„Language is a virus from outer space“, schrieb 1962 William S. Burroughs. Laurie Anderson verkürzte das Zitat 1980 zu „Language is a Virus“ und griff in ihrem Song das Thema erneut auf. Dringen Worte wie Viren in unser Gehirn ein? Machen sie uns „lovesick“?
Weitere 20 Jahre später, im Jahr 2001, initiierten Online-Partnerbörsen am 24. Juli den „Tag der virtuellen Liebe“, den „Virtual Love Day“. Paare, die sich über das Internet gefunden hatten, sollten sich nicht länger verschämt gesellschaftlich akzeptiertere „How we met“-Geschichten ausdenken müssen, sondern stolz auf ihr virtuelles „Funken“ sein.
Anlässlich dessen 25. Jahrestags habe ich eine kleine Auswahl deutschsprachiger Romane zusammengestellt, deren Autor:innen sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf unterschiedliche Weise damit beschäftigt haben, wie geschriebene Worte Gefühle im virtuellen Raum entstehen lassen und was sich daraus entwickeln kann.
Vielleicht kennt ihr ja den ein oder anderen?
In der Reihenfolge des Erscheinens:
Gut gegen Nordwind | Daniel Glattauer
Emmi schreibt an einen Zeitschriftenverlag, bei dem sie ein Abo kündigen möchte. Durch einen Tippfehler landet die E-Mail jedoch bei Leo. Er antwortet und aus dem Versehen entwickelt sich eine intensive virtuelle Freundschaft.
Der 2006 erschienene, ausschließlich aus dem E-Mail-Wechsel der beiden bestehende, Roman wurde zu einem Bestseller und erhielt mit „Alle sieben Wellen“ im Jahr 2009 eine Fortsetzung.
Liebe auf den ersten Chat | Barbara Leciejewski
„Wenn wir uns jemals richtig verabreden, dann in Paris, bei Nacht und im Regen.“ Zwei Menschen, die sich im Internet anonym auf Augenhöhe begegnen, ahnen nichts davon, dass im „richtigen“ Leben einer von ihnen über den roten Teppich läuft, während der andere im Fanklub am Rand steht. Verschiedene Welten und die Unmöglichkeiten oder Möglichkeiten der Liebe, das ist der Kern dieses Liebesromans.
Erstveröffentlichung 2016 / Neuveröffentlichung 2020, FeuerWerke-Verlag
Dating-Roman | Isobel Markus
Also bist du eine Frau, die keinen Sport macht", sagt er und führt den Satz nicht weiter aus. „Naja, Yoga und Billard. Und ich gehe auch gern spazieren“, füge ich hinzu.
Lustig, traurig, ernüchternd, nachdenklich, absurd und turbulent erzählt der autofiktionale Roman von der Suche nach Liebe im 21. Jahrhundert, von desillusionierenden Begegnungen und digitalen Hoffnungsräumen.
Mikrotext Verlag, 2024.
Cyberdings wie vom anderen Stern | Liane Louck
„Ich bin schon immer verliebt ins Verliebtsein. Es reicht mir völlig, die Schmetterlinge im Bauch zu fühlen und ein bisschen vor mich hin zu träumen. Für alles andere habe ich zwei gesunde Hände. Ich brauche dringend erstmal wieder so etwas in meinem Leben.“
Doch die 44jährige Leeloo unterschätzt die Macht virtueller Gefühle und natürlich wird es kompliziert. Der zu 70% aus Chat-Dialogen bestehende autofiktionale Debüt-Roman erhielt mit „Das Jahr des Feuer-Affen“ (2025) und „Cheat Stray Love“ (2026) zwei Fortsetzungen.
(Preisaktion! Vom 24.-26.07. sind die E-Books auf je 0,99€ reduziert!)
Suche Mann fürs Leben und andere Katastrophen | Laura Misellie
„Ein paar Klicks, ein paar Matches - wie schwer kann es schon sein?
Stattdessen finde ich: den Mann, der „gerade viel um die Ohren hat“, den, der „nichts Ernstes sucht, aber offen ist“, und den, der „direkt eingeschlafen“ ist - jeden verdammten Abend.“
Mit scharfem Witz und schonungsloser Ehrlichkeit erzählt diese Novelle von der Suche nach echter Verbindung. Sie ist für jede Frau, die jemals gehofft hat, dass dieses eine Match anders ist und hinter dem nächsten Swipe jemand Echtes wartet. (2026)
Am meisten freut mich, dass ich in diesem Beitrag sowohl Verlags- als auch freie Autor:innen vereinen darf. Der ganze Beitrag inkl. Slides zu jedem Roman findet sich auf meinem Instagram Instagram Liane Louck