Jetzt ist es passiert. Trotz des wohl großen Erfolgs. Was meint ihr dazu? Wird das eine Ausnahme sein oder werden die meisten Verlage auf die Linie einschwenken? Mich hat die Nachricht zwar gefreut, aber ich schätze, es ist ein Aufbäumen gegen das Unvermeidliche. Die Scheißewelle der KI wird über uns hereinbrechen, auch wenn sich jetzt mal ein(!) Verlag dagegen wehrt. Für die, die keine Links anklicken wollen, können dürfen:
Nach KI-Vorwürfen: Verlag nimmt beliebten Roman aus dem Programm
Prinzipiell begrüße ich das Verlagsstatement! Aber: In dubio pro reo. Dieser Grundsatz sollte generell auch für den Verdacht gelten, dass ein Text ganz oder in großen Teilen von einer KI geschrieben wurde. Wie leicht man unter übereilten, ungerechtfertigten Generalverdacht gerät, haben wir hier kürzlich im Forum in einem Fall miterlebt. Allein dass eine KI eingesetzt wird, um sich selbst zu enttarnen, sollte uns zu denken geben. Die berüchtigten Gedankenstriche oder dergleichen reichen mit Sicherheit nicht aus. Ich nutze sie selber wie jedes andere Satzzeichen auch und bin von Herzen dankbar, dass nicht der Punkt als suspekt eingestuft wurde. Jeder Autor kann sich vorstellen, wie übel es sich anfühlt, fälschlicherweise als KI-Schreiber gebrandmarkt zu werden.
Vorrangig scheint es unabdingbar, den KI-Support zunächst (rechtskräftig) zu definieren und zu konkretisieren, bevor verurteilt wird. An besagter BoD-Umfrage hatte ich übrigens auch teilgenommen, schön, mal vom Ergebnis zu erfahren. Aber Recherche oder Stilanalyse sind in meinen Augen Tools – Werkzeuge! Kein eigenständiges Programm, das selbsttätig nach alleiniger Vorgabe von Prompts einen zusammenhängenden Text zusammenpuzzelt.
Ich glaube „Keine KI verwendet“ wird sich als Label in welcher Form auch immer durchsetzen (Aufkleber, Angabe im Impressum, …). Nicht alle Bücher werden dieses Label haben, nicht alle Leserinnen und Leser darauf wert legen, aber derzeit deutet ja doch einiges darauf hin, dass es der Leserschaft wichtig ist, dass Bücher nicht von der KI geschrieben worden sind. Wie dieses Label definiert wird, was es bedeutet, „keine“ KI zu verwenden, steht dann auf einem anderen Blatt und wird wahrscheinlich verlagsabhängig sein. Ab und an ein Zeichen zu setzen, kann Verlagen da sicher auch nützen. Vertrauen (in einen Verlag, vor allem aber in Autorinnen und Autoren) wird in dem Zusammenhang sicher noch wichtiger werden als ohnehin schon.
Ist ja alles gut und schön. Ich bin auch dagegen, dass Autoren die KI zum Schreiben von Geschichten nutzen…Allerdings zur Recherche, Grammatikprüfung etc. finde ich das vollkommen in Ordnung. Sonst dürftest du ja auch die Dudenprüfung online nicht nutzen etc. Ein Label wäre gut. Wenn es denn ehrlich ist oder wirklich prüfbar.
Wirklich schlimm finde ich jedoch, dass die KI-Detektoren nicht wirklich funktionieren und ein Autor dann beschuldigt wird, ohne wirkliche Grundlage.
Ich wollte damit nicht ausdrücken, wie ich dazu stehe, sondern meine Gedanken zur Entwicklung wiedergeben Beim Loewe-Verlag, der da voranprescht, liest es sich für mich zum Beispiel so, dass dieses Label KI-Nutzung auch im Lektorat und ähnlichem ausschließt. Loewe wird, da sie das als Marketinginstrument nutzen, sicher sehr darauf achten müssen, sich nicht angreifbar zu machen, weil Vertrauen eine wichtige Währung ist. Genauso werden sich Autorinnen und Autoren damit auseinandersetzen und sich positionieren - denn auch bei ihnen ist das eine Frage des Vertrauens.
Aber wie immer gilt: Prognosen sind schwierig, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen.
Und zur Beschuldigung ohne Grundlage: Ja, das sehe ich grundsätzlich genauso, grade weil Vertrauen so wichtig ist. Mir tat das für Nachtfalke leid, weil ich bisher den Eindruck gewonnen habe, dass bei ihm unheimlich viel Herzblut und Können im Text steckt.
Ich überlege seit Monaten, ob ich irgendwo auf meiner Homepage poste, dass meine Texte zu 100% KI-frei sind. Oder ob das eher den Anschein hat, als sagte ein Alkoholiker: „Ich? Natürlich bin ich kein Alkoholiker!“
Ich bin ziemlich sicher, dass sich unterstütztende KI sogut wie nicht nachweisen lässt. Also behauptet morgen jeder, dass er KI frei schreibt
In ihrem Fall ist halt traurig, dass der Lektor KI einsetzte auf eine Weise, dass es erkennbar wurde. Wenn das ein Verlagslektor war, sollte der eigentlich eins auf den Deckel kriegen.
Als Selfpuplisher kann man ja sein Cover gestalten wie man will, man könnte also ein kleines „ki-free“ Label selber in die Ecke setzen.
Vielleicht verzeihen die Leser dann mal einen Rechtschreibfehler
Vermute ich auch. Aufkleber mit Kurzdarstellung „100% menschliche Phantasie“ auf dem Buchdeckel und ein etwas formellerer Disclaimer im Impressum.
Marktforschungsumfragen bei Lesern/ Kunden weisen ja in diese Richtung.
Ich finde das sinnvoll. Ob es geglaubt wird, hängt ja auch vom Gesamteindruck ab. Allerdings gucke ich mir vor dem Kauf von Büchern bisher nie die Autorenhomepage an, einen Verweis auf/ im Buch würde mir mehr helfen.
Du weißt ja, dass ich grundsätzlich nie deiner Meinung bin.
Aber wenn mir das wichtig wäre und für mich persönlich einen Wert darstellen würde - ich würde das nicht nur auf meiner Homepage, sondern auch gleich vone in meinen Büchern einbauen. Vielleicht dort, wo Leute die Widmung hinschreiben.
Ich finde auch nicht, dass das blöd aussehen würde im Sinne von „Natürlich bin ich kein Alkoholiker.“ Mach es doch einfach.
Es wird der Markt regeln. Das heißt, Verlage wie Hachette Book Group werden vom Markt verschwinden.
In ein paar Jahren wird sich ein solcher Artikel lesen wie heute die folgende Überschrift:
Nach Computer-Vorwürfen: Verlag nimmt beliebten Roman aus dem Programm, weil es nicht auf einer Schreibmaschine getippt wurde.
In der Überschrift steht explizit: beliebten Roman. Also kann er ja wohl nicht wirklich schlecht sein. Das heißt, sein Nichtverlegen kommt aus einer dogmatisch‑ideologischen Begründung heraus.
Nachtrag:
1.) Das Buch wird am 7. April vom Publisher: „Run for It“ wieder herausgegeben.
2.) Ich habe mal Publisher Rocket prüfen lassen. Eingeschätzter Umsatz von ca. 2000 Pfund/Monat. Ich wäre zufrieden wenn ich später so viel Geld verdienen würde (Und dass hier ist kein neues Buch).
3.) Ich habe einmal in das Youtube-Video reingeschaut. Dort erregt sich ein pickeliger Bengel mit Nasenring geschlagene 2:40 über das Buch auf. Da sind dann so hochgeistige Kritikpunkte wie:
Ihm gefällt nicht der Prolog (00:09)
Es gibt leere Seiten (01:18). Schlechtes Buchlayout ist wohl eher ein Problem des Verlages.
Es kommt elfmal im Roman vor „Er sagte leise“ vor (01:32)
Sein Beweis ist ein Gefühl, weil ihm der Roman nicht gefallen hat (02:29). Er würde so nicht schreiben.
Er hat einmal einen Artikel in der New York Times gelesen.(02:30)
Er war geschockt, dass es so weinige Schreib- und Grammatikfehler gab. (02:34)
Da nützt auch kein Label „Ich bin kein Alkoholiker“. Bei der nächsten Erkältung brüllt ein Influencer: „Seht die rote Nase!“
Wenn ich mal ein Buch rausbringe (Seufz/Träum), dann wäre mir der Bubi egal, wenn es genug Leser gibt, denen es gefällt.
Nebel breitet sich aus. Mich wundert es nicht, dass wieder irgendwer anderes schuld ist.
Ein Label auf dem Buch, was weder verifiziert noch gesetzlich geregelt ist ist so viel Wert, wie ein halber Knopf im Opferstock.
Das kann sich jeder auf sein Werk pappen, egal was drin ist.
Ich werde zum Schluss vielleicht darauf hinweisen, das die Fehler, man möge mir verzeihen passieren, wenn man den Text händische verfasst hat. Nobody is perfekt.
Wer nicht zuende liest, dem hat es sowieso nicht gefallen.