Der Vampir von Heldenkreis - ein Experiment

Hier nun also mal etwas Text. Ich habe mich mal an einem kurzen Prolog versucht.
Ich freue mich gerne über Feedback, Kritik, Anmerkungen, egal was es ist!

Gruß

Super Girl

Etwas mehr Respekt (Prolog)

»Die Leute von Heldenkreis sind keine Helden. Allein, wie sie ihre Toten behandeln. Verscharren sie in der Erde, wo sie nach und nach in Vergessenheit geraten«, sprach Raimund mit sich selbst. Es war für ihn ein Kinderspiel, über den Zaun zum Friedhof zu klettern. Seiner Meinung nach gebührte den Toten mehr Respekt.

Raimund war der Ansicht, dass es kein Himmelreich für die Verstorbenen gab. Er selbst war nicht besonders gläubig, er glaubte an das, was man mit eigenen Augen sehen konnte. Er war schon als kleiner Junge nicht gerne in die Kirche gegangen. Nur die Friedhöfe hatten ihn seit jeher magisch angezogen, als Zuflucht vor dem strengen, elterlichen Heim. Als Ort der Stille, bevor die ›Alltagshölle‹ wieder losbrach.

»Die Leute von Heldenkreis sind keine Helden«, wiederholte Raimund, mehr als Mantra für sich selbst. Er näherte sich einem Grab, das einem Frederik Baumann gehörte. Dabei ballte er seine linke Hand zur Faust. »Und ich werde für Gerechtigkeit in Heldenkreis sorgen!«

* * *

Lars war erschüttert, als Gerd ihn mitten in der Nacht anrief und etwas von Leichenschändung am Heldenkreiser Friedhof erzählte. Zuvor seien Schüsse gefallen.

»Wer tut so etwas?«, war die Frage, mit der Gerd sein wichtigstes Anliegen Lars gegenüber aussprach.
»Das ist eine sehr gute Frage. Störung der Totenruhe ist kein Kavaliersdelikt«, wusste Lars.
»Wir klären gerade, wie der Täter auf den Friedhof gelangen konnte. Er hat nicht nur die Leichen von Frederik Baumann und Evelyn Weiß ausgegraben, er hat auch noch einen Friedhofsvorsteher ermordet.«
»Frederik Baumann? Ist das nicht der Leiter der Hauptfeuerwache, der erst kürzlich verstorben ist?«
»Genau der. Lars, wir brauchen deine Hilfe als Profiler. Wir stehen vor einem Rätsel und wissen nicht weiter. Es gibt nur zwei Zeugen, einen Spaziergänger, der die ausgebuddelten Leichen gefunden hat, und den Friedhofsdirektor, der als Letzter alle Lichter gelöscht hat. Er schwört bei allem, was ihm heilig ist, dass er niemanden gesehen hat. Der Täter kam und ging wie ein lautloser Schatten.«

Es entstand eine kurze Pause, in der Lars und Gerd schwiegen. Dann erst nahm der Kommissar das Gespräch wieder auf: »Wir haben bereits einen Verdächtigen, einen gewissen Raimund Esper, können ihm aber für den Tatzeitraum nichts nachweisen. Er will zu der genannten Zeit in einer Heldenkreiser Kneipe gewesen sein: ›Bei Charley‹. Kennst du die?«
»Natürlich kenne ich die. Die haben sogar irisches Bier und Whiskey. Den alten Charley habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Vielleicht können wir nach eurem gelösten Fall mal wieder einen trinken gehen«, kam die Antwort von Lars durch den Hörer.
»Aber erst, wenn dieser Verrückte gefasst wird. Du kennst doch meine Kollegin Margot Reichelt. Die wird nicht eher Ruhe geben, bis der Fall gelöst ist.«

Lars seufzte. Er beendete das Telefonat mit seinem Standardsatz: »Versprechen kann ich nichts, aber ich kümmere mich darum.« Dann massierte er sich die Schläfen, wie er es immer tat, wenn er über etwas nachdachte. Er schloss die Augen, um sich besser konzentrieren zu können. Unter Kollegen hatte er den Ruf, einen ›siebten Sinn‹ für die Psyche eines Täters zu haben. Gerade das Kriminelle hatte ihn schon lange fasziniert, weswegen er sich auch vor fünf Jahren zu diesem Profiler-Lehrgang entschlossen hatte.
»Wer bist du?«, fragte er sein nicht vorhandenes Gegenüber, während er sein Telefon anstarrte. Er hatte noch so ein altes, mit Wählscheibe.
»Was geht dir wohl gerade durch den Kopf?«

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