Die Briefkästen

Jonas hatte sich für diesen Moment ein neues Hemd gekauft. Nicht teuer, aber neu, was bei ihm dasselbe bedeutete. Er war aus der Stadt seiner Jugend weggegangen, hatte sich selbst zur Aufgabe gemacht, ein anderer Mensch zu werden, und kam jetzt zurück, um die letzte Kiste aus dem alten Haus zu holen. Die Schlüssel hatte er noch. Den Mut, sie zu benutzen, eher nicht.

Vor der Briefkastenanlage blieb er stehen wie vor einem Gericht. Sieben Fächer, jedes ein eigenes kleines Verbrechen der Zeit. Das oberste hatte ein Loch, durch das früher offenbar mehr Post gegangen war als durch den eigentlichen Schlitz. Jonas erinnerte sich, wie sein Vater einmal mit einer Kombizange darin herumgestochert hatte, weil der Schlüssel «mal wieder» klemmte. «Mal wieder» war damals seine Lieblingsformulierung für alles, was kaputt war und nie repariert wurde.

Er suchte sein altes Fach. Drittes von oben, das mit dem Schlüsselloch, das aussah wie ein Auge, das zu viel gesehen hatte. Der Schlüssel passte noch. Natürlich passte er noch. Manche Schlösser sind treuer als Menschen.

Drin lag nichts außer einem vergilbten Flyer für eine Pizzeria, die vermutlich seit der Jahrtausendwende nicht mehr existierte. Jonas musste lachen, dieses kurze, überraschte Lachen, das man hat, wenn die Vergangenheit einem keine Drohung entgegenhält, sondern bloß Werbung für Calzone.

Neben ihm, im Fach mit dem blauen Schließzylinder, hatte offenbar schon jemand renoviert. Ein einzelnes modernes Schloss zwischen lauter Rost, wie eine Zahnspange in einem Gebiss, das man besser hätte ziehen lassen. Jonas fand das tröstlich. Selbst hier, in diesem Museum der Verwahrlosung, gab jemand nicht ganz auf.

Er steckte den Flyer ein, nicht aus Sentimentalität, sondern weil er ihn fotografieren wollte, um später behaupten zu können, er sei «mit der Vergangenheit im Reinen». Das Foto würde lügen. Aber das taten diese Briefkästen auch, jeden Tag, wenn sie verkündeten, hier wohne noch jemand.

Als er ging, blieb die dritte Klappe einen Spalt offen stehen. Er drehte sich nicht um, um sie zu schließen. Manche Dinge lässt man besser auf, damit man weiß, dass sie nichts mehr verschließen können.

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Hi,
ich finde die Vergleiche, die angestellt werden, unpassend. Sie lassen mich ratlos zurück.

Es geht eigentlich auch schon gleich verwirrend los. Er kauft sich ein neues Hemd. Im Anschluss daran steht, was es nicht war (nämlich teuer), aber dass es neu war. Das haben neu gekaufte Hemden so an sich.
Er kommt zurück, um eine Kiste aus einem Haus zu holen, das längst nicht mehr - von niemandem, wenn ich es richtig verstehe - bewohnt wird. Ist da wirklich noch irgendeine Kiste in irgendeiner Wohnung, bei der noch die Schlüssel passen?
Er hat keinen Mut, die Schlüssel zu benutzen, warum geht er dann überhaupt hin?

Was soll das bedeuten?

Da entsteht bei mir kein Bild, sondern nur Ratlosigkeit.

Aha. Schlüssel sind also treu, weil sie funktionieren und werden mit Menschen verglichen. Häh?, kann ich persönlich dazu nur sagen.

Dieser Satz ist in meinen Augen völlig sinnfrei.

Was soll das nun wieder?

Habe nun keine Zeit mehr, weil ich zur Arbeit fahren muss, und ich möchte auch nicht schon wieder KI-mäßig rummeckern, aber hier … nun ja.

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Sorry Digitalpaddy, aber muss Suse zustimmen

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macht nicht. ein versuch.

Das liest sich wie ein Bericht, vollkommen frei von Emotion. Aber genau die machen Geschichten aus. Abgesehen vom Sinn der Metaphern sind sie wie Salz und sollte sparsam verwendet werden. Warum lacht er nicht einfach, sondern musste lachen?

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