Dieser Prolog für einen Wissenschaftsthriler geeignet?

Liebe Papyristi,

Ich würde von euch gerne eure Meinung/Kommentare/Kritik zu folgender Fragestellung einholen:
Im Anhang befindet sich das erste Kapitel bzw. der Prolog meines nächsten Buches. Dies ist wieder ein Wissenschaftsthriller.

Das ursprüngliche erste Kapitel, das direkt mit der Protagonistin in die Handlung springt und auch die zentrale Frage aufgreift, ist nun das das zweite Kapitel geworden.

Ich möchte mit diesem neuen vorangestellten Kapitel/Prolog folgendes erreichen:
Die Protagonistin soll kurz eingeführt werden mit charakteristischen Eigenschaften, die sie auszeichnen: Empathie, Mut, Entschlossenheit, eine gewisse Leichtsinnigkeit. Darüber wird einer der Handlungsorte (Berlin-Neukölln) eingeführt. Die Verhaltensweise der Protagonistin wird später unter Bezugnahme auf dieses Kapitel wieder aufgenommen, auch die Katze und der Handlungsort tauchen später wieder auf.

Ansonsten trägt das Kapitel nicht weiter zum Plot bei. Ich habe bei der Abfassung auch die Empfehlungen der Lektorin Annett Geselle auf Linkedin berücksichtigt ((25) Posten | Feed | LinkedIn), auch wenn sich diese primär auf die Romance-Literatur beziehen:

Die ersten Seiten entscheiden: Wie du deine Hauptfigur überzeugend einführst
Der Romananfang ist die kritischste Phase deines Manuskripts – hier entscheiden Leser:innen und Verlage, ob sie weiterlesen. Besonders in der Romance-Literatur muss die emotionale Bindung zur Protagonistin sofort entstehen.
Das zentrale Prinzip: Deine Hauptfigur muss von der ersten Seite an sichtbar handeln, nicht nur reagieren oder beobachten.
Bei Dialogen am Romananfang beachte bitte:

  • Die Protagonistin erhält die aktivere Rolle im Gespräch
  • Sie spricht zuerst oder liefert die prägnanteste Reaktion
  • Vermeide Verwirrung durch unklare Sprecherattributionen

Meine Fragen sind nun:

  • Ist dieses Kapitel als Einstieg/Prolog geeignet, obwohl es zur weiteren Handlung nur bedingt beiträgt?
  • Lernt der Leser die Protagonistin so weit schon kennen, dass er sich mit ihr bzw. mit ihren Handlungen identifizieren kann? Spürt er Empathie?
  • Ist die Protagonistin überzeugend als Figur?
  • Reicht das Kapitel aus, um zum Weiterlesen anzuregen? Es handelt sich schließlich um einen Thriller, aber es wird hier „nur“ eine Katze gerettet. (Für mich als Diener dreier Katzen allerdings ganz wichtig.)
  • Würdet ihr das Kapitel streichen und gleich à la James Bond direkt in die themenbezogene Handlung springen, nach dem Motto „Kill your Darling“ (auf keinen Fall die Katze!)?

Herzlichen Dank im Voraus für euere konstruktiv-kritische Rückmeldungen!
260305 Kapitel 0 v1.5.pdf (181,6 KB)

2 „Gefällt mir“

Hallo Jean,
den Einstieg mit der Katze finde ich gut. Bei mir wäre es ein Hund. Ich komme aber mit der Szene nicht zurecht. Du hast den Weg zur Arbeit beschrieben und in meinem Kopf saß die Frau in einem Bus. Es müsste klarer werden, dass sie zu Fuß unterwegs ist. Auch wird vom kurzen Ampelphasen geschrieben, die könnte sie ja nutzen. Bei mir würde sie entschlossen einen Arm heben und dann in den Verkehr laufen. Manchmal muss man einfach losgehen um anzukommen. Dann kann der LKW bremsen , während sie unbeirrt die Katze fixiert. Das Gespräch mit Fahrer ist gut und die Antwort, dass sie Leben rettet, wenn sie kann, auch. Das würde ihr bei mir Sympathiepunkte bringen, weil ich Tiere mag. Du kennst das ja: Wer nicht liebt Hund und Katz, der liebt auch nicht sein Schatz.

2 „Gefällt mir“

Mich hat es total mitgerissen und ja, das ist kein blabla-Prolog - die verabscheue ich - sondern tolles Show.
Für mich war sofort klar, dass sie zu Fuss läuft, aber die Unklarheit bekommst Du vllt mit Abgasgestank geklärt.
Sind ein paar Wortwiederholungen drin (Damm, Damm)(nur so nebenbei, gehst ja eh noch drüber).

4 „Gefällt mir“

Ich mag Thyra sofort, es zeigt ihren Charakter. Ein paar Kleinigkeiten stören zwar noch, aber die wirst du sicher noch glätten.

BTW: meine Frau ist auch so verrückt. Die würde auch ihr Leben für ein Tier in Gefahr bringen.

1 „Gefällt mir“

Zunächst einmal denke ich, dass dein Thread in der falschen Abteilung gelandet ist. Vielleicht kannst du das noch ändern, damit er besser gefunden wird.

Beim Lesen deines Textes bin ich hin und her gerissen zwischen: gefällt mir - gefällt mir vielleicht nicht.

Warum? Ich glaube, ich finde es zu klischeehaft. Eine Katze wird gerettet. (Vielleicht bin ich aber als Schreibende da anders aufgestellt.) Die Protagonistin wird gut eingeführt, das ja. Aber es ist nichts Neues, Besonderes. Vielleicht kannst du das Gleiche vermitteln und trotzdem eine neue „Aktion“ erfinden. In der Buchhandlung wäre ich schon raus.

Generell die Idee den Prolog so aufzubauen, dass er nicht wirklich mit der Geschichte zusammenhängt
und du einzelne Elemente dann später wiederkehren, finde ich gut. Dein Schreibstil gefällt mir.

1 „Gefällt mir“

Unterhaltsam und konsequent erzählt. Ja, funktioniert, um einen Eindruck zu hinterlassen, um Thyra (toller Name) als Figur sofort zu etablieren. Alles richtig gemacht im Erzählen.

Lachen musste ich bei dem Plot an sich.
Die gerettete Katze. Da bin ich ambivalent.

  1. Ich mag gezielt gesetzte Klischees. Der Held darf eine Bar betreten und die (unweigerlich attraktive) Dame vor dem widerwärtigen Trunkenbold beschützen… oder eine Katze retten.
  2. Eigentlich ist mir das save-the-cat Setting als Autor zu überstrapaziert. Immerhin ist ein ganzes Konzept der Schreibratgeber danach benannt. Die gerettete Katze als Sinnbild der Weltenretterin.

Aber: ja der Einstieg ist gut. Trotz Katze. Wegen Katze.
Die Charaktervorstellung funktioniert - egal für welches Genre.
Die Antwort auf die Frage, ob es so bleiben soll: Ja. Auf keinen Fall. Weiß nicht.

1 „Gefällt mir“

@PeteMuller, @Cato_K , @Koebes , @EffEss, @michel

Wunderbar! I am thrilled!
Herzlichen Dank euch allen für eure anregenden Kommentare! Das, was ich jetzt schreibe, ist meine aufrichtige Meinung (beim Finanzamt sieht das gelegentlich anders aus… Ist jemand beim Finanzamt?)

@Pete: Entschuldigung Pete, aber das war doch ganz klar, dass Thyra am Straßenrand stand!? Oder doch nicht?
Für mich war es sonnenklar, dass sie nicht im Bus saß, sondern am Straßenrand stand, für den Leser (Pete) nicht unbedingt. Typischer Fall von Autoren-Blindheit meinerseits! Meine Lektorin hätte das auch angemerkt. Diesen Punkt werde ich ändern. Merci vielmals!
Dein Kommentar zu den Sympathiepunkten wegen der Rettung von Tieren erinnert mich an eine alte Marketingweisheit für Geschichten in Film, Fernsehen UND Büchern: „Kinder, Tiere und Lahme gehen immer …“ :wink:

@Cato: Der Hinweis mit dem „Abgasgestank“ ist goldwert! Erstens komme ich damit Petes Kritik entgegen, und Gerüche rufen sofort eine Vorstellung beim Leser hervor. (Gerüche müssen durch den „Abgasfilter“ des limbischen Systems und werden sofort emotional bewertet.)

@Kobes: ich freue mich, dass Du Thyra magst! Und die „Kleinigkeiten“ werden noch weggebügelt. Ehrenwort!

@Effes: welchen Thread würdest Du vorschlagen? Ich dacht ich wäre hier richtig…

Bei Deinem Satz „Vielleicht kannst du das Gleiche vermitteln und trotzdem eine neue „Aktion“ erfinden“ komme ich ins Grübeln. Ich will Dich natürlich in der Buchhandlung, respektive beim großen A* festhalten. Hast Du vielleicht eine Idee, die ich schamlos übernehmen kann? Gerne über PN.

Beruhigt bin ich, über Deine Einschätzung: „Generell die Idee den Prolog so aufzubauen, dass er nicht wirklich mit der Geschichte zusammenhängt und du einzelne Elemente dann später wiederkehren, finde ich gut.
Müsste ich allerdings das Kapitel streichen, dann würde auch die Katze, also der LkW … ich meine ja nur. Denkt an @KaePie mit seinen Katzen: Wollt ihr das wirklich? :blush:

@Michel: endlich bin ich in meinem Metier! Eine durch und durch gesunde Schizophrenie: „Die Antwort auf die Frage, ob es so bleiben soll: Ja. Auf keinen Fall. Weiß nicht.“
Mir geht es nicht anders, aber die Katze …darf nicht sterben.

Erst jetzt fällt mir auf, dass hier ein Bezug zu Blake Snyder/Save the cat besteht!! Das Unterbewusstsein ist eine fantastische Sache. Glaubt es oder nicht, daran habe ich beim Schreiben bewusst nicht gedacht. Und Klischee? Finde ich gut! Unmöglich!

Ich könnte ja nachträglich diese Einführung als augenzwinkerndes Zitat verkaufen. Ist es ja auch. Irgendwie. Vielleicht. Oder auch nicht.

2 „Gefällt mir“

Deine Schreibrunde oder Alles übers Schreiben wäre da wohl passend. Du bist jetzt mit deinem Anliegen in der „Technikabteilung“. Egal. Ich meine ja nur. :wink:

Ein Idee :bulb:? Hhm. Die Katze spielt noch eine Rolle…du weißt da natürlich mehr…nur so mal aus der Luft…lass es doch eine Oma mit Rollator sein, die die Straße überqueren muss… keiner lässt sie oder sie findet die Ampel nicht ( Tunnelblick )…Thyra hat alles im Blick…Superwoman…Die Oma ist dankbar…im Rollator hat sie…ein Babykätzchen…

Ich finde das realistisch. Hilflose alte Menschen seh ich jeden Tag. Sie werden leider oft übersehen. Mit zunehmenden Alter wird man immer unsichtbarer. :wink:

1 „Gefällt mir“

Den Bezug auf Save the Cat finde ich klasse. Ich liebe solche Bücher.
Und da die Situation im Zweifel erstmal als Prolog allein da steht und ich Dir als Autor alles Mögliche als Absicht unterstelle - auch, was Du schreibst! - , hättest Du da mein Leserherz soooowas von glücklich gemacht.

1 „Gefällt mir“