Im Grunde habe ich knappe 6 Monate gebraucht um diese Erkenntnis zu gewinnen!
Warum Sauerei?
Erst setzt man sich hin, schreibt frei heraus seinen Text runter, bis die ersten Kapitel/ die Fassung fertig ist. Man ist der felsenfesten Überzeugung, dass das gut sei. Dann ließt man sich ein in die Regeln, Erzähltechniken und Verschiedene Überarbeitungsansätze. Die Sätze werden nach besten Gewissen, nach allen möglichen Regeln der Kunst poliert. Schnell stolpert man über das „Show don’t Tell“. Hä, was ist das? Beispiele werden gesucht und was passiert, wenn man nicht aufpasst? Man verbiegt sich und verliert die innere Stimme, die man am Anfang hatte.
Der neue Text wird gelesen und, ja - Show don’t tell ist enthalten. Gut dann mit dem nächsten Kapitel weiter …
Tja, mein augenscheinlicher Schreibstil ist nur zu 50 % Show gewesen! Ich habe mich so sehr auf das äußere Show fokussiert, weil ich das nicht kannte, dass ich das innere Erleben der Figur, was in meinen Rohfassungen ansatzweise enthalten war, einfach gestrichen hatte. Warum? Ich hatte das Show gänzlich falsch verstanden!
Und dann gestern bin ich durch Zufall über die Bezeichnung „erlebte Rede“ gestolpert. Was war das? Das Internet schnell darüber ausgefragt, Beispiele gelesen und meine Aktuelle Fassung damit verglichen und Heureka! So eine Sauerei! Ich muss alle bisherigen Kapitel komplett überarbeiten, denn es fehlte gänzlich die Erlebte Rede!
Kurzer Auszug:
Rohfassung
Entfernte Schritt auf dem Flur nahm sie wahr. Klausi hatte heute den letzten Kontrollgang – kein Sicherheitsrisiko für ihren Plan. Sie hörte genauer hin – er lief heute anders,… Die Schritte waren fast vor ihrer Zellentür. Ein Blitz durchzuckt sie. Schmidt! Er hatte sie auf dem Kicker! Sie legte sich hin. Deckte sich zu. Er sollte bitte weiter gehen.
Nach mehreren Überarbeitungen: (Im Glauben, das sei das Finale)
Schritte erklangen auf dem Flur. 20:45 Uhr – der letzte Rundgang vor der Nachtruhe! Petra atmete tief durch die Nase ein und den Mund aus. Heute schob Karl König den Dienst! Der öffnete nie eine Zellentür ohne triftigen Grund – perfekter Zeitpunkt für meinen Plan!
Ein Räuspern hallte den Gang entlang. Sie fixierte die Tür und lauschte den Geräuschen: abgesetzte Schritte. Das rhythmische Klirren eines schweren Schlüsselbundes. Verdammt, das war jemand anders – Schmidt! Der Mistkerl sollte doch frei haben!
Petras Magen zog sich zusammen. Das Blut pulsierte in den Ohren. So wie der mich auf dem Kieker hat, wird er mir alles vermasseln!
Sie ließ sich seitlich ins Bett fallen, zog die Füße mit den Schuhen dicht an den Körper ran und warf die Decke über sich bis zum Kinn. Heute keine Provokation! Sonst kann ich einpacken.
Nach Heureka!
Auf dem Flur schepperte es. Das Tor der Schleuse.
Es war 20:45 Uhr – der letzte Rundgang vor der Nachtruhe. Petra lehnte sich mit dem Kopf an die Wand und verfolgte aus den Augenwinkeln das Schattenspiel am Boden. Wer hatte heute Dienst? Bärenfeld oder König. Doch wohl nicht …
Ein Räuspern hallte den Gang entlang. Petra richtete sich kerzengerade auf und hielt die Luft kurz an. Schwere abgesetzte Schritte. Ein Schlüsselbund, der im Beat von„We Will Rock You“ klirrte. Verdammt. Das war – Schmidt!
Sie legte sich seitlich ins Bett und warf die Decke über sich bis zum Kinn. Es durfte nichts zu sehen sein. Sie zog die Füße mit den Schuhen dicht an den Körper ran. Sicher war sicher!
Direkt vor der Zellentür verharrten die Schritte und das Metall der Spionblende scharrte. Stille.
„Verschwinde!“, wollte sie ihm entgegenbrüllen, unterdrückte es gerade noch zu einem leisen Zischen.
Ich weiß nicht, warum mir nie aufgefallen war, dass mir diese erlebte Rede fehlte.
Ja, bei anderen Texten fragte ich mich, warum verwenden die das so selbstverständlich?
Warum, weil sie das „Show don’t Tell“ wirklich verstanden hatten und ich nicht!
Jetzt bin ich schlauer und weiß was ich die nächsten Tage zu tun habe - Die erlebte Rede in den Kapiteln ausarbeiten.
Na toll!