07:00: Meine innere Uhr ist kaputt. Wieder einmal. Warum hab ich den Wecker gestellt ?.
Ahja - Besuch der Schwiegereltern. Ich habe Kochdienst. Schwiegermutter hat sich Beauf Bourguignon gewünscht. Sie hat es einmal bei uns gegessen. Wir hatte am Vorabend Besuch von Freunden und es war noch was übrig. Tja - das hab ich jetzt davon. Weil ich ein Idiot bin und nicht nein sagen kann, hab ich ja gesagt.
mein Mann schläft noch. Überlege kurz ihn zu wecken. Geteiltes leid und so.
07:15 Unser Hund begrüßt mich schwanzwedelnd und dreht sich winselnd im Kreis, wenn ich ihn nicht kraule. Er gibt Frieden, sobald ich ihn gefüttert habe. Von wem hat er das bloß?
Überlege kurz mit ihm einen Spaziergang zu machen. Blick aus dem Fenster und aufs Thermometer. Begnüge mich mit dem Öffnen der Terassentür.
07:30 kaffee. Ich hab mir etwas mehr als nur Pyjamahosen angezogen. Es ist kühl im Haus.
08:00 Schneide sauteuere Rindsschulter in Würfel. Pfeffer und frischer Thymian kommen in den Mörser. Das Fleisch mit der Gewürzmischung einzureiben hat etwas extrem Sinnliches. Schläft der Kerl noch immer?
Ertränke das ganze in 1 1/2 Liter Burgunder vom Weingut Corton. Vorher muss ich aber kosten. Ein durchaus trinkbarer Wein. Unsinn. Ich will mich selbst darin ertränken. Aber nicht jetzt. Zum Glück haben wir noch ein paar Flaschen.
09:00 Das Fleisch mariniert auf der terrasse fröhlich vor sich hin. Es regnet leicht. Ich sitze an meinem Bürotisch und schaue aus dem Fenster in den Garten. Ich will weiterschreiben. Hänge fest. Keine Formulierung gefällt mir. Die Stimmung, die ich erzeugen will, stellt sich nicht ein.
10:00 Ablenkung tut not . ich schreibe kleine Haikuartige Notizen auf hingeworfene Begriffe. Bei Gallenblase versage ich. Mir fallen nur Diagnosen und therapien dazu ein. „Und die schöne Gallenblase in einer schönen schlanken Vase“ erscheint sogar mir zu schräg zu sein.
10:45 Zwei Arme schlingen sich um mich. Eine dunkle Stimme raunt mir ins Ohr „es ist so kalt und einsam in unserem Bett…“
Das Fleisch kann ruhig länger ziehen. Umso länger, umso besser.
12:30 Ich habe geduscht und stehe vorm Spiegel. In der hand einen Rasierer. Mein Mann beobachtet mich durch den Spiegel. „Willst du das wirklich?“ fragt er. Will ich? Nein. Sollte ich ? Ja! Es wär wirklich an der Zeit. Er fährt mit dem Finger über die Narbe. Noch unter dichtem Bart. „Ich finde, sie macht dich sexy. Verwegen“. Ja. Vielleicht - und sie schwemmt alte Erinnerungen hoch.
13:13 Frisch rasiert stehe ich der Küche. Gieße die Marinade ab und trockne das Fleisch ab. Dann scharf anbraten. Fleisch raus.Tomatenmark rein. Mit Butter die Röstaromen lösen, mit Mehl abbinden und dann mit Marinade, dem restlichen 1/2 Liter Wein und 1/4 liter Cognac ablöschen. Fleisch rein. Buquet Carni dazu. Und jetzt 2 Stunden gaaaaaaaanz leicht köcheln lassen.
14 Uhr Ich sitze wieder am Schreibtisch. Er lehnt am Türrahmen. „Du ziehst das durch?“
„Ja. Stört es dich?“
„Nein. ganz sicher nicht. Du weißt, dass ich hinter dir stehe.“
„Es wird vielleicht auch dich treffen.“
„Was soll es heute noch schaden? Und wer wird das schon lesen.“ er grinst böse.
ich werfe einen Postit Block nach ihm.
„Hilfst du mir?“ ich habe die Frage schon öfter gestellt.
„Das weißt du doch!“