Du hast dein Buch geschrieben und bist bereit, aus dem Schatten zu treten. Allein das stelle ich mir schon als etwas vor, das eine gehörige Portion Mut erfordert.
Die Angst vor ‘negativer’ Kritik oder doofen Kommentaren kann ich total nachempfinden (vor meiner ersten Unterrichtsgestaltung in Pädagogik war mir schlecht, schwindelig, ich hatte Bauchweh im Knie und meine Dozentin war unnachgiebig: “Dirk. Sie werden das richtig gut hinkriegen.” Danke dafür. Nach fünf Minuten war ich im Flow, die Reaktionen der anderen Leute im Kurs wundervoll wertschätzend.
Auch in jüngeren Jahren war es in Gaming- und IT-Communities häufig so, daß Leute unter Pseudonym geschrieben haben. Vor 30 Jahren war der Diskurs in den Foren allerdings auch ein völlig anderer. Es gab Flamewars, Beleidigungen, man hat sich gegenseitig „ignored“. Die Qualität hat sich in den letzten Jahren bedauerlicherweise drastisch verändert. Das hilft einem rational denkenden Menschen, der seine Herzensangelenheit mit anderen Menschen teilen möchte, natürlich ganz und gar nicht. Pseudonyme sind praktisch: Man kann sich hinter einem Alias verstecken und Dampf ablassen. Analog zum Autofahren: Man sitzt, umgeben von Blech, in seinem Gefährt und der „Schleicher“ da vorne/ „Raser“ hinter mir ist in MEIN Territorium eingedrungen. Lichthupe, drohende Faust, Auffahren… klingt das nicht verdächtig nach den selben Trollen in den asozialen Medien, die scheinbar nur auf die Welt gekommen sind, um anderen Menschen den Tag zu vermiesen?
Aus solch einer - deiner - mutigen Handlung nimmst du jedoch eine einmalige Erfahrung mit: Einen Schritt ins Unbekannte gewagt zu haben und zu erleben, daß du selbst diesen Schritt getan hast.
Leute die sich blöd benehmen? Die gabs vor tausend Jahren schon, und wirds auch weiterhin geben. Ich denke, es ist wichtig sich zu erinnern, daß sich ‘soziale’ Angst fast immer auf eine einzige Zeile, in unterschiedlichen Formulierungen, reduzieren läßt: “Ich bin ein/eine Versagerin.” “Ich konnte es anderen nie recht machen.” “Ich bin nicht gut genug.”
Vielleicht hilft es dir, wenn Du deinen Blickwinkel von „was denken andere“ auf „Das bin ich. Meine Geschichte ist bereit, und ich wünsche allen Leserinnen und Lesern die gleiche Freude, die ich beim Schreiben erlebt habe“ veränderst.
Mit einem aufrichtigen „Hut ab vor deiner Leistung, ein Buch bis zur Veröffentlichung zu tragen“:
Du kannst die Wellen nicht stoppen, aber du kannst lernen zu surfen
(Jon Kabat-Zinn)
Herzliche Grüße,
Dirk