Bei meinem Projekt „Draíocht an domhain - Magie der Welt“ gibt es mehrere Protagonisten (Azariel - einen jungen Elf, Carrick - einen Menschenjungen, Delaya - ein Elfenmädchen und Roderick - ebenfalls einen Menschenjungen).
Wäre es jetzt sinnvoll auktorial zu erzählen, damit man „in die Köpfe“ der einzelnen Figuren hineinschauen kann? (Also aus mehreren Perspektiven schreiben, immer im Wechsel und mit entsprechender Überschrift, damit es den Leser nicht verwirrt). Ich hatte bisher immer nur einen Prota als Hauptfigur, aber bei diesem Projekt sind mir alle vier Protas wichtig, zumal sie alle eine tragende Rolle spielen. Wie würdet ihr vorgehen? Das würde mich interessieren!
Ich finde die Idee mit den Verschiedenen Kapiteln sehr gut! Vorallem wenn das Projekt in der ersten Person singular (ich) verfasst ist.
Ich persöhlich schreibe in der dritten Person singular (er/sie/es) und mache manchmal auch einen Perspektivenwechels mitten im Kapitel. Diese enthalten dann auch oft einen Szenenwechsel (die personen sind ja nicht 24/ zusammen). Ich kenntzeichne dies dann immer mit einer Leeren Zeile.
Auch ich habe vier Protas. Sehr gute Freunde, Blutsgeschwister. Erzählt wird aus einer einzigen Perspektive. Der Gedanke aus mehreren Blickwinkeln zu erzählen, mag auf den ersten Blick reizvoll erscheinen, kann aber auf Dauer für Verwirrung sorgen. Also bei mir. Als Autor. Als Leser sowieso. So nahe an der Schizophrenie wie ich bin.
Ich schreibe aktuell eine dystopische Geschichte um eine Söldnerbande. Diese besteht 5 Personen, aber die Geschichte wird nur aus Sicht einer Protagonistin erzählt. Dadurch daß sie mit jedem Mal alleine unterwegs ist, lernt sie alle Charaktere kennen, ohne, dass der Leser in die jeweils anderen Köpfe gucken kann.
In einer Nebenhandlung gibt es eine Gruppe aus drei Personen, auch hier sieht der Leser die Perspektive aus Sicht einer Person.
Ich wechsel zwischen den zwei Schauplätzen hin und her.
Manchmal gehe ich (einmalig, zweimalig) in den Kopf von Nebencharakteren, um Handlungen auch aus ihrer Perspektive zu gestalten (z.b Widersacher oder Verteidiger) aber nicht zu oft, damit sie nicht zu wichtig werden.
Generell habe ich gute Erfahrungen gemacht nicht in den Köpfen von zu vielen Leuten zu springen. Manchmal ist es spannender, wenn man nicht weiß, was in ihnen vorgeht und es nur angedeutet, oder durch Gespräche offenbart wird.
Ich sehe kein Problem darin, in verschiedene Köpfe zu springen. Viele Bücher sind so aufgebaut. Mein erster Roman war zwar aus der Ich-Perspektive, also durchgehend „mit einem Kopf“ verfasst, aber beim zweiten werde ich Perspektiven-Hopping betreiben. Es hat auch den Vorteil, dass ich über Geschehnisse an verschiedenen Orten berichten kann - oder je nach Szene nur die Gedanken einer Person ehrlich mitteilen, während andere Personen durchaus lügen oder sich verstellen können.
Meine Kapitel sind so aufgebaut, dass es immer zwei Personen sind mit deren Perspektiven.
Also nach der hälfte des Kapitels ließt man die Geschichte aus der Perspektive des anderen weiter.
Meine Kapitel sind recht lang, da kann man sowas machen. Ansonsten eher pro Kapitel ein Wechsel.
Was auch wichtig ist, dass jede Person einen eigenen Stil/Wahrnehmung hat.
Das macht die Geschichte dynamischer und gleichzeitig erfährt man automatisch, wie der Charakter tickt.
Ja, ein auktorialer Erzähler ist eine gute Möglichkeit. Der auktoriale Erzähler weiß, was in jedem Kopf von jeder Person vorgeht, und weiß zusätzlich auch das, was den Personen selbst nicht bewusst ist.
Wenn der auktoriale Erzähler dem Leser zuerst etwas über diese und dann über jene Person erzählt, ist das im Grunde kein Wechsel der Erzählperspektive, verwirrt den Leser nicht und braucht auch keine extra Überschrift.
Hallo Super Girl,
ich würde mir nochmal vergegenwärtigen, ob die 4 Figuren wirklich gleich stark und wichtig sind. Und das mal mit good old Harry Potter vergleichen. Rowling hat unglaublich viele starke Figuren geschaffen - doch die number one ist eben Harry.
Wer in deiner Geschichte ist deine number one?
Wen hattest du zuerst im Kopf?
Mit welcher Figur begann dein Kopfkino?
By the way, ich mache und mag Perspektivwechsel. Aber es bleibt überschaubar und ist definitiv klar, wer gerade erzählt. Hauptsächlich über längere Strecken. Und es gibt mindestens einen wichtigen Grund die Perspektive zu wechseln. Beispiel: Ein Ich Erzähler tritt ab. Er wird wohl selber nicht weitermachen können …
Ich habe so ein Projekt, bei dem ich versucht habe, ständig die Perspektive zu wechseln. Das schreibe ich gerade um. Es nimmt mir zwar die Möglichkeit, die Besonderheiten der Charktere ganz besonders hervorzuheben. Ein paar Formulierungen waren eben schon schön - aus sicht der Figuren. Aber ich hab das Gefühl, dass ich dem selbst als Autor nicht folgen kann.
In meinen anderen Fantasy-Projekt bin ich aus dieser Erfahrung heraus gleich einen anderen Weg gegangen. Einer schreibt quasi eine Art Tagebuchbericht - angereichert mit ein wenig mehr Erfahrungen und Beschreibungen als einem Tagebuch, dass es auch Spaß zu lesen macht. Und alles andere erzählt bei mir ein Historiker, der sich auf Interviews mit den Handelnden bezieht. Dieser Wechsel zwischen zwei Erzählperspektiven funktioniert ganz gut. Denn wenn jemand in der Ich-Form schreibt, ist es der eine. Alles andere ist eben der andere. Vielleicht wäre das ne Anregung.
Wegen der Erzählperspektive: der allwissende Erzähler wirkt auf mich immer etwas distanziert, d.h du kommst dem Erleben der Protagonisten vielleicht nicht Nahe genug. Ich würde den erlebenden personalen Erzähler empfehlen. Dann fühlt, rätselt, liebt und leidet der Leser mit dem jeweiligen Kopf mit.
Perspektivwechsel sind trotzdem möglich.
Ich schreibe gerne aus personaler Perspektive. Auktorial mag ich nicht so. Lies da einfach mal die Unterschiede auktorial / personal durch und schaue, was du magst.
Aber auch bei mehreren Protagonisten kann man gut EINE Perspektive pro Kapitel gut durchziehen. Machen viele erfolgreiche Erzählungen so, wo man mehrere Personen verfolgt.
Man kann ja grundsätzlich alles machen, dir als Leserin wird bestimmt auch alles begegnet sein. Ich lese bspw nicht gerne Bücher in der Ich-Erzählung (manche ziehen das auch bei Wechseln der Perspektiven durch), aber das ist total abhängig von den persönlichen Präferenzen.
Was ich denn auch wieder nicht mag, sind zu viele Protagonisten, weil dann irgendwie der Fluss immer etwas stockt und wenn die Wechsel zu lang gehen, weil man dann schon hibbelig wird, wie es im favorisierten Strang weiter geht… (denn den hat man meist trotzdem)
In meinem aktuellen Projekt wechsle ich immer in der Perspektive zwischen zwei Protagonisten. Da es vor einem historischen Hintergrund spielt, gibt es mir so die Möglichkeit, die Geschichte viel breiter zu erzählen… und der Plot ist halt genau darauf aufgebaut
@SuperGirl, das ist eine ausgezeichnete Frage. Es klingt, als ob dein Projekt eine spannende und vielschichtige Geschichte mit einer starken Gruppendynamik ist. Die Frage nach der Erzählperspektive ist in diesem Fall besonders wichtig, da sie den Ton und die Struktur der Geschichte maßgeblich beeinflusst. Leider haben wir zu wenig Infos, um konkrete Tipps zu geben.
Die auktoriale Perspektive (allwissender Erzähler) bietet dir die Möglichkeit, in die Köpfe aller Figuren zu schauen und ihre Gedanken, Gefühle und Motivationen zu beleuchten. Das ist besonders nützlich, wenn alle vier Protagonisten eine gleichwertige Rolle spielen und du ihre individuellen Perspektiven und Entwicklungen zeigen möchtest. Es erlaubt dir auch, die Dynamik zwischen den Figuren besser darzustellen, da du als Erzähler jederzeit zwischen den Charakteren wechseln kannst.
In den Perry Rhodan -Geschichten wird häufig mit verschiedenen Erzählperspektiven gearbeitet, und die Struktur der Serie erlaubt es, unterschiedliche Figuren in den Fokus zu rücken. Atlan, der Arkonide, ist eine der zentralen Figuren, und seine Zwischenberichte oder Rückblicke sind ein gutes Beispiel dafür, wie multiperspektivisches Erzählen in einer großen, komplexen Geschichte eingesetzt werden kann. Wenn du in deinem Projekt ähnliche Elemente einbauen möchtest, könntest du diese Technik nutzen, um die Welt und die Figuren noch lebendiger zu machen. Wichtig ist, dass solche Berichte gut in die Handlung integriert sind und dem Leser einen Mehrwert bieten, sei es durch neue Informationen, Spannung oder emotionale Tiefe.
Die Dragonlance -Geschichten, insbesondere die Romane von Margaret Weis und Tracy Hickman, sind ein großartiges Beispiel für den Umgang mit multiplen Perspektiven in einer epischen Fantasy-Welt. In der Welt von Krynn tauchen eine große Anzahl von Hauptfiguren auf, die alle wichtige Rollen in der Handlung einnehmen. Die Autoren haben dabei eine sehr geschickte Methode entwickelt, um die verschiedenen Perspektiven zu integrieren, ohne den Leser zu verwirren. Sie nutzen eine personale Erzählperspektive, die zwischen den Figuren wechselt. Dabei wird die Geschichte aus der Sicht einer bestimmten Figur erzählt, aber in der dritten Person. Diese Perspektive wechselt je nach Szene oder Kapitel, sodass der Leser die Ereignisse aus verschiedenen Blickwinkeln erleben kann.
Also, wenn es nach denen geht, dann erzähle die Geschichte immer aus der Sicht der jeweiligen Figur, die in der Szene am meisten im Fokus steht. Wechsle die Perspektive klar strukturiert, z. B. mit Kapiteln, die den Namen der Figur tragen, oder durch Abschnitte, die durch einen klaren Bruch getrennt sind. Nutze die Perspektivwechsel, um die Gedanken, Gefühle und Konflikte der einzelnen Figuren zu beleuchten. Das macht die Charaktere lebendig und gibt dem Leser die Möglichkeit, sich mit allen Protagonisten zu identifizieren. Wie in Dragonlance könntest du die Dynamik innerhalb der Gruppe in den Vordergrund stellen. Die unterschiedlichen Perspektiven könnten zeigen, wie die Figuren einander wahrnehmen und wie sie aufeinander reagieren.
Wenn du eine ähnliche Methode in deinem Projekt verwendest, kannst du die Stärken aller Figuren hervorheben und gleichzeitig eine dynamische, vielschichtige Handlung entwickeln.
Kaum habe ich Absenden gedrückt, fällt mir ein weiteres Beispiel ein, in dem diese Thematik gut gelöst ist!
Stephen Kings Erzählweise in z. B. »The Stand« ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man eine epische Geschichte mit vielen Figuren und Handlungssträngen erzählen kann. Wenn du diese Methode in deinem Projekt anwendest, kannst du eine dynamische und vielschichtige Geschichte schaffen, die den Leser fesselt und ihm die Welt und die Figuren auf spannende Weise näherbringt.
Multiperspektivische Erzählweise: Erzähle die Geschichte aus der Sicht mehrerer Hauptfiguren, die jeweils ihre eigene Perspektive und Stimme haben. Parallele Handlungsstränge: Beginne mit getrennten Handlungssträngen für die verschiedenen Figuren, die sich im Laufe der Geschichte miteinander verweben. Das könnte besonders spannend sein, wenn die Figuren aus unterschiedlichen Regionen oder Kulturen deiner Welt stammen. Charaktertiefe: Nutze die Perspektivwechsel, um die inneren Konflikte und Motivationen deiner Figuren zu beleuchten. Das macht sie für den Leser greifbar und interessant. Spannungsaufbau: Beende Kapitel oder Abschnitte mit Cliffhangern, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Der Leser wird gespannt darauf sein, wie es mit der jeweiligen Figur weitergeht. (Ermöglicht es auch – vielleicht etwas langweiligere – Hintergrundinformationen leicht einzubauen!) Antagonisten-Perspektive: Gib auch den Antagonisten Raum, ihre Sichtweise darzustellen. Das könnte dazu beitragen, sie vielschichtiger und interessanter zu machen.
Die Erzählweise in The Witcher (Andrzej Sapkowski) ist ein Beispiel für den Einsatz von nicht-linearer Erzählstruktur (nicht chronologisch) und zeitlichen Sprüngen, die eine besondere Dynamik in die Geschichte bringen.
Sapkowski nutzt oft Rückblenden, Erzählungen aus der Perspektive von Nebenfiguren oder Geschichten, die in der Vergangenheit spielen, um die Welt und die Figuren zu vertiefen. Die einzelnen Handlungsstränge sind aber durch eine Rahmenhandlung verbunden. Diese Struktur gibt dem Leser Orientierung, während die TV-Serie bewusst darauf verzichtet (und der Zuseher sich nicht auskennen kann, wenn er die Bücher nicht schon kennt)!
@RonW
Was du schreibst, ist auch für mich oder gar allgemein interessant.
Ich würde dir gerne mindestens ein Herz schenken, aber … snief … Ich habe keine mehr.
Muss eh noch herausfinden, wie viele ich in welchem Zeitraum verschenken darf.
Aber hier:
Ich habe mir das halt so gedacht, dass mein erster und wichtigster Hauptprotagonist Azariel selbst nicht alles alleine erlebt und eben auch erzählt wird, was die anderen drei Protas so erleben. Kennen tun sie sich schon aus der Academy. Aber ihre Persönlichkeit wird näher beleuchtet, wenn ich zum Beispiel nach den ersten vier Kapiteln (Azariel als Hauptfigur, personale Erzählung, nicht „Ich“-Erzähler) auch mal eine weitere Person beleuchte (Carrick und seine Funktion in der Geschichte). Dann geht es weiter zur nächsten Person (Delaya) usw. Wie findet ihr das?
And by the way: Danke für die bisher genannten Ansätze!
Ich persönlich führe nochmal Harry Potter an …
Haben wir da keine, mehr als ausreichend guten Bilder, über alle anderen Figuren bekommen? Doch!
Aber: Wenn du eine gute oder schlicht andere Idee hast, probiere sie aus.
Ist deine Idee konkret?
Will fragen, woher kommt die Unsicherheit?
Möglicherweise ahnst du, dass deine Idee kühn ist?
Ich würde sagen: Ausprobieren
Und wenn es nur ein paar Sätze pro Wechsel sind.
Good luck