Moin, Ihr Abgrundguten; aller Widrigkeiten zum Trotze - Fentanyl ist ein wirklich schlechter Berater - ist meine Nr. 8 kurz vor der Vollendung. Bis Ostern, wenn die offene Psychiatrie die Insel flutet, sollte alles in trockenen Tüchern sein. Ihr wißt: Die Kleinarbeit ist ein verlogenes Stück, dass seinen Namen nicht verdient.
Arbeitstitel: „Fett weg“.
Der Plot ist recht einfach gestrickt: Ein älterer Herr beobachtet, wie ein Mann erschossen wird, es gibt jedoch keine Leiche. Zusammen mit einem alten Kollegen versucht er, die Sache aufzuklären. Genaugenommen ist es eine Art Roadmovie. Es war nicht leicht, das Tempo zu halten, aber ich denke, es ist mir gelungen. Die wenigen hier, die mich kennen, wissen: Ich bin ein Geschichtenerzähler. Ich gebe Euch mal ein wenig Stoff:Die rote Ratte
Als Robin etwa vier Jahre alt war, hatte er ein prägendes Erlebnis: Seine Mutter war beim ausgesprochen gründlichen Putzen der elterlichen Wohnung mit ihrem Ehering an einer Metallfeder an der Unterseite des antiken Sofas von Tante Elli hängengeblieben. Und es war ihr nicht möglich, sich selbst zu befreien. In dieser äußerst ungünstigen Position war sie vollkommen hilflos, und so rief sie laut nach ihrem Sohn. Robin betrat das Zimmer und erfasste die Situation. Er zögerte. Seine Mutter bat ihn, ihr zu helfen, aber Robin stand nur da und starrte. Und es machte sich ein gutes Gefühl in ihm breit, etwa so, wie der verschreibungspflichtige Hustensaft aus dem kleinen Schränkchen im Bad. Er genoss es, seine mittlerweile zeternde Mutter so wunderbar hilflos zu sehen. Macht, das war unzweifelhaft Macht, was er verspürte. Robin konnte diese Erfahrung kaum fassen, zumal ihm im Alter von vier Jahren alle erforderlichen Vergleichswerte fehlten. Infolgedessen war alles, was von diesem Erlebnis blieb ein unglaubliches Wohlgefühl. Es dauerte Minuten, bis er endlich seiner Mutter half und natürlich erhielt er eine prachtvolle Tracht Prügel. Die ihn aber gar nicht so sehr störte.
Das war das eine.
Das andere war viel einfacher und nicht weniger prägend und grausam zugleich. Robin war so dermaßen rothaarig auf die Welt gekommen, dass ihn die Schwestern in der Entbindungs-Klinik alle nur Esau nannten. Es war ein katholisches Krankenhaus. Der kleine Robin war so hässlich, dass selbst die Hormone seiner eigenen Mutter kaum ausreichten, um ihn auch nur zu mögen. Zudem gab es weder in ihrer noch in der Familie ihres Mannes einen einzigen Rothaarigen. Wie viele Eltern blicken stolz in die Wiege und finden, dass ihr Kind das allerschönste Kind auf der Welt sei? Ihr Kind. Bei Robin war dies kaum möglich. Er war nicht nur blass wie ein Grottenolm nach der Chemotherapie, er war auch verschrumpelt wie ein Gnom, seine leuchtend roten Ohren waren viel zu groß für seinen Kopf und standen ab wie zwei Bramsegel bei 8 Knoten Fahrt. Robins Vater verließ die Familie sang und – klanglos mitten in der Nacht kurz nach Robins Geburt. Möglicherweise gab es da Zusammenhänge.
Freunde und Verwandte rissen sich zusammen und unterdrückten einen heftigen Würgereiz, bestätigten höchst unglaubwürdig der wenig stolzen Mutter, wie hübsch der kleine Racker doch sei, und fuhren dann schnell wieder ab. Robin war klein und kränklich in den ersten Jahren, er leuchtete in der Kita wie eine Mohrrübe und seine Zahnstellung hätte einem Ork alle Ehre gemacht. Andere Eltern drehten sich beim nachmittäglichen Abholen nach ihm um. Wer mochten die Eltern dieses Wechselbalgs sein? Wer mochte das da jemand vor die Tür gelegt haben? Kinder können sehr grausam sein. Robin wurde natürlich bereits in der Grundschule gemobbt. Man hänselte ihn, man stopfte ihn ins Klo und zog die Spülung, man warf seine Mütze in die Kronen diverser Bäume. Aber das ließ sich der Junge nicht lange gefallen. Er kämpfte und schlug um sich wie ein Irrer, wurde dabei womöglich noch roter, und geiferte und sabberte dabei wie ein Tier. Dabei verbiss er sich gern heftig und tief in seine Opfer, was ihm in der dritten Klasse den Namen die rote Ratte einbrachte. Seitdem waren Jahre vergangen, und das rattige am ihm war geblieben, die schlimmen Zähne auch, ebenso wie die leuchtend roten Haare auf blasser Haut. Mittlerweile traute sich jedoch niemand, der halbwegs klaren Geistes war, Robin die rote Ratte zu nennen. Jetzt nannte ihn jedermann Red, ganz einfach Red.
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Hallo, willkommen zurück. Nummer acht kurz vor der Vollendung? Respekt!
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Welcome back!
Typisch @narratöör - passt!
Viel Erfolg und gute Nerven für den anstehenden Run auf die Insel.
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Danke, liebe Alex! Danke, liebe Corinna! Zu einer Hütte in Kampen hats bis jetzt noch nicht gereicht…
In den nächsten Tagen stelle ich noch ein wenig Text ein.