Da wir auch in diesem Jahr scheinbar keinen offiziellen Seitenwind bekommen, haben wir uns überlegt, dass wir selbst wieder eine Kurzgeschichtensammlung machen und diesmal unter dem Motto „Halloween trifft Märchen“.Jeder, der Lust hat, kann mitmachen und eine Kurzgeschichte hier posten. Ich denke, die sollte so vielleicht zwischen 1 und maximal 5 Seiten haben, nicht zu lang.Erlaubt sind Horror-Grusel oder Satire-Comedy.
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Yeah. Ich freue mich.
Hier zum Motivieren ein Kürbisbild.
Heute kam die Kürbislieferung. Die stehen im Empfang auf Arbeit.
Mieter können sich einen Gratiskürbis abholen. Kommt jedes Jahr gut an. Besonders die älteren Mieter wollen einen und wuchten den in ihren Rollator.
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Daraus könntest du doch ein Gruselmärchen machen…..Der blutige Rollator oder so
Wie viele Wörter sind das etwa? Oder in Normseiten?
Edit: Ich glaube, ich bin schon raus. So viel kann ich wahrscheinlich nicht kürzen.
Genau, erst halbblind mit dem Rollator durch die Glasscheibe und dann als Untoter mit dem Kürbis im Gepäck durch das Plattenbauviertel.
Wenn es länger ist, ist es auch nicht schlimm. Es war jetzt nur so ein Richtwert.
Das ist voll die schöne Idee. Schnitzt du einen?
Wie viel ist das denn? Hängt ja auch sehr von Schriftgröße und Zeilenabstand ab… Völlig den Rahmen sprengen möchte ich echt nicht. Das wäre mir unangenehm.
Also, wenn Du von fünf Normseiten ausgehst, dann hast Du etwa 7.500 Zeichen, aber es ist eigentlich völlig egal. Wenn Du eine gute Geschichte hast, poste sie ….
Ich mag Kürbis nicht. Brrr.
Und die sind für die Mieter.
Unsere Genossenschaft ist 70 Jahre alt und wird haben noch Mieter im Bestand, die Gründungsersteinzug waren. Also so ca. 68 Jahre dort wohnen.
Du kannst dir vorstellen, wie unser Altersdurchschnitt bei den Mietern ist, oder?
Also du lieferst unbewusst eine Idee nach der anderen zum Schreiben. ![]()
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Leg los, @EffEss.
Dieses Jahr bleibe ich im Hintergrund und lese eure Werke.
In etwa, ja. Die Kürbisse sind aber wirklich eine schöne Idee.
Oki, danke. Ich schau mal, was ich noch kürzen kann, und ob die Story dann noch funktioniert. Ob sie gut ist? Ich weiß nicht. Bin halt im Grunde immer noch eher Anfängerin. ![]()
Wäre jemand von Euch bereit, meine Geschichte Beta zu lesen? Ich lese natürlich gern umgekehrt.
Auf die Geschichte bin ich dann gespannt. Wobei ich dazu auch Ideen bekomme, wenn es um ein altes Mietshaus geht.
Du brauchst nichts zu kürzen. Ehrlich nicht
Ich hätte da schon eine im Rohr. Ist aus meinen Sagen der Heimat, hat nen Geist und etwas Grusel.
Da bin ich dabei, Gibt’s ne Deadline?
Nein. Bis jetzt nicht….
Hier rein, gleich jetzt?
Yupp
Der Geist vom Scharfenstein
Es war an einem kühlen Abend, da saßen ein paar Reisende an einem wärmenden Lagerfeuer. Sie hatten sich ganz zufällig auf dem alten Weg zwischen Zittau und Böhmen getroffen, dicht bei Lückendorf.
Sie alle waren auf dem Weg nach Zittau. Denn morgen war dort Markttag, und wie es sich zu solchen Zeiten gehörte, waren die Gasthäuser in der Gegend bis auf den letzten Platz gefüllt. Kein Wirt hatte mehr ein Bett oder auch nur einen Platz im Stroh für einen müden Wanderer frei.
Aus diesem Grunde kampierten sie nun unter freiem Himmel, hatten ein kräftiges Feuer geschichtet und saßen beisammen, um zu trinken und sich zu wärmen.
Über den Flammen hing ein eiserner Kessel, in dem eine Suppe leise blubberte. Jeder tat etwas in den Topf, und ein verlockender Duft nach Speck, Zwiebeln und Wildkräutern stieg in die herbstliche Luft.
Beim Suppelöffeln war es noch still. Jeder genoss die Wärme, das Knistern des Feuers und die Ruhe hier draußen. Als aber alle satt waren und die Gesellschaft zu den Getränken kam, wurde auch geredet. Ein Bauer begann mit einer kleinen Geschichte:
»Einmal reiste ich nach Waltersdorf, ich wollte dort meine Rüben verkaufen.« Er deutete mit dem Daumen über seine Schulter hin zu seinem Karren. »Ich wollte ein Schlaufuchs sein und zog meinen Karren durch die Nacht. Eine Rast zur Abendruhe wollte ich nicht machen. Ich wollt als Erster auf dem Marktplatz stehen. Doch der Nebel, ein Irrlicht und vielleicht auch ein wenig Bier ließen mich vom Wege abkommen. Kurzum, ich verstolperte mich und landete mitsamt meiner Rüben im Dorfteich. Zum Glück war er nicht tief, sonst wäre ich wohl ersoffen. Und ich schwöre euch: Die Frösche haben mich noch bis zum Mittag ausgelacht.«
Lachen hob an, und die erste Weinflasche machte die Runde. Als Nächstes hielt ein Händler aus Reichenbach seine Geschichte zum Besten.
»Da hattest du noch Glück im Unglück. Deine Rüben konntest du ja noch retten. Ich verlor mal ein ganzes Fass ungarischen Wein. Es wurde mir am helllichten Tag gestohlen, auf freiem Felde. Keine Münzen, keine Kleinigkeit. Ein Fass! Hol’s der Teufel, wir suchten es in der Gegend, doch es blieb verschwunden.«
Der Händler spendierte eine kleine Korbflasche mit Branntwein. Sie wanderte von einem zum anderen. Schließlich gelangte sie zu einem Mann, der bis jetzt geschwiegen hatte. Dieser drehte die Flasche nachdenklich in der Hand und begann seine Geschichte.
»Solch eine Flasche erinnert mich an eine grausige Begegnung, noch nicht lange her und auch ganz hier in der Nähe. Das ist aber nichts, was man nachts am Feuer zum Besten gibt.«
Er trank einen kleinen Schluck, reichte das Fläschchen weiter. Dann zog er sich seinen roten Hut tiefer in die Stirn und lehnte sich wieder zurück. Weg vom Feuer, in den Schatten.
Die anderen am Feuer verstummten. War er ein Aufschneider, oder steckte hinter seinen Worten mehr, als ihnen lieb war? Ein Fuhrwerkskutscher meinte schließlich:
»Was hast du schon erlebt, dass die Welt aus den Angeln heben könnte? Lass hören, wir sind ganz Ohr.«
Ein teuflisches Lächeln huschte über das Gesicht des Mannes mit dem roten Hut. Er nickte und begann seine Geschichte zu erzählen:
»Ja, ihr alle kennt die Sage vom weißen Geist, der um den Gipfel des Scharfensteins streicht. Viele Mythen werden abends am Feuer erzählt. Ihnen allen wohnt ein Körnchen Wahrheit inne. Doch ich erlebte am eigenen Leib, was es damit auf sich hat. Und was ich am hohen Gipfel erlebte, das will ich euch nun kundtun. Denn dorten sind suldsame Gestalten und der Graus zu Hause.«
Eine kleine Pause gönnte der Erzähler dem Publikum noch und befeuchtete seinen Mund mit frischem Bier.
»Droben nebelt es schon früh am Abend, gewiss, das ist nicht neu. Aber an jenem Abend, da wurde er dick wie Suppe. Ich schlenderte so meines Weges, das böhmische Bier lockte mich nach Süden. Da sah ich ein weißes Haupt. Ein alter Mann saß da wohl auf einem Stein, so dachte ich. Ich trat näher, wollte freundlich grüßen. Ein ›Gott sei mit dir!‹ Man will ja in der Fremde keinen Streit.
Denn ich vermutete ja einen alten Greis. Doch dort saß einer, der nicht älter war als ich selbst! Stellt euch nur mal mein Gesicht vor. Mein verblüffter Ausdruck war auch dem Silberkopf nicht entgangen. Genauso wenig wie mein starrer Blick auf sein weißes Haar.
Zweifellos sah ich aus wie ein Trottel, denn sein Blick ward mitleidig. Er nickte mir zu und deutete neben sich. Da war noch ein Platz frei. Unbehagen bemächtigte sich meiner, aber auch die Neugier. So überwand ich mich und setzte mich neben ihn auf den Stein. Ob ich wollte oder nicht, meine Augen blieben an dem schlohweißen Haar hängen. Auch als er zu reden begann.
Ja, diesen Blick bin ich gewohnt. Habe ich ihn doch auch verdient.
Eine traurige Bemerkung, so schien es mir. Und sie lenkte meinen Blick von seinem weißen Haupt hin zu seinen Augen. Sie waren erstaunlich klar, fast so blau wie der weite Himmel. Doch lag auch eine tiefe Wehmut darin.
›Was muss der Mensch wohl erlebt haben, dass ihm das vorzeitige Ergrauen befällt?‹ Das dachte ich wohl ziemlich laut, denn er antwortete knapp:
Ein Hexenfluch, und sicher auch verdient. Aber das ist nicht das Schlimmste.
Mit dieser Offenbarung reichte er mir eine kleine Korbflasche mit Branntwein. Dankend nahm ich sie und trank einen zünftigen Zug. Ach, was für ein herrliches Feuer lief mir da die Kehle runter, wärmte mir das Innere und ließ mich fast vergessen: Ich sitze hier neben einem vom Schicksal Gezeichneten.
›Und trotz alledem. Solange der Herr einen solch vorzüglichen Tropfen spendieren kann, wird es ja mit dem Fluch nicht so weit her sein?‹
Der Verfluchte senkte seinen Kopf, sein Blick schweifte in die unbestimmte Weite und begann mit leiser Stimme zu erzählen:
Dort unten im Tale war ich zu Hause. Meine Eltern besaßen eine kleine Kate da drüben am Waldesrand. Neben uns lebte eine Familie in einer Holzhütte. Es waren Köhler und noch ärmer als wir. Auch sie hatten einen Sohn. Hatten.
Es war, als müsse sich der Weißhaarige erst wieder erinnern. Nach einer knappen Pause fuhr er aber fort:
Jost, so war sein Name. Er wollte sich wohl mit mir anfreunden. Jeden Morgen stand er am Zaun. Er redete wie ein Wasserfall. Er lachte, wenn es nichts zu lachen gab. Er lief mir nach, auch wenn ich schneller ging. Aber es gab ja sonst keinen Spielkameraden. Weit und breit niemanden. Nur Wald. Nur der Berg. Also ließ ich ihn mitlaufen.
Der Weißhaarige verzog den Mund. Kein Lächeln. Nur ein kurzes Zucken im Mundwinkel.
Ich spielte mit ihm im Wald, wir bauten kleine Hütten aus Ästen und Reisig. Am Bach stauten wir Wasser und versuchten, Fische zu fangen. Bis zu jenem Tag.
Ein Griff nach der Schnapsflasche, ein gieriger Schluck und ein Seufzer. Dann erzählte er weiter:
An jenem Tag stiegen wir höher. Bis zur Felsspalte unter dem Gipfel. Jost meinte, dort wohne eine Nebelhexe oder auch ein Querx. Man muss ihnen was bringen. Eine Opfergabe, sonst holen sie sich was von uns. Das sagte immer seine Mutter. Einen Stein! Wir bräuchten einen Stein. Aber schön musste er sein.
Der Fremde hob einen Kiesel auf und wiegte ihn in der Hand. Dann schloss er die Finger um ihn und fuhr fort.
Es sollte nur ein Spaß sein. Ich sagte zu Jost: Oben auf dem Gipfel, da liegen die schönsten. Von der Sonne gefärbt, vom Wind geformt und vom Regen gehärtet. Ich konnte doch nicht wissen …
Die Stimme stockte, und ich sah eine Träne die bleiche Wange herunterrollen. Die Neugier in mir war stark, doch ich wagte es nicht zu fragen. Nach einer kurzen Besinnung warf er den Kiesel von sich.
Jost kletterte mutig die schroffen Felsen nach oben. Meine Rufe, er solle wieder runterkommen, erreichten ihn nicht. Er schaffte es bis ganz nach oben. Und er fand tatsächlich einen Stein. Lachend stand er auf dem Gipfel und winkte mir zu. Dann war er urplötzlich verschwunden.
Der Verfluchte zeigte mit dem Finger nach oben. Das war das letzte Mal, dass Jost gesehen wurde. Er war einfach weg. Ich nahm die Füße in die Hand und rannte nach Hause. Versteckte mich im Stall. Abends kam die Mutter von Jost zu uns herüber. Sorgen um den einzigen Sohn ließen sie verzweifelt weinen.
Dieselbe Verzweiflung konnte ich nun auch in den Augen des Verfluchten erkennen. Sein Schicksal berührte mich auf eine Art, die ich zuvor noch nicht kannte. Aber für eigene Gedanken blieb mir keine Zeit, denn nun erzählte er weiter.
Sie fanden mich im Stall, sie verhörten mich nach dem Verbleib von Jost. Und ich log! Ich hätte Jost nur kurz gesehen, er wolle zum Scharfenstein. Doch ich hatte keine Lust, nach oben zu gehen. Da zog er wohl alleine los. Seitdem hätte ich ihn nicht mehr gesehen. Sie drückte mich fest an sich. Ich dachte, sie will mich trösten. Da spürte ich ihren Mund an meinem Ohr. Ganz nah. ›Lüg nicht‹, zischte sie, ›ich sehe es dir an. Du hast ihn dort oben gelassen. Weiß sollst du werden vor der Zeit. Deinen Einundzwanzigsten erlebst du nicht mehr. Bei ihm sollst du liegen.‹
Nun sah er mir direkt in die Augen, sein Blick war traurig und finster zugleich. Mich schauderte. Sein Blick schweifte wieder in die Ferne, als er sprach:
Nun sitz ich hier und warte. Denn morgen wäre mein einundzwanzigster Geburtstag. Wie du siehst, bin ich schlohweiß, und wenn die Hexe recht behalten soll, werde ich noch heute den Tod finden.
Er überreichte mir die Schnapsflasche, stand auf, trat zwei Schritte in den Nebel und war verschwunden. Ich rief ihm nach, lauschte in den Nebel. Kein Lebenszeichen. Kein Laut, Stille. Hätte ich nicht die Flasche mit dem Branntwein in der Hand, ich würde schwören, es war ein Albtraum, der mich da befallen hatte. Lange blieb ich auf dem Stein sitzen, wartete, hoffte, doch ich blieb allein. Erst als mir die Kälte in die Knochen fuhr, machte ich mich auf. Der Weg war nur schwer zu finden. Ich irrte lange um den Gipfel. Erst als ein Wind anhob und den Nebel vertrieb, konnte ich meine Umgebung erkennen. Der Scharfenstein stand immer noch vor mir. Ich war auf seine andere Seite geraten. Und was ich da gewahr wurde, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Am Fuße des kalten Felsens lagen Knochen und ein Schädel, auf dessen Haupt lange schlohweiße Haare klebten. Direkt darunter aber entdeckte ich noch einen Totenschädel. Er war kleiner, wie von einem Kind.«
Damit war die Geschichte zu Ende. Niemand sagte etwas. Das Feuer knackte leise, und die Reisenden rückten unwillkürlich ein Stück dichter zusammen. Der Blick des einen oder anderen wanderte verstohlen in die Richtung, wo der Scharfenstein im Nebel liegen musste.
Schließlich brach der Fuhrwerkskutscher das Schweigen, zog die Decke fester um die Schultern und brummte: »Ein Glück, dass wir heute nur bis Lückendorf gekommen sind und nicht noch über den Scharfenstein krauchen.«
Allgemeines Nicken folgte. Und die Flasche mit dem Branntwein machte noch einmal ganz schnell die Runde.
