noah hielt ihm das Handy hin.
Vogt warf einen kurzen Blick drauf und pfiff leise durch die Zähne. „Facebook?“
„Keine Ahnung.“
„Hast du’s nicht aufgemacht?“
„Noch nicht.“
Vogt gab das Handy zurück. „Ruf Rasner an.“
„Ich weiß.“
„Sofort.“
„Ich weiß, Vogt.“
„Drei Rufzeichen, Snyders. Der Typ verwendet keine Rufzeichen.“
„Ich hab’s gesehen. Ich kann lesen. Weißt du.“
„Dann ruf an, bevor der Typ ein Aneurysma kriegt und wir beide inTroubles stecken, die wir heute Morgen noch nicht hatten.“ Vogt tippte auf die Lenkradheizung und sah geradeaus. „Los.“
Snyders sah auf Rasners Nummer. Dann drückte er auf Rückruf.
Rasner nahm beim ersten Klingeln ab.
„Snyders.“
Noah hielt das Handy kurz von sich, drückte auf Lautsprecher und legte es aufs Armaturenbrett. Vogt warf ihm einen Blick zu und sagte nichts.
„Ich bin dran.“
„Oh, du bist dran. Wunderbar. Wie nett von dir." Rasners Stimme war ruhig, aber hart. „Darf ich dich was fragen, Noah?“
„Schieß los.“
„Willst du mich ins Grab bringen? Ich bin noch keine vierzig, ich hab Pläne für meine Zukunft. Haus. Kinder. Hund – und dann gibt es dich.“ Eine kurze Pause. „Warum schaffst du es nicht, deinen Schwanz in der Hose zu lassen und warum lässt du dich dabei auch noch fotografieren, wenn du ihn rausholst?“
Snyders zog die Stirn zusammen. „Was genau …“
„Im Internet kursieren Fotos von dir. Die ersten Zeitungen sind auch schon aufgesprungen. In einer Bar. Du halbnackt, mit zwei Fangirls, eine davon mit der Hand in deiner Hose, die andere mit deinem Jersey. Nass. ziemlich durchsichtig.“
Vogt starrte auf die Straße. Noach hätte schwören können, dass er sich ein Grinsen verbeißt.
„Das Management ist nicht glücklich. Die LIGA ist nicht glücklich. Die sitzen gerade zusammen und überlegen, was sie mit dir machen. Was sie mit deiner Unfähigkeit machen, dich zu benehmen, wenn du nicht gerade auf dem Eis stehst.“ Rasners Stimme blieb flach. „Mein Telefon steht seit sieben Uhr nicht mehr still. Der Geschäftsführer, die Ligavertreter, der Sportdirektor, Journalisten, dein Agent. Wegen dir.“
„Rasner, ich…“
„Du hältst jetzt den Mund und den Kopf unten. Kein Wort mit der Presse. Wenn dich jemand anspricht: lächeln und weitergehen. Microphon oder Kamera? Weiter Bogen. Verstanden?“
„Ja, aber…“
„Ich hab noch nicht fertig geredet.“
Kurze Pause.
„Ich muss Statements vorbereiten, Journalisten vertrösten und so tun, als hätten wir das im Griff. Während du dich jetzt wie ein Musterschüler verhalten wirst. Ist das klar.“
„Ja, is klar!“
„Ich ruf dich später an. Rühr dich nicht. Sag nichts.“
Pause.
„Das nächste Mal, wenn du ausgehst – lass das um Gottes Willen deinen Hosenstall zu.“
„Okay“
„Und noch was. Vogt – ich weiß, dass du zuhörst. Weil ihr zwei immer zusammen hockt. Halt ihn an der kurzen Leine. Leg ihm von mir aus ein Hundehalsband an und schlepp ihn nach Hause, bevor es wieder eskaliert!“
Er legte auf.
Das Handy lag still auf dem Armaturenbrett. Draußen zog die Straße vorbei.
Vogt stieß einen langen, langsamen Pfiff aus.
„Bruder.“ Er schüttelte den Kopf. „Du steckst so was von in der Scheiße.“
Noah ließ den Kopf nach hinten fallen.
„Ich weiß, Bruder!“
Vogt bog auf den Parkplatz des Sadions, und Noah saß noch immer mit dem Handy auf dem Oberschenkel und starrte auf den schwarzen Bildschirm.
„Du musst da jetzt rein“, sagte Vogt.
„Ich weiß.“
„Bauer wartet wahrscheinlich schon.“
„Ich weiß.“
„Ist dir klar, dass dein Wortschatz heute extrem beschränkt ist?“
„Ich … Ja ist mir klar“
Vogt stellte den Motor ab. „Soll ich noch was sagen, oder …“
„Nein.“ Noah öffnete die Tür. „Lass uns einfach reingehen.“‘
Sie kamen nicht mal bis zur Umkleide. Coach Bauer stand im Flur, die Arme verschränkt, die Kinnlade so angespannt, dass es nicht unwahrscheinlich erschien, dass er auf etwas besonders Zähem kaute. Er war Mitte fünfzig, breit, grau, und hatte das Gesicht eines Mannes, den in seinem Leben nichts mehr überraschte. Aber es würde ihn ärgern. Und Coach Bauer ärgerte man nicht ungestraft.
„Snyders.“
„Coach …“
„Büro. JETZT!“
Und das war keine Einladung.
„Ich bete für dich, Bro“, flüsterte Vogt ihm noch zu und verschwand in Richtung Umkleide. Noah folgte Bauer den Flur entlang, in das kleine Büro für die Trainer des Gästeteams, in dem es nach Kaffee und altem Papier roch. Bauer schloss die Tür, stellte sich hinter den Schreibtisch und sah ihn an. Lange. Lange genug, dass es unangenehm wurde.
Dann fing er an.
Es dauerte lange acht Minuten. Noah wusste es, weil er auf die Uhr an der Wand starrte und anfing dem Minutenzeiger zuzusehen, wie er elend langsam weiter wanderte. Bauer redete über Professionalität, über Außenwirkung, über das, was ein Spieler diesem Klub schuldet, über das, was er sich selbst schuldet, über den Unterschied zwischen Privatleben und dem, was man auf Fotos im Internet macht, über Verantwortung, über Reife, über die Tatsache, dass Snyders kein Zwanzigjähriger mehr war, der das erste Mal im Profikader stand, sondern ein Star-Center mit Vertrag und Öffentlichkeitswirkung und dem entsprechenden Erwartungsdruck und dem, was dieser Klub nicht brauchte: nämlich genau das hier.
Snyders sagte nichts. Was hätte er denn sagen können?
Dann wurde Bauers Ton ruhiger. Noah ahnte, dass er jetzt zum Kern der Sache kommen würde.
„Du bist Kapitän dieses Teams.“ Er ließ das einen Moment stehen. „Weißt du, was das bedeutet? Das bedeutet, dass du nicht nur für dich redest. Das bedeutet, dass du dieses C trägst an dem die anderen zwanzig Mann in der Kabine sich orientieren, daran was du tust. Auf dem Eis und abseits davon.“ Er sah ihn an. „Und im Moment orientieren sie sich daran, dass der Kapitän es offenbar nicht für nötig hält, sich auch nur ansatzweise zusammenzureißen, sobald er das Stadion verlässt.“
Snyders hielt dem Blick des Coaches stand.
Bauer lehnte sich auf den Schreibtisch. „Das C ist dir nicht eintätowiert, Noah. Irgendwann kann ich es nicht mehr argumentieren, dass du es trägst.“
Er sagte es nicht laut. Er sagte es nicht mit Nachdruck. Er sagte es beiläufig und genau deshalb saß es.
„Gut. Entscheidung des Managements: Zwei Wochen Gehalt werden einbehalten, gemäß den Bedingungen deines Vertrags. Dein Glück: Die Liga hält sich raus, überlässt es dem Klub.“ Eine kurze Pause folgte. „Und wenn so etwas nochmal vorkommt, kriegst du eine Spiel-Sperre. Ohne Diskussion. Und ich erwarte, dass du dich endlich am Riemen reißt. Nein – dumme Wortwahl bei dir. Lass deinen Hosenstall zu, bleib aus den Medien. Du wirst ein braver und vorbildlicher Spieler sein. Auf dem Eis und abseits davon. Ist das klar?“
Snyders nickte.
„Höre ich ein Ja, Coach?“
„Ja, Coach.“
Bauer sah ihn noch einen Moment an. Dann wedelte er unwillig mit der Hand Richtung Tür. „Umkleide. In zehn Minuten will ich euch auf dem Eis.“
Noah drehte sich um und verließ das Büro.
Coach murmelte vor sich hin. Es klang verdächtig nach „Bring ihn nicht um. Bring ihn nicht um ! Mord ist illegal.“
Noah zitterten die Knie, nachdem er das Büro verließ. Er hatte keine Wahl, als damit aufhören, seinen Ruf auf diese Art zu festigen. Jetzt stand auf dem Spiel, was er am meisten auf der Welt liebte: Eishockey.
Die Kabine war laut, wie immer. In dem Moment, da Noah durch die Tür trat, wurde es für eine halbe Sekunde absolut still – genau lange genug, um zu wissen, dass sie es alle mitbekommen hatten.
Dann fing Brügger an zu klatschen.
Langsam, theatralisch, wie bei einer Preisverleihung. Zwei, drei andere stimmten ein, jemand pfiff.
„Da ist er.“ Brügger breitete die Arme aus. Er war groß, rotblond, und besaß die Selbstbeherrschung eines Labradors. „Der Mann der Stunde. Zwei Frauen gleichzeitig, Snyders. Ich zieh meinen Hut.“
„Halt die Klappe, Brügger.“
„Nein, ernsthaft. Ich steh bei dreiundzwanzig, aber du machst das mit mehr …“ er suchte nach dem Wort, „ … Enthusiasmus.“‘
„Na ja.“ Brügger grinste. „Die Fotos sind nicht schlecht, muss ich sagen. Du siehst da ziemlich beschäftigt aus.“
Snyders öffnete seinen Spind und zog sich sein Shirt aus. Sie zogen weiter über ihn her, er ließ es laufen, weil es keinen Sinn hatte, dagegen anzureden, und in zwei Tagen würde sie über ein anderes Thema reden. So funktionierte eine Kabine nun mal.
Vogt stellte sich zu ihm „Wie weit hat dir der Coach den Arsch aufgerissen?“
„Bis zum Kragen.“
„Autsch. Tut mir leid Bro. Und die Strafe?“
„Zwei Wochengehälter. Wenn ich ab jetzt brav bin. Aber die Strafe von Coach krieg ich wohl erst jetzt.“
Noah sollte recht behalten. Auf dem Eis wartete Bauer auf das Team. Er war die personifizierte Wut.
Snyders merkte nach den ersten Minuten, dass das heute kein normales Training war.
Während der Rest der Mannschaft die üblichen Abläufe fuhr, schickte Bauer ihn immer wieder los. Ohne Kommentar. Nur Pfiff, Puckkontrolle, Pfiff, Sprints, Pfiff, Kantenarbeit, Pfiff, Sprints, Pfiff nächste Übung, immer weiter. Bauers Blick blieb an ihm hängen.
Er war mehr auf dem Eis als alle anderen. Pausen gab es kaum.
Nach einer Stunde brannten die Lungen.
Nach eineinhalb waren seine Beine wie Blei.
Dann skatete er zur Bande, zog den Helm ab und übergab sich in die Spielerbank.
Es kam schnell und ohne Vorwarnung.
Vogt war sofort da, hielt ihm wortlos einen Kübel hin.
Snyders würgte noch einmal, dann richtete er sich langsam auf.
„Du hast es wirklich übertrieben“, sagte Vogt leise. „Und du hast recht. Coach straft dich ab.“
Snyders wischte sich den Mund.
„Er hat gedroht, mir das C wegzunehmen.“
Vogt zog die Augenbrauen hoch.
„Dann ist er richtig angepisst.“
Vogt nahm den Kübel zurück und sah ihn an. „Du solltest echt leise machen. Bis sich das alles beruhigt hat.“
„Das hab sogar ich verstanden.“
Auf dem Eis pfiff Bauer.
„Schluss für den Moment. Cool-Down. Dann unter die Dusche und zurück ins Hotel. Esst eine Kleinigkeit und ruht euch aus. Um 18:30 sind alle wieder hier.“
In der Kabine redete keiner Noah an. Aber er konnte ihre Blicke auf sich spüren.
Er hatte sich fast fertig angezogen, als er gerufen wurde.
„Noah – kommst du mal?“ Coach Bauer winkte ihn zu sich auf den Gang.
Noah ging langsam zu ihm. Der Coach schloß die Tür zur Kabine.
„Ich hoffe, du hast den Ernst der Situation verstanden.“
„Ja, Coach.“
„Rasner wollte dass du mit einigen ausgewählten Reportern sprichst. Ich hab das abgewürgt. Aber draußen vor dem Eingang steht die Meute und hoffrt, dass sie dich abfangen können. Du wirst beim Lieferanteneingang rausgehen. Ein Wagen wartet dort auf dich und bringt sich ins Hotel. Schlaf ein paar Stunden. Ich erwarte, dass du beim Spiel heute Abend Höchstleistung bringst. Ich will das beste Hockey sehen, zu dem du fähig bist.“
Noah nickte. Bauer zog eine Braue hoch.
„Ja, Coach!“
Bauer drehte sich um und ging den Gang hinunter.
Als er in sein Hotelzimmer kam, schaffte er es gerade noch den Wecker zu stellen, bevor er in auf das Bett fiel. In seinem Kopf wirbelte noch die Strafpredigt von Bauer. Er kann mir das C nicht wegnehmen, war sein letzter Gedanke. Dann sank er in tiefen Schlaf.