Liebe Schreibkollegen,
gerade arbeite ich an einem Kapitel mit einer isolierten Figur. Da er an diesem Ort keine Vertrauten hat (und vorsichtig agieren muss) finde ich es gerade auf allen Ebenen sehr schwierig. Habt ihr Tipps, wie man dieses Problem stilistisch gut lösen kann?
Die Konstellation ist: Die Figur (HaOran) ist an einem abgeschiedenen Ort (Kloster).
Dort ist er in der Hierarchie ganz oben.
Er hat keine Vertrauten. (u. ist nicht der Charakter, der Freundschaften schließt)
Er ist in Gefahr. (sein „Doppelleben“ wäre fast aufgeflogen)
Er muss handeln.
Aber wie zeige ich ihn, seine Pläne, seine Überlegungen? Soll ich in seinen Kopf einsteigen, wie ein Gedankenleser? Das gefällt mir nicht.
Ich habe mir überlegt, dass es ein unschuldiges „Opfer“ seines Misstrauens gibt, um seine Unruhe zu zeigen. Und ich könnte einen „echten“ Spitzel einführen, aus dessen Perspektive ich „beobachten“ kann. Und ich lasse HaOran eine Art „Wachhund“ zukommen…
Gibt es etwas, woran ich NICHT gedacht habe? Hat jemand noch eine zündende Idee?
Ich würde ihn einfach überlegen lassen. Seine Pläne, Befürchtungen u.s.w. kannst du ja einfach als Gedanken formulieren, das liest sich dann im Grunde wie ein Dialog, der als Selbstgespräch abläuft.
So vielleicht:
Seltsam, Bruder Heinzelmann wirft mir die ganze Zeit so eigenartig wissende Blicke zu, ob er etwas ahnt? Ich sollte den Plan noch einmal genau prüfen, nicht dass ich etwas übersehen habe. Und was den Heinzelmann angeht, ich muss ihn genau im Auge behalten, und mir, falls es wirklich hart auf hart kommt, die entsprechenden Konsequenzen überlegen …
Ich sehe es wie Yoro
In welcher Perspektive schreibst du bisher? Nur Dialog und Handlung, ohne innere Gedankengänge? Vielleicht bekomme ich dann eine Idee …
Du könntest ihm eine ‚Stimme in seinem Kopf‘ geben. Ich habe das mit ‚der Angst‘ ™ gemacht, als mein Kiddo allein nachts im Bett lag… (Kinderphantasien).
Ein Gott, der zu ihm spricht, ein verstorbener Vertrauter, ein Meister, ein fiktives Wesen…
Bisher halte ich mich aus allen Köpfen raus. Meinungen/ Pläne usw werden im Dialog geäußert oder durch Mimik/ Gestik/ Handlung gezeigt.
Eben. „Innerer Dialog“ (s. o.) ist ja recht lebendig…
Liebe @Antje6 ,
du sagst selber, er muss handeln. Dann lass ihn handeln. Daran sieht man auch nach und nach, was er geplant hatte. Seine Überlegungen würde ich einfließen lassen, nur wenn nötig. Dann kann er ja mal vor sich hinmurmeln: „So! Das mache ich jetzt so …“ Oder träumen. Oder mit einem Klosterhund/Katze quatschen. Oder, oder, oder …
Hilft das?
LG ![]()
Doch es hilft. Dankeschön ![]()
Ob die Idee zündend ist, kann ich nicht sagen. Ich würde das Empfinden, seine Emotionen in den Text einfließen lassen. Was fühlt, sieht, hört, riecht, schmeckt er?
Ich habe keine Ahnung von deiner Geschichte und der Text soll nur ausdrücken, was, mit Emotionen einbauen gemeint ist. ![]()
Vielleicht bringt dich das auf neue, andere Ideen. ![]()
HaOran spürte, dieses unangenehme Kribbeln in der Magengegend, das ihn schon den gesamten Nachmittag begleitete. Es war ein Gefühl, das sich mit jeder Stunde verstärkte und ihn an die Unsicherheit seiner Lage erinnerte. Beinahe wäre sein Doppelleben entdeckt worden und der Gedanke daran ließ ihn immer wieder aufhorchen. Die immer stärker werdende Angst lähmte seine Schritte und machte es ihm schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Vorsichtig schlich er an der kalten Klostermauer entlang, wobei er darauf achtete, jeden Laut zu vermeiden. Er muss Prinzessin NAME retten, das hatte er ihrem Vater, dem König von SOUNDSO, am Totenbett geschworen. Dieser Schwur war nun sein einziger Halt und bestimmte jede seiner Handlungen. In der heutigen Neumondnacht würde er das Seil mit dem Dreizack noch einmal nach oben werfen, vielleicht würde es ihm heute gelingen, die oberen Räume des Klosters zu erreichen und seinem Ziel ein Stück näher zu kommen.
Die Idee von Schreibfuchs finde ich gut. Bei seinem Vorschlag kann ich die Gefühle, Gedanken…etc. richtig spüren. Wie sagt man immer. Das regt das Kopfkino an. ![]()
In solchen Situationen lasse ich die Person gerne in zweiter Person mit sich selbst sprechen, um zB sein eigenes Verhalten zu reflektieren. Seine Beweggründe.
lg/Peter
Daran dachte ich auch. Aber es würde nicht zu ihm passen. (Er redet nicht gern und wenn, dann sehr „ökonomisch“.)
Welche Perspektive hast Du denn, so ohne Zutritt ins Innere?
Wenn 1. oder 3. Personal, dann kommst Du ja gut in den Kopf. Denken tut jeder, selbst der Maulfaulste und Unkommunikativste. Das hat dann auch nichts mit Show don‘t tell zu tun - tell wäre ohnehin auch nichts Schlimmes …
Hallo@Cato_K
3. Person auktorial.
Im Prinzip könntest Du dann schamlos in den Kopf gucken und ungefiltert (!) aufschreiben, was Du siehst. Dann wirkt es auch nicht unbedingt nur getellt - was aber auch nicht schlimm wäre.
Okay, eine Idee wäre er sitzt an einem Schreibtisch und plant. Er könnte zum Beispiel eine Karte zeichnen, dann »Nein« rufen und das Papier zerknüllen und dann in die Leere starten. Er erneut versuchen, die Feder zu stark aufdrücken und herumkleckern. Die Kerze fallen lassen, oder sich das Wachs über die Hände gießen.
Also, zeigen, dass er durch seine innere Erregung Fehler macht.
Dann irgendwann nimmt er seinen Mantel und zieht los. ![]()
Hallo Schreibkollegen,
lieben Dank für eure Tipps. Ich hab mich da mal „rangetastet“ und bin inzwischen so weit gekommen:
(Zuerst etwas Setting/Stimmung und dann …)
Für HaOran wog der Verlust des Observatoriums schwerer, als die drohende Gefahr durch die Seelenfresser. Doch es war verloren und die Gestirne wirkten ferner denn je.
Er lief die steinerne Brüstung entlang zum Hauptflügel. Seine Füße wirbelten den feinen Sand auf, den der Wind vom Strand heraufgeweht hatte. Die Luft schmeckte nach all dem Schnee, der niemals fallen würde, und dem Salz des Meeres.
Wie stets, wenn die Mitte der Strecke hinter ihm lag, gewahrten ihn die Todesvögel. Wie jede Nacht stürzten sie sich hungrig herab und sobald sie erkannten, was er war, flohen sie ,empört schreiend, auf das offene Wasser.
Als die Seitentür zum Hauptflügel hinter ihm ins Schloss fiel, schnitt ihr dickes Holz das tosende Meer und den Sturm ab. So endgültig, wie Zeit die Lebensfäden der Todgeweihten. Er blieb stehen, am letzten Fenster des Ganges und schaute hinaus. Auf Aldhabis Silberstreif wartend, ergab er sich einem trügerischen Frieden, der Stille und den unschuldigen Träumen der Pfänder, bis die Sterne verblassten.
Dann nahm er den kürzesten Weg zu seiner Kammer, bevor die Gewöhnlichen, kaum erwacht, das alte Gemäuer mit lärmendem Leben füllten.
Bei seinem Eintreten zog sich der gefangene Scatean fauchend in die hinterste Ecke des Käfigs zurück. Der Gascoir hob das Gatter vom Boden auf. Wie an all den Tagen zuvor versuchte der Todesvogel, HaOrans Hand zu erreichen. Mit gesträubtem Gefieder hackte er auf den hölzernen Rahmen ein und beruhigte sich erst, nachdem ein dichtgewebtes schwarzes Tuch das Licht der Sonnen von ihm fernhielt.
Der Gascoir wärmte seinen Rücken am Feuer und holte er die Capsa aus seiner Tasche. Mit dem Ärmel wischte er den feuchten Sand ab, um das Siegel zu prüfen. Es wirkte unversehrt. HaOran brach den Verschluss, schüttete den Inhalt auf seine Hand und fischte das gerollte Papier aus dem feinen roten Staub, um es zu lesen.
Sein Gehilfe im Gefolge des Comrac hatte das Mädchen noch immer nicht gefunden.
Was bedeutete das?
Der Gascoir warf den irdenen Zylinder mitsamt den verräterischen Zeilen in das Feuer.
War das Pfand der Spiora wieder in ihrer Gewalt?
Hatten HaEdhs Spitzel sie zuerst aufgespürt?
Die Kapsel platzte laut. Funken fuhren in den Kamin. Wie ein Lavastrom leuchteten die frischen Bruchkanten in der Asche. Mit dem Schürhaken vergrub HaOran die Überreste unter dem Glutstaub.
Und ein Gedanke sickerte in seine Glieder, versteifte sie:
Oder war da noch jemand? Jemand von dem er nichts wusste?
Unmöglich!
Er nahm sich zusammen und schüttelte die Sorge ab wie Ungeziefer.
„Gascoir?“ Die Stimme seines Dienstboten schreckte ihn auf.
„Tritt ein“, antwortete HaOran. Der Scatean unter dem Tuch regte sich.
Foscos Blick klebte am Käfig des Seelenfressers, der die Angst des Gewöhnlichen zu spüren schien und leise jammerte.
„Stell es auf den Tisch.“
Als der Diener sich bewegte, sprang der Scatean schreiend gegen das Gitter des alten Hühnerkäfigs. Zur Salzsäule erstarrt, blieb der Mann stehen. Der Deckel des Milchkruges klirrte leise im Rhythmus seiner zitternden Hände.
„Geh schon. Solange er eingesperrt ist, kann dir nichts geschehen.“
Sobald Foscos eilige Schritte auf Gang verklungen waren, wandte sich HaOran seinem dringlichsten Problem zu: Er musste eine Nachricht verfassen und er musste sich eilen. Denn Fiann von Gleannard ließe sich nur lenken, wäre er überzeugt, dass sich seine Tochter in der Gewalt der Abtrünnigen befand und nicht länger ein Pfand der Spiora war.
Hi, hab mich mal versucht. Es ist ein Anfang, der wohl ausbaufähig ist. (hoffe ich)