Die Realität der deutschen Literaturszene

Interessanter Artikel über die Schwierigkeiten, vom Schreiben zu leben. Selbst als Autor eines „Spiegelbestsellers.“
Klick mich.

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"Selbst als Autor eines „Spiegelbestsellers.“

Das heißt ja nicht, dass man millionenfach Bücher verkauft hat -gerade im Sachbuchbereich reichen da schon ein paar tausend verkaufte Exemplare.

Es wäre tatsächlich interessant, dazu einmal valide Daten zu bekommen. Schriftstellerei war meinem Empfinden nach schon immer ein eher prekärer Beruf und nur ein kleiner Teil der Autoren konnte nennenswerte Einnahmen erzielen - oder gar reich werden.

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„Er plädiert für eine Rückkehr zur Wertschätzung von Kultur durch bewussten Konsum – weg von der Streaming-Mentalität hin zu einer Gesellschaft, „in der sich Kultur halt wieder
rechnet“

Ich würde behaupten, für die im Artikel so bezeichneten Autoren-Influencer rechnet sich Kultur schon. :sweat_smile:

Ich denke, wenn man auf einem Markt bestehen möchte - sei es im Bereich Kultur oder irgendwo anders - muss man sich den Vorlieben einer Gesellschaft anpassen, nicht andersherum. Schön ist das natürlich nicht, aber das war schon immer so.

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Hmm, nun ja, obwohl ich der Aussage des Artikels nicht grundsätzlich widersprechen würde, ist der Beitrag selbst doch ein Beispiel für unseriöse Meinungsmache.

Warum?

Nun, offenbar hat der Journalist ein Interview mit Tobi Katze geführt. Eigentlich würde eine seriöse Berichterstattung jetzt den Originaltext abdrucken. Vielleicht an einigen Stellen gekürzt.

Macht man aber nicht. Stattdessen schreibt man quasi einen Bericht über das Interview und die dort getätigten Aussagen. Das ergibt interessante Möglichkeiten, weil man nun den Bericht über die Aussagen und den Gehalt der Aussagen mischen kann. Soll heißen: wenn ich schreibe, XY hat dies und das gesagt, dann ist dies die Beschreibung einer Tatsache. Die Aussage selbst kann und sollte dann aber Gegenstand einer kritischen Betrachtung sein.

Genau dies macht der Artikel nicht. Im Gegenteil, er mischt „geschickt“ Bericht über und Aussage selbst. So wird aus den Erfahrungen eines einzelnen der unumstößliche Zustand der ganzen Branche hergeleitet.

Hier einige Absatzanfänge in chronologischer Reihenfolge, die deutlich machen, was ich meine:

… , stellt Katze nüchtern fest.

… besonders scharf kritisiert Katze …

Diese Logik entlarvt er …

Das Buch wird zum „Abfallprodukt“ …

Sein Fazit ist bitter realistisch: …

Das Interview mit Tobi Katze zeigt schonungslos auf, …

Während die ersten beiden Zitate noch deutlich machen, dass es um die Meinung des Interviewten geht, übernimmt das dritte Zitat dessen Meinung als Tatsache in den Artikel.

Dass das Buch zum „Abfallprodukt“ wird, scheint dann schon eine unumstößliche Tatsache zu sein. Und am Ende wird dann das Interview zur Aussage des Kronzeugen stilisiert. Kann ja gar nicht anders sein, wenn Tobi Katze das sagt.

Warum reite ich Dan nun so drauf rum, wenn ich doch im Grundsatz dem Artikel gar nicht widersprechen will?

Ganz einfach: weil ich finde, dass wir zu oft solche Artikel lesen, in denen die Meinung eines einzelnen oder einer Gruppe zur Tatsache hochgepusht wird. Es liegt auf der Hand, dass damit vor allem der „hab-ich’s-doch-gewusst“ Reflex bedient wird. Eine sachliche Diskussion wird mindestens erschwert.

Auch in diesem Fall regt der Artikel eben nicht zum nachdenken an. Dann würde er vielleicht erwähnen, dass die Problematik eigentlich nicht besonders neu ist. Soweit ich weiß, hat auch der gute Shakespeare vor allem geschrieben, um sein Theater voll zu kriegen und nicht um die kulturelle Entwicklung der Menschheit mit heheren Versen zu fördern. Vielleicht tue ich ihm damit unrecht, aber zu seiner Zeit gab es - soweit ich weiß - noch nicht einmal ein Copyright. Er konnte also nicht einmal sicher sein, dass nicht im Nachbartheater auch ein Hamlet auftreten würde.

In diesem Sinne scheint mir der Artikel ein wenig zu dramatisch. Natürlich nimmt die Anzahl nur mäßig erfolgreicher Autoren zu, wenn es immer einfacher wird, ein Buch zu veröffentlichen. Und natürlich sind die asozialen Medien in der Lage, Schneeballeffekte zu erzeugen. Ob dies aber die einzige Möglichkeit ist, ein Buch zu vermarkten, bleibt dahingestellt. Dies hinterfragt der Artikel jedenfalls nicht.

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