Fakten und Fiktion

Achtung, das ist eine Laienmeinung!

Der Autor darf das. Warum? Weil er der Autor ist. Er darf lügen, bis sich die Balken biegen.

Zwei Beispiele: Im Film Inglorious Basterds werden am Ende in einem Kino die meisten Nazigrößen gleichzeitig mit dem Führer gegrillt. Hat es so stattgefunden? Nein. Warum hat Tarrantino es trotzdem so geschrieben? Weil er es konnte. Er ist der Autor, er darf das.
Robert Menasse hat in seinem Buch Die Hauptstadt einen EU-Politiker eine wichtige Rede halten lassen. Der Politiker war echt, die Rede nicht. Er hat sie so nie gehalten. Na und? Es ist scheißegal, denn es ist ein Roman und kein Aufsatz in Geschichte. Aber jetzt kommt der Clou: R. Menasse ist dafür gescholten und geschimpft worden, wie er die Rede verfälscht hat. Ein riesiger Kübel Scheiße wurde über ihm ausgeschüttet. Und warum? Weil ein paar beknackte Journalisten zu blöd waren, zu erkennen, dass man im Roman alles schreiben darf, weil es Fiktion ist. Die Welt verbödet.
Dein Roman ist deine persönliche Pippi-Langstrumpf-Welt, du machst sie dir, wie sie dir gefällt. Die üblichen Sachen darfst du nicht, echte Leute beleidigen und ehrabschneidende Lügen verbreiten.

Der Politiker Kohl von der CDU wachte eines morgens auf und beschloss, grüner Kommunist zu werden … (erlaubt)
Der Politiker Kohl von der CDU begehrte von einem auf den anderen nur noch Kinder … (verboten)

tl/dr Du darfst fast alles schreiben.

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Er hat sogar einen Roman zu once upon a time in Hollywood rausgebracht.
Da wird Sharon Tate eben nicht ermordet.

Ein happy end …

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Ja, kann man vielleicht (auch Laienmeinung), muss man aber nicht. Ich halte es eleganter, tatsächliche historische Personen mit feiner Klinge zu umschreiben, wo immer es geht.
In meinem Roman gibt es eine Szene, in der eine reale Politikerin auftritt, die ich nur mit ihrem Vornamen - Johanna - vorstelle. Im letzten Dialog der Szene lüpfe ich ein wenig den Vorhang:

»Wer war diese Frau?«, fragte ich.
»Die neue Jeanne d’Arc«, antwortete Wotawa knapp.
»Ich meine, ihren echten Namen!«
Er nannte ihn mir. Einige Jahre später kannten ihn alle Frauen Österreichs.

In einer anderen kommt ein Richter vor, von dem ich nicht mal den Vornamen nenne, bloß dass dieser der gleiche wie der eines bekannten Schlagersängers sei. Nur wenige Eingeweihte wissen, wen ich hier meinen könnte - den Präsidenten des Jugendgerichtshofes Udo Jesionek. Und das genügt (mir) dann auch schon.

Ich glaube, dass es in letzter Zeit immer schwieriger geworden ist, solche Anspielungen zu bringen. So hat erst kürzlich das Oberlandesgericht Wien den Kabarettisten Florian Scheuba zu 100 Tagessätzen a 70,- € verurteilt, weil er in einer - als Satire gekennzeichneten! - Kolumne dem Direktor des Bundeskriminalamtes folgenschwere Arbeitsverweigerung und rätselhafte Untätigkeit in der Ibiza-Affäre vorgeworfen hatte und dafür sogar nachvollziehbare Indizien angeführt hatte. Ebenso wurde die Tageszeitung „Der Standard“, in der die Kolumne erschien, zu 10.000 € Schadensersatz verurteilt.

Die Zeiten werden härter, Vorsicht scheint geboten. Aber: Nur wer sich rührt spürt seine Fesseln!

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Zur Zeit reagiere ich besonders empfindlich auf solche Mechanismen - von Post und Feed in den Sozialen Netzwerken, das hängt mit meiner Protagonistin in meinem aktuellen Roman zusammen und den damit verbundenen Recherchen zu authentischer vs. inszenierter Kommunikation.
Die ganzen Post kommen mir zur Zeit wie eine Fabrik für vorgefertigte Meinungen. Menschen kopieren erfolgreiche Formate, ohne zu verstehen, was sie da eigentlich von sich geben.
Authentizität ist mir schon wichtig, wenn es nicht eine Fantasy Geschichte ist.

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Ich habe meine Konten bei den „sozialen“ Medien gelöscht.
In diesen Sumpf geht es nur noch um Selbstdarstellung und gegenseitigem Niederschreien.

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Ich hatte noch nie welche. Immer wieder habe ich überlegt, ob ein Konto nicht doch sinnvoll wäre. Wenn ich das hier aber immer alles so lese …

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sehe ich auch so, solange man sich im rechtssicheren Raum bewegt, gibts (meistens) keine Probleme.
Als Autor muss man aber, zumindest bis zu einem gewissen Grad, die Lesermeinung berücksichtigen. ok, wenns einem eh wurscht ist, was die sagen und ob sie mein Buch kaufen oder nicht, kann man die auch getrost ignorieren.
Wenn man aber auf das Publikum als Käufer und Kritiker angewiesen ist, ist man ganz gut beraten, die nicht völlig vor den Kopf zu stoßen.
Dazu gehört, dass man sich in seinem Genre genau auskennen muss, was da reingehört und was nicht, und auch, was die Leser noch tolerieren und wo ihre Grenzen liegen.

Genre-Fans kennen ihr ‚Zeitalter‘ nämlich bis in alle Einzelheiten und merken sofort, wenn z.B. die Hierarchie der Adelstitel in einem viktorianischen Roman durcheinandergeschmissen wurde. Oder wenn ein Segelschiff zu Kolumbus’ Zeiten mit einem Spinnaker aufkreuzt.
Verrückterweise hängen die sich gerne an solchen Kleinigkeiten auf.

Ein gut dokumentiertes, historisches Ereignis einfach umzuschreiben, damit es in die Story passt, ist da weniger ein Problem - solange die Kleinigkeiten drum herum stimmen.

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Jo, binni deppad!!! :face_with_monocle:

So weit bin ich noch nicht - aber nah dran.
War zumindest schon hundert Jahre nicht mehr auf FB … :sunglasses:

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Satire schlägt nicht Persönlichkeitsrechte. Man kann nicht ohne beweise ehrenrührige Tatsachenbehauptungen anstellen und einfach „Satire“ drüber schreiben.

Es sei denn man heißt Böhmermann.

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Ähm. Nee. Der hat ja auch genug Ärger.

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Es ist halt schlecht, wenn man dabei an humorlose Leute gerät. Oder Leute, die Geld brauchen :wink:

@Suse Böhmermann hat wenigstens eine Rechtsabteilung über den Sender. Die wissen schon in etwa, was geht …

Auch da muss ich widersprechen. Hat er nicht Morddrohungen erhalten, damals, irgendwann? Ich habe seine Sendung nie gesehen, nur die Schlagzeilen. Er hatte offenbar massive Probleme.

Die können aus sämtl. Richtungen kommen. Da kann die Rechtsabteilung nur bedingt „helfen“.
Er reizt halt das (erlaubte) Maximum aus. Da kann es schon mal Ärger geben. :crazy_face:

Ja, eben. Das meine ich ja.

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Okay, einverstanden :slight_smile:

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ich bin komplett bei Dir: Das ist Künstlerische Freiheit.

Wahrscheinlich ist tatsächlich das Persönlichkeitsrecht die am engsten gezogene Grenze für die freie Meinungsäußerung.

Im historischen Kontext kann man wahrscheinlich schreiben, was man möchte. Da kann man die Oktoberrevolution rückabwickeln, Cäsar als neunjährigen in der Zisterne ertrinken lassen oder die amerikanischen Ureinwohner Europa entdecken und erobern lassen. Rechtliche wird das keine Folgen haben.

Die Frage ist da eher, was man machen sollte. Oder eben nicht machen sollte. Kleine Ungenauigkeiten nimmt sicher kaum jemand übel. Zumal, wenn sich die Geschichte in politisch/gesellschaftlich unverfänglichem Fahrwasser bewegt.

Wenn aber ein Autor beispielsweise die Geschichte der Vertreibung ostpreußischer Grundbesitzer, die glühende Anhänger der Nazis waren/sind erzählen will, dann begibt er sich auf dünnes Eis. Nicht rechtlich wohlgemerkt, sondern moralisch. Und wenn er dann schludrig mit den historischen Fakten umgeht, kann er sich schnell in einer Ecke wiederfinden, in die er vielleicht nicht wollte.

Grundsätzlich denke ich, kleine Anpassungen der historischen Ereignisse sind durchaus okay. Zumal, wenn sie keine Änderung der Geschichte selbst zur Folge haben.

Alles nur meine persönliche Meinung und keine Rechtsberatung (ich erhebe nicht einmal einen Anspruch auf Richtigkeit).

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Dazu fällt mir eine Notiz ein, die ich vor Jahren gelesen habe: Queen Elizabeth machte die Macher von „Downtown Abbey“ darauf aufmerksam, dass ein Orden, der in der Serie verliehen wurde, erst nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt wurde.

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Da bin ich ja froh, dass die Queen meine Romane nicht mehr liest. Höchstens noch der King.

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