Feedback zur Kurzgeschichte: Der Unersättliche

Hallo liebe Community :slight_smile: Ich würde mich freuen, wenn ihr mir Feedback zu meiner Geschichte geben könntet. Ist sie zu langwierig? Fehlen Dialoge? Wie empfindet ihr den Stil? Ich habe die Geschichte bewusst aus der Ich Perspektive und als Gedankenfluss geschrieben, aber vielleicht ist das auch nicht der richtige Stil dafür. Freue mich auf jeden Fall auf eure Rückmeldungen.

Der Unersättliche

Manchmal, wenn er nach einem Event ins Büro gekommen ist, hat er direkt angefangen zu erzählen. Mit welchen Frauen er getanzt hat, welche ihm besonders gefallen haben und mit welchen mehr passiert ist. In allen Details und darauf bedacht, dass es auch alle hörten. Ich habe ihn oft dabei angeschaut, Fragen gestellt und hin und wieder ein „Oh“ oder „Ah“ von mir gegeben. Es war vermutlich mehr Höflichkeit, aber ich kann nicht bestreiten, dass mich die Geschichten nicht interessiert hätten.

Es wurde viel darüber gelästert, wie er sich verhält. Mit seiner Frau und seinen Kindern. Mit seinen Freundinnen. Wie er protzt und übertreibt, immerzu. Manchmal hat er sich in seine Erzählungen so verstrickt, dass er wahrscheinlich selbst nicht mehr genau wusste, was noch die Wahrheit war.

Aber eigentlich beginnt die Geschichte über ihn an einer ganz anderen Stelle.

Ich war 19 und arbeitete gerade in einer Abteilung, die aus Julien Archaux, einem aus Haiti stammenden Ingenieur, und Thomas Turner, einem Engländer, der meiner Meinung nach auf S&M abgefahren ist, bestand. Ich war noch nicht wirklich da, ganz grau und klein, ohne jegliche Idee, wohin ich wollte oder wer ich war. Ich saß also in unserem Glasbüro und er lief vorbei, schaute mich an, kam herein und eröffnete das Gespräche indem er ein paar Scherze über Julien und Thomas machte. Später fand ich heraus, dass er Julien ganz gerne Blacky nannte – aber natürlich hat er das.

Eines Abends war ich dann mit meinem damaligen Freund unterwegs und bekam die Nachricht, dass ich demnächst in der Abteilung für Distribution arbeiten würde. Ich war enttäuscht, was konnte Spannendes in so einem Bereich passieren. Außerdem bestand die Abteilung nur aus Männern, das machte mir Angst.

Und dann fing es an.

Ich hatte die erste Geschäftsreise meines Lebens, es ging nach Aachen. Es sollte eine Weihnachtsfeier nachgefeiert werden. Ich war furchtbar aufgeregt. Als wir abends gemeinsam in der Hotelbar saßen, lernte ich einen großen Chef kennen. Später wollte er unbedingt mit mir tanzen und ich fühlte mich wahnsinnig wichtig.

Schon von Anfang an war eine Frau dabei, die ich nicht kannte. Sie hatte lange braune Haare, blaue Augen, schlank und zierlich. Anscheinend war sie extra aus Köln gekommen. Im Nachhinein betrachtet gar nicht mal sein Typ. Seine Frauen sollten blond sein, groß gewachsen, schlank und mit Ausstrahlung. Manchmal, wenn wir auf einer Party waren, stellte er sich neben mich, wir redeten, und wenn eine hübsche Frau vorbeilief, beurteilten wir sie. Meistens war er von der Ausstrahlung eingenommen und begann zu schwärmen. Erklärte mir, wie man mit Frauen umzugehen hatte und erzählte irgendeine Geschichte. Eine, die mir besonders in Erinnerung geblieben ist, spielte sich in einer Bäckerei ab. Vor ihm stand eine Frau, die wunderbar roch. Er bemerkte es und sagte es ihr. Sie sah ihn lächelnd an, dankte und meinte nur, dass sie sowas schon seit langem nicht mehr gehört hatte und er ihren Tag verschönert hatte. Er war der Ansicht, dass man solche Dinge sagen sollte. Dass man Momente genießen und sie mitnehmen sollte.

Kommen wir zurück zur Weihnachtsfeier.

Es floss furchtbar viel Alkohol, einer der Kunden lag irgendwann im Flur in seinem eigenen Erbrochenen. Ich hatte ein viel zu langes Gespräch über Depressionen mit einem anderen Kunden, rauchte eine Zigarette nach der anderen und verschwand irgendwann auf mein Zimmer.

Am nächsten Morgen saß die Frau mit uns beim Frühstück.

Wir fuhren zum Bahnhof, er verabschiedete sich von ihr mit einem Kuss und wir fuhren wieder nach München. Ich weiß noch, dass ich am Bahnhof nur dachte „Was für Schweine diese Männer doch sind.“ Sie kamen mir alle vor wie völlig abgehobene Alphatiere ohne Manieren. Ich hatte das Gefühl, dass alle am Betrügen seien und konnte nicht verstehen, in was für eine Welt ich da hineingeraten war.

In dieser Welt blieb ich drei Jahre.

Trotz des Gehabes fühlte ich mich in dieser Männerrunde wohl. Sie verhielten sich wie dumme kleine Jungs und das genoss ich. Ich fühlte mich respektiert, auch wenn sie sonst auf eine Weise über Frauen sprachen, wie es nur eine 20-Jährige wie ich ertragen und nichts dagegen sagen konnte. Und er war immer im Mittelpunkt. Er war der Motor für alle, hielt das Team zusammen, brachte Dynamik rein, wurde verurteilt und doch gebraucht.

Wenn wir bei einer Abendveranstaltung waren, forderte er mich zum Tanzen auf und beschwerte sich darüber, wie schlecht ich mich führen ließ und dass ich zu viel rumhüpfte. Er versuchte ständig, mir Standardtänze beizubringen, gab aber irgendwann auf und versuchte es nur noch mit dem Foxtrott. Um ehrlich zu sein, auch darin war ich gar nicht mal so gut. Das wurde zu einem Running Gag. Irgendwann würde er es mir schon noch beibringen, sagt er dann.

Wir mochten einander. Ich fragte ihn um Rat bei beruflichen und auch immer mehr bei privaten Themen. Er förderte mich, erkannte mein Potential und bestärkte meinen Glauben an mich. Ich wurde besser, selbstbewusster, fing an zu netzwerken und lernte von ihm, wie Kommunikation funktioniert.

Dennoch passte etwas nicht. Ich mochte die Arbeit nicht, sie langweilte mich zutiefst. Also fand ich etwas Neues und sagte es ihm. Er war enttäuscht, versuchte mich zu halten, aber ich konnte nicht. Ich sah keine Zukunft mehr und er wurde wütend. Er war verletzt und kickte mich innerhalb eines Monats raus. Ich weinte im Büro, fand Trost bei Kollegen, die auch diese Seite von ihm kennengelernt hatten und versuchte mich von den letzten Jahren zu distanzieren.

Und doch blieben wir in Kontakt. Die Gespräche wurden persönlicher, ich bat ihn um Rat. Wir sprachen über Männer, Familie und Zukunft. Er brachte gerne seine Söhne als Beispiel - bei ihnen lief immer alles super. Allgemein war alles immer ganz wunderbar. Er war kerngesund und dort, wo er wohnte, schien die Sonne durchgehend. Vermutlich sogar nachts.

Eines Morgens rief er mich an und sagte, dass er einen großen Fehler begangen hatte und ich bitte ins Büro kommen sollte. Ich fuhr hin und wir gingen in einen Besprechungsraum. Ich wusste, dass er seit längerer Zeit eine Freundin in Düsseldorf hatte. Er erzählte davon, dass er es beenden wollte, dass er zu weit gegangen war. Es gab sogar Momente, da kam er extra zu mir, um mir zu sagen, dass die beiden es jetzt beendet hatten.

Wie ich jetzt erfuhr, war es nicht so.

Seine Frau hatte sein zweites Handy gefunden, weil er es dieses eine Mal nicht im Auto gelassen hatte. Dort war eine Nachricht von seiner Freundin. Er log und erzählte, dass es eine neue Bekannte sei und er nur einmal mit ihr essen war. Seine Frau glaubte ihm nicht. Er blieb bei der Geschichte. Vor Jahren hatte er schon einmal eine längere Beziehung und es kam heraus. Seine Ehe ging nicht zu Bruch, er versprach sich zu bessern.

Seine Frau blieb misstrauisch und wollte seine neue „Bekannte“ kontaktieren. Was tat er? Er kaufte eine neue SIM-Karte und gab ihr die Nummer. Jetzt wartete er auf den Anruf und wusste nicht, was er tun sollte.

Was wäre, wenn ich einfach rangehen und sagen würde, dass wir nur einmal Essen waren und nichts passiert sei? In seinem Kopf klang das nach einer wunderbaren Idee und er fragte mich, ob ich dazu bereit wäre. Die Situation überrumpelte mich, ich hatte keine Antwort. Er sagt mir, dass er wüsste, dass sein Verhalten falsch sei. Dass er auch nicht weiß, warum er so sei. Er wollte nicht alt werden, er liebte das Leben. Er liebte Romantik. Wenn er seine Eltern händchenhaltend die Straße entlanglaufen sah, dann kamen ihm die Tränen. Das würde er nie von seiner Frau bekommen. Sie war eine wunderbare Mutter, aber ein pragmatischer Mensch. Er war spontan und emotional, sie durchgeplant und strukturiert. Er mochte sie, aber ihm fehlte die Liebe. Als er mir all diese Dinge sagte, hatte er Tränen in den Augen. Ich frage mich noch heute, ob es echt war oder er wusste, dass das bei mir wirken könnte.

Ich sagte ihm, dass ich einen Call hätte und danach eine Entscheidung fällen würde. Während meines Termins war ich mit meinen Gedanken nur bei seiner Frage. Was sollte ich tun? Ich wollte mich nicht in sein Eheleben einmischen. Ich befürwortete sein Verhalten nicht. Ja, ich hörte zu. Ja, ich lachte über seine Witze. Ja, ich mochte ihn trotz allem. Aber sowas, das ging doch nicht.

Als das Telefonat endlich vorbei war, ging ich zu ihm. Die Situation hatte sich wohl von allein geklärt. Seine Frau hatte eine SMS an die Nummer geschickt und er hatte darauf geantwortet. Keine Entscheidung mehr, die ich fällen musste. Ich war erleichtert und ging wieder in den Besprechungsraum.

Nach ein paar Minuten klopfte es an der Tür und er kam wieder herein. Ich konnte es kaum glauben – er wollte wissen, wie ich mich entschieden hätte. Ich sagte, dass ich das Handy mitgenommen und eine Entscheidung erst dann gefällt hätte, wenn der Anruf gekommen wäre. Im Nachhinein war das sicherlich die diplomatischste Entscheidung. Er schien zufrieden.

Das war ohne Zweifel eine der charakteristischsten und einprägsamsten Situationen mit ihm.

Ein paar Jahre später entschied ich mich dazu, ein Jahr meine Arbeit auszusetzen und mir die Zeit für mich zu nehmen. An seinem Geburtstag rief ich ihn an. Da war ich schon sechs Monate weg, hatte angefangen am Theater zu arbeiten und war nach London gezogen. Ich ließ mich treiben und war erfüllter denn je. Wir telefonierten fast eine Stunde. Er saß gerade im Auto und fuhr zum alljährlichen Skiurlaub mit Kollegen. Vor ein paar Jahren war ich auch mal bei einer dieser Reisen dabei. Es ging ausschließlich darum, sich zu betrinken. Als ich dann ohne mich zu verabschieden gegangen war, wurde er wütend. Er fand es respektlos, einfach so zu gehen und den Spaß nicht mitzumachen. Sei’s drum.

Den Anruf zu seinem Geburtstag fand er jedenfalls nicht respektlos und wir redeten darüber, was ich so trieb. Er erzählte mir von seinen Söhnen und dass er jetzt wirklich dabei war, seine Freundin zu verlassen. Fast war es so weit, ganz bald.

Am Ende sagt er zu mir, dass auch wenn nach mir neue Kolleginnen in sein Team gekommen sind, so hat er doch zu keiner eine Beziehung wie zu mir. Er hatte es wohl erst letztens zu seiner Frau gesagt. Mit mir, da ist es besonders. So empfand ich es auch.

Als ich nach meinem Jahr Auszeit zurückkam, bekam ich von meinem Team ein Willkommen und ein Telefonat. Das war schon ok, bis ich ins Büro ging und auf ihn traf. Er freute sich so sehr mich zu sehen, dass er direkt eine Flasche Champagner aufmachte und wir alle anstießen. So sollte man empfangen werden! Ich fühlte mich wertgeschätzt. Danach schlug er vor, dass wir doch einen rauchen sollten. Das schlug er regelmäßig vor. Anscheinend hatte er etwas Gras im Büro gebunkert, konnte jedoch nicht bauen. Da wollte er, dass ich es tat.

Wir rauchten an dem Tag nicht.

Eigentlich haben wir nur einmal zusammen gekifft. Da waren wir auf einem Sommerfest und irgendwann hat jemand einen Joint ausgepackt. Er war sofort zur Stelle. Danach stand er im Dunkeln mit Sonnenbrille und tanzte glücklich und ganz für sich in einer Ecke. Es war ein schöner Abend.

Irgendwann kam wieder einmal eine der vielen Abbauwellen, doch diesmal war es anders. Diesmal war es ernster. Er wurde freundlich gebeten zu gehen und seine Position übernahm jemand, den er damals eingestellt und gefördert hatte.

Es dauerte noch ein paar Monate, bis alle Kündigungen durch waren, aber er hatte keinerlei Motivation mehr. Einmal kam ich morgens ins Büro und er meinte nur „Wir gehen jetzt zum Weißwurstfrühstück und lassen es in ein Mittagessen, Abendessen und danach ein paar Drinks übergehen. Kommst du mit?“ Natürlich war ich dabei. Ich liebte diese Momente und war traurig, dass ich meine Kollegen verlor. Sie wurden alle entlassen. Beim Essen saß ich neben ihm und er erzählte mir, dass ihm das alles sehr zu schaffen machte, er sich aber auch auf neue Möglichkeiten freute. Er sollte Bereichsleiter bei einer anderen Firma werden. Das klang doch gut.

Später erfuhr ich, dass er, wie so oft, nicht die ganze Wahrheit sagte. Es war eine andere Stelle, eine andere Verantwortung, alles deutlich kleiner als gedacht. Aber er lebte dafür, die Dinge so zu sehen. Vermutlich konnte er es in diesem Moment nicht anders.

Nach dem Essen musste ich für ein paar Stunden weg und kam wieder dazu, als schon alle in einer Bar waren. Eigentlich sollte ich zu meinem Freund fahren, aber ich verschob das. Als ich ankam, bestellte er mir direkt ein Bier und zog mich dann in einen Nebenraum, der leer war. Ich hatte ihm beim Essen erzählt, dass ich mich von meinem Freund fast getrennt hätte, weil er gerne Mal zum Koks griff und ich damit nicht umgehen konnte. Wir saßen also in dem Raum und er fing damit an, dass er mir noch ein zwei Sachen sagen wollte. Ich sollte die Dinge nicht so ernst nehmen. Ich nahm seiner Meinung nach alles zu ernst. Ich war gerade einmal 26 Jahre alt und alles stand noch offen. Wenn das mit meinem Freund nicht passte, dann war es so. Ich sollte die Zeit genießen und dann weiter gehen. Es ging nur um den Moment und irgendwann würde ich vor einem Menschen stehen und wüsste einfach, dass es dieser Mensch sei. Genauso hatte er es mit seiner Frau, unabhängig davon, wie ihre Geschichte weiterging. Diesen Moment gab es jedoch und er war überzeugt davon, dass auch ich ihn erleben würde. Vielleicht gehörte diese Ernsthaftigkeit zu meinem Charakter, aber sie war seiner Ansicht nach nicht nötig. Es war alles viel leichter. Ich war in seinen Augen eine Frau mit einer so starken Ausstrahlung geworden, vor allem nach dem Jahr Pause und meiner Arbeit am Theater, durch mein Schreiben, durch all die Schritte, die ich ergriffen hatte. Mein Blick, das war alles, was es brauchte.

Danach fragte er mich noch zu meiner Familie, er kannte meine Probleme. Wir sprachen über die Zukunft, wie es für mich weitergehen sollte. Das war eines der intensivsten und ehrlichsten Gespräche mit ihm und man, bin ich froh, dass ich nicht zu meinem mittlerweile Ex-Freund gefahren und einfach dortgeblieben bin.

Dieses Treffen fand kurz vor Weihnachten statt, wir wünschten uns eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch bei der Verabschiedung. An Silvester habe ich gesehen, dass er meine Story auf Instagram angeschaut hat. Ich hatte ein Foto mit meinem Freund gepostet und mich gefreut, dass er ihn jetzt mal gesehen hatte. Zwei Tage später fing ich wieder an zu arbeiten, schrieb einem Kollegen „Frohes Neues“. Als Antwort bekam ich, ob ich die Neuigkeit schon gehört hatte.

Er war am 01.01 gestorben. Herzinfarkt.

Wie konnte das sein? Ich kannte keinen Menschen, der lebendiger war. Keinen Menschen, der das Leben mehr liebte. Und dann geht der Vollidiot völlig verkatert auf seinen Hometrainer und kippt um. Wie kommt man auf so eine Idee? Diese Willkür machte mich verrückt. Wie konnte ein so junger Mensch, mit gerade einmal 53 Jahren, aus dem Leben gerissen werden. Die Trauer ließ mich monatelang nicht los. Ich schrieb seiner Frau und bekundete mein Beileid. Konnte nicht mehr ins Büro gehen, sein Platz war leer. Ich wusste nicht, wohin mit mir.

Nach und nach kamen mehr Details heraus, was er in seinem Privatleben alles getrieben hatte. Seine Frau bekam sein Zweithandy und konnte alle Nachrichten lesen. Als seine Familie seine Sachen aus dem Büro holen wollte, schmissen seine Kollegen fast alles aus seinem Fach weg. Es waren sogar Fotoalben mit seinen Freundinnen dort drinnen.

Er lebte in seinen Lügen, seinen vielen erdachten Geschichten. Einmal erzählte er einer seiner Affären, dass er nicht zu ihr konnte, weil er in die Ukraine gefahren war, um dort zu helfen. Ein anderes Mal war er in Afrika, um bei Ärzte ohne Grenzen mitzuarbeiten. Als ich das erfuhr, konnte ich nicht anders, ich musste lachen. Das war so absurd, so weit hergeholt.

Aber letzten Endes war genau das er. Er hatte nie genug, wollte mehr Spaß, Energie, Erlebnisse, Gefühle. Und manchmal schien das echte Leben dafür nicht ausreichend. Wenn ich ehrlich bin, verstehe ich ihn. Es braucht viel, um sich sein Leben so zu gestalten, wie man es sich wünscht, unter anderem gehört einiges an Arbeit, aber auch Glück dazu. Und vieles ist einfach die Realität: Monotonie, Stabilität, wie sich langjährige Beziehungen verändern, reifere Gefühle, schwindende Leichtigkeit. Da ist ein Ausbruch aus den Regeln nachvollziehbar, vielleicht sogar das Erschaffen seiner eigenen heilen Welt. Aber hier ging es sicherlich zu weit. So anziehend er auch gewirkt hat, so war er vielleicht doch nur ein Mann mit dem Wunsch nach einem Leben, das er nicht führen konnte.

Auch ein Jahr danach denke ich oft an ihn. Ich hatte mir vorgestellt, wie er auf meiner Hochzeit tanzt. Er hätte sich so für mich gefreut. Es gab schon jetzt unzählige Momente, von denen ich ihm gerne erzählt hätte. Ein paar Monate nach seinem Tod habe ich mir einen kleinen Hund gekauft. Er hätte mich bestimmt geschimpft und gesagt, dass ich meine Freiheit aufgebe und schon wieder viel zu ernst lebe. Aber mit meiner Arbeitsmoral wäre er zufrieden. Gute drei Stunden (von insgesamt acht) am Tag kriege ich hin, danach beschäftige ich mich mit mir selbst. Funktioniert doch. Das hätte ihm gefallen!

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Hallo MaryLev, schön, dass du dich uns anschließt – sei herzlich willkommen! Und dann gibst du uns auch schon einen vertrauensvollen Einblick in dein Tun! Respekt!
Du hast einen schönen, leichten Erzählfluss, unaufgeregt und voller Ideen. Für meinen persönlichen Geschmack ist diese Kurzgeschichte zu zerrissen: Erzählung in Erzählung in Erzählung. Eine Matroschka-Story sozusagen. Immer wenn ich denke, nun kommt die eigentliche Geschichte, der eigentliche Höhepunkt, vergehen Jahre dazwischen, und ein neuer Strang beginnt. Ich habe, ehrlich gesagt, am Schluss den zeitlichen Überblick verloren, und der Höhepunkt gerät (oder eine ‚Moral‘) dafür zu niedrig. Vielleicht kannst du die Erzählung noch komprimieren, damit sie dichter und intensiver wird?

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Ich denke da ähnlich wie @Heather und habe darüber hinaus Ungereimtheiten entdeckt. Ich habe mal einfach alles aufgeschrieben, was mir zu Beginn so aufgefallen ist, hatte aber zugegebenermaßen keine Lust, bis zum Ende zu lesen, weil deine Geschichte von Anfang an vor sich hin plätschert. Für meinen Geschmack passiert nichts Spannendes.

In der Anlage habe ich zumindest den Anfang detailliert dokumentiert. Ich hoffe, das hilft.

MaryLev-Der Unersättliche-sk.pap (11,0 KB)

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Vielen Dank für Eure Feedback, das hilft mir auf jeden Fall. Ich schaue es mir gleich im Detail an

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@Suse Wie öffne ich denn die Datei?

Sorry, ich dachte, du hättest Papyrus, weil das hier ja eine Papyrus-Community ist.
Ich lade es gleich noch mal hoch - als pdf.

Hier ist die versprochene pdf.
MaryLev-Der Unersättliche-sk.pdf (52,0 KB)

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Hi Mary Lev. Herzlich willkommen,
Zu allererst einmal :finde es mutig direkt einen Text einzustellen :+1:
Wenn ich ehrlich bin, liest sich dein Text für mich eher wie eine Aufzählung oder ein Aufsatz, nicht wie eine ausgereifte Kurzgeschichte. Es fehlt irgendwie die Intensität, Stimmung und Dichte…der Schwung.
L.G Tanja

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Hallo @MaryLev ,
Eine Kurzgeschichte ist es nicht. Aber ein prima Plot. (Wie ich finde) Da steckt so viel Potential drin! So viel echtes Leben!
Schreibs auf! Gib deinen Figuren und der Handlung Raum.

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