Die Wächter der Zeit - Sybilla und das Zepter der Zeit (Band I)

Ich bräuchte mal noch ein paar Meinungen zu Kapitel I des o.g. Projekts. Die Ideen dazu sind mir gekommen, als ich heute bei „Hüter der Erinnerungen“ weitergelesen habe. Ich habe Kapitel I mal in eine Papyrus-Datei gepackt. Ich hoffe, ihr könnt sie lesen. Meine Fragen hierzu lauten:

  1. Kann man sich die „alte Welt“ und die „neue Welt“ gut vorstellen?
  2. Gelingt es mir einige stimmungsvolle Bilder aufzuzeigen, ohne dabei zu viel „Tell“ zu verwenden?
  3. Wie findet ihr meinen Schreibstil?
  4. Was würdet ihr sonst noch verbessern?

Ihr dürft auch gerne „meckern“, wenn etwas nicht passen sollte! Normalerweise kann ich mit Kritik gut umgehen! :smile:

Gruß

Super Girl

Sybilla und das Zepter der Zeit - Band I - Kapitel I.pap (11,3 KB)

Liebes Supergirl!
Gerne würde ich mir das anschauen, allein eine App Datei vermag ich am Handy nicht öffnen.
Wäre es dir möglich den Text als PDF oder Docx Datei zu senden, gern auch über PN. :wink:

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Pap Datei, ich bin ohne Brille so blind, wie ein Maulwurf!

Und, kannst du es nun öffnen?

Nee, ich kann eine pap Datei nur mit Papyrus öffnen und das hab ich nicht auf dem Telefon.
Das Papyrusforum hab ich nicht auf dem Laptop.
Kompliziert, ich weiß :wink:

Hier noch mal das o.g. Kapitel für alle, die es nicht öffnen/lesen können!

Gruß

Super Girl

Kapitel 1 - Gedanken-Zeitsprünge (Der Titel ist noch nicht final)

Etwas Weißes rieselte vom Himmel. Es landete auf der Fensterscheibe, durch die Sybilla ins Innere eines Hauses blickte und bedeckte auch die junge Frau nach und nach mit seinen zarten Flocken.
Sybilla zuckte zusammen, denn so etwas Ungewöhnliches hatte sie nie zuvor gesehen. Sie kannte in ihrer Gemeinde nur graue Wolkenfelder. Nur widerwillig löste sie ihren Blick von der weißen Pracht und wandte sich dem Geschehen in dem Haus zu, das offenbar einer Familie gehörte, denn sie konnte mehrere Personen darin erkennen. Ein Ehepaar mit Haaren, so weiß wie die seltsame Substanz, die vom Himmel herabrieselte, saß auf Stühlen, die bei der kleinsten Bewegung hin- und her schaukelten. Die weißhaarige Frau hatte einen kleinen Jungen auf ihrem Schoß, dem sie behutsam über den Kopf streichelte. Der Mann mit den kurzen weißen Haaren hatte ein kleines Mädchen auf seinem Schoß, das er mit Schwung hochhob und danach gleich wieder herunternahm. Sybilla konnte ihre Neugier nicht zügeln und öffnete das Fenster einen Spalt breit. Ein Geräusch, das sie nicht kannte, hallte ihr entgegen. Es klang fremd und doch wusste sie, dass es durch das kleine Mädchen verursacht wurde.
Sybilla sah außerdem Farben, die sie nie zuvor gesehen hatte. Bunte Kugeln, die an einem großen, grünen Objekt hingen, glitzerten um die Wette. Dann hörte sie eine Stimme sagen: »Vater, übertreib es bitte nicht! Und Mia, sei nicht so wild!«
Eine Frau mittleren Alters war ins Zimmer getreten, die Hände in die Hüften gestemmt. Doch noch bevor sie weiter mit dem alten Mann schimpfen konnte, ertönte ein weiteres Geräusch, das Sybilla nicht kannte. Es klang hell und war zudem sehr laut in ihren Ohren. Sofort verstummten alle Personen im Raum. Der kleine Junge, der offenbar an der Brust seiner Aufpasserin eingeschlafen war, öffnete seine Augen.
»Ho, ho, ho. Hier kommt der Weihnachtsmann!«, ertönte eine tiefe Stimme. Ein Mann in rotem Anzug und mit weißem Bart trat herein. Sybilla traute ihren Augen kaum. Der fremde Mann trug einen Sack auf dem Rücken, den er nun auf den Boden wuchtete. Das Mädchen klatschte in die Hände und stieß erneut dieses für Sybilla fremdartige Geräusch aus. Der Junge hingegen rief: »Dada! Dada!«
Dann teilte der fremde Mann mehrere kleine Päckchen aus, die genauso bunt waren wie die Kugeln an dem grünen Objekt.
Das kleine Mädchen war als Erste vom Schoß seines Aufpassers gekrabbelt und riss das bunte Papier von dem großen Päckchen. Heraus kam eine Puppe in einem Bett, das ebenfalls schaukeln konnte.

Im nächsten Moment verschwamm der Raum vor Sybillas Augen, die bunten Päckchen, das reichlich geschmückte grüne Objekt und sogar die Personen verschwanden aus Sybillas Blickfeld. Nach und nach verblasste dieses Bild, das ungeahnte Gefühle in Sybilla hervorrief. Zurück blieb ein graues Zimmer mit blank polierten Möbeln und einem einzigen Bett. Einzig die blauen Augen, die Sybilla besorgt musterten, hatten etwas Lebendiges an sich.

»Sybilla? Alles in Ordnung? Hattest du wieder einen Gedanken-Zeitsprung?«
»Ich habe Dinge gesehen, die ich nicht kenne. Ich glaube, ich bin mit meinen Gedanken in die Vergangenheit gesprungen. Sehr, sehr weit zurück. Du musst mir einiges erklären, Maurice. Was ist dieses weiße Pulver, was vom Himmel fällt? Was sind die bunten Kugeln, die an diesem grünen Ding hingen? Wer sagt ›Ho, ho, ho?‹ Und was ist das für ein Geräusch, das kleine Kinder machen, wenn sie etwas sehr gerne haben?«
»Das sind aber viele Fragen, Sybilla. Du hast die Welt gesehen, wie sie vor vielen Jahren war. Das weiße Pulver nennt man Schnee, das grüne Ding ist ein Weihnachtsbaum. Die bunten Kugeln sind Weihnachtskugeln. ›Ho, ho, ho‹ macht ein Weihnachtsmann und Kinder lachen, wenn ihnen etwas gefällt. Ich sehe schon, du musst noch viel lernen, meine Liebe!«
»Warum hat man uns so etwas nie an der Schule beigebracht? Also, dass es auch schöne Dinge damals gegeben hat? Bevor dieses Gesetz der Gleichheit eingeführt wurde. Mir ist schon klar, dass es Vorteile haben kann, wenn alle Menschen gleich sind. Das, was ich gesehen habe, ist genau das Gegenteil zu heute. Jeder war verschieden, keiner war gleich. Warum haben die Ältesten das geändert? Es gibt kein Lachen mehr, keinen Christbaum, keinen Weihnachtsmann und nicht mal Schnee!«
Maurice, der deutlich vom Alter gekennzeichnet war, zuckte mit den Schultern. »Ich weiß es nicht, meine Liebe. Ich verstehe, dass du wütend bist. Aber als angehende Wächterin der Zeit musst du lernen, dass sich Dinge im Laufe der Zeit ändern. Ich finde es auch schade, dass es keine Weihnachtsfeste mehr gibt. Warum sie gerade dieses für Kinder wichtige Fest abgeschafft haben, ist selbst mir ein Rätsel. Aber glaube mir, die Ältesten meinen es nur gut mit uns. Sie werden ihre Gründe haben!«
»Ja klar. Ich pfeif auf die Gleichheit. Mein Gedanken-Zeitsprung war schön, sehr schön sogar. Wie kann man so etwas Schönes nur verbieten?«
Sybilla stampfte mit den Füßen auf.
»Bitte beruhige dich. Du solltest dich lieber auf deine Ausbildung konzentrieren. Bald ist dein zweites Ausbildungsjahr und du willst sicher noch mehr von mir lernen, oder? Willst du das alles wirklich wegwerfen, nur für einen Gedanken-Zeitsprung?«
»Natürlich nicht, tut mir leid, Maurice. Es ist nur … seit ich weiß, dass ich diese besondere Gabe habe, mit meinen Gedanken durch die Zeit zu reisen, hat sich mein Leben komplett verändert. Ich weiß selbst, dass mich die Ältesten gerade wegen dieser Gabe zu dir geschickt haben. Aber … ich war mir von Anfang an sicher, dass du als aktueller Wächter der Zeit mehr Verständnis für mich hast. Ich hatte wirklich gehofft, dass du anders bist als die Ältesten. So wie ich. Wir haben beide blaue Augen. Wir können hinter die Fassade dieser Welt blicken. Du weißt von Dingen wie Liebe und Lachen. Wir könnten diese Welt viel schöner machen. Bitte … wirf das nicht weg. Wir waren auch mal Kinder und hatten Träume!«
Sybilla weinte fast, als sie dies aussprach.
»Ach, Sybilla. Glaub mir, ich war auch mal siebzehn, so wie du heute. Ich habe schon viele Gedanken-Zeitsprünge gehabt. Du bist nicht die Einzige mit dieser Gabe. Wer weiß, wie viel Zeit uns noch zusammen bleibt. Ich bin alt und du bist jung. Ich könnte jederzeit … fortgehen.«
»Fortgehen? Du meinst … nach Nirgendwo
Maurice nickte, obwohl ihm diese Vorstellung gar nicht behagte. Es war nicht zu leugnen, er war alt. Fast neunzig Jahre hatte er auf dem Buckel. Beide wussten, dass die Alten eines Tages nicht mehr in der Gemeinschaft leben konnten. Dann mussten sie gehen … nach Nirgendwo. Sybilla rann eine Träne über die Wange. Es war das erste Mal, das sie weinte.

Da Sybilla keine Familie hatte, durfte sie an diesem Abend bei ihrem Mentor Maurice bleiben. Sie hasste es sowieso, ganz alleine in ihrer Wohnstätte zu sein. Ihr war eine kleine Wohneinheit zugewiesen worden, als sie mit ihrer Ausbildung zur Wächterin der Zeit begonnen hatte. Das war nun fast ein Jahr her gewesen.

In einem Punkt hatte Maurice Recht behalten, Sybilla würde bald ins zweite Ausbildungsjahr vorrücken, deswegen musste sie noch einiges lernen, das man als künftige Wächterin der Zeit wissen musste. Der Gedanke, dass ihr Mentor eines Tages nicht mehr für sie da sein konnte, behagte ihr ganz und gar nicht. Deswegen schluckte sie ihren Ärger herunter und entschuldigte sich bei Maurice für ihren Gefühlsausbruch. Doch statt der Standardfloskel ›Ich nehme deine Entschuldigung an!‹ sagte Maurice: »Keine Sorge, ich verstehe dich besser, als du denkst. Mein erster Versuch, einen Gedanken-Zeitsprung mit einer Erinnerung aus der alten Welt zu verknüpfen, hat dieselben Gefühle bei mir hervorgerufen. Du bist schon sehr gut auf der mentalen Ebene, liebe Sybilla. Und eines kannst du mir glauben. Ich bin sehr stolz auf dich!«

Das klingt schonmal sehr vielversprechend.
Das einzige, was mich etwas stört, Sybilla erklärt zu viel.
Für den Leser wichtige Details aber der Mentor kennt diese Dinge ja schon.

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Anbei noch Kapitel 2. Ich bin schon gespannt, was ihr dazu sagt!

Gruß

Super Girl

Kapitel 2 - Das Zepter der Zeit

Sybilla wusste, dass es eine große Ehre in der Gemeinschaft war, zum Wächter der Zeit ernannt zu werden. Es war mehr eine Berufung als ein Beruf und trotzdem wurde sie als Nachfolgerin von Maurice, dem aktuellen Wächter der Zeit, in einer dreijährigen Ausbildung entsprechend unterrichtet. Die Regeln beherrschte sie mittlerweile im Schlaf. Die erste Regel lautete, dass ein Wächter der Zeit mit niemandem außer seinem Nachfolger über seine Tätigkeiten sprechen durfte. Die zweite Regel besagte, dass die Tätigkeiten in der Ausbildung vor allen anderen Aktivitäten Vorrang hatte. Sogar die Pausen- und Arbeitszeiten waren streng geregelt. Exakt um 08:00 Uhr war Ausbildungsbeginn. Um Punkt 12:00 Uhr mussten sich alle Auszubildenden der Gemeinschaft im Speisesaal der Sekundären Lehranstalt einfinden. Dort wurde zuerst geprüft, in welcher Verfassung die Auszubildenden waren. Dann mussten sie ein Protokoll unterschreiben, dass sie fit genug waren, ihre Ausbildung weiter durchzuführen. Es konnten selbst Auszubildende nach Nirgendwo geschickt werden, sollten sie in schlechter Verfassung für ihre Berufsausbildung sein.

Sybilla seufzte leise, als sie im Speisesaal der Sekundären Lehranstalt eintraf und sich, wie alle anderen, in eine lange Schlange einreihte, die sich vor dem Protokollpult gebildet hatte. »Das wird ein langer Tag werden«, dachte sie. »Und noch dazu habe ich schlecht geschlafen.«

Die junge Wächterin zwang sich dazu, einen fitten Eindruck auf die Prüfer zu erwecken, indem sie einen Punkt im Raum fixierte: Die Essensausgabe, an der jeden Tag der gleiche graue Einheitsbrei serviert wurde: eine Pampe, die angeblich aus vielen Nährstoffen und Proteinen bestand. Allein bei dem Gedanken daran zog sich Sybilla der Magen zusammen. Sie hatte nicht sonderlich Lust auf diesen Brei, wusste aber, dass sie nur dann Leistungen erbringen konnte, wenn sie etwas aß.

»Sie haben keine Ahnung«, führte Sybilla ihren Gedankengang weiter, »von Liebe, Lachen und den schönsten Farben der Welt.« Dass sie andere Farben außer Grau sehen konnte, hatte sie der Gemeinschaft verschwiegen. Nur Maurice wusste darüber Bescheid. Das war auch eine Eigenschaft, die nur ein Wächter der Zeit besaß. Für alle anderen Bürger war der Alltag grau. Zeitig aufstehen, um 08:00 Uhr zur Arbeit antreten, um 12:00 Uhr zur alltäglichen Tauglichkeitsprüfung antreten und um 13:45 Uhr weiterarbeiten, bis um 17:30 Uhr endlich Feierabend war. Und das Tag für Tag.

Sybilla warf einen raschen Blick auf die Wanduhr. Sie hatte das Gefühl, dass die Warteschlange vor ihr kein Ende nehmen wollte, und seufzte leise. Nur wenig später erfuhr sie den Grund für die lange Wartezeit. Konstantin, einer ihrer damaligen Mitschüler an der Primären Lehranstalt, behauptete, topfit zu sein, obwohl der Tauglichkeitsprüfer erwiderte: »Du bist nicht fit, Junge. Ich vergebe sieben von zwölf Punkten. Du weißt, was das heißt?« Niedergeschlagen ließ Konstantin den Kopf hängen. »Ich darf heute nicht im Bürgeramt weiterarbeiten?«
»Genau so ist es. Geh nach Hause und schlaf dich ordentlich aus. Das ist eine strikte Anweisung, der du unweigerlich Folge leisten wirst!«

Sybilla schluckte. Was passierte wohl mit ihr, wenn die Tauglichkeitsprüfer merkten, dass sich ihr Gemüt durch ihren letzten Gedanken-Zeitsprung verändert hatte? Würde man sie ihrer Berufung entbinden und nach Nirgendwo schicken? Die junge Wächterin bemerkte, dass ihre Hände leicht zitterten. Angestrengt versuchte sie, ruhig zu bleiben, doch je mehr sie dies erzwingen wollte, desto stärker zitterten ihre Hände. Das bemerkte Andreas, der hinter ihr stand. Er flüsterte: »Sybilla? Was ist los? Du hast doch nicht etwa Schiss vor der heutigen Tauglichkeitsprüfung? Oder?«
Der sommersprossige Junge, den Sybilla heimlich mochte, warf ihr einen fragenden Blick zu.
»Natürlich nicht«, log Sybilla. Sie wusste, dass Ehrlichkeit eine wichtige Regel in der Gemeinschaft war. Aber sie als angehende Wächterin der Zeit durfte lügen, ohne dafür bestraft zu werden. Das war einer der Vorteile, die ihre Tätigkeit mit sich brachte.
»Ich habe schlecht geschlafen, wenn du es genau wissen willst. Aber ich fühle mich definitiv fit für den heutigen Ausbildungstag!«
Obwohl Sybilla flüsterte, blickten sich einige Auszubildende in der Warteschlange neugierig zu ihr um. Jeder wusste, dass Sybilla eine Einzelgängerin war. Auch Konstantin, der sich zum Gehen wandte, drehte sich noch einmal zu den Wartenden um. Ihm war bewusst, dass Sybilla kein leichtes Leben hatte, so ganz ohne Freunde oder Familienangehörige. So fasste er sich ein Herz und rief: »Seht nur, ein unbekanntes Flugobjekt! Der Speisesaal muss sofort evakuiert werden, die Außerirdischen kommen!«
»Das glaubst du doch wohl selbst nicht, Junge. Für diese dreiste Lüge gibt es einen Punkt Abzug!«

Hatte jemand null Punkte oder gar Minuspunkte, wurde derjenige, ohne zu zögern, nach Nirgendwo geschickt. Mit diesem Wissen im Hinterkopf beäugte Sybilla ihren einstigen Mitschüler skeptisch. Wollte Konstantin den Speisesaal räumen lassen, um ihr eine peinliche Befragung zu ersparen? Mochte er sie etwa? Gab es vielleicht doch Hoffnung für diese Welt, was die Liebe betraf?

Sybilla wurde aus ihren Gedanken gerissen, als sie jemand von der Seite packte. Es war Maurice, der wie aus dem Nichts auftauchte. »Sybilla Sekundor kommt mit mir. Sie wird ihr heutiges Mittagsmahl mit mir einnehmen. Keine Diskussion!« Es war mehr ein Befehl als eine Bitte, stellte Sybilla verwundert fest. Froh darüber, sich der Tauglichkeitsprüfung entziehen zu können, stolzierte Sybilla mit erhobenem Haupt hinter ihrem Mentor her. Ein Staunen und Raunen hallte durch den Saal. Es hatte gewisse Vorzüge, eine Wächterin der Zeit zu sein!

»Hast du den anderen Auszubildenden von deinen Gedanken-Zeitsprüngen erzählt?«, wollte Maurice von Sybilla wissen, kaum dass sie das Haus der Zeit betreten hatten, wo Maurice wohnte und arbeitete.
»Natürlich nicht. Wie kommst du darauf?«
»Ich habe geahnt, dass du mit den letzten Gedanken-Zeitsprüngen nicht alleine fertig wirst. In Zukunft musst du das aber, denn ich kann nicht ewig für dich einspringen. Verstehst du jetzt, warum ich isoliert von der Gemeinschaft lebe und arbeite? Niemand muss wissen, dass ein Wächter der Zeit an alten Werten festhält. Im schlimmsten Fall würden sie dich nach Nirgendwo schicken. Die Ältesten haben ihre Vorstellungen von einer funktionierenden Gemeinschaft und wir haben unsere. Du musst lernen, dass es ein Gleichgewicht gibt, das selbst wir Wächter der Zeit einhalten sollten. Das Gleichgewicht zwischen Graubürgern, wie ich die anderen aus der Gemeinschaft hinter ihrem Rücken nenne, und uns, den Farbsehenden. Für die Graubürger gibt es nur die Standardregeln. Für uns, die Farbsehenden, gelten andere Gesetze.«
»Warum dürfen wir diese Welt nicht zum Besseren verändern?«, rutschte es Sybilla heraus. »Warum müssen wir uns der Gemeinschaft fügen? Nur weil sie es uns vorschreibt?«
»Vergiss bitte nicht, Sybilla, auch für dich gelten Regeln. Wenn wir in dieser Welt etwas erreichen wollen, müssen wir das Gleichgewicht bewahren.«
»Wie geht das?« Sybilla war kurz davor, zu weinen.
»Indem wir die Erinnerungen an das Vergangene und an das Künftige in der Gegenwart verbinden.«
Maurice reichte Sybilla ein Taschentuch, um die Tränen zu trocknen, zusätzlich klopfte er ihr auf die Schulter. »Keine Sorge, ich werde dich in die Zeit-Kanalisation einweisen. Das ist sowieso der nächste Schritt in deiner Ausbildung. Dafür brauchen wir allerdings das Zepter der Zeit, ein mächtiges Artefakt. Und nur ich weiß, wo es sich aktuell befindet. Komm mit, ich werde es dir zeigen.«

Bevor sich Maurice mit Sybilla auf den Weg zur Halle der Zeit machen konnte, taumelte sie. Sofort stützte sie der Ältere, damit sie nicht zu Boden krachte.
»Was hast du? Wieder einen Gedanken-Zeitsprung?«
Doch Sybilla antwortete nicht, so gefesselt war sie von dem, was sie nun sah.

»Du bist ja ganz blass um die Nase, Sybilla. Nun erzähl, was hast du gesehen? Ich will dich nicht drängen, aber mein Zeitplan sieht vor …«
»Vergiss deinen Zeitplan, wir haben andere Sorgen. Das Zepter der Zeit wird heute gestohlen werden. Ich werde die Diebe aufhalten. Ich hatte einen Gedanken-Zeitsprung von einem künftigen Ereignis. Drei merkwürdige Männer werden in Kürze hier erscheinen, mit dem Zepter in ihren Händen. Das ist kein Scherz, Maurice. Ich weiß aus den theoretischen Grundlagen in deinem ersten Ausbildungsjahr, dass das Zepter der Zeit sehr mächtig ist. Dieses Wissen hast du mir bereits vermittelt, falls du das vergessen haben solltest. Wir sollten besser sofort handeln, sonst sieht unsere Zukunft nicht gerade rosig aus«, fiel Sybilla ihm lautstark ins Wort.

Im nächsten Augenblick eilten drei Männer in grauen Anzügen um die Ecke. Maurices Assistent Waldemar rief: »Haltet die Diebe!«

Sybilla seufzte. Maurice schlug sich entsetzt eine Hand vor den Mund. Sybilla versprach dem alten Wächter, vorsichtig zu sein. Gleich danach rannte sie, ohne zu zögern, den Männern hinterher. Waldemar rief: »Das Zepter der Zeit ist weg!«

Was weg kann:
in der Gemeinschaft
entsprechend
Ernannt würde ich mit ausgebildet oder ähnlichem austauschen.
Einmal „der Zeit" da würde Wächter reichen.
Trotzdem würde ich mit deswegen, deshalb oder ähnlichen ersetzen.

Die Erste lautete: ein Wächter der Zeit spricht niemals über seine ( Arbeit, Wirken)Diese Geheimnisse teilt er nur mit seinem Nachfolger.

Du hast viele Wortdoppelungen dabei, darauf solltest du achten.

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