Moin moin ihr Lieben,
ich hatte die letzten Wochen extrem viel zu tun mit Arbeit und so und bin daher kaum dazu gekommen hier im Forum zu stöbern. Ebenso bin ich nicht wirklich dazu gekommen an meinem eigentlichen Roman weiterzuschreiben. Manchmal hat man einfach den Kopf voll mit nervigen Alltagsproblemen, wer kennt es nicht? ![]()
Trotzdem hatte ich eines Abends plötzlich die Idee zu dieser Kurzgeschichte. Wahrscheinlich weil ich selbst keinen Kaffee mag, hahaha!
Es ist wirklich nichts besonderes, aber mein erster Ausflug in die beliebte Ich Perspektive. Daher würde ich mich über Feedback sehr freuen, denn ich hatte tatsächlich sehr viel Spaß damit, nicht in meiner Komfortzone zu schreiben! ![]()
Freue mich über jedwedes Feedback auch wenn ich weiß das das Genre (MM Romance & New Adult) nicht jedermanns Sache ist und meine Stimme sehr direkt / bissig ist. ![]()
Daher schonmal vielen Dank fürs Lesen! ![]()
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Vielleicht das nächste Mal…
Heute war einer dieser Tage, an denen alles schiefging. Und wenn ich „alles“ sage, dann meine ich nicht, dass ich verschlafen hatte oder dass sich die Lieferanten um zwei Tage verspäteten. Das war alles in allem noch halbwegs in Ordnung.
Nein, es ging um solche Leute wie diesen kleinen Penner hier. Und seine rotzfreche Truppe gleich mit. Keine zwei Sekunden nachdem sie den Coffee Shop betreten hatten, wusste ich, dass ich jetzt gern woanders wäre. Vielleicht in der Karibik. Oder im Disneyland. Aber ganz sicher nicht hier hinter meiner Theke – und schon gar nicht vor diesen pubertierenden Nervensägen.
Seit geschlagenen zwanzig Minuten stand er nun vor mir, markierte den großen Helden vor seinem aufgeplusterten Begleiter und den beiden Mädels, die bei jedem Wort aus seinem Mund kichernd aufgackerten.
Ich liebe meinen Job. Wirklich. Aber an genau solchen Tagen, mit genau solchen Kunden, wünschte ich mir, ich müsste ihn nicht freundlich anlächeln. Nicht über jeden schlechten Witz lachen. Nicht höflich sein und so tun, als wäre das hier gerade die Comedy-Tour seines Lebens.
„Also, ich glaub, dann nehm ich ’ne riesige grüne Latte?“ blaffte es aus ihm heraus.
Und dem ausgestreckten Finger auf die Karte über mir nach zu urteilen, meinte er damit den Creamy Matcha Latte, der heute im Tagesdeal war. Einer meiner Dauerbrenner. Intensiver, traditioneller Matcha mit einer extra Portion Sahne – leicht süßlich, mit diesem milchigen Vanillearoma, das selbst überzeugte Kaffeetrinker weichkochte.
„Ey, das weiße Zeug sieht safe aus wie…“ Er verkniff sich das unsittliche Wort, das er offensichtlich sagen wollte, und stimmte stattdessen mit seinem Steppjacken tragenden Begleiter in ein glucksendes Duett ein.
Oh bitte.
War das jetzt sein Ernst?
Wie alt mochte der Bengel sein? Dreizehn? Vierzehn? Und ihm fiel nichts Besseres ein, als sich einen Ast zu lachen über die Assoziation von Milchschaum und dem Wort Latte? Ich war definitiv nicht heterosexuell genug – aber auch längst nicht mehr jung genug für diesen Humor. Noch fünf Minuten von diesem Gespräch, und ich konnte nicht länger garantieren, ihn nicht unter dem Kaffeeautomaten zu erdrosseln.
Oder noch besser: seinen fettigen Haarschopf mit dem Milchaufschäumer zu rasieren!
KLINGELING
Augenblicklich zuckte ich zusammen. Glücklicherweise wurde ich aus meinen Crime-Doku-Gedanken gerissen, denn das goldene Türglöckchen klingelte. Ich setzte mein routiniertes Willkommenslächeln auf und blinzelte über die Gruppe hinweg.
Und dann kam er zur Tür herein.
Stimmt. Er besuchte mein Café genau zweimal die Woche. ZWEIMAL.
Und heute war einer der beiden Tage.
Ein Lächeln huschte über seine schmalen Lippen, als er sich hinter den anderen in die Reihe stellte. So wie immer. Ruhig. Routiniert. Mit einer Präsenz, die mühelos über die Köpfe der nervigen Kunden hinwegzog und mich in diese vertraut nervöse Stimmung versetzte.
Er hatte diese Ausstrahlung, die ich seit dem ersten Mal nicht beschreiben konnte. Jedes Mal, wenn ich ihn sah, war es wie Balsam. Etwas, das sich sanft über die Unruhe in meinem Kopf legte. Über meine Hände, die sonst nervös am Saum meiner Schürze zupften. Es wurde einfach leiser in mir, wenn er da war. Alles verstummte, sobald diese strahlend blauen Augen mich ansahen.
Okay. Der Kunde war König. Auch wenn dieser Kunde ein albernes, halbstarkes Balg war, das mich gerade von meiner wöchentlichen Dosis Safe Space trennte.
Sei freundlich, Mica. Lächle. So wie die ganze Zeit. Er wird auch in fünf Minuten noch da sein und seinen Kaffee bestellen. Und in zehn und vielleicht in fünfzehn.
Mein Blick wanderte über seine dunkelblaue Uniform und das strahlend goldene NYPD-Logo auf seinem Oberarm. Cops hatten selten viel Zeit. Meist war es nur ein schneller Kaffee in der Mittagspause – und wenn das länger als fünf Minuten dauerte, dann gab es eben keinen mehr.
Vielleicht hätte er bei Starbucks die Straße runter mehr Glück. Dort ging es immer schnell. Ich sah, wie er seine breiten Schultern lockerte. Vielleicht aus Anspannung. Vielleicht, weil er darüber nachdachte zu gehen.
Mein Magen zog sich zusammen.
Ich schluckte.
„Also entweder du kaufst jetzt was …“, sagte ich leise, gerade laut genug, dass er mich hören konnte, und beugte mich über den Tresen zu dem unliebsamen Teenager, „… oder du verschwindest, bevor ich dich mit meiner Schürze erdrossle. Und das Wort, das du meinst: Ejakulat. Komm ja nicht wieder, bevor du das fehlerfrei buchstabieren kannst.“
Es dauerte nicht einmal eine halbe Sekunde, ehe sein Gesicht von toastbrotfarbener Blässe in sattes Kirschrot wechselte. Mit einem gemurmelten Fluch, der irgendetwas mit „Schwuchtel“ beinhaltete, verließ er fluchtartig das Café.
Ich hab’s ja gesagt. Es war einer dieser Tage. Einer dieser Tage, an denen nichts so lief, wie ich es mir wünschte. Einer dieser Tage, an denen meine persönliche Zündschnur nicht länger war als die eines nervösen Chihuahuas.
Ich war einfach müde.
Nicht wegen der homophoben Teenies. Nicht wegen unzuverlässiger Lieferanten. Nicht wegen unbezahlter Rechnungen, die sich seit Wochen in meiner „Für später“-Schublade stapelten. Wegen nichts von alledem.
Ich war müde davon, dass es immer laut war. Und dass es nur leise wurde, wenn er mich ansah.
Ein breites Lächeln legte sich über mein Gesicht – dieses vertraute Gefühl, das seine bloße Anwesenheit jedes Mal in mir auslöste.
„Das … Gleiche wie immer?“ Meine Euphorie überschlug sich ein wenig mehr, als mir lieb war.
„Ja, bitte.“
Seine Antwort kam sachlich. Ruhig. Mit diesem leicht ausgebrannten Unterton. So wie immer. Kein Mensch großer Worte – und ich mochte das.
„Klingt nach ’nem harten Tag?“
Zugegeben, ich war wirklich gut im Small Talk. Nicht nur, weil es mein Job war oder weil ich gedanklich ständig diesen Fragenkatalog durchging, um die Zeit zu überbrücken, während ich Bestellungen vorbereitete. Stinknormale Fragen über den Tag, das Wetter, den Job, die Nachrichten oder Zoff mit dem Partner.
Das gleiche Prinzip wie beim Friseur. Seinem Barista und seinem Friseur erzählte man schließlich die tiefsten Geheimnisse.
Nur er nicht.
Unsere Gespräche gingen nie über oberflächliches Bla-bla hinaus. Dabei war ich nicht nur gut im Small Talk – ich war auch verdammt gut im Flirten.
Aber nicht bei ihm.
Bei ihm war es, als würde ich gegen eine Wand reden. Und trotzdem war ich mir sicher, dass da etwas war. Irgendetwas.
Ein Blick zu lang. Eine minimale Verzögerung, bevor er antwortete. Dieses kaum merkliche Zucken an seinem Mundwinkel. Ich würde jetzt nicht behaupten, dass da schon ein Feuer brannte. Aber ein kleines Knistern war es ganz sicher. Trotzdem hatte ich in den letzten sechs Monaten nichts weiter zustande gebracht als Gespräche über das Wetter, guten Kaffee und das Verkehrschaos auf dem Dalton Boulevard letzte Woche. Und natürlich die Tatsache, dass er Cop war – was, nebenbei bemerkt, ziemlich offensichtlich war.
„Nicht mehr als sonst“, gab er im gleichen Tonfall zurück, während ich versuchte, seinen Kaffee besonders langsam zuzubereiten. Zweimal die Woche war nicht oft. Und jede verdammte Sekunde davon fühlte sich wertvoller an, als stünde ein Einhorn direkt vor mir. Ein Einhorn mit strahlend blauen Augen und tiefschwarzen Haaren. Während ich mir noch eine Spur mehr Zeit ließ, formte ich die nächsten Worte bereits auf den Lippen. So wie jedes Mal.
Ich würde mich einfach umdrehen. Ihm seinen Kaffee reichen. Ihn anlächeln. Und ihn, verdammt noch mal, endlich nach einem Date fragen.
Oder war das zu offensiv? Vielleicht doch erstmal nach seiner Nummer fragen.
Ernsthaft, Mica. Konzentrier dich. Ich könnte einen Witz darüber machen, dass ich mich dann sicherer fühle wegen Cop und so.
Stop.
Nein.
Schlechte Idee.
Am Ende gibt er mir noch die Durchwahl zum Revier.
„Nicht viel los heute?“
Seine Worte rissen mich aus meinen Gedanken. Normalerweise war ich derjenige, der die Fragen stellte und unsere wöchentlichen Gespräche am Laufen hielt.
Und plötzlich war ich nicht mehr vorbereitet.
Ich drehte mich herum, drückte den Pappdeckel vorsichtig auf seinen Becher und sah ihn einfach nur an. In meinem Kopf wurde es plötzlich still. Als hätte er mit einem einzigen Atemzug mein ganzes Chaos ausgeblasen.
„Ist Freitagnachmittag“, antwortete ich leiser und merkte nicht, wie sich meine Augen an seinem Blick festhielten. „Die Leute wollen wohl lieber nach Hause, als das Wochenende bei mir im Café zu starten.“ Belanglose Worte auf eine belanglose Frage. Er nickte zustimmend.
Und doch veränderte sich etwas in seinem Blick. Ich konnte es nicht greifen.
Ein Hauch von Unsicherheit? Ein Zögern?
Ich streckte meine Hand aus und stellte den Kaffee auf den hölzernen Tresen. Meine Augen noch immer auf ihm. Ich merkte nicht, wie meine Finger den Becher nicht loslassen wollten. Ich wusste, wie es normalerweise weiterging.
Eine Verabschiedung.
Das Klingeln des Glöckchens.
Und dann war er weg.
Bis zum nächsten Mal, wenn ich wieder versuchen würde, die richtigen Worte zu finden.
Dann kam er einen Schritt näher an die Theke. Wie immer legte er seinen Fünf-Dollar-Schein auf den Tresen, schob sich eine Strähne seiner schwarzen Haare aus dem Gesicht und griff nach seinem Becher. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich ihn noch immer festhielt. Seine Handfläche legte sich vorsichtig um die warme Pappe. Und dann spürte ich seine Fingerspitzen auf meinem Handrücken.
Ein abruptes Ziehen durchfuhr meine Brust, als hätte jemand für den Bruchteil einer Sekunde die Luft aus dem Raum gesaugt. Mein Atem blieb hängen. Mein Herz stolperte, setzte einen Schlag aus – und raste dann weiter, viel zu schnell.
Dann durchzog etwas meinen ganzen Körper.
Da war es.
Dieses Knistern.
Kein Funke.
Das war das Feuer von Mordor!
Nur ein Wimpernschlag, ehe er den Kaffee an sich nahm. Aber ich sah es diesmal klar und deutlich.
Er hatte es auch gespürt.
Dann standen wir einfach nur da und sahen uns an. Ich weiß nicht, wie lange. Ich nahm einen tiefen Atemzug. Wollte etwas sagen. Verdammt. Dieser Typ kam seit sechs Monaten in mein verfluchtes Café – und ich konnte an kaum etwas anderes denken, als daran, ihn wiederzusehen.
Komm schon, Mica. So schwer ist das nicht.
Seine Telefonnummer. Wenigstens sein Name.
Irgendwas.
Lass ihn jetzt nicht einfach gehen.
Sonst kannst du dich gleich selbst mit deiner Schürze erdrosseln.
KLINGELING.
Das goldene Glöckchen an der Eingangstür klirrte. Ein junges Mädchen mit langen braunen Haaren kam herein. Wir zuckten beide zusammen, als hätte uns jemand bei etwas Verbotenem erwischt.
Noch nie hatte mich dieses Glöckchen so aus der Bahn geworfen.
„Einen Latte Macchiato bitte, mit Hafermilch und extra süßem Pumpkin Spice“, lächelte sie und stellte sich neben ihn an die Theke.
Ich schluckte.
Dann hörte ich seine Stimme.
„Ich sollte jetzt gehen …“, sagte er.
Leiser als vorhin.
Ich schwieg.
So wie immer.
Zwang mich zu einem Lächeln, als er mir ein letztes Mal zunickte.
So wie immer.
Dann drehte er sich auf dem Absatz um, ging zur Tür.
Das Glöckchen klingelte – und er war weg.
So wie immer.
Ich sah ihm nicht nach. Lächelte stattdessen das Mädchen an und begann, ihren Kaffee zuzubereiten, während ich meinen Small-Talk-Katalog herunterratterte.
„Vielleicht das nächste Mal …“, dachte ich. Dann hielt ich kurz inne.
Beim nächsten Mal würde ich es sagen. Seinen Namen. Seine Nummer. Irgendetwas.
So wie immer. Nur diesmal vielleicht ein bisschen anders.
Ich sah nicht, wie er draußen vor der Tür einen Moment zögerte. Den Becher in seiner Hand wog, als würde er überlegen. Wie er sich durch die schwarzen Haare fuhr.
Ich sah nicht, wie er ein paar Schritte die Straße hinaufging.
Wie er an der Kreuzung stehen blieb.
Wie er seinem wartenden Kollegen den Kaffee reichte.
Weil er selbst keinen mochte.
Ich sah nicht, wie er sich noch einmal umdrehte.
Und durch die große Fensterfront des Cafés blickte.
Zu mir.
Sein Blick sagte nur eines.
„Vielleicht das nächste Mal.“
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