Handschrift reloaded

Dazu gibt es tatsächlich eine aktuelle Studie, nach der man sich handschriftlich auf Papier notierte Dinge schneller und besser merken kann als digital erfasste. Und dabei ist egal, ob mit Stift oder Tastatur digital.

Ich schau mal, ob ich den Link noch wiederfinde morgen.

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Prof. Korte, Neurobiologe TU Braunschweig, hat z. B. dazu geforscht. Handschriften aktivieren mehr Hirnareale, als elektronisches schreiben. Das ist belegt und bekannt.
In Irland haben Kinder eine Zeit lang nur elektronisch schreiben gelernt. Nicht nur die Feinmotorik, sondern auch der Wortschatz war bei diesen geringer, als bei der Vergleichsgruppe. Spannend. Aus dem Grund lehne ich KI schreiben noch mehr ab - man würde sein Kreativzentrum und Sprachvermögen vermutlich vollkommen atrophieren lassen.

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Auch auf die Gefahr hin, dass das Thema wieder von KI okupiert wird, möchte ich eine Erfahrung dazu geben. Bei meinen Experimenten mit den GPTs dieser Welt ist mir tatsächlich aufgefallen, dass dort leere Hülsen produziert werden. (ich bin nicht der erste der das feststellt. I know!)

Egal was dort ausgegeben wird, es klingt im ersten Moment logisch, auf den zweiten Blick ist es totaler Schwachsinn. Das hemmt die Kreativität, weil man plötzlich eine 3cm dicke Bleiplatte vor der Stirn hat.

Weiter oben habe ich gesagt, ich schreibe meine Skripte am PC. Ich schreibe auch noch Handschriftlich. Meine ersten Skizzen und Notizen zu neuen Plots oder Geschichten sind immer händisch. Auch Notizbücher mit Gedanken, die mir unterwegs einfallen werden händisch gemalt.
Auf meiner Arbeit bin ich angewiesen, in kürzester Zeit und unter unglaublichem Stress händische Notizen zu fertigen und diese Stunden später in völliger Umnächtung, dann in einen sinnvoll strukturierten Textaufbau einzupflegen. Und das geht, einfach weil ich händisch mitschreibe und allein dadurch sechzig Prozent der Informationen hängen bleiben. Wer schreibt, der bleibt. Das könnte man schon fast bigott nennen.
PC und Bildschirm konnten das gute alte Papier aber auch nichtverdrängen.
Möglicherweise ist es eine Glaubensfrage, bis die Zeit abgelaufen ist.
Fingerfarbe ist ja auch eine Handschrift. :slight_smile:

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Und wie werden wir über räumliche und zeitliche Distanz hinweg kommunizieren, wenn die Technik versagt und wir keinen Zugriff mehr auf erlernte ‚Fingerfertigkeit‘ mehr haben? Beginnen wir grobmotorisch mit dem Faustkeil und arbeiten uns zu den Fingerfarben vor? :grinning:

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Das, ist ein eigenständiges Thema. Viel Philosophie und Nihilismus :earth_americas: :clown_face: :farmer:

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Da musst du die Finnen fragen. Die haben meines Wissens nach die Verpflichtung, Handschrift an Schulen zu lehren, 2016 abgeschafft.
Oder lies Andreas Eschbachs Aquamarin. Da ist auch alles nur elektronisch vorhanden. Fast alles …

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Aber ein sehr spannendes.

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Ich weiß nicht, wie das funktionieren soll

Steno haben wir hier 1998 abgeschafft, ich habs noch gelernt. Aber ich hatte noch nie das Bedürfnis, mir in Steno eine Notiz zu schreiben.

Aber was, wenn ich nun einen ausgedruckten Vertragsentwurf vor mir liegen hab, und ich möchte Anmerkungen machen. Schreib ich das dann alles in Blockschrift, weil ich nie schreiben gelernt hab?

Das kann ja dann jeder entziffern :rofl: meine Handschrift ist ja wenigstens gleich einer Geheimschrift :see_no_evil:

Es ist in Finnland ja nicht verboten. :slight_smile:
Ich weiß auch nicht, wie das auf Dauer funktionieren soll, aber es scheint in Finnland ja zu klappen.

Ich weiß nicht, ob man das schon sagen kann. Die ersten, die das betrifft, sind ja noch nicht „fertig“, sondern immer noch in der Schule bzw in der Lehre.

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Ich plane gern handschriftlich. Auch Apps, die ich programmiere, plane ich gerne handschriftlich, indem ich das Interface aufmale und die Funktionen rankritzele.

Aber große Mengen an Text zu schreiben nervt mich per Hand. (Mal Tagebuch Gedankenfluss ausgeklammert) Am schlimmsten war die Schreibschrift in den 90ern, die wir alle lernten und die immer mies aussah. Wieso haben wir nicht die hübsche Schreibschrift gelernt wie unsere Eltern?. Als ich zur Uni wechselte habe ich zuerst die nervige Schreibschrift hinter mir gelassen und nur noch mit Druckbuchstaben geschrieben.
Da ich später hobbyseitg japanische Schrift lernte, hat sich ein leichter Schwung in meine Buchstaben gelegt - seit dem sieht es nicht mehr so schlimm aus, wenn ich etwas per Hand schreibe und mich bemühe . :sweat_smile:

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Geht mir ähnlich. Handschrift ist super für kurze Notizen, Ideen, die tägliche To-Do-List, Einkaufsliste usw. Aber für längere Texte ist das bei mir nichts. Ich kann nicht so schnell schreiben, wie ich denke und handschriftlich werden die Buchstaben dann immer unleserlicher. Das „n“ degeneriert zur Welle, „a“ und „o“ sind kaum auseinander zu halten und bei manchen Buchstaben weiß man hinterher gar nicht mehr, was es sein soll. Und für das häufige Verschreiben fehlt außerdem die Löschtaste.

Im Übrigen war aber auch die Schreibmaschine für mich kein wesentlicher Vorteil. Tipex-Korrekturen sahen doch nie wirklich gelungen aus. Da bin ich ganz froh über Möglichkeiten, die man heute mit computergestützter Texterfassung hat.

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Ich hatte keine andere Wahl, ich musste meine Tagebücher von Hand schreiben. Nach 25 Jahren schreiben bin ich dann icht mehr auf Elektronik umgestiegen, in der neueren Zeit hat sich meine Handschrift nicht verbessert, aber immerhin auf einem Level eingependelt, um einigermaßen lesbar zu sein.

Ich schreibe sehr gerne mit der Hand, schaffe es aber nicht, einen ganzen Roman mit der Hand zu schreiben, so wie das z. B. Neil Gaiman oder Joe Hill machen. Ich schreibe Szenen und Sketches und Beobachtungen in mein Paper Republic Notizbuch, auf das ich wieder zurückgegriffen habe, nachdem der Moleskine voll war. Das „Merken mit der Hand“ mag ich, auch wenn es nicht wirklich produktiv ist. Es führt mich zu den Wurzeln des Schreibens zurück.

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Nachdem ich mir über die Zeit das Handschriftliche abgewöhnt hatte, zumindest wenn es über ein paar Sätze hinausging, wollte ich unbedingt wieder mehr mit der Hand schreiben. Also legte ich mir vor einigen Monaten ein reMarkable zu. Ein Kompromiss. Eine Brücke - und ich hoffe immer noch, keine Krücke.

Es dauerte nicht lang und ich wurde wieder schneller, die Handschrift lesbarer und auch die Krämpfe in der Hand verschwanden nach einiger Übung. Vermutlich ist das Produkt bekannt. Die Haptik ist recht gut und viel besser als iPAD mit Stift. Die Texterkennung um Umwandlung sind ebenfalls recht brauchbar, doch auch nicht perfekt. Die Vorteile gegenüber klassischen Notizbüchern sind, für mich, dass ich mit dem Text arbeiten kann. Also ausschneiden, verschieben, kopieren, strukturieren, etc. Darüber hinaus kann ich meine Blätter in eine leicht veränderliche Ordnung bringen und durchsuchen. Das war immer mein größtes Hindernis bei einer großen Anzahl an Notizbüchern. Etwas wiederzufinden oder nachträglich zu strukturieren ist schier unmöglich.

Einige der hier bereits genannten Nachteile gegenüber der Tastatur bleiben auch beim reMarkable bestehen. Das Schreiben dauert länger, Korrekturen unterbrechen den Fluss und auch die Nacharbeit oder Überführung benötigt Zeit.

Ich habe für mich noch kein abschließendes Fazit gezogen.

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Die Verbindung zum Unterbewussten ist definitiv handschriftlich stärker herzustellen als über eine Tastatur. Ich habe das bemerkt, als ich für Brainstorming/Cluster auf das Pap.Denkbrett umgestiegen bin. Jetzt bringe ich die Gedanken handschriflich zu Papier und übertrage das, was ich spannend finde, ins Pap.Denkbrett. Dann habe ich alles noch einmal sauber und auf das Wesentliche beschränkt, kann zur Not aber auch die Gedankenblasen im Notizblock noch einmal nachvollziehen. Die Geschichte schreibe ich dann per Tastatur.

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Ich wusste, ich hab was vergessen - hier endlich der Link zur Studie, die ich meinte, allerdings auf Englisch

Frontiers | Handwriting but not typewriting leads to widespread brain connectivity: a high-density EEG study with implications for the classroom

Ansonsten hat der BR hier eine nette Zusammenfassung, wie ich finde
Eindeutige Studien: Darum ist es gut, mit der Hand zu schreiben | BR24

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