Kapitel 1 - Was sagt die Schar der Kritiker und Leser?

Funfac: Beim ersten Check hat mir ein Test gesagt „zu 99% human“
Nachdem ich die meisten Tipp-, Grammatik- und Rechtschreibfehler ausgebessert hatte war ich auf einmal zu 65% KI. Soviel dazu …

Aber jetzt geht es los:

Fire and Forget

Noah träumte von Eisbären.

Nicht von den echten, die Robben fressen und auf Eisschollen treiben – sondern von riesigen, weißen Dingern, die auf Schlittschuhen standen und ihn mit Hockeyschlägern jagten. Er lief über ein Feld, das sich in eine Eisfläche verwandelte, sobald sein Fuß es berührte, und hinter ihm donnerte das Stampfen der Bären durch den Boden, immer näher, immer lauter. Wieso hörte er die Füße der Bären aufstampfen, wenn sie doch Skater trugen?

Bum. Bum. Bum.

Der erste Bär holte auf.

Bum. Bum. Bum.

Noah fuhr hoch. Das Zimmer war hell, viel zu hell, und er sah sich verwirrt um. Dann: Hoteldecke. Hotelvorhänge, die gedämpftes Licht durchließen. Neben ihm atmete jemand leise.

Bum. Bum. Bum.

Es hämmerte gegen die Tür.

„Scheiße.“ Er griff nach seinem Handy. 09:58. Er starrte auf die Zahl. „Scheiße, Scheiße!“

„Snyders?“ Vogts Stimme, kam gedämpft durch die Tür, aber unverkennbar.

„Bist du da drin? Ich hör dich doch.“

„Ja, verdammt nochmal!“, rief er genervt.

Das Mädchen neben ihm regte sich. Sie war blond, gute Figur. Er konnte sich beim besten Willen nicht mehr erinnern, wie sie hieß. Melanie? Melissa? Irgendein M. Sie blinzelte ihn an „Wer ist das?“

„Mein Kollege.“

„Oh.“ Sie lächelte. „Soll ich ihn reinlassen?“

Noah war bereits aufgestanden. „Machst du Witze? “

Er öffnete die Tür einen Spalt. Vogt stand im Flur, Trainingsjacke, Kaffeebecher in der Hand, und sah ihn an wie ein Arzt, der seinen Patienten begutachtet. Er schaute an Noah hinunter, der immer noch nackt war. Er grinste jetzt breit.

„Du hast verschlafen.“

„Ist mir klar.“

„Training um elf.“

„Ich weiß.“

„Es ist zehn.“

„Ich weiß, Vogt.“

Noah öffnete die Tür. „Komm rein. Ich brauch fünf Minuten.“

„Zieh dir bitte was an! Deine einäugige Schlange starrt mich an.“

„Du hast mich schon hunderte Male nackt gesehen. Mach dir nicht ins Hemd!“

„Ja …“ Vogt machte eine Handbwegung, die das Zimmer umfasste „ … aber noch nie – so!“

Vogt spähte an ihm vorbei in den Raum. Das Mädchen saß jetzt aufrecht im Bett, das Laken bis unter das Kinn gezogen. Vogt hob den Becher leicht. Sie lächelte zurück.

Noah drehte sich zur Blondine. „Du musst gehen.“ Er zog sich gerade Boxershorts an.

„Jetzt gleich?“

„Jetzt gleich.“

Sie glitt aus dem Bett. Noah sah, dass sie sein Trikot trug. Seine Nummer.

„Ich dachte, wir könnten noch…“

„WAS? Nein. Sicher nicht.“

Sie sah ihn einen Moment an, dann zog sie das Trikot über den Kopf und warf es ihm hin.

„Gestern warst du nicht so ein Arsch.“

„Gestern war ich auch besoffen.“

„Na, wenn das kein netter Grund ist.“

Sie zog sich jetzt sehr schnell an.

„Arschloch.“

Die Tür fiel mit einem Knall hinter ihr zu.

Noah warf die Hände hoch. „Boah. Das nervt tierisch! Mir geht dieser Zirkus sowas auf die Nerven!“

Vogt wartete einen Moment. Sah ihn fragend an. Ein Augenbrauen hochgezogen.

„Was?“ zischte Noah.

„Nummer acht seit Saisonbeginn.“

„Du zählst bei mir mit?“

Vogt grinste nur.

„Sie war nicht mal richtig sauer. Na ja. Ein bisschen vielleicht.“

„Vogt.“

„Ich sag ja nur.“ Er trank einen Schluck. „Wie war sie?“

Noah stieg in seine Trainingsklamotten „Gut genug. Nicht gut genug für einen Handynummerntausch.“

„Name?“

Pause. Noah zog nachdenklich die Augenbrauen zusammen und schnürte sich die Schuhe zu.

Vogt lachte. „Klassiker.“

„Irgendeine M. Aber wen juckts?“ Noah stand auf, griff nach seiner Tasche. „Wo hast du geparkt?“

„Tiefgarage. Aber erklär mir kurz – warum hast du sie nicht mal duschen lassen.“

„Wir sind spät dran.“‘

„Wir haben eine Stunde.“

„Knapp genug. Eigentlich hätte sie gestern noch gehen sollen, aber ich bin danach wohl einfach weggetreten. Sind die anderen schon unterwegs?"
„Auf den Gängen wuselt es von Hockeyspielern.“
"Dann muss sie eben den Walk of Shame machen. “ Noah warf einen letzten Blick ins Zimmer. Zerknülltes Laken, zwei Gläser auf dem Nachttisch, sein Trikot auf dem Boden. Er hob es auf und steckte es in die Spielertasche. „Ich dusche im Stadion.“

Sie nahmen den Aufzug. Vogt lehnte sich gegen die Spiegelwand.

„Weißt du, was Brügger letzte Woche gesagt hat?“

„Nein, aber du wirst es mir sicher gleich sagen.“

„Dass er sich an der Bettkante eine Kerbe macht. Für jede.“

Snyders sah ihn an, die Augenbrauen hochgezogen.

„Ernsthaft“, sagte Vogt. „Mit einem Taschenmesser. Er ist bei dreiundzwanzig.“

„Die Saison geht doch erst seit September.“

„Er hat letztes Jahr damit angefangen. Ich hab ihm gesagt, er soll damit aufhören, bevor das Bett auseinanderfällt.“

Noah lachte noch immer, als sich Aufzugstür öffnete. Die Lobby war weitläufig und man hörte das Klacken von Absätzen auf dem Marmorboden.

„Puck Bunnies“, sagte Vogt, während sie zur Tür schlenderten. „Es kommt immer auf dasselbe raus. Erst ziehen sie sich dein Trikot an, dann machen sie dir schöne Augen, dann Nummer schieben. Nummer hinterlassen.“

„Manche hinterlassen nicht mal die.“

„Die sind die Besseren“, grinste Vogt augenzwinkernd.

Noah drückte die Tür zur Tiefgarage auf. Es war kühl und der Parkplatz halb leer. Vogt piepte sein Auto auf.

„Fire and forget“, sagte Noah.

„Fire and forget“, wiederholte Vogt.

Sie stiegen ein. Vogt lies den Motor an und kurvte aus der Parkgarage.

Vogt bog auf die Hauptstraße. Noah lehnte den Kopf gegen die Kopfstütze und ließ das Brummen des Motors auf sich wirken.

Noahs Handy hatte schon die ganze Zeit vibriert, jetzt meldete es sich erneut und er holte es raus.

Vierzehn entgangene Anrufe. Haufenweise Nachrichten. Scheiße.

Er scrollte. Sein Bruder hatte zweimal angerufen, seine Schwester einmal, verschieden Teamkollegen und dann war da noch eine Nummer, die er auswendig kannte, obwohl er sie nie gespeichert hatte: Markus Rasner, PR-Manager der Red Wings, ein Mann, dessen Anrufe grundsätzlich nichts Gutes bedeuteten.

Die Nachrichten:

Bruder: Noah! Hast du Facebook geschaut??? Ruf mich an. Unser Vater dreht am Rad.

Schwester: Noah! Was war das denn wieder bitte?? OMG

Rasner: Ruf mich sofort an, wenn du das liest. Ich meine es ernst!!!

Drei Rufzeichen. Rasner schrieb keine Rufzeichen. Der Mann schrieb nicht mal Ausrufezeichen, wenn sein Büro brannte.

Noah starrte auf den Bildschirm.

„Hey.“ Er sah nicht auf. „Hast du irgendwas gehört? ist irgendwas passiert?“

Vogt runzelte die Stirn. „Nee. Was meinst du?“

Noah hielt ihm das Handy hin.

Vogt warf einen kurzen Blick drauf und pfiff leise durch die Zähne. „Facebook?“

„Keine Ahnung.“

„Hast du’s nicht aufgemacht?“

„Noch nicht.“

Vogt gab das Handy zurück. „Ruf Rasner an.“

„Ich weiß.“

„Sofort.“

„Ich weiß, Vogt.“

„Drei Rufzeichen, Snyders. Der Typ verwendet keine Rufzeichen.“

„Ich hab’s gesehen. Ich kann lesen. Weißt du.“

„Dann ruf an, bevor der Typ ein Aneurysma kriegt und wir beide inTroubles stecken, die wir heute Morgen noch nicht hatten.“ Vogt tippte auf die Lenkradheizung und sah geradeaus. „Los.“

Snyders sah auf Rasners Nummer. Dann drückte er auf Rückruf.

Rasner nahm beim ersten Klingeln ab.

„Snyders.“

Noah hielt das Handy kurz von sich, drückte auf Lautsprecher und legte es aufs Armaturenbrett. Vogt warf ihm einen Blick zu und sagte nichts.

„Ich bin dran.“

„Oh, du bist dran. Wunderbar. Wie nett von dir." Rasners Stimme war ruhig, aber hart. „Darf ich dich was fragen, Noah?“

„Schieß los.“

„Willst du mich ins Grab bringen? Ich bin noch keine vierzig, ich hab Pläne für meine Zukunft. Haus. Kinder. Hund – und dann gibt es dich.“ Eine kurze Pause. „Warum schaffst du es nicht, deinen Schwanz in der Hose zu lassen und warum lässt du dich dabei auch noch fotografieren, wenn du ihn rausholst?“

Snyders zog die Stirn zusammen. „Was genau …“

„Im Internet kursieren Fotos von dir. Die ersten Zeitungen sind auch schon aufgesprungen. In einer Bar. Du halbnackt, mit zwei Fangirls, eine davon mit der Hand in deiner Hose, die andere mit deinem Jersey. Nass. ziemlich durchsichtig.“

Vogt starrte auf die Straße. Noach hätte schwören können, dass er sich ein Grinsen verbeißt.

„Das Management ist nicht glücklich. Die LIGA ist nicht glücklich. Die sitzen gerade zusammen und überlegen, was sie mit dir machen. Was sie mit deiner Unfähigkeit machen, dich zu benehmen, wenn du nicht gerade auf dem Eis stehst.“ Rasners Stimme blieb flach. „Mein Telefon steht seit sieben Uhr nicht mehr still. Der Geschäftsführer, die Ligavertreter, der Sportdirektor, Journalisten, dein Agent. Wegen dir.“

„Rasner, ich…“

„Du hältst jetzt den Mund und den Kopf unten. Kein Wort mit der Presse. Wenn dich jemand anspricht: lächeln und weitergehen. Microphon oder Kamera? Weiter Bogen. Verstanden?“

„Ja, aber…“

„Ich hab noch nicht fertig geredet.“

Kurze Pause.

„Ich muss Statements vorbereiten, Journalisten vertrösten und so tun, als hätten wir das im Griff. Während du dich jetzt wie ein Musterschüler verhalten wirst. Ist das klar.“

„Ja, is klar!“

„Ich ruf dich später an. Rühr dich nicht. Sag nichts.“

Pause.

„Das nächste Mal, wenn du ausgehst – lass das um Gottes Willen deinen Hosenstall zu.“

„Okay“

„Und noch was. Vogt – ich weiß, dass du zuhörst. Weil ihr zwei immer zusammen hockt. Halt ihn an der kurzen Leine. Leg ihm von mir aus ein Hundehalsband an und schlepp ihn nach Hause, bevor es wieder eskaliert!“

Er legte auf.

Das Handy lag still auf dem Armaturenbrett. Draußen zog die Straße vorbei.

Vogt stieß einen langen, langsamen Pfiff aus.

„Bruder.“ Er schüttelte den Kopf. „Du steckst so was von in der Scheiße.“

Noah ließ den Kopf nach hinten fallen.

„Ich weiß, Bruder!“

Vogt bog auf den Parkplatz des Sadions, und Noah saß noch immer mit dem Handy auf dem Oberschenkel und starrte auf den schwarzen Bildschirm.

„Du musst da jetzt rein“, sagte Vogt.

„Ich weiß.“

„Bauer wartet wahrscheinlich schon.“

„Ich weiß.“

„Ist dir klar, dass dein Wortschatz heute extrem beschränkt ist?“

„Ich … Ja ist mir klar“

Vogt stellte den Motor ab. „Soll ich noch was sagen, oder …“

„Nein.“ Noah öffnete die Tür. „Lass uns einfach reingehen.“‘

Sie kamen nicht mal bis zur Umkleide. Coach Bauer stand im Flur, die Arme verschränkt, die Kinnlade so angespannt, dass es nicht unwahrscheinlich erschien, dass er auf etwas besonders Zähem kaute. Er war Mitte fünfzig, breit, grau, und hatte das Gesicht eines Mannes, den in seinem Leben nichts mehr überraschte. Aber es würde ihn ärgern. Und Coach Bauer ärgerte man nicht ungestraft.

„Snyders.“

„Coach …“

„Büro. JETZT!“

Und das war keine Einladung.

„Ich bete für dich, Bro“, flüsterte Vogt ihm noch zu und verschwand in Richtung Umkleide. Noah folgte Bauer den Flur entlang, in das kleine Büro für die Trainer des Gästeteams, in dem es nach Kaffee und altem Papier roch. Bauer schloss die Tür, stellte sich hinter den Schreibtisch und sah ihn an. Lange. Lange genug, dass es unangenehm wurde.

Dann fing er an.

Es dauerte lange acht Minuten. Noah wusste es, weil er auf die Uhr an der Wand starrte und anfing dem Minutenzeiger zuzusehen, wie er elend langsam weiter wanderte. Bauer redete über Professionalität, über Außenwirkung, über das, was ein Spieler diesem Klub schuldet, über das, was er sich selbst schuldet, über den Unterschied zwischen Privatleben und dem, was man auf Fotos im Internet macht, über Verantwortung, über Reife, über die Tatsache, dass Snyders kein Zwanzigjähriger mehr war, der das erste Mal im Profikader stand, sondern ein Star-Center mit Vertrag und Öffentlichkeitswirkung und dem entsprechenden Erwartungsdruck und dem, was dieser Klub nicht brauchte: nämlich genau das hier.

Snyders sagte nichts. Was hätte er denn sagen können?

Dann wurde Bauers Ton ruhiger. Noah ahnte, dass er jetzt zum Kern der Sache kommen würde.

„Du bist Kapitän dieses Teams.“ Er ließ das einen Moment stehen. „Weißt du, was das bedeutet? Das bedeutet, dass du nicht nur für dich redest. Das bedeutet, dass du dieses C trägst an dem die anderen zwanzig Mann in der Kabine sich orientieren, daran was du tust. Auf dem Eis und abseits davon.“ Er sah ihn an. „Und im Moment orientieren sie sich daran, dass der Kapitän es offenbar nicht für nötig hält, sich auch nur ansatzweise zusammenzureißen, sobald er das Stadion verlässt.“

Snyders hielt dem Blick des Coaches stand.

Bauer lehnte sich auf den Schreibtisch. „Das C ist dir nicht eintätowiert, Noah. Irgendwann kann ich es nicht mehr argumentieren, dass du es trägst.“

Er sagte es nicht laut. Er sagte es nicht mit Nachdruck. Er sagte es beiläufig und genau deshalb saß es.

„Gut. Entscheidung des Managements: Zwei Wochen Gehalt werden einbehalten, gemäß den Bedingungen deines Vertrags. Dein Glück: Die Liga hält sich raus, überlässt es dem Klub.“ Eine kurze Pause folgte. „Und wenn so etwas nochmal vorkommt, kriegst du eine Spiel-Sperre. Ohne Diskussion. Und ich erwarte, dass du dich endlich am Riemen reißt. Nein – dumme Wortwahl bei dir. Lass deinen Hosenstall zu, bleib aus den Medien. Du wirst ein braver und vorbildlicher Spieler sein. Auf dem Eis und abseits davon. Ist das klar?“

Snyders nickte.

„Höre ich ein Ja, Coach?“

„Ja, Coach.“

Bauer sah ihn noch einen Moment an. Dann wedelte er unwillig mit der Hand Richtung Tür. „Umkleide. In zehn Minuten will ich euch auf dem Eis.“

Noah drehte sich um und verließ das Büro.

Coach murmelte vor sich hin. Es klang verdächtig nach „Bring ihn nicht um. Bring ihn nicht um ! Mord ist illegal.“

Noah zitterten die Knie, nachdem er das Büro verließ. Er hatte keine Wahl, als damit aufhören, seinen Ruf auf diese Art zu festigen. Jetzt stand auf dem Spiel, was er am meisten auf der Welt liebte: Eishockey.

Die Kabine war laut, wie immer. In dem Moment, da Noah durch die Tür trat, wurde es für eine halbe Sekunde absolut still – genau lange genug, um zu wissen, dass sie es alle mitbekommen hatten.

Dann fing Brügger an zu klatschen.

Langsam, theatralisch, wie bei einer Preisverleihung. Zwei, drei andere stimmten ein, jemand pfiff.

„Da ist er.“ Brügger breitete die Arme aus. Er war groß, rotblond, und besaß die Selbstbeherrschung eines Labradors. „Der Mann der Stunde. Zwei Frauen gleichzeitig, Snyders. Ich zieh meinen Hut.“

„Halt die Klappe, Brügger.“

„Nein, ernsthaft. Ich steh bei dreiundzwanzig, aber du machst das mit mehr …“ er suchte nach dem Wort, „ … Enthusiasmus.“‘

„Na ja.“ Brügger grinste. „Die Fotos sind nicht schlecht, muss ich sagen. Du siehst da ziemlich beschäftigt aus.“

Snyders öffnete seinen Spind und zog sich sein Shirt aus. Sie zogen weiter über ihn her, er ließ es laufen, weil es keinen Sinn hatte, dagegen anzureden, und in zwei Tagen würde sie über ein anderes Thema reden. So funktionierte eine Kabine nun mal.

Vogt stellte sich zu ihm „Wie weit hat dir der Coach den Arsch aufgerissen?“

„Bis zum Kragen.“

„Autsch. Tut mir leid Bro. Und die Strafe?“

„Zwei Wochengehälter. Wenn ich ab jetzt brav bin. Aber die Strafe von Coach krieg ich wohl erst jetzt.“

Noah sollte recht behalten. Auf dem Eis wartete Bauer auf das Team. Er war die personifizierte Wut.

Snyders merkte nach den ersten Minuten, dass das heute kein normales Training war.

Während der Rest der Mannschaft die üblichen Abläufe fuhr, schickte Bauer ihn immer wieder los. Ohne Kommentar. Nur Pfiff, Puckkontrolle, Pfiff, Sprints, Pfiff, Kantenarbeit, Pfiff, Sprints, Pfiff nächste Übung, immer weiter. Bauers Blick blieb an ihm hängen.

Er war mehr auf dem Eis als alle anderen. Pausen gab es kaum.

Nach einer Stunde brannten die Lungen.

Nach eineinhalb waren seine Beine wie Blei.

Dann skatete er zur Bande, zog den Helm ab und übergab sich in die Spielerbank.

Es kam schnell und ohne Vorwarnung.

Vogt war sofort da, hielt ihm wortlos einen Kübel hin.

Snyders würgte noch einmal, dann richtete er sich langsam auf.

„Du hast es wirklich übertrieben“, sagte Vogt leise. „Und du hast recht. Coach straft dich ab.“

Snyders wischte sich den Mund.

„Er hat gedroht, mir das C wegzunehmen.“

Vogt zog die Augenbrauen hoch.

„Dann ist er richtig angepisst.“

Vogt nahm den Kübel zurück und sah ihn an. „Du solltest echt leise machen. Bis sich das alles beruhigt hat.“

„Das hab sogar ich verstanden.“

Auf dem Eis pfiff Bauer.

„Schluss für den Moment. Cool-Down. Dann unter die Dusche und zurück ins Hotel. Esst eine Kleinigkeit und ruht euch aus. Um 18:30 sind alle wieder hier.“

In der Kabine redete keiner Noah an. Aber er konnte ihre Blicke auf sich spüren.

Er hatte sich fast fertig angezogen, als er gerufen wurde.

„Noah – kommst du mal?“ Coach Bauer winkte ihn zu sich auf den Gang.

Noah ging langsam zu ihm. Der Coach schloß die Tür zur Kabine.

„Ich hoffe, du hast den Ernst der Situation verstanden.“

„Ja, Coach.“

„Rasner wollte dass du mit einigen ausgewählten Reportern sprichst. Ich hab das abgewürgt. Aber draußen vor dem Eingang steht die Meute und hoffrt, dass sie dich abfangen können. Du wirst beim Lieferanteneingang rausgehen. Ein Wagen wartet dort auf dich und bringt sich ins Hotel. Schlaf ein paar Stunden. Ich erwarte, dass du beim Spiel heute Abend Höchstleistung bringst. Ich will das beste Hockey sehen, zu dem du fähig bist.“

Noah nickte. Bauer zog eine Braue hoch.

„Ja, Coach!“

Bauer drehte sich um und ging den Gang hinunter.

Als er in sein Hotelzimmer kam, schaffte er es gerade noch den Wecker zu stellen, bevor er in auf das Bett fiel. In seinem Kopf wirbelte noch die Strafpredigt von Bauer. Er kann mir das C nicht wegnehmen, war sein letzter Gedanke. Dann sank er in tiefen Schlaf.

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Eins vorweg, erst liegt dass Smartphone auf der Amatur, dann auf seinem Schoß.
Der Anfang ist lebendig, realistisch.Und Noah ist echt ein Arsch. Aufgrund der anderen Textausschnitte weiss ich ja mittlerweile etwas mehr über ihn und seine Motive. Ich persönlich halte das für einen guten Einstieg. Das ist das Bild, welches andere zu Beginn von ihm haben. Und wenn ich den ursprünglichen Prolog oder Text als möglichen Epilog im Kopf habe, schliesst sich der Kreis. Ah, ich meinte nicht die letzte Epilog/Prolog- Sache, sondern den Text mit der Bande, den du früher eingestellt hast.

Als Kind galt mein erster Blick in ein ersehntes Buchgeschenk dem Schriftbild, an dem ich sofort erkannte, ob ausreichend Dialoge enthalten waren, denn Textblöcke schreckten mich ab. Nun – man wird erwachsen.

Ich weiß, dass das kritische Totschlag-Argument ‚show, don´t tell ') allzu gerne (und für meinen Geschmack zu häufig) angewandt wird. Nun könnte man daraus folgern, dass der galoppierende Einsatz von Dialogen dieses Problem behöbe und für Tempo sorgte, doch leider gilt das nicht generell. Hier ist mir persönlich (und das ist nur eine winzige Meinung von vielen) zu viel des Guten geschehen, und ich fühle mich mich wie jemand, der unfreiwillig in den Öffis, im Laden oder auf der Straße Zeugin sehr privater, aber umso lauterer Gespräche wird. Es gibt Dinge, die muss/will ich nicht wissen.

Ich beiße mir gerade die Zähne aus an einem extrem dialoglastigen Roman, der intensiver und packender geworden wäre, hätte die Autorin sich mutig von ‚Geplänkel’ getrennt. Dialoge oder Nachrichtenwechsel in Echtzeit, die weder etwas für die Geschichte, noch für die Stimmung tun, sind für Leser sehr anstrengend! Ich sehe kein Theaterstück oder eine Sitcom, sondern lese einen Roman und In diesem Fall ziehe ich angemessenes ‚tell‘ vor, denn dein erzählenden Passagen empfinde ich weitaus dichter.

Deine Geschichte klingt interessant, so interessant, dass ich weiterlessen würde. Allerdings nicht so, wie sie in dieser Form hier steht. Ich geh mal der Reihe nach durch und versuche zu veranschaulichen, was mich persönlich aus dem Lesen reißt:

Die Namen. Einmal Noah, einmal Snyders. Vorname und Nachname, soweit klar. Allerdings schreibst du in der 3. Person aus Noahs Perspektive. Ich würde entweder bei Noah oder Snyders bleiben.

Dann, für meinen Geschmack, zu viele Namenserwähnungen.

Eine Szene mit gleichgeschlechtlichen Charakteren verlangen eine klare Zuweisung, ja, allerdings ist das schon recht viel. Das liegt vor allem auch an dem Stil, der dir hier ein Bein stellt. Das wäre meine 3. Anmerkung. Mir fehlt der flüssige Übergang, aktuell klingt es wie eine Aufzählung, ein Bericht darüber, was passiert und daher fehlen mir auch Emotionen. Es ist alles recht nüchtern. Joa das passiert halt, danach dann das und dann das.

und mein letzter, undramatischer aber auffälliger Punkt :slight_smile:

Ich nutze zwinkern inflationär und brauchte erst jemanden, der mich darauf aufmerksam machte :wink:


Vieles was ich zitiert habe überschneidet sich mit den einzelnen Punkten. Ich würde mal das Beispiel hier nehmen.

Du neigst dazu, Sätze mit den Namen zu beginnen. Dann hast du natürlich das Problem, dass es repetetiv wirkt und eben nach „Und dann passiert das“ klingt.
Du könntest die Sätze umstellen und so flüssigere Übergänge schaffen.

Bauer sah ihn noch einen Moment an, ehe er mürrisch mit der Hand in Richtung der Tür wedelte. „Umkleide. In zehn Minuten will ich euch auf dem Eis.“
Mit zusammengebissen Zähnen drehte sich Noah um und trat aus dem Flur. Der Puls pochte in seinen Ohren, vermischte sich mit dem dumpfen Gemurmel, das aus dem Büro drang. „Bring ihn nicht um. Bring ihn nicht um ! Mord ist illegal.“

„Ja …“ Vogt machte eine Handbwegung, die das Zimmer umfasste „ … aber noch nie – so!“ Er stockte, als sein Blick über den Raum flog und auf der Frau (bitte schreib nicht Mädchen) im Bett stehenblieb. Sie saß aurecht, hatte das Laken bis unters Kinn gezogen und lächelte verhalten, als Vogt seinen Becher in ihre Richtung hob.

Ja, ich weiß, ganz unterschiedlicher Stil und auch nicht Literaturpreisverdächtig, aber du weißt hoffentlich, was ich meine.

Wie gesagt, die Story klingt interessant und das hier ist nur meine Meinung. :slight_smile:

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Eine interessante Meinung :slight_smile:

Noah verwende ich als Erzähler. In der Kabine und zwischen Spielkameraden ist (oder war zumindest damals) der Nachname oder ein Spitznname für die Ansprache usus.
Ein paar Ansprachen kann man kürzen - das sehe ich jetzt auch.

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Ich bin kein großer Dialogschreiber. ich tue mir mit Erzählungen leichter, da ich da auch Subtext und Kontext vermitteln kann und auch viel mehr Athmosphäre rüberbringe. Allerdings hat man mir in den letzten Wochen immer wieder und derart heftig „Show - don’t tell !!!“ um die Ohren gehauen, dass ich es versucht habe.

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Ich finde, dein Stil bringt das Kunststück fertig (oder kommt ihm nahe) Gedankenstrom-Erzählweise mit der Perspektive der dritten Person zu verbinden. Nicht überall perfekt, aber mich hat es mitgenommen.

Die Sache mit dem Anreden per Nachnahme ist mir von der Bundeswehr noch bekannt. Insofern habe ich das sofort verstanden. (Das mit der Bundeswehr ist zwar lang her, aber die Umgangsform ist auch in anderen, männerdominierten Bereichen nicht unüblich. Vielleicht ein Männerding.)

Hier und auch bei dem anderen Vorschlag kann ich nicht zustimmen. Gerade der Eindruck der Wiederholungen, also dies Repetative, macht für mich einen Teil des Reizes aus. Dieser würde beim alternativen Vorschlag verloren gehen.

Insgesamt finde ich den Abschnitt sehr gelungen. Ein bisschen Feintuning hier und da und es sollte so funktionieren. Vielleicht auch noch ein bisschen kürzen. Z. B. Bei der Strafpredigt des Coaches. Was er alles erwähnt, kann nach der Hälfte mit einem „Na das übliche halt“ abgekürzt werden. Immerhin nimmt Noah die Argumente auch nicht ernst. Die Sache mit dem „C“ ist für ihn das wichtigste.

In Erinnerung an die Olivgrünen sage ich da mal: „In Ordnung, weitermachen.“
:saluting_face:

Mit dem „show don’t tell“ ist das so ne Sache. Zu viel kann einem Text genauso schaden wie zu wenig, es gilt hier wie auch bei der ganzen Schreiberei: Man muss den passenden Mittelweg finden und wissen bzw. erfühlen, wann man was in welcher Dosierung anwendet.

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Meiner Meinung nach sollte man in erster Linie beim Schreiben seiner ureigenen Stimme folgen. Ein und dieselbe Story wird von Erzähler zu Erzähler individuell ganz unterschiedlich wiedergegeben. Wir haben ein unterschiedliches Vokabular und unterschiedliche Biografien, die ebenfalls Einfluss haben. Leser durchschauen es, ist man nicht authentisch. Natürlich lernen die meisten von uns noch dazu und feilen am Ausdruck und am Stil. Und es gibt sicherlich beachtenswerte Basics, die es zu berücksichtigen gilt.

Aber ich staune nicht selten, wie leichtfertig oft ein Text mit dieser Lieblingsphrase (vielleicht weil sie schick und ungemein professionell klingt) abgeurteilt wird. Oft berechtigt, aber eben nicht in jedem Fall. Eine Frage des Augenmaßes und des Geschmacks, wie es scheint. Letztlich ist ein kompletter Roman doch nur eine Behauptung des Autors, egal wie viel ‚show‘ oder ‚tell‘. Glaubhaft soll das Geschriebene sein, und wenn ich als Autor in aller Kürze behaupte, mein Protagonist habe bspw. entsetzliche Angst, so kann das im Einzelfall intensiver nachempfunden werden, als wenn ich stattdessen ellenlange Dialoge, Gespräche, Beschreibungen dieses elementaren Zustands verwende.
Im Kinderbuch noch wichtig, kann es im Roman für Erwachsene u.U. sogar naiv, nervig oder unecht wirken. Die Verwendung der Stilelemente ergibt sich aus der Gesamtdramaturgie und einem geschickten Mix. Finde dein ganz persönliches Maß und stehe mutig dazu. Du wirst du nicht jeden erreichen können, und das ist überhaupt nicht schlimm!

Gelungen ist ein Text, wenn das Leser-Ich außer der vom Autor provozierten Wirkung des Inhalts stilistisch nichts unangenehm bemerkt.

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Ganz subjektiv, aber wirklich ehrlich gemeint: Ich mag Traumsequenzen am Beginn einer Erzählung nicht.
Ich fand den Einstieg einer anderen Leseprobe (das Kindertraining) um Längen stärker…
Gerade als Einstieg zu dem Protagonisten.

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Leider passt das chronoligisch nicht als Einstieg in die Geschichte. Dieses Kapitel, dass du ansprichst, spielt ein halbes jahr später. Es kommt dann als Höhepunkt und Abschluß des „aktes“ - wenn man es so nennen will.

Im Vergleich mit deiner ersten Leseprobe, ist das ein meilenweiter Unterschied von der Handlung her. Du hast hier einen Konflikt geschaffen, der in der Sportwelt garantiert realistisch ist und sich über das ganze Kapitel zieht. Zum Ende ziehst du das Tempo ordentlich an. Die Beziehungen zwischen den Personen wird durch die Dialoge sehr gut dargestellt. Besonders die Szene im Büro ist dir hier sehr gut gelungen, man merkt, wie die Luft brennt!
Was aber auf der Stecke geblieben sind die Atmosphäre, die Sensorik und die räumliche Orientierung. Außerdem wirkt Noah größtenteils sehr Emotionslos.
Und wie andere es schon erwähnt haben, ist es zu viel Show! Teilweise wirkt der Text wie ein Drehbuch. Hier wirst du für dich noch die Mischung finden müssen.

Hier noch ein paar Hinweise:
Der Einstieg mit dem Traum ist eine gute Idee, um Noahs momentane innere Welt im Bezug auf Eishockey dazustellen. Nur wirkt er selbst hier im Traum recht emotionslos. z.B. suche ein anderes Verb für „laufen“, das nach getrieben/ schnell/ tempo klingt.

Ich selber nutze auch gerne Träume, um eine andere Seite meiner Figuren zu zeigen, nur manchmal ist es eine Überlegung wer, ob ein Traum wirklich notwendig ist. Wenn du gleich mit der folgenden Stelle einsteigst, dann ist der Leser gleich in der Handlung.

Ich muss Amirapewpew zustimmen, den erzählenden Teil schreibst du überwiegend nach dem Schema „S, P, O“ Das klingt schnell nach Protokoll/ einem Bericht. Versuche den Satz so umzustellen, dass die handelnde Person nicht immer das Subjekt, sondern auch mal zum Objekt wird. das schafft Abwechslung beim Lesen.

Daraus würde z.B.

Er öffnete die Tür einen Spalt. Im Flur stand Vogt in Trainingsjacke und mit Kaffeebecher in der Hand und sah ihn wie ein Arzt an, der seinen Patienten begutachtete. Jetzt grinste er breit. „Du hast verschlafen.“

Noah wird durch das Klopfen aus dem Tiefschlaf gerissen, Durch dieses Bild ist klar, dass er zumindest noch nicht angezogen ist. Das Noah nackt ist, könntest du hier streichen, das wird wenige Sätze später deutlich.

Noah öffnete die Tür und trat einen Schritt zur Seite. „Komm rein. Ich brauch fünf Minuten.“
Sein Kumpel Vogt schaute an ihm hinunter: „Zieh dir bitte was an! Deine einäugige Schlange starrt mich an.“

Hier eine Frage: Würde Voigt wirklich „Bitte“ sagen?

Das mit dem Namenswechsel von Noah beim erzählenden Text ist auch verwirrend, nenne ihn hier bei einem Namen. In Dialogen sprechen die anderen ihn natürlich mit Nicknamen, Nachnamen etc. an.

Die Formatierung solltest du auch nochmal bearbeiten, denn da du Gesagtes häufig vom erzählenden Text der dazugehörigen Person trennst, wirkt die Erzählung doch sehr gehetzt! Hier ein Vergleich.

Noah würgte noch einmal, dann richtete er sich langsam auf.
„Du hast es wirklich übertrieben“, sagte Vogt leise. „Und du hast recht. Coach straft dich ab.“
Noah wischte sich den Mund. „Er hat gedroht, mir das C wegzunehmen.“
Vogt zog die Augenbrauen hoch. „Dann ist er richtig angepisst.“
Vogt nahm den Kübel zurück und sah ihn an. „Du solltest echt leise machen. Bis sich das alles beruhigt hat.“
„Das hab sogar ich verstanden.“
Auf dem Eis pfiff Bauer. „Schluss für den Moment. Cool-Down. Dann unter die Dusche und zurück ins Hotel. Esst eine Kleinigkeit und ruht euch aus. Um 18:30 sind alle wieder hier.“

Wie angedeutet fehlt in dem Text hier und da auch die räumliche Orientierung. z.B. Wer befindet sich wo im Raum? Wie kommt die Person von A nach B? Wie/ Von wo werden Gegenstände bewegt? Kann Noah das überhaupt sehen?

Hier hast du z.B. so einen räumlichen Logikfehler inklusive Perspektivwechsel drin!
Denn der Blick ins Zimmer ist hier aus Vogts Perspektive, Noah dreht sich erst danach zur Blondine um.

Das alles waren Hinweise von mit im Sinne von: So würde ich das machen!
Vielleicht stimmst du nicht allem zu, weil du dein Bild von dem Kapitel hast und es ist auch wichtig bei all denn Hinweisen dir treu zu bleiben.

Wenn du das Kapitel nochmal überarbeitest, überlege für dich:
Was dir an der Szene wichtig ist. Kann der Leser das verstehen/ sich das bildlich vorstellen?
Dann worauf legt Noah in der Szene den Fokus? Was fühlt Noah? Wie kann er das Gefühl nach außen zeigen, statt es einfach nur benennen? Werden bei ihm bestimmte Sinne (Sensorik) angesprochen? Nimmt er was bestimmtes wahr? Wie nimmt Noah in dem Moment seinen Gegenüber wahr? Fällt ihm eine Bewegung/ Mimik auf? Wenn ja, dann zeige das, wenn du es selbst für richtig an der Stelle hältst.

Mit jedem Wort, dass du schreibst, lernst du dazu und entwickelst deinen eigenen Sprachstil für die Geschichte. Wenn dann der vermeidlich letzte Satz geschrieben ist, wirst du wieder vorne anfangen und selbst merken, wo es für dich hapert. Es ist schlussendlich deine Stimme, die du hier zu Papier bringst.

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Noah wirkt emotionslos, weil er zu diesem Zeitpunkt emotionslos ist. Er ist ausgebrannt, erschöpft, innerlich ziemlich leer.
Das einzige, was ihm wirklich etwas bedeutet, ist Eishockey. Und sein Studium. Das kommt später, in den nächsten Kapiteln raus.
Er ist zu dieser Zeit an einem Punkt, wo ihn sein Leben hinter einer Fassade ausgelaugt hat. Deswegen wirkt er distanziert, emotional unerreichbar.
Das wollte ich aber nicht gleich im ersten Kapitel rausschmeißen. Da ist er schlicht ein Arsch. Ein ziemlich unsympathischer Arsch. Zumindest Frauen gegenüber

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Vielleicht lässt du dich zu sehr vom show don‘t tell gängeln? Wenn du an einer Stelle Kontext brauchst und sich dies erzählend besser darstellen lässt, dann tu das.
Gerade den Kontext bilden ja eher die harten Fakten. Ich finde, die darf man auch mal direkt und ohne Schnörkel als gegebene Tatsache in den Raum werfen, wenn es die Handlung erfordert. Hingegen Atmosphäre und Subtext lässt sich ganz gut latent abbilden, da kannst du dich genug im show austoben.
Ich habe so ein bisschen den Eindruck, hier werden Dialoge und show don‘t tell in einen Topf geworfen.
Dialoge sind aber per se nicht show und erst recht kein adäquates Mittel um das tell zu umschiffen.
Ansonsten wurde ja das Wichtigste schon angesprochen, wovon aber Einiges reine Geschmacksache ist. Da wirst du es nie allen Lesern recht machen können.
Zwei Dinge sind mir (subjektiv und damit auch nur Geschmacksache) aufgefallen:

  1. Beim ersten Kapitel befinden wir uns rein dramaturgisch ja in der Exposition. Man kann da von den gängigen Konventionen durchaus abweichen, solange dein Plot so aufgebaut ist, dass du (über die gesamte Story gesehen)einen entsprechenden Spannungsbogen hinbekommst.
  2. Und das ist jetzt wirklich keine Kritik, sondern rein persönliches Empfinden! Also bitte nicht böse sein! Aber die Darstellung deiner Figuren aus dem Profisport und vor allem die der „Puk-Bunnys“ wirkt auf mich ziemlich platt, klischeehaft und verallgemeinert. Meine Quintessenz aus deinem ersten Kapitel: Alle Eishockeyspieler denken nur ans Vögeln und es muss für eine Frau die absolute Erfüllung sein, von einem solchen gevögelt zu werden, selbst wenn er am nächsten Morgen nichtmal mehr ihren Namen weiß…
    Sicher hasst Du Dir bei dieser überspitzten Darstellung was gedacht und das war gewollt so. Aber mich wirft das im Rahmen einer Einleitung voll raus aus der Geschichte.
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Es ist überspitzt, ja.
Aber es gab (gibt?) diese Puck-Bunny Szene wirklich. In den USA viel stärker, als on DE. Die haben sich genauso Kerben in die virtuellen Bettpfosten geschnitzt, wie manche Spieler. Sicher waren nicht alle Spieler so. Eher nur ein recht kleiner Teil. Viele waren verheiratet oder hatten Freundinnen, denen sie auch treu waren. Aber das alles in die erste Szene zu packen wäre echt zuviel gewesen.

Nicht ohne Grund hatte ich das noch in meinem Kommentar nachträglich ergänz gehabt. Und ich gehe mit dir mit, dass man im ersten Kapitel nicht alles gleich verpulvern möchte.

Solltest du den Prolog, mit dem bisherigen Inhalt hiervor setzen, dann kennt der Leser den mentalen Zustand und dann würdest du mit diesem Kapitel den „Arsch“ aus dem Prolog untermalen.

Aber ich muss auch zurückrudern! Das Kapitel hat durchaus Atmosphäre! Durch die großen Abstände wirkt der Text sehr „gestückelt“ und da sind mir diese Stellen glatt durch die Lappen gegangen. Und da du seine Emotionen nicht auf dem Silbertablet servieren möchtest, fehlt hier die Sensorik zu recht.

Und so emotionslos ist Noah gar nicht! Du hast sie einfach in die Dialoge mit eingebaut Er ärgert sich über das Verschlafen; ist irgendwie genervt von seinem Kollegen, der so viele über das eine Thema redet; … seine Hilflosigkeit, als das Donnerwetter über ihn hinein brachte, dann seine Hingabe auf dem Eis, wo er bis ans Limit geht.
Ja, zu Beginn des Kapitels ist er der Arsch, aber durch sein „Leiden“ (wenn es auch selbstverschuldet ist) gewinnt er zum Ende des Kapitels Sympathiepunkte, denn so egal ist ihm zum Schluss alles gar nicht - Er will ja die Kapitänsbinde behalten!
:+1: :+1: :+1:

Unterm Strich bleibt von meiner vorherigen Anmerkung im Grunde nur noch der Hinweis, die räumliche Orientierung deiner Figuren an einzelnen Stellen nochmal zu überprüfen (z.B. Wie sie sich durch den Raum bewegt).

Ach noch eine Frage: Ist das Telefonat im Auto das, wo du nicht wusstest, wie du es kürzen solltest? Wenn ja, ich merke nicht, dass da was fehlt! Denn dass Noah hier über den Mund gefahren wird passt!

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Ich habe das auch verfolgt, aber mich zurückgehalten. Es sind nicht immer nur Weisheiten, die man hier präsentiert bekommt. Sorg dafür, dass du weiterhin spannend und süchtig machend erzählst, wie in deinem ersten eingestellten Teil (das an der Bande), und man wird dir das Buch aus der Hand reißen. Machst du es hier jedem recht, wirst du scheitern und dein Roman, wie die meisten anderen hier auch, untergehen.

Du darfst auf jede Art schreiben, nur nicht auf die langweilige. (Voltaire)

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Ja , du machst instinktiv so viel richtig. Hinterfrage nicht alles. Ich mag deine Erzählstimme und folge deinen Texten sehr gerne.

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